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SNG-Strategie: Die mittlere Phase

In der mittleren Phase steigen die Blinds, was üblicherweise dazu führt, dass die Spieler in den Blinds tighter werden. Sie haben Angst, durch eine Verteidigung ihrer Blinds einen zu großen Teil ihres Stacks in Gefahr zu bringen. Daher wird es für uns wichtiger, in guten Situationen die Blinds zu stehlen oder auch unser bisher tightes Image auszunutzen, um Resteal-Moves zu machen. Je höher die Blinds, desto kleiner kann übrigens die Raisesize werden.

Natürlich sollte diese Strategie nicht übertrieben werden und der Grundsatz lautet immer noch: play tight!
Gerade spekulative Hände wie Suited Connectors oder kleine Paare verlieren in dieser Phase an Wert, da der Einstieg in eine Hand oft so teuer ist, dass die Implied Odds für spekulative Hände nicht mehr vorhanden sind.

In der mittleren Phase sind viele Moves nun auch von dem eigenen Stack in Relation zum Big Blind (BB) abhängig:

  • Mit 25 BB und mehr hat man genügend Chips, um jede gute Stealmöglichkeit auszunutzen und sollte nicht davor zurückschrecken, die Gegner stetig unter Druck zu setzen.
  • Mit 15 bis 24 BB kommt man in eine Phase, in der ein misslungener Blindsteal dem Stack bereits Schaden zufügt. Allerdings hat man nach der Aufgabe seiner Hand in der Regel noch genügend Chips, um auf eine spielbare Hand warten zu können.
  • Mit zehn bis 14 BB macht es keinen Sinn mehr, mit marginalen Händen die Blinds anzugreifen, da ein missratener Versuch unseren Stack nun prozentual zu sehr in Mitleidenschaft ziehen würde und wir uns somit in eine äußerst ungünstige Lage für den weiteren Verlauf bringen könnten.
  • Mit zehn BB oder weniger sollte als Alternative zu einem normalen Blindsteal lieber all-in gepusht werden, um die Fold Equity zu erhöhen.

Wann sollte man die Blinds stehlen?

Eine gute Steal-Möglichkeit zeichnet sich durch die eigene Position (Cut-off, Button), die Tatsache, dass bisher alle gefoldet haben, und die Stacks der verbleibenden Gegner aus. Auch ist es nicht unwichtig, die Spieler hinter einem einschätzen zu können und sie zumindest grob in die Kategorien tight, medium oder loose einteilen zu können. Dabei sollte das Hauptaugenmerk auf den Big Blind gerichtet sein.

Je tighter der Bigblind, desto looser kann die eigene Hand sein, um die Blinds zu stehlen.

Falls der Stealraise gecallt wird, sollte man auf allen trockenen Flops (also Flop mit wenigen Draws wie z. B. ) einen Continuation Bet machen. Dabei reicht es in der Regel aus, sich bei der Höhe des Continuation-Bet an etwas über halber Potsize zu orientieren.

Oft kommt es vor, dass man den Flop total verpasst (in zwei von drei Fällen), was einen aber nicht davon abhalten sollte, den Gegner weiterhin unter Druck zu setzen. In den seltenen Fällen, in denen der Gegner nach dem Flop callt oder sogar raist und unsere Hand gleichzeitig sehr schwach ist, sollte aufgegeben werden, um auf eine neue und bessere Situation zu warten.

Resteals und Squeezeplay

Bevor auf den Resteal eingegangen wird, sollten wir klären, was der eigentliche Raiser mit seiner Erhöhung erreichen möchte.

Ein Raise in später Position lässt sich grob in folgende zwei Kategorien einteilen:

  1. Der Gegner hält eine starke Hand, die Action möchte.
  2. Es handelt sich um einen Versuch, die Blinds zu stehlen.
  • Dazu ein Beispiel:

    Bei Blinds von 100/200 raist ein passiver Spieler vom Button mit einem Stack von 1.700 auf 500. Im Gegensatz zu einem Raise von einem aggressiven Spieler, der vom Cut-off bei Blinds von 100/200 und einem Stack von 3.800 auf 500 erhöht, bedeutet der erste Raise deutlich mehr Stärke.

