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Pot-Limit Omaha: Das Spiel auf dem River (1)

Der River bringt die fünfte Gemeinschaftskarte und es folgt die letzte Setzrunde vor dem Showdown. Draw Hands haben entweder getroffen oder aber sind nicht aufgegangen. Viele Pokerspieler versuchen jetzt einen Bluff, um diese Hand noch zu retten, bemerken allerdings nicht, dass ihr Setzmuster keinen Sinn ergibt. Mit den Nuts kann (fast) jeder auf dem River spielen, aber wichtig ist es, die Second Nuts richtig zu spielen und Bluffs zu erkennen. Genauso wichtig ist es aber auch, dass man erkennt, dass die eigene Hand schlecht ist und dass man diese aufgeben kann.

 

Die Nuts 

Die Nuts auf dem River zu halten ist ein schönes Gefühl. Die Frage ist nur, wie man damit am meisten Chips in den Pot bekommt. Ein totales Desaster wäre es, wenn niemand bezahlt und man keine Chips mehr in den Pot bekommt. Je nachdem, welche Hand man hält und wie aggressiv die Gegenspieler sind, sollte man seinen Bet/Raise variieren. Checken ist wohlbemerkt fast immer ein Fehler.

 

Straightflush 

Sollte man einen Straightflush halten, müssen die Chips in die Mitte. Besonders gut ist es, wenn man zwei Lochkarten hält und noch besser, wenn jemand anderes mit dem As den Nutflush getroffen hat. Sollte ein Spieler die Aggression an sich gerissen haben, nachdem die dritte Karte einer Farbe auf dem Board erschienen ist, deutet das auf den Nutflush hin. Hat man Position auf seinen Gegner, empfiehlt es sich immer zu raisen., und zwar zwischen halbem und ganzem Pot, je nachdem wie loose der Gegner ist. Nur wirklich gute Spieler folden den Nutflush bei einer Straight-Flush-Möglichkeit und extremer Gegenwehr. Sitzt man Out of Position (OoP), gibt es drei Möglichkeiten, die alle vom Gegner abhängen. Nur wenn der Gegner äußerst aggressiv ist, auf dem Turn der Aggressor war und der River keine Scarecard ist, dann kann man ein Check-Raise versuchen. Ansonsten muss man anspielen, da die Gefahr eines Check-behind zu groß ist. Hat man einen loosen Gegner, kann man auch OoP den halben bis ganzen Pot anspielen. Bei tighten Gegner könnten ein Viertel bis die Hälfte des Pots noch Chips in die Mitte befördern. Sollte man auf dem Flop und auf dem Turn der Aggressor gewesen sein und der Gegenspieler hat nur gecallt, obwohl er als aggressiver Spieler bekannt ist, kann man versuchen ihn zu einem Bluff zu bewegen. Besonders gut klappt das dann, wenn sich der Flush (Straightflush) erst auf dem River ergibt. Hier sollte man einen kleinen Bet bringen, ein Viertel bis ein Drittel des Pots, und somit Schwäche signalisieren. Ein (loose-)aggressiver Gegner könnte versuchen, diese Scarecard zu benutzen, um einen Bluff anzusetzen. Sollte er raisen, bringt man einen Minraise und wird sogar dann noch manchmal gecallt, auch wenn der Gegner vielleicht nicht den Nutflush, aber eine andere gute Hand hält.

 

Quads 

Quads sind im Omaha eine feine Sache. Sollte kein Straightflush möglich sein, sind sie klar die Nuts. Häufig treffen Quads in einem Spiel auf ein Full House und werden gut ausbezahlt. Sollte man merken, dass der Gegner permanent aggressiv war, sollte man auf jeden Fall einen hohen Bet/ein hohes Raise bringen. Hält man Quads (das Board ist also gepaart) und es liegen auch ein möglicher Flush oder eine mögliche Straight vor, sollte man einen Gang zurückschalten und OoP nur einen kleinen Bet bringen (halber Pot). Immerhin möchte man nicht alle zum Folden bringen und vielleicht gibt es ja auch jemanden, der in diesem Bet eine Schwächer erkennt und raist. OoP ein Checkraise zu versuchen ist meistens nicht ratsam. Besonders wenn das Paar auf dem Board die Karten mit dem höchsten Wert sind, wird es viele geben, die bei einem großen Pot mit einem Full House nur checken. Dann lieber noch einen halben Pot mitnehmen.

