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Pot-Limit Omaha: das Spiel auf dem Turn (Teil 2)

Im letzten Artikel hatten wir die Fälle betrachtet, in denen sich unsere Made Hand mit der Turn-Karte weiter verbessert oder sich ein Draw realisiert hat. Nun wollen wir uns die Situationen näher ansehen, in denen die Turn-Karte nicht optimal für uns war. Zudem werden wir noch ein paar andere Aspekte des Turnplays beleuchten.

Hat der Turn meine Hand abgewertet?

 

 

Wenn man auf dem Flop eine Made Hand oder sogar die Nuts gehalten hat, der Turn aber einen Draw, der einen schlagen würde, vervollständigt haben könnte, muss man genau überlegen, ob und wie man seine Hand weiterspielt. Sicherlich kann es sein, dass man selbst noch vorn liegt, vielleicht ist man aber auch drawing-dead. Wieder einmal kommt es auf die gesammelten Informationen über seine Gegenspieler an und natürlich auch darauf, wie sich diese auf dem Turn verhalten. Aber gehen wir die einzelnen Möglichkeiten der Reihe nach durch.

Set vs. Flush oder Straight

Hat man auf dem Flop das Top Set gehalten, der Turn bringt aber die dritte Karte einer Farbe oder ermöglicht eine Straight, kommt es auf die Position und die Aggression des Gegners an, wie man diese Hand zu Ende spielen sollte. Sitzt man out-of-position zu seinem Gegner, ermöglicht ein Check eine großartige Bluff-Möglichkeit für diesen. Kaum ein Gegner wird auf Check zu ihm in dieser Situation nicht anspielen und man selbst steht dann vor einer schweren Entscheidung. Man sollte hier sein Spiel von seinem Gegner abhängig machen. Würde man seinen Gegner callen, wenn er anspielt, kann man auch gleich selbst anspielen und die Fold Equity mit auf seine Seite nehmen. Zumindest weiß man nach einem Raise des Gegners, wo man steht. Und gerade, wenn auf dem Flop ein Straight- und ein Flushdraw möglich waren, kann es auch ganz gut sein, dass sich der Gegner, der den Straightdraw hält, angesichts der Flush-Möglichkeit auf dem Turn aber entscheidet, keinen Chip mehr zu investieren. Somit wäre der Bet sogar "for value".

Hat man Position auf seinen Gegner, sollte man als Erstes bedenken, dass man, wenn man checkt und dann einen Potbet auf dem River bezahlt, genauso viele Chips investiert, als wenn man jetzt auf dem Turn Pot anspielt und vom Gegner gecallt wird. Sollte man jedoch anspielen und der Gegner checkraist einen oder spielt dann auf dem River noch einmal an, steht man vor einer sehr schweren Entscheidung. Man sollte an dieser Stelle die Freecard nehmen und hoffen, dass man eines seiner zehn Outs trifft. Falls nicht, hat man immer noch ein gewisses Showdown-Value und kann, je nach Gegner und Board, auch den River callen. Sollte der Turn eine Straight zulassen, der River jedoch einen Flush ermöglichen, kann man auch versuchen, diese Situation für einen Bluff zu nutzen. Dazu jedoch mehr im River-Artikel.

  • Beispiel 1:

Wir sitzen mit UTG und raisen Pot. Trotzdem bekommen wir insgesamt vier Caller, womit sich 18 BB im Pot befinden. Der Flop beschert uns mit das Top Set und nachdem der Big Blind zu uns gecheckt hat, spielen wir erneut Pot an. Der Umstand, dass drei Spieler callen, kann eigentlich nur bedeuten, dass sowohl die möglichen Draws als eventuell auch noch die ein oder andere schlechtere Made Hand vertreten sind.

Es befinden sich bereits 90 BB im Pot, als der Turn mit der mögliche Draws realisiert. Zwar halten wir immer noch Top Set, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein Gegner seine Straße oder seinen Flush getroffen hat.

