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Pot-Limit Omaha: das Spiel auf dem Turn (Teil 3)

Draw Hands:

Es gibt zwei Gründe, warum man auf dem Turn eine Draw Hand hält und beide sind eigentlich eher unerfreulich.:

  • Entweder hatte man vor dem Turn schon eine Draw Hand und der Draw hat sich auf dem Turn nicht realisiert oder
  • man hatte eine Made Hand und der Turn bringt eine Karte, die einen vermuten lässt, dass man sich nun verbessern muss, um noch gewinnen zu können. Man braucht also Outs für einen Redraw. Ein Beispiel dafür ist eine Situation, in der man auf dem Flop ein Set gehalten hat, der Turn aber nun einen Flush realisiert haben könnte und man sich zum Full House verbessern muss. Es kann natürlich sein, dass man noch vorn liegt, weil keiner der Gegner genau einen solchen Flushdraw gehalten hat, trotzdem sollte man seine Hand in der Regel als Draw Hand und nicht mehr als Made Hand betrachten.

Nicht getroffene Draw Hands

Wenn man einen Draw auf dem Turn verfehlt hat, muss man anhand der Potodds entscheiden, ob man diese Hand weiterspielt oder nicht. Sollte man seinen (offensichtlichen) Draw auf dem River treffen, hat der Gegner keine Möglichkeit mehr für einen Redraw und wird geschlagene Hände oftmals folden. Somit sind die Implied Odds nicht wirklich hoch.

Sollte der Gegner auf dem Turn Pot setzen, bekommen wir Potodds von 2:1. Das bedeutet, dass einen Draw mit 15 Outs (nicht ganz 2:1) allein einen Call rentabel macht, sollte man heads-up gegen einen Spieler spielen, der einen auf dem River nicht mehr bezahlt. Mit einem 20-Outs-Draw bekommt man sogar 1,2:1. Schauen wir uns noch einmal die Situation und die Tabellen vom Flop-Spiel an und beobachten, wie sich das Verhältnis ändert:

 

  • Folgende Situation:

Wir eröffnen als Erster den Pot mit einem pothohen Bet und nur der Small Blind callt. Im Pot sind acht Big Blinds (3,5 BB wir, 3,5 BB vom SB und ein BB vom Big Blind).

Der Small Blind ist ein aggressiver Spieler und findet im Flop das Top Set, als zusätzliche Rechnung sogar noch einen Flushdraw oder ebenfalls einen Straightdraw.

Wir selbst halten einen Nut-Straight-Draw (eventuell kombiniert mit einem Second-Nut-Flush-Draw).

Unsere Annahme ist nun, dass der Small Blind

  • auf dem Turn immer pothoch anspielen wird, auch wenn das Board einen Flush- oder/und Straightdraw zulässt.
  • Sollte er auf dem Turn gecallt werden, spielt er den River nur noch an, wenn kein Draw angekommen ist, callt aber unseren halben Potbet, um zu sehen, ob er wirklich geschlagen ist.
Für unsere Berechnungen
  • callen wir den Bet auf dem Turn und
  • spielen halben Pot auf dem River, sofern wir dort unseren Draw treffen.

Gewinnen wir, bekommen wir somit insgesamt 76 BB (8 BB preflop + 8 BB Flop + 24 BB Turn + 36 BB River)

Verlieren wir, bezahlen wir insgesamt 24 BB (24 BB Turn).

Somit lautet unsere Rechnung bei oben angegebener Spielweise:

.

13-Card-Nut-Straight-Draw vs. Set

Unsere Hand

Gegnerische Hand

Flop

 Turn

Unsere Sieg-

chance River 

Gegners Sieg-

chance River 

 Gewinn/Verlust

in Big Blinds

32,50 %

67,50 %

+8,50 BB

40,00 %

60,00 %

+16,00 BB

27,50 %

72,50 %

+3,50 BB

 

37,50 %

62,50 %

+13,50 BB

 

18,75 %

81,25 %

-6,69 BB

30,00 %

70,00 %

+6,00 BB

32,50 %

67,50 %

+8,50 BB

25,00 %

75,00 %

+1,00 BB

.