 

Full House mit Pocket-Paar 

Ein Full House mit einem Paar in der Hand kann nur dann die Nuts sein, wenn man eine der beiden verbleibenden Karten von dem Paar auf dem Board hält. Besteht das Board zum Beispiel aus , dann hält man zwar mit das beste Full House, allerdings benötigt man noch die oder , um die absoluten Nuts zu halten. Mit dem Nut-Full-House kann man jede Menge Chips generieren. Nicht selten hält jemand die verbleibende Karte und eine andere Karte vom Board, sodass er glauben kann, er wäre mit seinem Full House vorn. Allerdings schwindet die Bereitschaft der Spieler zu callen, je höher die Limits werden. Während in den kleineren Limits kaum ein Spieler ein schwaches Full House aufgibt, passiert das in den mittleren Limits häufiger (besonders nach einem Raise in Position) und in den hohen Limits kann es sogar passieren, dass ein Spieler nur Check-Fold spielt.

 

Full House mit Two Pair 

Ein Full House mit Two Pair bedeutet, dass man von dem Paar und der höchsten Einzelkarte jeweils eine Karte hält. Das Paar muss auch die höchste Wertigkeit haben, nur dann hält man die Nuts. In dem Fall, dass es noch ein zweites Paar auf dem Board gibt, benötigt man diese Karte ebenfalls, um 100%ig die Nuts zu halten! Oftmals lassen sich mit dieser Hand viele Chips gewinnen, besonders wenn ein anderer Spieler ein schlechteres Full House hält. Auch hier kommt es wieder auf den Gegner und seine bisherige Spielweise an, wie hoch der Bet/das Raise ausfallen sollte. Loose Gegner werden mehr zahlen, während tighte Gegner wenig bezahlen oder sogar folden.

  • Beispiel 1:

Wir halten .


Auf dem Board liegen .


Jetzt halten wir mit unserem Full House () die Nuts, denn keine andere Kombination kann uns schlagen. Im schlimmsten Fall müssten wir den Pot teilen, falls jemand anderes oder halten würde.

  • Beispiel 2:

Wir halten .

Auf dem Board liegen .

Jetzt haben wir zwar ein sehr gutes Full House, allerdings nicht die Nuts, denn , , oder würden uns schlagen. Sollte die Aggression jetzt von einem anderen Spieler ergriffen werden, kann ein Call oder aber sogar ein Fold richtig sein, dazu müssen wir aber den Gegenspieler gut kennen, ihm eine der Hände zutrauen und der Pot sollte recht groß sein. Um hier die Nuts zu halten, müssten wir und entweder oder halten.

  

Nutflush 

Der Nutflush ist leider zu offensichtlich, das Board enthält kein Paar und die Flushkarten sind nicht so koordiniert, dass ein Straightflush möglich ist. Das beste, was passieren könnte, wäre, wenn jemand den Second-Nut-Flush oder ein Set halten würde und einem den Flush nicht glaubt, aber selbst hier wird man von jemandem mit einem Set sehr selten und mit dem Second-Nut-Flush auch nicht besonders häufig ausbezahlt. An dieser Stelle sollte man den Gegenspielern die Möglichkeit geben, günstig den Showdown zu sehen. Sitzt man OoP oder es wird zu einem in Position gecheckt, spielt man maximal halben Pot. Sitzt man in Position und es wird vor einem angespielt, sollte man zwischen Minraise und halbem Pot anspielen, je nachdem was man glaubt, wie viel der Gegner noch bereit ist zu bezahlen.

 

Nutstraight 

Die Nutstraight (ungepaartes Board und keine drei Karten von gleicher Farbe) ist nicht ganz so offensichtlich. Besonders wenn man Lochkarten hält, passiert es dem einen oder anderen, dass er die Gefahr übersieht. In diesem Fall wird man dann gut ausbezahlt. Häufig gibt es aber auch einen Splitpot. Hier sollte man auf jeden Fall nicht zurückstecken und betten/raisen. Ein guter Bet liegt hier ebenfalls bei ungefähr halbem Pot. Besonders Spieler in den niedrigeren Limits zahlen diese Höhe noch mit ihrem Top-Set.

