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SNG-Strategie: Die frühe Phase

Als Baustein für ein erfolgreiches Spielen bei niedrigen Blinds sollte natürlich ein Augenmerk auf die richtige Handauswahl gelegt werden.

Starthände

Wie in der Einleitung schon erwähnt wird anfangs sehr tight und vorsichtig gespielt. Grundsätzlich sollte man sich auf Hände wie

  • Premium-Hände: QQ, KK, AA,
  • hohe Paare: 99, TT, JJ
  • und Highcards: AK, AQ

beschränken, wobei es natürlich gewisse Spielsituationen gibt, in denen sich auch spekulative Hände profitabel spielen lassen.

Hände, die viel Hilfe vom Board brauchen und daher eher spekulativen Charakter haben, sind z. B.:

  • Kleine Paare: 22, 33, 44, 55, 66, 77, 88
  • Suited Connectors: 45s, 56s, 67s, 78s, 89s, T9s, JTs, QJs, KQs

Solche Hände sollten nur in später Position und in ungeraisten Pots gespielt werden, da bei SNGs die Blinds in Relation zum Stack von Anfang an recht hoch sind. Die dadurch schlechten Implied Odds reichen nicht aus, um den Call eines Raises mit solchen Händen zu rechtfertigen.

Für ein Blindstealing sind die Blinds in den ersten Levels wiederum zu klein im Vergleich zum durchschnittlichen Stack, sodass die Stealing-Handrange nicht allzu loose sein sollte. Mit Händen wie z. B. A2 bis A9, QJ usw. findet man sich schnell in sehr marginalen und auch schwer zu spielenden Situationen wieder, sollte der eigene Steal-Raise gecallt werden.

Ich möchte also noch mal explizit darauf hinweisen, dass Hände wie JTo, QTo, QJo, KTo, KJo zumindest in den ersten Blindlevels NICHT gespielt werden sollten, da man mit diesen Händen zu häufig in Schwierigkeiten gerät und auf lange Sicht kleine Pots gewinnt und große verliert.

Wenn man spielt, dann aggressiv

Wenn man ins Spielgeschehen eingreift, sollte man in der Regel sehr aggressiv spielen. Der Vorteil der aggressiven Spielweise liegt ganz einfach darin, dass man durch Bets oder Raises den Pot sofort gewinnen kann. Mit einem Call (mit Ausnahme des Rivers natürlich) ist dies noch niemandem gelungen.

Mit allen Premium-Händen (QQ, KK, AA, AKs) sollte man gewillt sein, schon vor dem Flop all-in zu gehen. Diese Hände sollte man also uneingeschränkt vor dem Flop raisen oder reraisen. Es ist nicht notwendig, zu versuchen „tricky" zu spielen. Die Spieler auf den niedrigen und mittleren Limits sind zum Teil so schlecht und loose, dass es absolut reicht, solides ABC-Poker zu spielen.

Hohe Paare wie TT oder JJ sind zum Teil schwer zu spielende Hände, sollten aber trotzdem aggressiv gespielt werden. Gegen Raise und Reraise können diese Hände allerdings getrost gefoldet werden.

Höhe des Raises

Raise-Größe: Bei der Höhe des Raises vor dem Flop sollte man sich grob an die Viermal-plus-Limper-Regel halten. Man sollte also auf den vierfachen Big Blind raisen und für jeden Limper einen Big Blind dazu addieren. Bei Reraises sollte ca. dreimal so viel wie der ursprüngliche Raise erhöht werden.
Die Raisesize sollte allgemein immer gleich sein, egal ob AA aus früher Position oder KTs als Blindsteal auf dem Button, da man sonst von guten Gegnern zu schnell gelesen werden kann.

Postflop-Spiel

Nachdem wir festgelegt haben, welche Hände vor dem Flop gespielt werden sollten, müssen wir uns nun über ein paar sehr wichtige Punkte klar werden, die das Spiel nach dem Flop wesentlich beeinflussen:

  • Stärke der eigenen Hand:
    • Top Pair (Top Kicker, Weak Kicker, No Kicker)
    • starker Draw (Straight/Flush-Kombinations-Draw, Pair/Draw, einfacher Draw)
    • starke Made Hand (Top Two Pair, Set, Straight, Flush, Full House)

Die zentrale Frage hier lautet:
Ist unsere Hand stark genug, auf einem gegebenen Flop einen großen Pot zu spielen? Oder halten wir den Pot lieber klein, weil das Board für unsere Hand zu gefährlich ist?

