Was können wir von Tom ‘durrrr’ Dwan lernen?

PokerStarsSchool | vor 3 Jahren in Poker Theorie und Konzepte

Tom ‘durrrr’ Dwan ist einer der bemerkenswertesten Spieler, die die Pokerwelt jemals zu Gesicht bekommen hat. Sei es online oder live, Dwan hat die Cashgames mit den höchsten Einsätzen der Welt geschlagen, und das gegen einige sensationelle Gegner, wie Phil Ivey, Patrik Antonius und andere. Doch damit nicht genug – er ist dabei auch seinem Stil treu geblieben. Bevor durrrr auf der Bildfläche erschien, sah man nur äußerst selten riesige River Overbets, wahnsinnige Triple Barrel Bluffs oder hauchdünne Value Bets, die heute allesamt gang und gäbe sind.

Dwan steht mittlerweile seit einigen Jahren nicht mehr im Rampenlicht, doch Poker-Fans können noch immer nicht genug von den klassischen Höhepunkten seiner Karriere kriegen, wie solche auf dieser Liste seiner fünf Top-Hände auf:

Wenn du zu den Small Stakes-Spielern gehörst, wird Dwans Spiel dir sicher einige Unterhaltung bieten, doch gleichzeitig kannst du auch eine ganze Menge von ihm lernen. Werfen wir einmal einen Blick auf ein paar der Tricks und Kniffe, die Dwans Taktiken ausmachen und bei denen es sich lohnen könnte, sie selbst einmal bei deinem nächsten Spiel auf PokerStars auszuprobieren.

Setze die Höhe deiner Bets richtig an

Eine von Dwans Stärken ist es, beim Bluffen genau zu wissen, wie viel Druck er zu jedem beliebigen Zeitpunkt auf seine Gegenspieler ausüben muss, um sie zum Folden zu bringen. Es ist allzu leicht, beim Bluffen in die Gewohnheit zu verfallen, immer denselben Betrag auf dem River zu setzen, und zwar ganz unabhängig von der Situation. Für die meisten Spieler wird dieser Betrag bei ca. 50-75% des Pots liegen. Im Großen und Ganzen funktioniert das auch gut. Dennoch gibt es mit Sicherheit Gelegenheiten, bei denen es sinnvoll ist, von der Norm abzuweichen.

Tom Dwan ist sich dessen bewusst und nutzt dies zu seinem Vorteil aus. Das Ergebnis ist, dass er einen Pot nach dem anderen kassiert, Pots, die seine Gegenspieler ihn eigentlich nicht so einfach stehlen lassen sollten. Nehmen wir einmal an, du bist mit einem Draw mit Bets auf dem Flop und dem Turn mitgegangen. Es kommt der River, und du hast deinen Draw verpasst. Dein Gegenspieler checkt, und du bist dir nun ziemlich sicher, dass er eine recht anständige Hand hält – so etwas wie Top Pair mit gutem Kicker – jedoch keine außerordentlich starke Hand. Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass er auf dem River checkt, in der Hoffnung, dass du einen Bluff versuchst, den er dann callen kann, und so die Hand gewinnt.

Das Problem ist, dass eine standardmäßige Bet von 75% des Pots von ihm wohl gecallt werden wird, womit sein Plan aufgehen würde. Würdest du diese Situation wie Tom Dwan spielen, hättest du zwei Möglichkeiten: Checken und aufgeben oder eine riesige Overbet machen, um deinen Gegenspieler mit seiner Hand unter enormen Druck zu setzen. Versuche hier also ruhig eine Overbet von 150% des Pots. Vorausgesetzt, dass deine Schlussfolgerung, dass er nur ein Paar hat, korrekt ist, wirst du ihn so in den meisten Fällen zum Folden bringen. Das obige Video ist ein gutes Beispiel von genau dieser Vorgehensweise von Dwan gegen Bob Safai – und es funktioniert tadellos.

Hier aber ein Wort der Warnung über eine riskante Strategie wie diese: Du musst in der Lage sein, eine ausreichend verlässliche Beurteilung seiner Hand vorzunehmen. Und du musst wissen, dass er in der Lage ist, ein Top Pair niederzulegen. Ist das nicht der Fall, könnte es zu einem teuren vermasselten Bluff führen.

Bring dein Spiel auf Trab

Tom Dwans Image am Pokertisch ist das eines super aggressiven Spielers, der es liebt, zu bluffen. Einer der größten Vorteile dieses Images ist, dass, wenn er tatsächlich eine Hand hat, er es kontinuierlich schafft, maximalen Gewinn aus dieser zu schlagen. Wenn du dir einmal die Videos mit ihm anschaust – insbesondere die beiden Hände um einen Pot von $500.000 gegen Antonius und die um einen von $1.100.000 gegen Ivey – wirst du sehen, dass, wann immer Dwan die Nuts trifft, er sie sehr schnell spielt. So wird er unverzüglich raisen und versuchen, so viel Geld wie möglich in die Mitte zu bekommen.

Im Allgemeinen ist dies die wesentlich bessere Taktik als Slowplay, und das umso mehr, wenn du und dein Gegenspieler deep stacked sind. Wenn du dich für Slowplay entscheidest, gehst du das Risiko ein, dass auf dem Turn und River Karten kommen, die dir alle Action verderben. Schlimmer noch, dein Gegenspieler könnte seinen Draw treffen und auf einmal die bessere Hand haben.

Nehmen wir beispielsweise an, du hast Qd-Td und auf dem Flop kommt 4d-7d-9d. Der Flop könnte nicht viel besser für dich aussehen. Dein Flush Dame hoch ist fast mit Sicherheit die beste Hand im Spiel. Wenn dein Gegenspieler nun viel Stärke zeigt – indem er eine große Bet oder einen Raise macht – solltest du, anstatt die Hand langsam anzugehen, versuchen, jetzt hier alle Chips in die Mitte zu kriegen. Angenommen, er hat ein Set oder Top Two Pair und er foldet nicht, dann bist du der große Favorit und alles Geld liegt im Pot. Wenn du im Gegensatz dazu nur einen Call machst und auf dem Turn die vierte Karo-Karte kommt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass er mit deiner nächsten Bet mitgehen wird. In diesem Fall hättest du dich selbst um eine ganze Menge Value gebracht. Zweitens könnte er eine Hand wie Ad-9c haben, mit der er derzeit noch hinten liegt, jedoch gleichzeitig keine schlechte Gewinnchance gegen deinen gefloppten Flush hat. Dein Gegenspieler könnte bereit sein, mit dieser Hand sein Glück zu probieren. Doch wenn ihr beide den Turn seht, wird er möglicherweise nur dann mehr Geld in den Pot tun, wenn er die Nuts getroffen hat.

Auf den ersten Blick mögen Tom Dwans fortgeschrittene Spielzüge, die ihn so berühmt gemacht haben, über das Repertoire eines gewöhnlichen (und normal sterblichen) Freizeitspielers hinausgehen. Doch bei näherer Betrachtung wirst du sehen, dass Dwans Spielweise, die ihm riesige Gewinne einbringt und ihn zu einem gefürchteten Gegenspieler macht, durchaus ein wenig Inspiration für jedermann – dich eingeschlossen – sein kann.

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