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Die Zukunft von Poker – Daniel Negreanu exklusiv (Teil 2)
Im zweiten Teil dieses exklusiven Interviews verrät Daniel Negreanu, wer seine härtesten Gegner sind, wie er sein Spiel anpassen musste, und wie die PSPC seiner Meinung nach ausgehen wird. Du hast Teil 1 unseres exklusiven Interviews mit Daniel Negreanu verpasst? Dann lies ihn jetzt hier!

Lange Zeit hat Daniel Negreanu das Spiel völlig beherrscht - und es dabei so leicht aussehen lassen! Wie er es ausdrückte: "In der Zeit von 2003 bis 2005 war ich hinsichtlich meiner Fähigkeiten eine Klasse besser als alle anderen. Ich habe Dinge vor ihrer Zeit gemacht. Das hat das Spiel zu leicht gemacht." Aber dann hat der Rest der Welt zu Kid Poker aufgeholt. Plötzlich war er nicht mehr der beste Spieler unter den Teilnehmern. Wie er selbst zugibt, wurde er "in bestimmten Situationen deklassiert".

Ein Sprung ins Jahr 2018 und das Gleichgewicht hat sich wieder zu Daniel Negreanus Gunsten geneigt. Eine Reihe von exzellenten Ergebnissen Ende 2017 - ein Gewinn von $936.000 in einem Las Vegas Super High Roller und ein fantastischer 4. Platz beim PCA Super High Roller - sind gute Anzeichen dafür, dass er seine Linie wiedergefunden hat. Wie Negreanu selbst zugibt, musste er sein Spiel grundlegend verändern, um an den Punkt zu gelangen, an dem er es mit Pokergiganten wie Scott Seiver, Fedor Holz, Bryn Kenney und Co. aufnehmen und sie bezwingen kann. Wie hat er das geschafft? Und was können wir aus der Entwicklung von Kid Poker lernen?

All das und mehr erfährst du in Teil 2 unseres exklusiven Interviews mit Daniel Negreanu ...

PokerStars School: Die Pokerstandards auf der ganzen Welt sind heute höher als je zuvor - obwohl beim Black Friday 2011 der Großteil des amerikanischen Markts geschlossen wurde. Meinst du, wenn das nicht passiert wäre, wären die Standards sogar noch höher?

Daniel Negreanu: Ja, ich denke schon. Denn wenn es nicht zum Black Friday gekommen wäre, würden wir mehr erfolgreiche junge Amerikaner sehen. Und im Moment sehen wir im Prinzip keine. Die jungen Spieler heute sind Adrian Mateos aus Spanien, Fedor Holz aus Deutschland und die anderen jungen Deutschen, aber es gibt im Moment keine Amerikaner in dem Altersbereich. Die Möglichkeit, um sein Spiel in dem Alter zu verbessern, ist online Erfahrungen zu sammeln, aber das geht eben nicht.


Fedor Holz (Mitte) gehört zur neuen Generation von Spielern, die das moderne Poker dominieren

PokerStars School: Heutzutage werden vermutlich mehr Pokerturniere, insbesondere Super High Rollers, im Fernsehen gezeigt oder im Internet gestreamt als je zuvor. Meinst du, dass Spieler durch diesen zusätzlichen Druck Fehler machen, die ihnen normalerweise nicht passieren würden?


Daniel Negreanu: Nicht mehr. Vor drei Jahren hätte ich zu 100% ja gesagt. Es gab Leute, die es unangenehm fanden, im Scheinwerferlicht und umgeben von Kameras zu spielen. Aber diese ganz neuen Pokerspieler sind Maschinen. Sie spielen so viel mehr wie eine Maschine und lassen sich von solchen Sachen nicht ablenken.

Ich habe mir ein Interview mit einem Typen namens Steffen Sontheimer angehört, der im Moment wahrscheinlich der Beste der Welt ist. Er hat erzählt, dass er sich sowohl beim Bluffen als auch mit den Nuts sehr wohlfühlt, weil er nicht im eigentlichen Sinne blufft, so wie ein Bluff früher war. Ein Bluff hieß früher: "Oh, mein Gott, ich habe ein schlechtes Blatt, aber ich versuche, diesen Pot zu klauen." Heute lautet es: "Oh, in 35% der Fälle sollte man hier bluffen, also mache ich es."

Es gibt keine emotionale Bedeutung mehr, weil er [Sontheimer] weiß, dass er ausgeglichen und korrekt agiert. Wenn man einen Bluff macht, bei dem man nicht sicher ist, ob er richtig ist, bekommt man vielleicht Herzklopfen oder die Körpersprache verändert sich. Aber wenn man nur eine Formel zusammensetzt und dann den Knopf drückt, der dieser Formel entspricht, weiß man, dass man keinen Fehler macht. Es spielt keine Rolle, was der Gegner macht, also bleibt man entspannt.


Du kennst ihn vielleicht gar nicht, aber laut Negreanu ist Steffen Sontheimer im Moment der Beste der Welt

PokerStars School: Wo siehst du dich neben diesen großartigen neuen Spielern?

