Continuation Betting – Häufiges C-Betting

PokerStarsSchool | vor 3 Wochen in Poker Theorie und Konzepte

Die Theorie hinter Continuation Betting (C-Betting) hat sich im letzten Jahrzehnt drastisch verändert. Vorbei sind die Tage einfacher Mantras wie: “Setz auf dem Flop als anhaltendes Zeichen von Stärke” oder “Raise-Einsätze vor dem Flop repräsentieren den König”.

In dieser vierteiligen Miniserie erhältst du einen Crashkurs in modernem C-Betting. Also vergiss die alten Weisheiten und lerne verstehen, wie häufig und wie hoch du auf dem Flop eine Continuation Bet bringen solltest.

Wann sich häufiges C-Betting lohnt

Häufiges C-Betting bedeutet, dass du mit deiner gesamten Range (oder einem großen Teil davon) C-Bets setzt. Man könnte diese C-Betting-Strategie, bei der du zahlreiche Einsätze ohne Berücksichtigung deiner tatsächlichen Blattstärke abgibst, auch “unselektiv” nennen.

Häufiges C-Betting ist normalerweise dann sinnvoll, wenn unsere Range einen hohen Equity-Vorteil gegenüber der Hand Range unseres Gegners hat.

Die Hauptsituationen, in denen wir üblicherweise den Rangevorteil gegenüber einem Gegner haben, sind:

  • Wenn wir in einem 1-Raise-Pot gegen einen Big Blind-Call raisen.
  • Wenn wir in einem 3-Bet-Pot den dritten Einsatz abgeben.
  • Wenn wir in einem 4-Bet-Pot den vierten Einsatz abgeben.

Beachte, dass die Range unseres Gegners in all diesen Fällen begrenzt ist. In anderen Worten, es gibt ein Limit, wie stark sein Blatt sein kann. Mit einem Premiumblatt hätte er in Fall 1 die 3-Bet gesetzt und in Fall 2 mit den meisten Blättern die 4-Bet. In Fall 3 wäre er vermutlich All-in gegangen (bei Startstacks von 100 BB). Gleichzeitig ist unsere Range unbegrenzt, denn wir können in allen drei Fällen immer noch die besten Blätter vor dem Flop haben.

Gleiche und ungleiche Ranges

Wenn die Range deines Gegners begrenzt ist und ihm der Flop wenig hilft, leidet seine Range immer noch. Vielleicht hat er rund 45% Equity, was in einem Heads-up-Pot ziemlich wenig ist. Das nennen wir eine Situation mit ungleicher Range.

Wenn die Ranges gleich sind, ist die Berechnung ganz einfach. Wenn wir ein Drittel des Pots als C-Bet setzen, riskieren wir eine Einheit, um drei zu gewinnen. Unsere Einheit fließt in den Pot und bildet 25% des neuen Pots (ein Viertel). Das heißt, wenn wir ein Viertel des Pots zurückbekommen, haben wir unsere Chips zurück. Damit wir damit auf Dauer nicht verlieren, müssen 25% unserer Bluffs erfolgreich sein.

Wenn die Ranges gleich sind, kann der Gegner einfach 25% seiner Range folden und schon sind wir mit unseren Bluffs im grünen Bereich. Anders gesagt, er verteidigt rund 75% seiner Range. Das nennt man auch: die Mindestverteidigungshäufigkeit erreichen.

Wenn die Ranges aber ungleich sind, kommt die Mindestverteidigungshäufigkeit nicht hin. Wenn der Gegner jetzt versucht, in 75% der Fälle unsere Drittelpot-Bet zu verteidigen, verliert er langfristig Geld. Weil unsere vollständigen Bluffs keine Verluste machen, erhöhen sich seine Verluste gegen die stärkeren Bereiche unserer Range. Laut Spieltheorie sollte der Gegner an diesen Stellen häufiger folden, als die Mindestverteidigungshäufigkeit nahelegt – nur so kann er seine Verluste begrenzen.

Wenn der Gegner häufiger foldet, als die Mindestverteidigungshäufigkeit nahelegt, sprechen wir von Overfolding. Dieses übermäßige Folden ist kein Fehler – es ist erzwungen. Der Gegner sollte viel folden, wenn seine Range leidet. Hier müssen wir klar unterscheiden: Es gibt erzwungenes Overfolding aufgrund schlechter Ranges und nicht erzwungenes Overfolding (wenn ein Spieler zu tight spielt, weil er das Spiel nicht richtig versteht).