Nachdem der Big Blind wieder zu uns checkt, haben wir nun verschiedene Optionen.

  • Wir könnten unsere Aggression fortsetzen und somit valuebetten, wenn wir noch die beste Hand halten (z. B. gegen ein kleineres Set oder einen Straightdraw, der noch nicht von der Dame komplettiert wurde wie z. B. ). Gegen drei Gegner ist die Wahrscheinlichkeit allerdings sehr gering, dass wir mit unserem Set noch vorn liegen.
  • Wir könnten einen aggressiven Semibluff spielen, um z. B. einen Spieler mit Straight oder Babyflush zur Aufgabe zu bewegen, da wir nun selbst einen Flush repräsentieren. Zusätzlich haben wir die Möglichkeit, im Fall eines oder mehrerer Calls noch auf Quads (ein Out) oder das Nut-Full-House (neun Outs) zu ziehen. Die Frage ist natürlich, wie oft wir unsere Gegner zur Aufgabe einer besseren Hand bringen. Gegen einen Gegner ist die Chance noch vergleichsweise hoch, wenn er nicht gerade den Nutflush hält und einigermaßen tight ist. Gegen drei Gegner sinkt die Wahrscheinlichkeit und damit unsere Fold Equity aber nahezu gegen null, da wir noch nicht mal ein einzelnes hohes Herz ( oder ) halten und ein Mitspieler, der z. B. den einzelnen hält und vielleicht eine fertige Straße, sicher nicht glaubt, dass wir einen Nicht-Nutflush gegen drei Gegner anspielen. Das macht uns anfällig für einen Resteal oder einen Riverbluff.
  • Wir können einen Blocking-Bet spielen, z. B. in Höhe der halben Potsize. Das würde uns im Fall eines oder mehrerer Calls Potodds von 3:1, 4:1 oder sogar 5:1 geben, sollten alle Gegner callen. Wir verbessern unsere Hand in 23 % der Fälle, damit wäre das ein guter Plan, sollten die Gegner entsprechend mitspielen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass mindestens einer der Gegner reraist.
  • Wir können checken und hoffen, dass die Gegner hinterherchecken. Ein kleiner Bet eines Gegners (z. B. halber Pot) würde uns auch einen easy Call bescheren. Sollte ein Gegner nach uns Pot anspielen und mindestens ein weiterer Spieler callen, würden wir für einen Call Potodds von 3:1 bekommen, knapp unterhalb unserer tatsächlichen Wahrscheinlichkeit. Mit einigen Implied Odds wäre ein Call dennoch profitabel. Wenn allerdings ein Spieler setzt und ein weiterer raist bzw. ein Spieler pothoch setzt und kein weiterer Spieler callt, müssen wir unsere Hand wohl oder übel aufgeben, sofern wir es nicht mit einem notorischen Bluffer zu tun haben.
Was wir in jedem Fall verhindern wollen ist, dass wir anspielen und ein Gegner nach uns pothoch raist. Denn das würde uns mit einer 23%igen Siegchance committen. Und das ist nicht das, was wir wollen. Ein Check/Call bzw. Check/Fold scheint in dieser Situation also die beste Alternative zu sein.

Set vs. Overset/Overcard

Wenn man auf dem Flop noch das Top Set gehalten hat, jetzt aber auf dem Turn eine Overcard auftaucht, die allerdings keinen Draw komplettiert, sollte man zunächst einmal keine Angst vor einem höheren Set haben und weiter "for value" betten oder auch raisen, sollte jemand anderes die Aggression übernehmen. Ein Set ist selbst gegen die stärksten Draws auf dem Turn immer Favorit.

Erst wenn die Betting-Sequenz eskaliert (Bet/Raise/Reraise), sollte man sein weiteres Vorgehen noch einmal überdenken. Dabei sollte man allerdings berücksichtigen, dass schwache Spieler Hände wie Two Pair auf dem Turn oft ansetzen, um die anderen aus dem Pot zu drängen oder weil sie tatsächlich glauben, vorn zu liegen.