 

Nutset 

Top-Sets sind oftmals gut genug, um auf dem River die Nuts zu sein. Sollte das Board nicht gepaart, keine drei Karten von einer Spielfarbe enthalten und nicht connected sein, ist das Top-Set die stärkste Hand. Das Schöne an einem Set ist, dass es häufig gut verborgen ist (besonders, wenn man es auf dem Flop trifft und erst auf dem Turn oder River die Initiative (über-)nimmt!) und man von Two Pair oder einem anderen Set entsprechend ausbezahlt wird. Je nach Art und Spielweise der Gegner kann man hier locker einen kompletten Potbet herausholen. 

Wenn man die Nuts hält und wider Erwarten geraist wird, sollte immer ein großer Reraise folgen. Es kommt vor, dass ein Gegenspieler seine Hand für die Nuts hält und versucht, alle Chips in die Mitte zu bekommen. Diese Gelegenheit sollte man ihm natürlich nicht verwehren. Für den Fall, dass er wirklich ebenfalls die Nuts hält und es zu einem Splitpot kommt (passiert häufig bei einer Straight), hat man nichts verschenkt. Im Normalfall gibt es einen maximalen Betrag, den das Haus vom Pot für sich verlangt und dieser ist meistens mit dem Turnbet schon erreicht. Man „verschenkt" also keine Chips und sollte alle seine Jetons in die Mitte befördern. Mit einem Nutflush und einem Straightflush kann es keinen Splitpot geben. Sicherlich sollte man vor dem Reraise noch einmal kontrollieren, dass man nicht selbst der Dumme ist, der sich verguckt hat. Und wenn dem nicht so ist, rein mit den Chips!
 

  • Beispiel 1: 

    Wir halten im Big Blind. Vier Spieler limpen, der Small Blind füllt auf und wir checken. Der Flop kommt mit . Der Small Blind checkt, wir checken und der Cut-off spielt Pot an. Der Button und der Small Blind callen. Wir callen mit unserem Flushdraw und die anderen beiden Limper folden.

    Der Turn bringt und der Small Blind checkt. Wir checken mit der Intension auf ein Checkraise, denn wir halten einen Nut-Flush-Draw sowie einen Open-ended Straight-Flush-Draw. Der Cut-off spielt wieder an, dieses Mal aber nur halben Pot. Der Button und der Small Blind folden. Wir raisen Pot, und nicht selten können wir  mit diesem Move den Pot sogar sofort gewinnen. Dieses Mal jedoch callt der Cut-off.

    Der River zeigt . Ein perfekter River! Nicht nur, dass uns der Cut-off auf einen verpassten Flushdraw setzen könnte, es kann sogar passieren, dass er ein Set hält und die Straight übersieht. Unsere Straight ist hier aber das beste Blatt. Wir sollten auf jeden Fall anspielen. Sollte unser Gegenspieler als Calling Station bekannt sein, können wir einen pothohen Bet, wenn er ein aggressiver Typ ist, mit einem Bet in Höhe von einem Drittel bis zur Hälfte des Pots sogar einen Raise provozieren. Von einem Check-Raise sollten wir hier absehen. Da wir auf dem Turn die Initiative übernommen haben, könnte es sein, dass unser Gegner nur Check-behind spielt.

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  • Beispiel 2: 

    Wir halten auf dem Button. Ein Spieler in UTG+1 limpt, die anderen folden zu uns. Wir raisen Pot, denn wir haben die beste Position, ein mittleres Paar sowie ein Suited-As. Wir wollen versuchen zumindest den Limper zu isolieren, oder sogar den Pot an dieser Stelle sofort zu gewinnen. Beide Blinds folden und der Limper callt. Der Flop kommt mit . Wir haben Top-Set getroffen und der Limper checkt zu uns. Da ein Flushdraw oder sogar eine möglich Straight auf dem Board liegt, müssen wir anspielen, um zu erfahren wo wir mit unserer Hand stehen und natürlich, um einem Draw eine Freecard zu verwehren. Wir betten Pot und der Limper zahlt.

    Der Turn bringt den . Jackpot! Wir halten Quads und müssen wirklich nur noch die beiden Straight-Flush-Draws fürchten. Der Limper checkt wieder zu uns. Sollte er, zum Beispiel mit , wirklich zwei Straight-Flush-Draws halten (das wäre der äußerste Extremfall), hat er momentan genau vier Outs und somit eine Trefferwahrscheinlichkeit von exakt 10 %. Wenn er dagegen ein Set, einen Flushdraw oder eine Straight hält, ist er bereits drawing-dead und weiß es nur noch nicht. Bisher war er eher eine Calling Station und so entscheiden wir uns, zwei Drittel des Pots anzuspielen. Praktischerweise callt unser Opfer.

