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SNG-Strategie: Eine Einführung

In dieser Artikelserie werden wir Single-Table-Sit-'n'-Gos (kurz: SNGs) behandeln. Das besondere an dieser Turnierform ist, dass die SNGs keine festen Startzeiten haben, sondern sofort beginnen, sobald die benötigte Anzahl Spieler Platz genommen hat. Dann scheidet ein Spieler nach dem anderen aus, sobald er keine Chips mehr hat, bis am Ende ein Sieger übrig bleibt. Ob das "Go" nun dafür steht, dass es losgeht, wenn alle sitzen oder dass man gehen muss, wenn man keine Chips mehr hat, ist heute nicht eindeutig zu klären, beide Meinungen werden vertreten.

Ein SNG im Sinne dieser Artikelserie wird mit sechs, neun oder zehn Spielern und einem festen Buy-in gespielt

Bei einem typischen Neun-Spieler-SNG wird das Preisgeld wie folgt aufgeteilt:

  • 1. Platz: 50 % vom Preispool
  • 2. Platz: 30 % vom Preispool
  • 3. Platz: 20 % vom Preispool

Da die Plätze 4 bis 9 leer ausgehen, ist die grundlegende Strategie:

  • anfangs tight und vorsichtig spielen und unnötige Risiken vermeiden.
  • Steigen die Blinds und werden damit die Stacks in Relation zu den Blinds deutlich kleiner, wird immer looser und vor allem sehr viel aggressiver gespielt.

Die aggressive Spielweise birgt Vor- und Nachteile. Vorteile sind, dass man mit seinen guten Händen oft um größere Pötte spielt und damit maximalen Value generiert. Man gewinnt durch Aggression zudem auch schon mal Spiele, die von eigentlich besseren Händen aufgegeben werden. Das resultiert in dem Umstand, dass man meist mit sehr vielen Chips ins Geld kommt, wenn man es bis dahin schafft.

Und damit sind wir auch schon beim Nachteil: Spielt man sehr aggressiv, wird sich die Anzahl der ITM (in the money)-Platzierungen reduzieren. Man wird also gerade in der mittleren und späteren Phase von SNGs häufiger seine gesammten Chips verlieren, und zwar bevor man die Geldränge erreicht.

Durch die im Schnitt größeren Chip-Stacks, mit denen man dann aber ins Geld kommt, wird man entsprechend häufiger einen ersten oder zweiten Platz belegen, und das wird sich in einer besseren Bilanz wiederspiegeln.

Gerade die klassischen Turnierspieler tun sich schwer damit, von ihrem gewohnten tighten Spiel im entscheidenden Moment umzuschalten und notwendigerweise looser und aggressiver zu werden. Aber das ist wesentlicher Bestandteil des Erfolgsrezepts bei SNGs und damit für langfristige Gewinnmaximierung entscheidend. Schauen wir uns dazu eine Größe an, mit der man den Erfolg leicht berechnen kann, den ROI.

ROI (Return on Investment)

Gemessen wir der Erfolg eines SNG-Spielers an seinem ROI. Je höher dieser ist, desto besser für den Spieler.

  • Definition:

ROI beschreibt das Verhältnis zwischen allen Gewinnen (Return) und den dafür erbrachten Buy-ins (Investment).

Hat man eine ausreichend hohe Anzahl SNGs gespielt, kann man davon ausgehen, dass der ROI praktisch dem Erwartungswert für die weiteren SNGs entspricht.

Ein ROI bei SNGs wird wie folgt berechnet:

ROI in % = ((Preisgeld – Buyins) / Buyins) x 100

Ist der ROI größer 0, habe ich Gewinn gemacht, ist er kleiner als 0, dann habe ich Verluste eingefahren. Anfangs ist der ROI noch nicht sehr aussagekräftig, da wir kurzfristig immer Pech oder Glück haben können. Aber nach einigen hundert oder gar tausend SNGs kann man daraus sogar einen Erwartungswert für die nächsten Spiele ableiten. 

Als Orientierung, welche ROIs realistisch sind, hier ein paar allgemeine Erfahrungswerte:

ROIs, die auf den jeweiligen Levels erreicht werden sollten:

  • Kleine Buyins ($1-$10): 15 %
  • Mittlere Buyins ($20-$100): 10 %
  • Hohe Buyins ($200 und höher): 7 %

Alles was darüber hinausgeht, zeugt von solidem und guten SNG-Spiel.

Warum ist es besser, bei zehn gespielten SNGs dreimal zu gewinnen und zweimal den zweiten Platz zu belegen, als zehnmal Dritter zu werden?

Nach ein paar gespielten SNGs stellt man sich die Frage, ob es nicht besser ist, in jedem Spiel ins Geld zu rutschen, anstatt vorher auszuscheiden, oder ob es für den ROI besser ist, lieber nur in der Hälfte der Spiele ins Geld, dafür dann aber auf die Plätze 1 und 2 zu kommen. 

Rechnen wir doch einfach mal ein Beispiel durch. Für die einfachere Rechnung nehmen wir ein $10-SNG mit zehn Spielern. Der Einsatz ist $10 + $1 (=Gebühr) = $11. Die Preisverteilung ist dann wie folgt:

  • 1. Platz: 50 % Preispool = $50 => Gewinn = $39
  • 2. Platz: 30 % Preispool = $30 => Gewinn = $19
  • 3. Platz: 20 % Preispool = $20 => Gewinn = $9.