Sitzt man aber einem sehr tighten Spieler gegenüber, kann es wirklich gut sein, dass man geschlagen ist.

Hier sollte man sein Spiel von seinem Gegner abhängig machen. Oft genug sieht man sich nur Top Pair oder Two Pair gegenüber, vielleicht auch noch kombiniert mit einem Straight- oder Flushdraw. An solchen Situationen kann man erneut sehen, wie viel möglichst vollständige Informationen über Gegner wert sein können.

  • Beispiel 2:

Wir openraisen im Cut-off mit und bekommen mit den Blinds zwei Caller. Im Pot befinden sich 10,5 BB und wir haben Position auf unsere Gegenspieler.

Der Flop bringt . Wir halten das Top Set und spielen - nachdem beide Spieler vor uns gecheckt haben - pothoch an. Beide Blinds callen und mit 42 BB im Pot sehen wir, immer noch zu dritt, den Turn. Dieser kommt mit dem .

Erneut checken beide Blinds zu uns und der Jack sollte eigentlich keine Gefahr darstellen. Wir halten nach wie vor eine sehr starke Hand (Second Nuts im Moment) und wollen diese gegen die möglichen Draws verteidigen. Wir spielen also wieder Pot (42 BB) an. Nun checkraist uns der Small Blind allerdings auf 166 BB. Der Big Blind foldet und wir müssen überlegen, wie wir gegen die möglichen Hände unseres Gegners stehen.

Zum einen könnte unser Gegenspieler natürlich ein Set Jacks halten und uns dementsprechend überholt haben. Wahrscheinlicher sind aber Hände wie ein starker Draw (Flush- und zusätzlich ein Straightdraw) oder ein kleineres Set.

Es gibt loose Spieler, die solch einen Move auch nur mit einem Flushdraw und vielleicht noch einem Overpair auf der Hand spielen können. Sofern wir aber keinen speziellen Read auf unseren Gegner haben, sollten wir solche Fälle eher vernachlässigen.

Schauen wir uns also die möglichen Hände und unsere entsprechenden Siegwahrscheinlichkeiten an:

  • Gegen einen Spieler, der einen Straightdraw mit einer Hand wie hält, hätten wir eine Siegwahrscheinlichkeit von 67,5 %, sind also hoher Favorit und können dementsprechend bedenkenlos unseren Stack committen.
  • Gegen einen Spieler mit einem Flush- und einem Straightdraw () liegen wir auf dem Flop mit 57,5 % vorn.
  • Gegen ein Set Zweien oder Sechsen liegen wir mit deutlich über 90 % weit in Führung (z. B. gegen mit 97,5 %).
  • Nur gegen einen Spieler mit einem Paar Jacks auf der Hand liegen wir mit nur 2,5 % Gewinnwahrscheinlichkeit weit abgeschlagen.
Im Omaha wird aber selten jemand mit einem Overpair Jacks auf dem Flop einen pothohen Bet bezahlen, sofern er nicht zusätzliche Draws oder bereits eine andere Made Hand hält. 

Die plausibelsten Hände sind starke Draws, die der Gegner in einen Semibluff verwandelt oder kleinere Sets, mit denen der Gegner erst den Turn abwarten wollte, um dann seinen Stack zu committen.

Unter diesen Umständen sollten wir also keine Angst haben und unsere Second Nuts aggressiv verteidigen, in dem wir unsere restlichen Chips in die Mitte schieben. Hat der Gegner dann doch Pocketjacks und damit die bessere Hand geturnt, war das einfach Pech. Einzig gegen extrem tighte und passive Gegner wäre ein Fold auf dem Turn denkbar.

