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Main Event Turnierstrategie – Chris Moneymaker im Interview
In 2003 wurde Chris Moneymaker über Nacht zum Superstar der Poker-Szene. Mittels eines $45-Satellites auf PokerStars spielte er sich in das $10.000 Main Event der World Series of Poker 2003 und schnappte sich dort den Sieg und $2.500.000 Preisgeld.

Doch damit nicht genug. Der US-Amerikaner löste den Online-Poker Boom aus, was heute noch als „Moneymaker Effekt" bezeichnet wird. Poker war nun nicht nur im TV allgegenwärtig präsent, sondern wurde eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Wir haben uns das Mitglied des Team PokerStars Pro zum Interview geholt.

PokerStars School: Gehen wir zurück ins Jahr 2003. Wie hast du dich gefühlt, nachdem du das $10.000 Buy-in für den WSOP Main Event gewonnen hattest? Ich denke, für die meisten Spieler ist das allein schon ein riesiger Erfolg. Das muss ein aufregender Moment gewesen sein?

Chris Moneymaker: Ich war super aufgeregt, habe alle möglichen Bekannten angerufen und ihnen erzählt, dass ich bei der World Series of Poker dabei bin. Die meisten antworteten: „Was ist das?". Ich würde es aktuell damit vergleichen, einen Platinum Pass zu gewinnen. Ich habe mich einfach auf ein Abenteuer gefreut und hätte nie gedacht zu gewinnen.

PokerStars School: Als du realisiert hattest, dass du das größte Pokerturnier des Jahres spielst, gegen die besten Spieler der Welt um riesige Preisgelder, wie hast du begonnen, dich auf das Turnier vorzubereiten?

Chris Moneymaker: Sich 2003 auf ein Turnier vorzubereiten, ist mit heute nicht zu vergleichen. Es standen längst nicht so viele Ressourcen zum lernen zur Verfügung. Mein Kumpel hat mir eine Sonnenbrille besorgt, ich bin vier Tage früher angereist, einfach um etwas Praxis zu bekommen, denn ich hatte vorher noch nie live gespielt. Ich wollte sehen, ob Spieler mich lesen können oder ob ich sie lesen kann.

PokerStars School: Der große Tag ist endlich da, du nimmst deinen Platz im Main Event ein und bekommst die erste Hand gedealt. Wie fühlst du dich in dieser Situation?

Chris Moneymaker: Bei der ersten Hand war ich extrem nervös. Ich hatte zu Beginn das Gefühl ich hyperventiliere. Für die ersten drei Stunden war ich ein reines Nervenbündel, ich habe in den ersten 30 Minuten keine Hand gespielt, bis ich Könige gedealt bekam.

PokerStars School: Wie viele Stunden hats du pro Tag Poker gespielt? Was es schwer so lange Zeit zu spielen?

Chris Moneymaker: Die Pokertage waren damals viel länger als heutzutage. Wir fingen mittags an und es ging bis 1 Uhr nachts, manchmal bis 4 Uhr morgens. Sie mussten bestimmte Zahlen erreichen, also wurde gespielt bis die Zahlen erreicht waren. Ich war 27 Jahre alt, daher war meine Ausdauer viel besser als heute. Eine Mischung aus Wasser und Energy Drinks half auch.

PokerStars School: Den zweiten Spieltag zu erreichen, muss ich großartig angefühlt haben. Wie sah deine Pokerstrategie für die mittleren Levels des Turniers aus?

Chris Moneymaker: Meine Strategie für jeden Tag bis hin zu Tag 5 war durch den Tag zu kommen, einfach zu überleben, so wenig Hände wie möglich zu spielen. Ich sagte den Vertretern von PokerStars immer wieder, dass ich mich einfach ins Geld folden kann und das war mein Plan.


PokerStars School: Was hast nach dem Ende eines Spieltags gemacht, um zu entspannen und vom Turnier abzuschalten?

Chris Moneymaker: Ich habe auf den Seatdraw für den nächsten Tag gewartet, der kam in der Regel gegen 1 Uhr nachts. Sobald der Seatdraw da war, bin ich $1/$2 No-Limit spielen gegangen, habe Dan Goldman gesucht, um mir zu sagen, wer an meinem Tisch gut ist. Er kannte damals die meisten Spieler. Dadurch hatte ich immer einen guten Eindruck der Spieler an meinem Tisch.

PokerStars School: Als sich die Moneybubble näherte, musstest du die Payouts im Kopf haben. Hast du dich angepasst, um ins Geld zu kommen?

Chris Moneymaker: Normalerweise wäre das eine Situation, in der ich tighter und nervös werde. Aber ich hatte im Gegensatz zu allen anderen Spielern an meinem Tisch einen richtig großen Stack. Also habe ich etwas gemacht, was heute populär ist, damals aber ziemlich ungewöhnlich war. Ich habe die Bubble ausgenutzt, um Plays zu machen. Leute dazu bringen ihre Hand zu folden, Leute zu raisen.