Bei der Unterscheidung ist also die Einschätzung des Spielstils des Gegners sowie die Einbeziehung seiner Stacksize wichtig.

Da einem diese beiden Faktoren aber natürlich nur eine grobe Richtlinie geben, sollten Resteals nur gemacht werden, wenn man den Raise mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit als Steal klassifiziert hat.

Wichtig bei der Anwendung eines Resteals ist darüber hinaus die eigene Position, da die Chance, dass nach uns jemand mit einer Monsterhand „aufwacht", von der Anzahl der verbleibenden Spieler abhängig ist.

Normaler Resteal vs. All-in-Resteal

Wir sollten bei all diesen Überlegungen zwischen einem All-in-Resteal und einem normalen Resteal unterscheiden:

  • Der All-in-Resteal sollte gemacht werden, wenn die effektive Stacksize etwa zehn bis 13 BB (bzw. elf bis 15 BB bei Ante) beträgt. Bei diesen Stacksizes ist ausreichend Fold Equity gegeben.
  • Sollte die effektive Stacksize zwischen 20 und 35 BB liegen, sollte auf den All-in-Resteal verzichtet werden.

Die Handauswahl beim All-in-Steal ist nur sekundär und sollte erst als letztes Kriterium mit einbezogen werden.

  • Der normale Resteal sollte nach Möglichkeit nur angewendet werden, wenn die effektive Stacksize mindestens 35 BB beträgt. Hier hat man genug Spielraum, um zu folden, sollte der ursprüngliche Raiser doch rereraisen bzw. all-in gehen.

Bei der Handauswahl für einen Resteal sollte man tighter sein als beim All-in-Resteal und „spielbare" Hände wie Suited Connectors, hohe Karten oder Suited Aces wählen, da man im Fall eines Calls die Hand einfacher weiterspielen kann und einen gewissen Showdown-Value hat.

Squeezeplay

Squeezeplay bedeutet, dass man seinen Resteal gegen einen Raiser UND einen loosen Caller macht. Durch die Extrachips im Pot vom Caller werden im Gegensatz zu einem Resteal gegen einen Raiser ohne Caller die gewonnenen Chips fast verdoppelt.

  • Die effektive Stacksize sollte bei einem Squeezeplay etwas höher liegen als bei einem All-in-Resteal bzw. normalen Resteal.

Das Prinzip dieses Moves basiert darauf, dass man den ursprünglichen Raiser in die Zange nimmt, also „quetscht" (engl. „squeeze").

Der Raiser hat nun das Problem, dass nach ihm noch ein weiterer Spieler agieren muss, und er nicht weiß, wie stark dieser ist. Das nimmt ihm die Waffe eines erneuten Raises, was den Resteal-Versuch eines einzelnen Gegners vielleicht noch abwehren könnte, gegen zwei Spieler aber deutlich an Wirkung einbüßt, und das noch dazu mit der Gefahr, den gesamten Stack zu verlieren.

Ein Call ist aber ebenfalls ungünstig, denn zum einen sitzt dieser ursprüngliche Raiser out-of-position und zum anderen kann die Setzrunde durch einen Call noch nicht abgeschlossen werden. Das heißt, der dritte Spieler (der zunächst nur gecallt hatte) könnte nun ebenfalls noch einmal raisen. Auch, wenn die Hand des in die Zange genommenen Spielers einen Call gegen einen Reraiser rechtfertigen würde (z. B. oder ), muss seine Hand schon wirklich sehr stark sein (AA bis QQ), um gegen zwei Spieler out-of-position in einem gereraisten Pot weiterspielen zu können.