Wie sieht nun der ROI aus, wenn ich bei 10 Spielen entweder 10-mal den dritten Platz mache oder 5-mal frühzeitig ausscheide, dafür aber 3-mal Erster und 2-mal Zweiter werde.

Die ROIs für die beiden Szenarien aus der Fragestellung berechnen sich wie folgt:

ROI(10 x 3.) = (10 x $20 - 10 x Buy-in) / 10 x Buy-in = ($200 - $110) / $110 = $90 / $110 = 0,82 = 82 %

ROI(3 x 1. + 2 x 2.) = ((3 x $50 + 2 x $30) - 10 x Buy-in) / 10 x Buy-in = ($210 - $110) / $110 = $100 / $110 = 0,9 = 90 %

Obwohl wir also im ersten Fall zehnmal im Geld waren, doppelt so häufig wie im zweiten Szenario, haben wir doch am Ende einen schlechteren Return auf unsere Investitionen erhalten als in Beispiel 2. Das Risiko, früher auszuscheiden und dafür aber öfter auf den Plätzen eins und zwei zu landen, wenn man ins Geld kommt, lohnt sich also dauerhaft.

Für wen sind SNGs geeignet?

SNGs sind das Richtige für Spieler, die sich zeitlich pro Event nicht lange binden wollen und trotzdem Poker in Turnierform spielen möchten. Voraussetzung ist, dass man in der Lage ist, zwischen verschiedenen Spielstilen zu wechseln, denn mit einem einzigen Stil wird man sich dauerhaft schwertun, die vorderen Plätze eines SNGs zu erreichen.

Unterschiede zum Cashgame

Während man beim Cashgame immer den realen Gegenwert seiner Chips auf dem Tisch hat, bekommt man bei einem SNG für ein Buy-in eine bestimmte Anzahl an Chips, mit denen man spielt, bis man das SNG entweder gewonnen hat oder gebustet wurde. Der Einsatz ist also im Gegensatz zum Cashgame, wo immer nachgekauft werden kann, begrenzt.

Das birgt Vor- und Nachteile. Unter den Vorteilen ist sicherlich zu nennen, dass das Risiko begrenzt ist. Man hat ein festes Buy-in und versucht, mit den entsprechenden Chips so weit wie möglich zu kommen. Viele SNG-Spieler (gerade solche, die nur hin und wieder SNGs spielen) spielen wegen des begrenzten Risikos deutlich looser, als sie im Cashgame spielen würden. Selbst tighte Cashgame-Spieler lassen sich dazu verleiten, gerade in den ersten Levels eines SNG zu loose zu spielen.
Das bringt tighten Spielern einen deutlichen Vorteil im SNG, da sie gerade in den frühen Leveln meist als deutlicher Favorit in eine Hand starten.

Ein Nachteil von SNGs ist, dass man nach einer unglücklich verlorenen Hand und einem vielleicht daraus resultierenden kleinen Stack keine Möglichkeit hat, nachzukaufen und sich seine Chips mit tightem, solidem Spiel zurückzuholen. Man muss beim SNG als Shortstack ein erhöhtes Risiko eingehen, gerade auch auf Grund der steigenden Blinds.

Ein weiterer Nachteil der SNGs ist, dass sehr tighte Spieler auf Grund der recht schnell steigenden Blinds irgendwann unter Druck kommen und dann gezwungen werden, von ihrem tighten Spielstil abzuweichen. Beim Cashgame bleiben die Blinds konstant und die Spieler können entsprechend auf gute Starthände warten. Beim SNG muss man spätestens in den späten Leveln seinen Spielstil ändern/anpassen, möchte man eine gute Chance auf den Sieg wahren.

Unterschiede zu Multi Table Tournaments (MTTs)

Auch wenn die Merkmale von SNGs und MTTs in vielen Bereichen ähnlich sind, gibt es doch einige Unterschiede.

Zum einen sind die SNGs schneller beendet. Während man in einem MTT mit z. B. 500 Spielern mehrere Stunden spielen muss, um überhaupt ins Geld zu kommen, ist ein SNG meistens nach 30 bis 40 Minuten beendet.

Ein weiterer großer Vorteil ist die Tatsache, dass sich bei SNGs die Erfolge schneller einstellen als bei MTTs. Bei Zehn-Spieler-SNGs belegt man in 33 % der Fälle einen Platz im Preisgeld, bei einem typischen MTT hingegen nur in ca. 10 %.

Auch nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass SNGs online rund um die Uhr in fast allen Buy-in-Levels angeboten werden, teilweise auch mehrere SNGs parallel. Dagegen sind MTTs, die den individuellen Vorlieben entsprechen, oft zu sehr ungünstigen Zeitpunkten angesetzt oder nur selten (z. B. einmal pro Woche) zu finden.

Ein MTT hat natürlich auch ein paar Vorteile, Der entscheidenste ist wohl, dass man als Sieger eines MTTs ein Vielfaches seines Buy-ins gewinnen kann, ja in manchen Fällen sogar mit einem einzigen Sieg sein Leben lang ausgesorgt hat (WSOP-Main-Event beispielsweise). Bei einem SNG hingegen erhält man bestenfalls etwas weniger als das Fünffache seines Einsatzes.


 

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