PokerStars School: Gab es irgendwelche Keyhands auf dem Weg zum Finaltsich, die aus deiner Sicht herausstechen?

Chris Moneymaker: Die größte Keyhand für mich war Ah5h, die ich aus mittlerer Position geraist hatte. Ich habe jede suited Ace gespielt, der Spieler im Big Blind callte und der Flop kam 9T7 und er checkte. Ich checkte, er spielte die 6 am Turn für 15K an, ich machte daraus 30K, er 45K, ich erhöhte auf 145K, er callte. Ich hatte keinen Heartdraw, nur ein Ace. Am River fiel dann eine Queen, die eine Straight möglich machte. Er checkte, ich ging für 400K All-in, er hatte noch 200K left und ließ die Hand gehen.
Ich habe auch eine Hand gegen Scotty Nguyen gespielt, in der er aus mittlerer Position raiste, ich mit KJ die 3-Bet spielte. Er machte den Call, der Flop kam Queen-high und ich checkte. Er spielte an, ich check-raiste und er foldete. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich, wer Scotty Nguyen war, daher war es ein großer Pot für mich.

PokerStars School: Johnny Chan auf dem Weg zum Finaltsich aus dem Turnier zu nehmen muss ebenfalls großartig angefühlt haben. Hat das dein Spiel beeinflusst?

Chris Moneymaker: Johnny Chan rauszunehmen hat mir Selbstvertrauen gegeben. Ich wusste am dritten Tag, das er der perfekte Pokerspieler ist. Als er zwei Plätze links von mir saß, war es einfach eine Alptraumsituation. Er hat mich am zweiten Tag ganz schon herumgeschubst, ihn auszuknocken war daher es ein großer Schub für den weiteren Turnierverlauf. Wenn ich es mit Johnny Chan aufnehmen kann, kann ich es mit jedem anderen Spieler in diesem Turnier aufnehmen.

PokerStars School: Du bist mit 2.344.000 (27,9 %) als Chipleader an den Finaltisch gekommen, das muss noch mal ein richtiger Booster für dein Selbstvertrauen gewesen sein?

Chris Moneymaker: Ich habe meinem Vater in der Nacht vor dem Final Table gesagt, dass im Heads-up auf Amir Vahedi oder Sam Farha treffen werde, wer auch immer den Flip zwischen den beiden gewinnt. Beide saßen auf rund 900K Chips und ich hatte 2 Millionen. Ich hatte das Gefühl, dass die Typen die aktivsten Spieler sein werden, dass sie einige Spieler eliminieren, einen großen Flip haben und ich spiele gegen den der übrig bleibt heads-up. Es ist dann auch zu diesem Flip gekommen, nur das ich zuvor den Großteil der Spieler vom Tisch genommen hatte.

PokerStars School: Warst du bei dem ein oder anderem Spieler am Finaltisch ängstlich? Gab es jemanden gegen den du größere Konfrontationen vermeiden wolltest?

Chris Moneymaker: Ich kannte am Finaltisch keinen Spieler außer Dan Harrington. Aber er zählte zu den tighteren Spielern am Tisch, sodass er mich nie in schwierige Situationen gebracht oder mein Leben schwer gemacht hat. Ich spielte gegen ihn an Tag 1, wusste also schon ein wenig über sein Spiel.

PokerStars School: Mit welcher Strategie bist du an den Finaltisch gegangen?

Chris Moneymaker: Die Strategie, die ich mir zurechtgelegt hatte, hatte mit dem Verlauf nur wenig zu tun. Ich wollte mich zurücklehnen und einfach darauf warten, dass sich die anderen Spieler gegenseitig vom Tisch nehmen. Auf Hände warten und die Preissprünge mitnehmen. Aber es lief dann so, dass ich Hände bekam und begann Spieler vom Tisch zu nehmen. Und der Lauf hielt an, ich bekam weiter gute Hände und nahm weitere Spieler vom Tisch.
Wir waren dann runter auf drei Spieler und ich habe einfach auf Hyper-Turbo-Aggressive-Poker umgestellt. Ich weiß nicht was mich geritten hat, aber ich habe verrückt gespielt und angefangen jede einzelne Hand zu raisen und zu 3-betten.
Sam und Dan waren beide super müde und daraus konnte ich Kapital schlagen.

PokerStars School: Gab es Keyhands am Finaltisch bevor ihr nur noch zu dritt wart?