Daniel Negreanu: Ich bin im Moment in Bestform, aber ich habe jeden Tag hart gearbeitet, um dahinzukommen. Ich habe mir einige Monate Auszeit genommen und jeden Tag gebüffelt. Ich habe mit einigen Leuten gearbeitet, um die Spieltheorie richtig zu verstehen.

Früher war ich ein ausbeutender Spieler im Sinne von, "sie halten mich für so jemanden, also mache ich das mit ihnen". Aber ich wusste nicht, was das spieltheoretische Optimum (GTO - "Game Theory Optimal") war. Damit habe ich mich auseinandergesetzt und gelernt, wie ich auf Basis meiner Reads und meiner Gegner davon ableite. Das war eine neue Art, über Poker nachzudenken, und langsam verstehe ich etwas besser, warum diese Leute zwei Minuten lang über eine Entscheidung brüten!

PokerStars School: Du hast laut kritisiert, dass Spieler in Super High Roller-Events zu lange nachdenken. Siehst du das mit diesem neuen Ansatz etwas weniger streng?

Daniel Negreanu: Ganz und gar nicht. Wir spielen in Shot Clock-Turnieren [bei denen Spieler für ihre Entscheidung 30 Sekunden Zeit haben] und das funktioniert. So gut wie jedes High Roller auf der Welt außer die WSOP nutzt eine Shot Clock, weil es nötig ist. Freizeitspieler bleiben nicht dabei, wenn Christoph Vogelsang und Byron Kaverman eine 25-Minuten-Hand mit Assen gegen Könige spielen. Das macht einfach keinen Spaß.

Daniel Negreanu und Mustapha Kanit sind zwei Spieler, denen man nie vorwerfen konnte, langweilig zu sein

Ich verstehe, dass bei vielen dieser Spieler gilt: Je mehr Zeit sie haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie die richtige Entscheidung treffen. Aber es gibt eine Grenze. Wenn jeder anfängt, so zu spielen, hat man das Turnier zerstört. Wenn jeder drei Minuten für jede Entscheidung braucht - wie viele Hände werden dann in einer Stunde überhaupt noch gespielt?

PokerStars School: Und wenn man versucht, ein Fernsehpublikum aufzubauen, wäre das unmöglich, wenn alle Hände so lange dauern?

Daniel Negreanu: Keine Frage. Eine unserer Schwierigkeiten ist: Wie können wir einen Livestream machen, wenn ein Spieler jederzeit 10 Minuten über seine Entscheidung nachdenken kann? Ich denke, Poker hat sich zu einem Punkt entwickelt, an dem wir einige Regeln einführen müssen, statt den Spielern den Schwarzen Peter zuzuschieben [indem sie etwa um die Uhr bitten].

In der NBA gab es früher keine 24-Sekunden-Uhr. Und dann haben die Mannschaften gemerkt: Wenn sie 10 Punkte in Führung liegen, können sie auch einfach untereinander den Ball passen und müssen gar keinen Angriff versuchen. Damit läuft die Zeit ab, aber es zerstört auch das Spiel - es macht einfach keinen Spaß, dem zuzuschauen.

Und das müssen wir auch bei Poker einführen, damit langsames Spielen nicht den Spaß am Spiel nimmt.

PokerStars School: Du sprichst davon, dass Spielen nach dem GTO eine größere Rolle spielt, aber ist es auch wichtig, die Geschichte auszuspielen, die man mit anderen Spielern hat?

Daniel Negreanu: Absolut. Ich habe mal ein Beispiel gehört, dass das gut veranschaulicht. Wenn man Schere, Stein, Papier spielt, was wäre das GTO für alle drei? Es wäre jeweils ein Drittel.  Das ist das GTO, aber auf diese Weise gewinnt man nicht unbedingt.

Man spielt vielleicht das GTO, aber was, wenn man gegen einen Spieler spielt, der jedes Mal Stein nimmt? Wenn man das GTO spielt, schlägt man ihn nicht, man spielt nur mäßig gegen ihn. Was wäre also die beste Art, gegen ihn zu spielen?

PokerStars School: Jedes Mal Papier nehmen?

Daniel Negreanu: Das wäre auch ein Fehler: Es scheint wie die logische Antwort, aber das Problem ist, nach acht oder neun Runden, wird er erkennen, dass man jedes Mal Papier nimmt. Damit wird man selbst leichte Beute. Der beste Ansatz wäre also, die Häufigkeit von Papier auf 40% zu erhöhen, damit er es nicht merkt. Nach einigen Runden wird er einfach glauben, dass er Pech hat. Man fängt mit einem GTO-Fundament an und leitet sein Spiel davon ab und passt es der Geschichte mit dem Gegner an - aber auf eine Art, die den Gegner nicht darauf aufmerksam werden lässt.

Ein praktisches Beispiel wäre, wenn ich gegen einen Spieler spiele, der weiß, dass ich nie bluffe. Also fange ich an, zu bluffen, aber nicht jedes Mal. Wenn er immer noch sieht, wie ich schwächere Blätter checke, mit denen ich auch bluffen könnte, dann hat er den Eindruck von mir, den ich erreichen will.