Ein Call macht in dieser Situation übrigens wenig Sinn. Wir würden nur auf dem River nochmal eine weitere schwere Entscheidung treffen müssen, wenn eine Scarecard kommt (Herz oder eine Karte zur Straße) und unser Gegner erneut ansetzt. In diesem Fall könnte uns ein Set Sechsen zur Aufgabe unserer Hand zwingen. Ein Commitment auf dem Turn macht daher deutlich mehr Sinn.   

 

Bottom-Full-House vs. Nut-Full-House

Sollte man auf dem Flop nicht das Top Set gehalten haben und der Turn paart die Overcard, liegt man oft hinten, wenn der Gegner plötzlich aggressiv wird. Sollte der Gegenspieler jetzt "nur" Trips halten, so hätte er auf dem River insgesamt zehn Outs für die Nuts (besseres Full House bzw. Quads). Diese zehn Outs zuzüglich der Chance, dass man bereits geschlagen sein könnte und nur noch ein Out für seine Quads hat, machen die Hand unprofitabel.

  • Beispiel 3:

Wir sitzen im Cut-off und halten . Zu uns wird gefoldet, wir erhöhen und die beiden Blinds callen. Der Flop kommt und wir floppen Middle Set. Beide Blinds checken und wir setzen Pot, um unser Set zu schützen. Der Small Blind foldet, aber der Big Blind callt.

Am Turn kommt die und etwas überraschend übernimmt der Big Blind mit einem Bet in Höhe des Pots die Initiative.

Wir spielen hier nur in seltenen Fällen gegen einen Draw. Unser Gegner hat in der Regel in einer solchen Situation eine Made Hand. Wie stark diese ist, hängt ein bisschen davon ab, wie aggressiv der Gegner ist und auf welche Hand er uns setzt. Geht er davon aus, dass wir "nur" Asse halten, ohne eine der Board-Karten getroffen zu haben (vielleicht noch kombiniert mit einem Flush-Draw), dann kann er ein solches Play auch mit einer einzelnen machen.

Ist unser Gegner allerdings tight und eher passiv, so besteht die akute Gefahr, dass wir geschlagen sind, weil der Gegner 99xx, 98xx oder 94xx hält.

Hält unser Gegner nur eine einzelne Neun, so schlägt uns diese in 25 % der Fälle mit der River-Karte (da entweder die vierte Neun oder eine seiner weiteren Holecards erscheint). Unser Problem ist, dass wir in diesem Fall natürlich nicht wissen, welche Rivercard uns schlägt, was uns zusätzlich für einen Bluff anfällig macht.

Das zwingt uns bereits am Turn, zu entscheiden, ob wir den Turn und den River callen wollen oder nicht.

Die Hand zu raisen macht nur dann Sinn, wenn wir davon ausgehen, dass unser Gegner aggressiv und schlecht genug ist, einen Kombi-Draw (Straight + Flush) oder auch eine einzelne Neun mit einem Donkbet anzuspielen. In diesem Fall müssten wir raisen, um den Draw so teuer wie möglich zu machen.

Aber genau diese Unsicherheiten machen die Entscheidung so schwer und teuer.  

Den Turn und den River runterzucallen ist vermutlich das beste Spiel, da wir immer noch Hände wie und schlagen bzw. gegen die Draws (inkl. einer einzelnen Neun) deutlich vorn liegen. Sollte der Gegner am River checken, müssen wir uns überlegen, hinterherzuchecken oder einen Valuebet (gegen eine einzelne Neun) anzusetzen.

Spielt man mit sehr tiefen Stacks, kann man die Hand aufgeben, selbst auf die Gefahr hin, die bessere Hand zu folden. Deepstacked wollen wir unseren Stack nur committen, wenn wir die Nuts oder Second Nuts halten, aber nicht die fünften Nuts (die wir definitiv halten, sollte der River keine Acht bringen, die uns dann wiederum auch nur Second Nuts bescheren würde).

Straight vs. Flush

Hat man auf dem Flop noch die Nutstraight gehalten und der Turn bringt die dritte Karte einer Farbe, hat man erstens in den meisten Fällen keine Redraws und zweitens sehr häufig nur die zweitbeste Hand - besonders, wenn man gegen mehr als einen Spieler spielt.