16-Card-Nut-Straight-Draw vs. Set

Unsere Hand

Gegnerische Hand 

Flop

Turn

Unsere Sieg-

chance River

Gegners Sieg-

chance River

Gewinn/Verlust

in Big Blinds

46,95 %

53,05 %

+22,95 BB

50,00 %

50,00 %

+26,00 BB

30,00 %

70,00 %

+6,00 BB

41,25 %

58,75 %

+17,25 BB

27,50 %

72,50 %

+3,50 BB

37,50 %

62,50 %

+13,50 BB

40,00 %

60,00 %

+16,00 BB

 

32,50 %

67,50 %

+8,50 BB

.

20-Card-Nut-Straight-Draw vs. Set

Unsere Hand

Gegnerische Hand 

Flop 

Turn

Unsere Sieg-

chance River 

  Gegners Sieg-

chance River

 Gewinn/Verlust

in Big Blinds

52,56 %

47,44 %

+28,56 BB

57,50 %

42,50 %

+33,50 BB

37,50 %

62,50 %

+13,50 BB

45,00 %

55,00 %

+21,00 BB

36,75 %

63,25 %

+12,75 BB

46,25 %

53,75 %

+22,25 BB

50,00 %

50,00 %

+26,00 BB

40,00 %

60,00 %

+16,00 BB

Wenn man dieselbe Rechnung macht und annimmt, dass der Gegner keinen Chip mehr in den Pot investieren wird, ändern sich die Werte wie folgt:

Gewinnen wir, bekommen wir somit insgesamt 40 BB (8 BB preflop + 8 BB Flop + 24 BB Turn + 0 BB River)

Verlieren wir, bezahlen wir insgesamt 24 BB (24 BB Turn).

Somit lautet unsere Rechnung bei oben angegebener Spielweise:

.

13-Card-Nut-Straight-Draw vs. Set

Unsere Hand

Gegnerische Hand

Flop

 Turn

Unsere Sieg-

chance River 

Gegners Sieg-

chance River

 Gewinn/Verlust

in Big Blinds

32,50 %

67,50 %

-3,20 BB

40,00 %

60,00 %

+1,60 BB

27,50 %

72,50 %

-6,40 BB

 

37,50 %

62,50 %

+/-0 BB

 

18,75 %

81,25 %

-12,00 BB

30,00 %

70,00 %

-4,80 BB

32,50 %

67,50 %

-3,20 BB

25,00 %

75,00 %

-8,00 BB

 

16-Card-Nut-Straight-Draw vs. Set

Unsere Hand

Gegnerische Hand 

Flop

Turn

Unsere Sieg-

chance River

Gegners Sieg-

chance River

Gewinn/Verlust

in Big Blinds

46,95 %

53,05 %

+6,05 BB

50,00 %

50,00 %

+8,00 BB

30,00 %

70,00 %

-4,80 BB

41,25 %

58,75 %

+2,40 BB

27,50 %

72,50 %

-6,40 BB

37,50 %

62,50 %

+/-0 BB

40,00 %

60,00 %

+1,60 BB

 

32,50 %

67,50 %

-3,20 BB

.

20-Card-Nut-Straight-Draw vs. Set

Unsere Hand

Gegnerische Hand 

Flop 

Turn

Unsere Sieg-

chance River

  Gegners Sieg-

chance River

 Gewinn/Verlust

in Big Blinds

52,56 %

47,44 %

+9,64 BB

57,50 %

42,50 %

+12,80 BB

37,50 %

62,50 %

+/-0 BB

45,00 %

55,00 %

+4,80 BB

36,75 %

63,25 %

-0,48 BB

46,25 %

53,75 %

+5,60 BB

50,00 %

50,00 %

+8,00 BB

40,00 %

60,00 %

+1,60 BB

Man sieht also: Selbst gegen einen einzelnen Spieler, der auf dem River keinen Chip mehr investieren wird, kann sich ein Call lohnen. Voraussetzung hierfür ist, dass man mindestens 37,5 % Siegwahrscheinlichkeit hat, oder umgerechnet 17 (16,5) Outs. Gegen einen Spieler, der sogar bereit wäre, einen halben Pot zu bezahlen, benötigt man "nur" 24 % oder umgerechnet elf (10,56) Outs.