Diese Negativfaktoren sorgen in den meisten Fällen dazu, dass der Spieler „in der Zange" aufgibt. Der Caller hat nun oftmals das Problem, dass seine Hand vielleicht gut genug war, einen „normalen" Raise in Position zu callen, aber keinen Reraise out-of-position. Man kann also in der Regel davon ausgehen, dass dieser Spieler ein mittelgutes Blatt hat (mittleres oder kleines Paar, AQs oder ähnlich), das er ebenfalls nicht gegen einen Reraise weiterspielen möchte.
So kann dieses Squeezeplay für den Squeezer recht lukrativ sein, oft sogar lohnenswerter als ein normaler Resteal.

  • Folgendes Beispiel soll das Squeezeplay veranschaulichen:

Vor dem Flop erhöht ein Spieler, der vorher durch viele Preflop-Raises aufgefallen ist. Er wird von einem sehr loosen Spieler gecallt, der vorher schon Coldcalls mit JTo oder K7s gemacht hat. Wir sind als letzter an der Reihe (da im BB) und meinen, dass die Voraussetzungen für ein Squeezeplay gegeben sind. Unser Stack ist groß genug, um genügend Fold Equity zu generieren. Im unwahrscheinlichen Fall, dass wir gecallt werden, ist T9s eine gute Hand gegen die Callingrange der übrigen Spieler. Wir pushen und die Gegner geben auf.

Stop and Go

Stop and Go ist ein weiteres Konzept, das einem gerade als Shortstack einen Vorteil gegenüber einem normalen All-in bringen kann. Es gibt ein paar Voraussetzungen, die die Erfolgsaussichten dieses Moves deutlich erhöhen.

  • Man sollte einen Raiser in der Hand haben und in Relation zu diesem out-of-position sitzen, z. B. im Big Blind. Der Big Blind ist insofern optimal, als man vor dem Flop als Letzter agieren kann und daher abschätzen kann, wie viele Spieler noch in der Hand sind und welche davon vielleicht den Raise des Spielers bezahlen werden oder schon bezahlt haben.
  • Die effektive Stacksize sollte zwischen fünf und sieben BB liegen. Hat man weniger Chips, sollte man lieber gleich all-in gehen, hat man mehr, bieten sich andere Konzepte an.
  • Man geht davon aus, dass es kaum oder gar keine Fold Equity gibt, sollte man vor dem Flop bereits all-in gehen.

Man braucht für diesen Move keine Spitzenhand, da man eigentlich plant, einen Showdown zu vermeiden. Man möchte aber auch keine schlechte Hand halten, für den Fall, dass man doch etwas Showdown-Value benötigt. Die Hand sollte also spielbar sein.

Die Situation am Tisch sollte sein: Ein Spieler macht einen Raise, entweder first-to-open oder nachdem ein Spieler gelimpt hat. Alle Spieler folden zu uns im Big Blind.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird der Raise gecallt und jeder Flop direkt all-in gepusht. Die Idee hinter diesem Move ist, dass man davon ausgeht, dass ein Spieler, der den Flop verpasst, in der Regel auch gegen ein „kleines" All-in folden wird. Und da der Raiser den Flop zu 68 % verpasst, ist die Ausbeute besser, als wenn man vor dem Flop bereits pusht. Denn selbst ein Raiser mit einem kleinen oder mittleren Paar, der einen Flop voller Overcards sieht, wird oft genug folden, würde aber ein All-in preflop von einem Shortstack nahezu immer callen. Trotz einer also nicht vorhandenen Fold Equity vor dem Flop kann man sich durch diesen Move neue Fold Equity nach dem Flop verschaffen.

  • Beispiel:

MP2 (t6.000)
CO (t4.000)
Button (t3.000)
SB (t4.000)
Hero (BB) (t3.000)

Blinds: 300/600

Preflop: Unser Hero sitzt im BB mit . MP2 foldet, der CO raist auf 1.500, Fold, Fold, Hero callt.

Flop: (t3.300) . Hero pusht all-in (1.500), CO foldet.

 


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