Je nach Position und Art der Gegner - manche nutzen solche Situationen gern, um einen Bluff zu spielen - muss man entscheiden, ob man diese Hand so günstig wie möglich zu Ende spielt oder aber einfach aufgibt. Gerade gegenüber aufkommender Aggression und mehreren Gegnern muss man einsehen können, dass man hinten liegt und folden.

  • Beispiel 4:
 

Wir sitzen auf dem Button und halten . Ein Spieler in Middle Position raist auf drei BB, der Hijack callt, wir callen und der Big Blind callt ebenfalls. 12,5 BB und fünf Spieler sind im Pot.

Der Flop kommt mit nahezu perfekt und wir halten die Current Nuts. Alle checken zu uns und wir verteidigen unsere Hand mit einem pothohen Bet. Der Big Blind callt, der ursprüngliche Raiser gibt seine Hand auf, dafür callt der Hijack. Mit drei Spielern und 50 BB im Pot sehen wir den Turn.

Der Turn bringt den . Diese Karte ist natürlich schlecht für uns. Der Big Blind spielt Pot an und der Hijack callt. Da wir sehr wahrscheinlich geschlagen sind und auch keine Redraws halten, müssen wir die Hand an dieser Stelle aufgeben. Zu häufig laufen wir in einen Flush und auch der Call des Hijack deutet zumindest auf einen Draw hin (Full House etc). Auch bei den guten Potodds von 3:1 müssen wir bedenken, dass wir nicht nur auf dem Turn, sondern auch sehr wahrscheinlich noch auf dem River einen Bet callen müssten, um einen Showdown zu erreichen. Jetzt Pot (50 BB) und eventuell auch noch einmal auf dem River Pot (200 BB) ist mehr als zu viel für eine Hand, die maximal einen Splitpot erwarten kann.

Straight vs. Paired Board

Hat man auf dem Flop die Nutstraight gehalten und das Board paart sich, kommt es ebenfalls auf die Anzahl und/oder Art der Gegner an, ob man diese Hand weiterspielen sollte oder nicht. Oft genug sieht man sich beim Showdown einem Flush oder Full House gegenüber.

Eine Straight ist beim Omaha bei weitem nicht so hoch zu bewerten wie beim Texas Hold'em. Wirklich gut ist eine Straight nur bei einem nicht gepaarten Board, das rainbow den River sieht. Nicht selten bringt der River zusätzlich die dritte Karte einer Farbe und ein Spieler, der vorher nur ein Set oder Two Pair hatte, gewinnt nun mit einem mittelmäßigen Flush.

Also gilt auch hier das Prinzip, man kann froh sein, wenn man den Showdown erlebt, sollte dafür aber nur noch Chips investieren, wenn man gegen extrem loose Gegner spielt.

  • Beispiel 5:

In einer recht loosen Runde halten wir im Hijack und callen als dritter einen Raise. Der Big Blind tut es uns gleich und so sehen wir mit insgesamt fünf Spielern und 15,5 BB im Pot den Flop. Dieser beschert uns mit die Current Nuts mit unserer Straight. Der ursprüngliche Raiser spielt pothoch an, wir raisen ihn natürlich, um unsere Hand zu protecten und den Big Blind aus der Hand zu bekommen. Aufgrund seiner Position und seiner bisherigen Spielweise ist es durchaus möglich, dass unser Gegner mit einer -Hand Top Set getroffen hat, aber auch Two Pair oder zumindest ein starker Draw sind möglich. Er callt unseren Reraise und so sind bereits 139,5 BB im Pot.

Auf dem Turn paart sich das Board mit der und unser Gegenspieler ergreift sofort seine Chance, in uns hineinzuspielen.

Auch wenn es schwerfällt, sollten wir die Hand hier aufgeben.