Chris Moneymaker: Die Hand mit Jason Lester. Ich raiste QJ, callte seine 3-Bet und floppte gegen AQ die Nuts. IN einer anderen Hand raiste ich A2, ein paar Spieler callten, ehe Tomer Benvenisti mit TJ All-in stellte. Es war ein ziemlich großer Shove für gut 20 Big Blinds, aber ich callte und gewann. Damals war so ein Call ziemlich schräg, heutzutage ist das nicht mehr so ungewöhnlich.


PokerStars School: Zu dritt hattest du dann zwei harte Gegner, Dan Harrington und Sam Farha. Wie sicher warst du dir, dass du es ins Heads-Up schaffst?

Chris Moneymaker: Ja, ich hatte zwei harte Gegner, aber keiner von beiden hat richtig großen Druck auf mich ausgeübt. Sam schien sich seine Zeit zu nehmen und hielt nicht wirklich dagegen, beide waren müde. Also habe ich rund 90 % der Hände geraist und meine Führung ausgebaut. Ich war ‚In The Zone', hatte vor nichts und niemanden Angst.

PokerStars School: Wie lange dauerte das Heads-Up-Battle gegen Sam Farha? An welche wichtigen Hände erinnerst du dich?

Chris Moneymaker: Das Battle dauerte gut 24 Hände, ich wusste es würde nicht lange dauern. Wir diskutierten einen Deal, aber Sam dachte er würde mehr Geld verdienen aufgrund seiner Erfahrung. Das sagte mir, dass er die Pots kleinhalten wird, also habe ich den Druck auf ihn erhöht. Die einzigen Keyhands waren die, die man auch im TV sehen konnte, als ich ihn einmal mit King-high bluffte und schließlich mit dem Full House gewann.

PokerStars School: In der finalen Hand hast du mit 5d 4c auf Js 5s 4c Twopair gefloppt. Du warst 76-prozentiger Favorit hast insta gecallt, nachdem Farha gegen dein Flop-Raise All-in gestellt hatte. Wie hat sich das angefühlt, als Farha seine Hand zeigte und du kurz davor standst den Main Event zu gewinnen?

Chris Moneymaker: Eine Hand vorher hatte ich Sam geblufft, ich wusste er war auf Tilt und in der Sekunde, als er All-in sagte, wusste ich habe ihn, ich wusste er war tot. Zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere wusste ich gar nicht was ein Badbeat ist, ich musste nie einen Badbeat einstecken. Es waren 76 Prozent, aber in meinen Augen waren es 100 Prozent. Ich konnte diese Hand niemals verlieren.

PokerStars School: Nach dem Sieg und den Interviews, wie hast du an diesem Abend gefeiert?

Chris Moneymaker: Nach den Interviews und alldem, habe ich meine Freunde, alle Dealer und wer sonst noch Lust hatte mit in einem Club genommen. Am Ende habe ich $25K ausgegeben, hatte aber nur $15K dabei. Ein Freund aus der Gruppe, gab mir dann die Nummer von Huck Seed. Ich kannte ihn bis dahin nicht, aber er lieh mir die $10K um meine Schulden im Club zu begleichen.



PokerStars School: Es besteht kein Zweifel, dass du mit deinem Sieg beim Main Event viele neue Spieler inspiriert hast. Daraus entstand ein echter Pokerboom aka ‚The Moneymaker Effect'. Wie fühlt es sich an so einen großen Einfluss auf Poker zu haben?

Chris Moneymaker: Offensichtlich ist der Moneymaker-Effekt eine Sache, die mich sehr demütig werden lässt. Ich habe eine Bewegung gestartet und etwas geschaffen, dass über Jahre Bestand hatte und auch heute noch hat. Das zu sehen und die Bezeichnung Moneymaker-Effekt in Büchern und Artikeln zu lesen, macht mich demütig. Wir haben gerade einen Podcast rausgebracht, wir arbeiten möglicherweise an einem Film, und all das ist für mich surreal. Es verblüfft mich einfach, dass, wenn ich einen Pokerraum betrete, die Leute nach 15 Jahren immer noch so reagieren, wie damals als ich gewonnen habe.

PokerStars School: Was ist aus der berühmten Sonnenbrille vom WSOP Main Event geworden? Wird die jemals wieder am grünen Filz auftauchen?

Chris Moneymaker: Lou Diamond, der bereits am ersten Tag auf mich als Sieger gesetzt hatte, kam mit in den Club zum Feiern und ging schließlich mit der Sonnenbrille nach Hause. Er rief mich am nächsten Tag an, sagte: „Ich habe deine Brille". Ich meinte nur: „Behalt sie einfach, Kumpel." Ich bin mir nicht sicher, ob sie jemals wieder auftauchen wird, es ist schon so lange her. Ich habe noch ein paar andere coole Erinnerungsstücke, aber nicht die Sonnenbrille.
 
Welche Strategie wuerdest du fuer ein High Stakes-Turnier verfolgen? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

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