  • Beispiel 1:
 

Wir halten und openraisen vom Hijack. Der Button sowie der Big Blind bezahlen und wir sehen zu dritt den Flop. Dieser kommt mit .

Es wird zu uns gecheckt. Wir halten die Aggression mit unserem Straightdraw aufrecht und raisen Pot. Der Button foldet, aber der Big Blind bezahlt nach kurzem Zögern.

Der Turn bringt das .

Jetzt ergreift der Big Blind die Action und bettet Pot.

Wir gehen davon aus, dass unser Gegenspieler (bislang ein recht tighter Spieler) mindestens hält, aber gut und gern auch ein Set Asse oder Könige slow gespielt haben kann. Dementsprechend benötigen wir vermutlich unsere Straight, um zu gewinnen und geben uns auch eine 50%ige Siegwahrscheinlichkeit mit der Second-Nut-Straight (100 %, wenn die kommen sollte).

Wir halten also 15 sichere Outs (, , , , , , , , , für die Straight, für den Nutflush und die Hälfte der verbleibenden acht Kreuzkarten für den Flush). Wenn wir unsere Straight treffen sollten, geben wir ihm eine 50%-Chance, einen halben Potbet zu callen bzw. 100 %, einen Viertel-Potbet zu callen (25 Big Blinds). In diesem Fall gewinnen wir insgesamt 90 Big Blinds (elf BB preflop, 22 BB vom Flop, 33 BB vom Turn und 24 Big Blinds auf dem River). 

Wenn wir verlieren, weil wir unsere Straight nicht treffen, bedeutet das einen Verlust von 33 Big Blinds (so hoch ist der Turnbet). Unsere Rechnung lautet wie folgt:

Wir halten 15 von 44 Outs, was umgerechnet 34,09 % (oder auch 1,93:1) entspricht.

--> Gewinn in BB x Prozent Gewinn + Verlust in BB x Prozent Verlust 

--> +90 BB x 34,09 % + (-33) BB x 65,91 %

--> +30,68 BB + (-21,75) BB

  = +8,93 BB

Unser Call hat also einen positiven Erwartungswert von +8,93 Big Blinds. Der Chance, dass unser Gegenspieler ebenfalls noch einen Straightdraw hält (zum Beispiel oder ) und unsere Outs dementsprechend niedriger ausfallen, haben wir entgegengesetzt, dass unser Gegner auch mit oder diesen Move machen könnte und unsere Jacks bereits gut sind oder gut werden, sobald sich das Board paart. Auch unseren Flushdraw haben wir nur mit 50 % angesetzt. Hier sollte also auf jeden Fall gecallt werden.

  • Beispiel 2:
 

Wir halten im Big Blind. Zwei Spieler in MP und der Button limpen, der Small Blind füllt auf und wir checken. Der Flop kommt mit . Alle checken und wir sehen immer noch zu sechst den Turn. Auf dem Turn erscheint der .

Der Small Blind bietet Pot (5 BB). Wir halten an dieser Stelle zwar einen Nut-Flush-Draw und einen OESD, dadurch, dass das Board gepaart ist, können wir uns aber nicht sicher sein, dass wir, wenn wir unseren Draw treffen, auch vorn liegen. Zusätzlich dürfen noch vier Spieler nach uns agieren und wir können nicht sicher sein, für fünf BB den River zu sehen. Hier sollte ganz einfach gefoldet werden. Wir haben bisher nichts in den Pot investiert (der Big Blind war ein Pflichteinsatz) und sollten uns aus diesem "Kampf" ganz einfach raushalten.

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