Es sieht zu stark danach aus, dass wir geschlagen sind und in diesem Fall auch keine Redraws mehr hätten. Selbst wenn wir detaillierte Informationen über unseren Gegenspieler haben und sicher sind, dass er bei seinem Call auf dem Flop (unsere Straight war ja recht offensichtlich) durchaus geplant haben könnte, uns bei einem (für uns) ungünstigen Turn aus dem Pot zu bluffen, ist ein Call in der Regel nicht profitabel, da wir entweder bereits drawing-dead sind oder aber auf dem River geschlagen werden. Eventuell hat unser Gegner sogar einen Freedraw mit und zwei Kreuze in der Hand. In der Regel sollten wir hier also folden.  

Flush vs. Paired Board

Schwerer als eine Straight ist der Nutflush zu spielen, sollte sich das Board paaren. Oftmals ist es schwer, ihn loszulassen und einzusehen, dass man geschlagen ist. Nicht selten kann man immer wieder Spieler dabei beobachten, wie sie nicht nur durchcallen, sondern sogar raisen, im Glauben, dass sie immer noch vorn liegen.

Sollte man nun auf dem Flop den Nutflush gefunden haben, hat Pot gesetzt und trotzdem Caller gefunden, deutet das auf drei Arten von Händen hin.

  • Erstens, ein Spieler hält ein Set. In diesem Fall hat er mit einem gepaarten Turn ein Full House oder sogar Quads gemacht und man ist geschlagen.
  • Zweitens, er hatte Two Pair (oder auch drei Paare) und hat ebenfalls auf ein Full House gedrawt. Bei Two Pair hat er nun zu 66 % sein Full House gemacht, bei drei Paaren natürlich zu 100 %.
  • Die dritte und letzte Möglichkeit ist, dass er auf dem Flop schon einen Flush gehalten hat und einem selbst den Nutflush nicht glaubt. Diese Sorte von Spielern findet man allerdings recht selten. Nur wirklich schlechte Spieler werden in einen hineinbetten oder sogar raisen. Normalerweise versucht der Spieler mit einem kleinen Flush, diesen so günstig wie möglich zum Showdown zu bringen und bei zu viel Action aufzugeben.

Sollte man also auf dem Flop den Nutflush gehalten, mindestens Pot geboten oder geraist haben und hat einen oder mehr Caller bekommen, ist man auf einem Turn, der das Board paart, sehr wahrscheinlich geschlagen. In Postion bieten sich daher ein Check-behind  oder ein Fold an. Wenn man glaubt, einen sehr schwachen Spieler vor sich zu haben, kann man bis zum Showdown checken bzw. callen. Aber das hängt wieder stark von der eigenen Einschätzung des Gegenspielers und natürlich von den bis dahin gesammelten Informationen ab.

  • Beispiel 6:
 

In der letzten Hand haben wir einen Pot verloren und sind noch nicht dazu gekommen, unseren Stack wieder aufzufüllen. So sitzen wir mit 100,50 BB auf dem Button, finden und openraisen (3,5 BB). Beide Blinds callen und im Pot befinden sich somit 10,5 BB.

Der Flop kommt traumhaft mit .

Der Small Blind checkt, aber der Big Blind spielt Pot (10,5 BB) an, was uns natürlich sehr entgegenkommt. Wir raisen nochmal in Höhe des Pots (42 BB) und während der Small Blind foldet, entschließt sich der Big Blind zu einem Call. Im Pot befinden sich nun 94,5 BB und uns verbleiben noch 55 BB im Stack. Der Turn bringt die .