  • Die Textur des Board sollte uns folgende Fragen beantworten können:
    • Müssen wir eine Made Hand vor Draws beschützen?
    • Haben wir einen (guten) Draw und können ihn aggressiv als Semi-Bluff spielen?
    • Enthält das Board gute Karten, die einen Bluff glaubwürdig machen?
  • Aber auch die Position spielt wie immer ein sehr wichtige Rolle:
    • Nutzen wir unsere Position für gute Semi- oder gar Pure Bluffs?
    • Nutzen wir unsere Position, um möglichst viel Geld in den Pot zu ziehen für eine maximale Auszahlung unserer guten Hand?
  • Abhängig von den Gegnern müssen wir uns folgende Fragen stellen:
    • Ist der Gegner passiv und callt eher anstatt selbst zu setzen? Und erhöht dieser Gegner nur, wenn er eine starke Hand hat?
    • Oder ist er ein aggressiver Spieler, der selbst die Initiative ergreift, (semi-)blufft und auch mal erhöht, wenn seine Hand nicht sonderlich stark ist?
  • Die Höhe der Bets:
    • Wollen wir den Flop überhaupt betten?
    • Wie viel setzen wir?
    • Raisen wir einen gegnerischen Bet?
    • Und wenn ja, wie viel raisen wir?
  • Reaktion auf einen Raise:
    • Wie reagieren wir auf einen Checkraise oder einen Raise hinter uns?
    • Callen wir einen Raise?
    • Reraisen wir?

Schauen wir uns dazu noch mal ein bekanntes Konzept an, welches entscheidend für das Spiel nach dem Flop ist:

Der Continuation Bet

Wir treffen nur jedes dritte Mal mit einer unserer ungepaarten Holecards den Flop. Ob dies nun Top, Middle oder Bottom Pair ist, spielt dabei erst einmal keine Rolle. Aber auch unsere Gegner treffen nur bei einem von drei Versuchen. Und das gilt es auszunutzen, sofern wir der Preflop-Aggressor waren, und zwar standardmäßig mit einem Continuation-Bet.

Nur in seltenen Ausnahmen sollten wir auf einen Continuation Bet verzichten. Ein entscheidender Faktor, ob wir nun einen CBet machen oder nicht, ist die eigene Position.

In Position

In Position gegen einen oder zwei Gegner sollte der Continuation Bet in 90 % der Fälle gemacht werden. Die Ausnahmen hier wären extrem drawlastige Boards, auf denen wir selbst nichts getroffen haben und

  • überhaupt keine Chance sehen, uns zu verbessern, oder
  • wir gegen einen Spieler setzen müssen, der mit allen möglichen Händen (sogar mehrere) Bets callt und wir daher keinerlei Foldequity bekommen.

Out-of-Position

Hier wird es ein wenig trickreicher und man sollte sich die Textur des Boards genau ansehen. Denn auch die Gegner kennen das Konzept des Continuation-Bets, was bedeutet, dass diese oft ihre Position ausnutzen werden und uns häufiger raisen oder callen, als sie es ohne Position machen würden.

Schlechte Boards für einen Continuation-Bet sind:

  • Flops mit Flush- und Straightdraws
  • Flops mit drei hohen Karten

Höhe des Continuation-Bets

Die Höhe des Continuation-Bets sollte immer von der jeweiligen Board-Textur und nicht von der Stärke der eigenen Hand abhängig sein. Er sollte zwischen 2/3 und 3/4 der aktuellen Potgröße betragen.

Beispielsweise sollten Flops mit einem Paar generell niedriger angespielt werden als ein Flop mit einem Flushdraw. Der Grundsatz lautet:

Je gefährlicher das Board, desto höher der Continuation-Bet.

