8. Gute Entscheidungen – so spielst du den River

In Spin & Go-Turnieren gehen die Chips oftmals schon vor dem River in die Mitte. Dennoch ist das River-Spiel wichtig, denn auf der letzten Straße ist der Pot meist besonders gut gefüllt. In diesem Artikel sehen wir uns zwei Beispielhände an.

Bluff Catcher am River – Beispielhand I

Wir sitzen am Big Blind mit 7♠6♠ und bezahlen vor dem Flop ein Min-Raise vom Button. Unser Gegner feuert am Flop und Turn zwei weitere Bets ab. Auf dem River liegt K♠4♠4♥7♥2♣ und der Pot ist mit 300 in Chips gefüllt. Wir haben noch 300 in unserem Stack und der Gegner setzt uns all-in.

Es gibt zwei Möglichkeiten diese Situation zu analysieren. Zum einen gibt es die Theorie, wie wir gegen einen Spieler mit einer „Balanced Range” vorgehen. In diesem Fall müssen wir überlegen, ob unser Bluff Catcher im Schnitt gut genug ist.

Zum anderen müssen wir uns überlegen, welche Entscheidung praktikabler ist, wenn wir annehmen, dass der Gegner keine ausgewogene Hand-Range spielt. Sehen wir uns beide Methoden genauer an.

Theoretischer Ansatz

Wenn wir mit einem Bluff Catcher bezahlen, geht es dabei nicht darum, dass wir glauben er blufft zu oft (over bluffing). Vielmehr verteidigen wir mit einem Teil unserer Range, so dass unser Gegner nicht profitabel bluffen kann.

In dem oben beschriebenen Szenario riskiert unser Gegner 300 in Chips, um 300 zu gewinnen. Demnach muss er in mindestens 50% der Fälle erfolgreich bluffen. Darum sollten wir mit 50% unserer Range callen.

Nun stellt sich jedoch die Frage, was unsere Top 50% Range für diese Situation ist. Hier geht es um das Thema „Card Removal”, beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit, welche Kombinationen unser Gegner halten kann.

Wir halten zwei Spade (Pik), also gibt es weniger Chancen, dass unser Gegner einen verpassten Flush Draw hält. Ähnlich wäre es, wenn wir zwei Heart (Herz) halten würden. Diese Karten sind „negative Blocker” und somit Bluff Catcher mit niedrigerem Erwartungswert (EV).

Auf der anderen Seite gibt es auch die regulären Blocker. Würden wir A, Q, J oder T halten – also Karten, die ein Gegner oft mit einem K spielt und für Value setzen würde – hätten wir einen höheren Erwartungswert. Ein idealer Bluff Catcher wäre beispielsweise A♣7♣.

Mit 7♠6♠ blockieren wir lediglich K7 und 77 und nehmen dem Gegner Outs, einen Flush Draw zu halten. In einer Situation gegen einen Spieler, der eine ausbalancierte Range spielt, ist es unter dem Strich ein Fold.

Praktischer Ansatz

Der Ansatz nach Spieltheorie ist wichtig. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass viele Gegner ohne das Konzept von Ranges spielen. Vor allem auf den niedrigen Limits callen die Spieler zu viel, was zur Folge hat, dass Bluffs nicht rentabel und seltener sind.

Sollten wir keinen Read auf den Gegner besitzen und nicht wissen, dass er im Stande ist mit Luft – also einem reinen Bluff – am River all-in geht, dann ist 7♠6♠ ein klarer Fold.

Scare Card am River – Beispielhand II

Wir sind am Small Blind mit 9♣6♣, der Button wirft weg und am Big Blind sitzt ein typischer Freizeitspieler. Viel zu passiv, der lieber checkt und callt, als setzt und erhöht. Wir füllen auf (Limp) und wie zu erwarten checkt unser Gegner.

Der Flop kommt mit Q♦10♠9♥. Unsere Hand ist theoretisch gesehen ein klarer Check/Call, doch gegen einen extrem passiven Spieler, der zu oft bezahlt, haben wir mit unserem Paar sogar etwas Value, so dass eine Bet ebenfalls denkbar ist.

Wir checken und unser Gegner spielt mit einer Min-Bet (Hälfte des Pots) an. Die Situation hat sich deutlich geändert. Wir liegen hier fast sicher hinten. Allerdings bekommen wir gute Odds und haben gegen einen passiven Spieler Equity, da wir bezahlt werden, wenn wir am Turn eine weitere 9 oder eine 6 treffen.

Der Turn bringt die 9♠ und wir spielen direkt an (60 in einen Pot mit 80). Der River bringt einen Buben. Diese Scare-Card ist ein Problem, denn auf Q♦10♠9♥9♠J♣ hat die Range des Gegners oft eine Straße getroffen.

Dennoch sollten wir nicht checken, denn ein theoretischer Ansatz ist nicht gut genug. Wir haben einige Reads auf den Gegner, so dass ein praktischer Ansatz besser ist. Die beste Option ist daher eine kleine Block-Bet. Der Pot liegt bei 200, also sind 50 eine gute Wahl. Ein passiver Gegner wird oft genug mit Paaren und Two Pairs bezahlen und fast niemals ohne einen König erhöhen.

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