Der Big Blind übernimmt sofort die Initiative und setzt uns all-in. Im Pot befinden sich nun effektiv 149,5 BB und wir müssen 55 BB nachschießen, um den River und den damit verbundenem Showdown zu erleben. Wir bekommen also Potodds von 2,7 zu 1 und müssen in mehr als 27 % der Fälle gewinnen, um Profit zu machen. Wir müssten also die Bluff-Wahrscheinlichkeit entsprechend hoch bewerten oder den Gegner so einschätzen, dass er einen Nicht-Nutflush in mehr als 27 % der Fälle aggressiv weiterspielen würde, damit sich ein Call für uns noch lohnt. Hinzu kommt, dass wir in der Regel auch noch einen Riverbet zahlen müssen, was die Reverse Implied Odds erhöht und unseren Call daher noch kritischer macht.

In den meisten Fällen sollten wir uns daher geschlagen geben und an dieser Stelle folden. Zu häufig hält unser Gegenspieler hier ein Full House, was gerade durch seine Betting-Line untermauert wird.

Für den Fall, dass er semiblufft und eine oder eine Hand wie hält, hat er auf dem River immer noch vier bis neun Outs, um uns zu überholen, und wieder hätten wir das Problem mit den Reverse Implied Odds, da wir nach einem Turncall auch einen weiteren Bet am River callen müssten.

Unser Redraw zur und damit zum Royal Flush ist zu schlecht, um gegen ein Full House oder Quads anzutreten.


Nutflush vs. Straightflush

Es wird selten passieren, dass man auf dem Flop den Nutflush trifft, diesen anspielt, mindestens einen Caller bekommt, das Board eine weitere Karte dieser Farbe bringt, die einem Gegner einen Straightflush ermöglichen würde, und der Gegenspieler genau die passenden Karten hält.

Sollte einem das passieren, wird man schwer von der Hand loskommen. Je nach Gegner und Stack-Tiefe kann man die Hand zwar folden, oft spielen die Gegner dann aber doch ein Set oder einen kleineren Flush. Den River nicht zu raisen, ist aber sicher nicht verkehrt, sofern man die Hand nicht bereits aufgegeben hat.

Auch hier hängt das eigene Verhalten sehr von der Stack-Größe und dem Gegnerprofil ab. Je größer der Stack, desto mehr sollte man zu einem Fold tendieren. Dasselbe gilt, wenn man es mit eigentlich tighten und zurückhaltenden Gegnern zu tun hat, die plötzlich ungewöhnlich aggressiv und aktiv werden.

 

Bluffs auf dem Turn

Der wohl häufigste Bluff beim Omaha ist der Naked Ace Bluff. Das bedeutet, dass das Board einen Flush ermöglicht, man selbst das As in dieser Farbe hält, aber keine zweite Flush-Karte, und man nun setzt, mit dem Wissen, dass jemand anderes bestenfalls den Second Nutflush halten kann. Dasselbe geht natürlich auch, wenn ein entsprechendes Flush-As am Board liegt und man den gleichfarbigen König hält usw.

Immer dann also, wenn man eine Karte hält, die den Nutflush beim Gegner verhindert, kann man versuchen, selbst den Nutflush zu repräsentieren. Aber Vorsicht: Auch diesen Move sollte man wie viele andere Konzepte nicht überstrapazieren. Ist man einmal gecallt und der Bluff somit aufgedeckt worden, wird man in Zukunft mit deutlich schwächeren Flushes gecallt werden und der Bluff ist zunächst aus dem Repertoire zu streichen. Dafür werden dann die Valuebets mit den Nuts häufiger ausgezahlt.

Je tighter das eigene Image, desto höher die Erfolgsaussichten für diesen Bluff. Ebenfalls wichtig ist, dass man noch genug Chips hat, um ein oder am besten zwei Potsized-Bets machen zu können. Ist ein Gegner shortstacked oder sogar potcommitted, macht das Bluffen insgesamt keinen Sinn.

Ansonsten ist dieser Bluff recht stark und führt bei ordentlicher Aggression häufig zum Erfolg.

Es gibt eine Vielzahl weiterer Bluff-Situationen im Omaha, denen wir vermutlich einen eigenen Artikel widmen werden. Hier aber ein Beispiel:

  • Beispiel 7:

Wir sitzen UTG + 1 und finden .