    Der River zeigt . Unser Limper ergreift die Initiative und bettet pothoch. Das ist natürlich sehr gut für uns. Im besten Fall hält er ein Full House (Damen Full of Jacks) und ist bereit, bis zum Äußersten zu gehen. Vielleicht hält er allerdings auch nur eine Straight oder versucht uns zu bluffen, indem er die Dame als Scarecard benutzt. Würden wir hier nur ein Full House mit Jacks halten, könnten wir maximal callen oder müssten diese Hand sogar aufgeben (wenn wir eindeutige Informationen über unseren Gegenspieler haben, die darauf schließen lassen, dass er nur mit Tophänden einen solchen Bet bringen würde). Im jetzigen Fall sollten wir aber straightforward spielen und darauf vertrauen, dass unsere Calling Station ihrem Namen gerecht wird. Im besten Fall bekommen wir sogar alle Chips in die Mitte.

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  • Beispiel 3: 

    Wir halten und raisen UTG Pot. Der Button sowie der Big Blind callen und nehmen uns in die Mitte. Zu dritt sehen wir den Flop. Der Flop kommt mit . Der Big Blind checkt zu uns. Wir halten ein Overpair und einen Gutshot-Straight-Flush-Draw. Zudem waren wir preflop der Aggressor und spielen dementsprechend an dieser Stelle einen Continuation-Bet. Der Button, eher als guter tighter Spieler bekannt, callt und der Big Blind foldet.

    Der Turn bringt den . Wir haben jetzt das Top-Set und halten unsere Aggression aufrecht. Dadurch, dass wir preflop und auf dem Flop der Aggressor waren, ist unsere Hand nicht leicht zu identifizieren und wenn unser Gegenspieler einen starken Draw hält, wird er auf jeden Fall bezahlen. Wir spielen also wieder Pot an und der Button callt.

    Der River zeigt die süße und ist damit eine Blank. Wir halten mit unserem Top-Set die Nuts. Sehr wahrscheinlich saß der Button auf einem Draw und/oder einem schwachem Set/Two Pair und wird uns nicht großartig bezahlen. Wenn unser Bet zu hoch ist, wird der Button sehr oft einfach folden. Unsere einzige Chance, noch Chips in den Pot zu bekommen, ist, hier nur sehr wenig anzuspielen (maximal ein Drittel des Pots) oder sogar ein Checkraise zu versuchen. Da unser Gegner als tighter guter Gegner bekannt ist, wird er sehr wahrscheinlich folden, auch wenn wir ihm Potodds von 4:1 oder besser geben. Sollte unser Image aber eher loose sein, könnte er allerdings in die Falle tappen und uns raisen. Dieser Pot entschädigt uns dann für viele Folds. Sollte er folden, haben wir immerhin den Vorteil, dass wir unsere Hand nicht zeigen müssen und unser Spiel somit weiter verschleiert bleibt.

Sehr starke Hand 

Viel schwieriger sind natürlich Hände zu spielen, die nicht die Nuts sind. Durch die erhöhte Anzahl an Pocket-Karten gibt es auch wesentlich häufiger einen Spieler, der die Nuts hält. Die Spielweise auf dem River mit einer starken Hand, die aber nicht die bestmögliche Hand darstellt, hängt dementsprechend von den Gegenspielern und ihren bisherigen Spielweisen ab. Sehr starke Hände sind ein Full House (nicht das Nut-Full-House natürlich), der Ace-high-Flush, wenn es eine Straightflush-Möglichkeit gibt, und vereinzelt auch "Oben-Unten-Straßen", also eine Straight, von der man die oberste und unterste Karte hält (Hand: , Board: ). Alle anderen Hände wie Middle Set, Two Pair etc. zählen zur Kategorie "Hand mit Showdown-Value", die im zweiten Teil erklärt werden.