Erzwungenes Overfolding (Bluffen)

Wenn dein Gegner gezwungen ist, so viel zu folden, dass deine Bluffs automatisch profitabel sind, solltest du viel bluffen. Solange du weiterhin Value Bets bei deinen guten Blättern setzt – die Art von Blättern, die seine Range gar nicht umfasst -, zwingst du ihn langfristig, viel zu folden oder Extrageld an deine guten Blätter zu verlieren. Es würde in diesen Fällen keinen Sinn ergeben, deine wertlosen Blätter passiv zu spielen, denn dein Rangevorteil garantiert ihnen viel Fold-Equity. Selbst dein schlechtestes Blatt kann dir Geld einbringen, wenn du damit in Situationen mit großen Rangevorteil auf den Flop setzt.

Wenn du einen großen Rangevorteil hast, ist es bei wertlosen Blättern sinnvoller, zu setzen als zu checken.

Overfolding ausnutzen (Schutzeinsätze)

Denk dran: Wenn deine Range einen großen Equityvorteil aufweist, muss der Gegner häufiger folden, als bei gleichen Ranges mathematisch geboten wäre. Deine Kraut- und Rübenblätter sind nicht die einzigen Pokerblätter, die von der erhöhten Fold-Equity durch die ganzen starken Blätter in deiner Range profitieren. Mittelstarke gefährdete Blätter erhöhen ebenfalls ihren EV, wenn du mit deinen schlechten Blättern, die schnell wertlos werden, setzt und foldest.

Typische Beispiele solcher Blätter sind niedrige und mittlere Paare oder starke As/König hoch. Sie sind keine Value Bets, denn sie werden selten von schwächeren Blättern gecallt. Gleichzeitig sind die Folds, die sie erzwingen, sehr profitabel – denn sie sichern den ganzen Pot von schlechteren Blättern wie Overcards und Gutshots, die ansonsten häufig nichts einbringen, wenn man es drauf ankommen lässt.

Wichtig: Wir gehen nicht davon, dass der Gegner so gute Blätter wie Flush Draws foldet. Diese Blätter haben eine hohe Equity, sodass wir mit einem Einsatz auf ein Paar oder ein As hoch keinen Schutz gegen solche Blätter erwarten dürfen.

Ein Beispiel:

Wir eröffnen Under the Gun in einem 6-max-Cashgame für 2,5 BB und werden vom Big Blind gecallt. Wir sehen Heads-up den Flop: Karo-As, Pik-9, Kreuz-2. Das ist ein typischer Fall mit hohem Rangevorteil für uns. Es gibt zwei Hauptgründe, weshalb unsere Range deutlich mehr Equity als die des Gegners hat.

  • Wir haben mehr der besten Paare wie As-Dame und As-König.
  • Wir haben mehr der zweitstärksten Paarblätter wie KK, DD, BB.
  • Wir haben aufgrund unserer Range deutlich weniger Müll. Der Gegner kann aufgrund der Pot Odds durchaus Startkarten wie Pik-7/Pik-5 oder Pik-Dame/Pik-8 haben. Die eröffnen wir nicht.

Das ist eine tolle Gelegenheit für häufiges Betting. Wenn wir wollten, könnten wir sogar auf alles in unserer Range setzen – auch bekannt als Rangeeinsatz. Hier sind aber drei Beispiele von schwächeren Blättern in unserer Range, die am meisten vom Setzen profitieren.

Bluff – Herz-Dame/Herz-Bube: Hier lohnt sich ein Einsatz, weil das Blatt aufgrund der ungleichen Ranges deutlich mehr Fold-Equity erhält als normal.
Schutz/Bluff – Pik-6/Herz-6: Hier lohnt sich ein Einsatz, weil er viele schlechtere Blätter mit vernünftiger Equity zum Folden bringt – und vielleicht sogar einige stärkere Blätter wie Kreuz-7/Karo-7.
Schutz/Value – Kreuz-10/Pik-10: Hier lohnt sich ein Einsatz, weil das Blatt von schwächeren Blättern (zum Beispiel Neunen) gecallt werden kann und gleichzeitig viele schwächere Blätter mit hoher Equity gegen dein Blatt (z.B. König/Dame) zum Folden bringt.

Zusammenfassung

  • Wer vor dem Flop raist, hat in den meisten Situationen einen Rangevorteil gegenüber einem Call.
  • Der Rangevorteil zwingt unsere Gegner dazu, häufiger zu folden als bei einer gleichen Range.
  • Wir sollten die höhere Fold-Equity ausnutzen und häufig setzen. Damit profitieren viele unserer schwachen Blätter vom Bluffen oder vom Schutz – oder beides.
Wenn du Fragen hast, kannst du diese in den Kommentaren posten oder aber auf unserem Discord-Kanal stellen.

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