Die Spieler vor uns folden und wir eröffenen den Kampf um den Pot mit einem Raise (3,5 BB). Der Button sowie beide Blinds callen und wir sehen zu viert den Flop (Pot = 14 BB).

Der Flop kommt .

Beide Blinds checken zu uns und wir halten hier einen Straightdraw mit insgesamt neun Outs. Zuzüglich halten wir das As vom Flushdraw, sodass wir im Fall eines Flushes auf dem Turn eventuell einen Bluff ansetzen können.

Wir führen also unsere Aggression fort und semibluffen mit einem Potsize-Bet (14 BB). Der Button raist auf 50 BB, also nicht ganz pothoch, und beide Blinds folden. Im Pot befinden sich jetzt 78 BB und wir müssen 36 BB nachzahlen, was umgerechnet 2,17:1 an Potodds bedeutet, um den Turn zu sehen. Im Stack hätten wir dann immer noch 146,5 BB. Durch unsere neun Outs haben wir nur Odds von 4:1, die eindeutig einen Call nicht rechtfertigen würden. Wenn wir nun aber noch die restlichen zehn Kreuze als Outs hinzunehmen, da wir damit rechnen, den Gegner erfolgreich aus der Hand bluffen zu können, ändern sich die Potodds in 26:19, bzw. 1,37:1. Selbst wenn wir davon ausgehen würden, dass unser Gegenspieler zwei Kreuzkarten hält und wir "nur" mit 17 Outs rechnen können, bedeutet das, dass wir immer noch mit Odds von 1,65:1 starten. Wir callen also.

Der Turn bringt den .

Der Turn hat die dritte Karte für einen Flush gebracht und wir müssen uns jetzt nicht entscheiden, ob wir anspielen, sondern nur wann. Im Pot befinden sich zurzeit 114 BB und wir sitzen out-of-position, müssen also als Erster agieren. Entweder spielen wir sofort an oder aber versuchen einen Check-Raise. Da uns und unserem Gegenspieler nur noch ein Stack von 146,5 BB bleiben, wäre unser Gegner mit jedem Bet seinerseits committed. Wenn wir jetzt aber pothoch anspielen, sieht er, dass wir uns selbst committen. Unser Gegner bekommt zwar Potodds von 2:1, allerdings wird ihm ein Call schwerfallen, besonders, wenn er selbst keinen Flush hat. Sollte er uns unseren Flush glauben und zum Beispiel ein Set halten, so hätte er (in seinen Augen) Odds von 3,4:1. Damit ein Call für ihn unprofitabel wird, reicht es aus, wenn wir knapp 30 % des Pots anspielen. Ein Bet in Höhe von 40 bis 50 BB sollten unseren Gegenspieler vertreiben.

Wenn man einen Bluff spielt, muss das Setzmuster immer einen Sinn ergeben. Darauf sollte man achten, anderenfalls werden die Bluffs zu schnell durchschaut und man kann diesen doch recht wichtigen Move zunächst nicht mehr anwenden, egal ob man den Naked Ace Bluff oder einen anderen Bluff versucht hat.

Bluffs sollten generell nicht zu häufig angewendet werden. Mit jedem Mal, mit dem man erfolgreich blufft und seine Karten nicht zeigen muss, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Gegenspieler beim nächsten Versuch callt. Daher macht es Sinn, Bluffs ähnlich zu spielen wie Made Hands, um den Mitspielern keinerlei Hinweise darüber zu geben, wie stark nun die eigene Hand ist.

Wichtig bei jedem Bluff-Versuch ist immer die Spielweise der Gegner. Spielt man gegen Calling Stations, lohnt sich Bluffen selbstverständlich nicht. Ebenso wird es schwer, Gegner zu bluffen, die Gefahren am Board nicht ernstnehmen oder gar nicht erkennen. Hier sollte man auf seine guten Karten warten und dann die Chips einsammeln.

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