 

Beispiele

Um ein Gefühl für die unterschiedlichen Situationen zu bekommen, folgen 5 Beispiele, die das Spiel mit verschiedenen Starthänden in der frühen Turnier-Phase eines SNG veranschaulichen:

  • Beispiel1: Tophände wie AA, KK

Vor dem Flop raisen wir nach einem Limper auf fünf BB, um die eigene Hand zu beschützen und nach Möglichkeit Heads-up zu kommen. Nachdem zwei Spieler gecallt haben, sehen wir einen sehr drawlastigen Flop.

Aufgrund dieses gefährlichen Boards muss ein (in diesem Fall hoher) Continuation Bet gemacht werden, um die vermutlich beste Hand zu schützen. Nachdem einer der beiden Spieler auch auf dem Flop callt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dieser entweder einen Flushdraw, einen Straightdraw oder weniger häufig eine fertige Straße oder ein Set hält.

Durch die Turn-Karte ist kein Draw angekommen, was aber nicht bedeutet, dass unsere Hand nicht weiter beschützt werden muss. Da wir beim Checkraise des Gegners schon potcommited sind, können wir nicht mehr folden und müssen sein slowgespieltes Set ausbezahlen.

  • Beispiel 2: Suited Connector in ungeraisten Pötten

Nachdem vor uns viele Spieler gecallt haben, können wir in Position mit dieser spekulativen Hand in den Pot limpen. Der Flop bringt uns einen Flushdraw, der aber nicht aggressiv gespielt werden sollte, da noch zu viele Gegner im Pot sind und wir neben dem Flushdraw vermutlich keine weiteren Möglichkeiten haben, die Hand zu gewinnen.

Auf dem Turn treffen wir dann unseren Flush. Diese Made Hand sollten wir nicht slowplayen, sondern gleich aggressiv raisen, um einerseits den Pot größer zu machen und andererseits die eigene Hand zu beschützen, denn ein Gegner könnte mit einem hohen Karo in der Hand, einem Set oder 2 Pair zu einer besseren Hand drawen. Der All-in-Push auf dem River ist dann nur noch Formalität, da wir oft genug von schlechteren Händen (hier einem As) gecallt werden. Ein Check behind würde in diesem Fall unnötig Value verschenken.

  • Beispiel 3: AK spielen

Ohne Limper raisen wir vor dem Flop auf vier BB und floppen Top Pair Top Kicker auf einem Paired Board. In den meisten Fällen liegt man auf diesem Board vorn und sollte versuchen, soviel Value wie möglich aus der Hand zu generieren.

Die eigene Hand wird also angespielt und in diesem Fall mit einem All-in des Gegners beantwortet, das wir callen. Natürlich hätte unser Gegner eine bessere Hand wie z.B. Trips haben können, aber die Wahrscheinlichkeit war auf Grund unseres Preflop-Raises und der Boardstruktur eher gering.

Solche (geringen) Risiken muss man bei SNGs auch in frühen Leveln einfach eingehen, um sich eine gute Ausgangssituation für die späteren Level zu schaffen. Nur auf die Nuts zu warten, bevor man all seine Chips in die Mitte schiebt, ist bei SNGs der falsche Ansatz.

  • Beispiel 4: Draws aggressiv spielen

Wir floppen einen OESD mit einem Backdoor-Flushdraw, allerdings in schlechter Position. Wir sollten diesen Draw dennoch anspielen, da wir oft genug den Pot schon auf dem Flop gewinnen und uns zur Not immer noch verbessern können.

In diesem Fall werden wir von einem Spieler gecallt. Auf dem Turn erhalten wir zu dem Straightdraw auch noch einen Flushdraw. Die Aggression wird an dieser Stelle fortgesetzt, um den Gegner weiterhin unter Druck zu setzen, der schließlich aufgibt.

  • Beispiel 5: Hohes Paar spielen

Ohne Limper machen wir wieder die Standarderhöhung von vier BB und bekommen gleich drei Caller. Der Flop ist relativ sicher für uns, so dass wir uns aufgrund des bereits großen Pots nicht mehr von unserer Hand trennen wollen. Wir machen unseren Standard-Continuation-Bet und werden von einem Spieler gecallt. Auf dem Turn sind wir dann so potcommited, dass das All-in nur noch Formsache ist.

 

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