PokerStars School: Gibt es in der Welt der Super High Roller noch Spieler, gegen die du regelmäßig in verrückten Konstellation landest?

Daniel Negreanu: Es gibt einige Spieler, die unkonventionell spielen oder mit unterschiedlichen Spielweisen antreten. Solche Spieler wären Nick Petrangelo und Scott Seiver, die beide um die Ecke spielen. Und natürlich landet man auch mit Fedor Holz oder Steffen Sontheimer oft in Situationen, die man so noch nicht erlebt hat.


Scott Seiver macht einem das Leben am Pokertisch nie einfach

Zum Beispiel läuft eine Hand Check-Check, Check-Check, Check-Check und auf dem River setzt Steffen dann plötzlich das Dreifache des Pots! Und man denkt sich nur, "was zur H...?!".

PokerStars School: Magst du denn die Herausforderung, gegen solche Leute zu spielen?

Daniel Negreanu: Absolut! Ich habe letztens den ganzen Tag mit Fedor Holz direkt links von mir gespielt und es war knallhart. Er hat mich sehr oft in die Zange genommen, aber ich habe das Hin und Zurück geliebt. Jonathan Little hat meine Tisch-Ziehung gesehen und als Scherz an mich getweetet, ich sollte an meiner Spielauswahl arbeiten. Ich habe gesagt, ich will gegen die Besten spielen, also war meine Spielauswahl genau richtig!

Ich mag es wirklich, mich zu testen. Ich bilde mir nichts ein. Ich habe den allergrößten Respekt für diese Spieler und ich halte mich nicht für besser. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie einen größeren Wissensschatz haben, und besser sind als ich. Aber was mich antreibt, ist die Bereitschaft oder der Gedanke, mein Spiel wirklich zu verbessern - bis ich den Punkt erreiche, an dem ich dieser Gruppe ebenbürtig bin und bei solchen High Rollers zu den besten Spielern gehöre.

Aber ich mache mir nicht vor, dass ich jetzt schon dazugehöre, denn die Ergebnisse sind nicht da. In letzter Zeit war ich in solchen Sachen nicht der Überflieger. Aber ich spiele seit 20 Jahren Poker und da weiß man einfach, wenn man in bestimmten Situationen deklassiert ist. [Anmerkung der Redaktion: Dieses Interview wurde vor Negreanus kürzlichen zwei Finaltisch-Teilnahmen bei Super High Rollers aufgezeichnet.]

PokerStars School: Super High Roller-Turniere sind heutzutage ziemlich häufig, aber gibt es welche, die für dich etwas Besonderes sind?

Daniel Negreanu: Der Super High Roller Bowl ist jetzt der Höhepunkt und gilt als etwas ganz, ganz Besonderes ... Aber ich denke, was wir hier mit der PokerStars Players NL Hold'em Championship [PSPC] veranstalten, wird auch etwas wirklich Einzigartiges und Besonderes.

Das wird ein High Stakes-Teilnehmerfeld, das es so noch nie gab. Es wird ein so großes Teilnehmerfeld. Normalerweise sieht man bei solchen Events die immer gleichen 40 bis 50 Leute, aber dank der Qualifier werden auch viele mittlere Spieler dabei sein, die wiederum einige niedrigere Spieler dazuholen. Und dann sehen die Freizeitspieler den Preispool und wollen auch mitspielen! Es könnte ein riesiges Teilnehmerfeld werden, das deutlich mehr spielt als bei einem normalen Main Event - aber gleichzeitig mit einem saftigen Buy-in und einigen der besten Spieler der Welt.

PokerStars School: Wie siehst du die Chancen, dass ein Low Stakes-Qualifier die Players Championship gewinnt?

Daniel Negreanu: Es ist sehr, sehr unwahrscheinlich, dass ein Low-Limit-Grinder das Event tatsächlich gewinnt. Aber die Geldränge oder den Finaltisch erreichen? Das ist was ganz anderes. Der schwierigste Teil beim Beenden solcher Turniere ist: Okay, man ist vielleicht Chipleader und es sind noch 5 Spieler übrig, aber was für Spieler das sind ... da sitzen Fedor Holz oder Jason Koon oder Bryn Kenney! Und jetzt muss man sie alle noch besiegen. [Anmerkung der Redaktion: Eine Liste aller Platinum Pass-Gewinner findest du hier.]

Platinum Pass-Gewinner wie Steven Jost werden ihr Bestes geben, um Daniel Lügen zu strafen

Bei diesen Turnieren hat man an Tag 1 meistens ein großes Teilnehmerfeld und denkt sich, dieser Tisch ist okay. Und wenn dann nur noch 18 Spieler übrig sind, sind das alles Killer. Man muss also sehr viel Glück haben oder sich einige kreative, aggressive Spielweisen ausdenken, um es bis ins Ziel zu schaffen.

Du hast Teil 1 unseres exklusiven Interviews mit Daniel Negreanu verpasst? Dann lies ihn jetzt hier!

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