 
 

Wie bereits erwähnt, sollte man aufgrund der Spielweise seiner Gegner entscheiden, ob und wie viel man setzt. Grundsätzlich gilt es zu bedenken, dass durch einen Bet immer die Möglichkeit eines Raises erzeugt wird. Oftmals wird man dann vor eine schwierige Entscheidung gestellt und muss seine Hand aufgeben, weil man eben nicht die Nuts hält. Man bleibt aber im Dunkeln, ob der Gegenspieler nun besser war oder aber einfach die Gelegenheit für einen Bluff genutzt hat. 

 
Wir sitzen mit einer wirklich guten Starthand im Big Blind und nachdem drei Spieler gelimpt haben und der Small Blind aufgefüllt hat, raisen wir Pot und können so die Anzahl der Gegenspieler auf zwei reduzieren. Der Flop kommt nahezu perfekt und wir treffen die Nutstraight. Zusätzlich halten wir auch noch die Asse, sodass wir nicht befürchten müssen, dass unsere Straight durch eine höhere Straight entwertet werden kann. Leider liegen aber auch zwei Pik auf dem Board, sodass wir bei einem dritten Spade befürchten müssen, dass sich einer unser Gegenspieler einen Flush zieht. Wir betten also Pot, um so unsere Hand zu protecten. Nur der Small Blind callt und heads-up sehen wir den Turn. Wir halten immer noch die Nuts und abgesehen von der Tatsache, dass nun theoretisch zwei Flushdraws möglich sind, hat sich an der Situation nicht viel geändert. Setzen wir unseren Gegenspieler an dieser Stelle auf eine Hand wie , also auf Two Pair (und somit auf einen Draw zum Full House) und zwei Flushdraws, so haben wir immer noch genau 50 % Siegwahrscheinlichkeit. Bei drei Paaren und nur einem Flushdraw (z. B. ) sind es dagegen schon 65 %. Im Extremfall, also wenn unser Gegner vier Paare und zwei Flushdraws halten würde (), lägen wir mit 40 % zu 60 % hinten.
Wir betten wieder Pot und abermals callt uns der Small Blind. Die Anzeichen stehen also ganz klar auf "Drawhand"! Der River ermöglicht dann nicht nur einen Flush, sondern durch den zweiten König auch ein Full House. Abermals checkt unser Gegenspieler zu uns und wir müssen nun entscheiden, ob wir ansetzen, oder behind checken. Viele Spieler spielen den River an, wenn eine Scarecard erscheint. Die einen als Bluff, die anderen mit ihrem getroffenen Draw. Je nach Art des Spielers muss man dann entscheiden, ob man callt oder in seltenen Fällen sogar raist. Hier aber checkt der Gegner zu uns und wir müssen nun entscheiden, wie diese Hand zu Ende gespielt werden soll. Schauen wir uns noch einmal das Setzverhalten an, fällt auf, dass der Small Blind sehr passiv agiert und immer nur Check-Call gespielt hat. Entweder hielt er also auf dem Flop ebenfalls eine Straight, einen Flushdraw oder sogar Two Pair/ein Set und somit ein Draw zum Full House. Allerdings hätte er mit dem Top-Set wohl auf dem Flop geraist, um herauszufinden, ob wir selbst auf einem Draw sind oder aber die Straight halten. Das Auftauchen eines Königs auf dem River allerdings verringert die Chance, dass er auf der Hand hält. Unwahrscheinlich heißt aber nicht unmöglich, auch wenn die Chance im Omaha nur geringfügig höher ist als im Texas Hold'em. Wenn er nun ab dem Turn (zusätzlich) auf einem Flushdraw in Herz gewesen ist, hätte er auf dem River die Initiative übernehmen müssen, um so noch mehr Chips in den Pot zu bekommen. Allerdings halten wir das , dementsprechend würde er nicht den Nutflush halten und ein Check ergibt wieder mehr Sinn. Nach genauem Überlegen kommt durch den River eigentlich nur noch eine Hand wie oder ein geplatzter Flushdraw in Pik in Frage. Keiner dieser Hände würde allerdings auch nur noch einen Chip in diesen Pot investieren. Callen oder sogar raisen würde uns hier nur eine Hand, die uns schlagen würde (ggf. manchmal auch noch ). Wir checken also behind, nur um zu sehen wie unser Gegner mit seinem Full House gewinnt und genüsslich die Chips einsammelt.

Gegen passive Spieler ist es selbstverständlich sinnvoll, mit einer sehr starken Hand einen Bet zu platzieren, besonders wenn man Position auf seinen Gegner hat und dieser checkt. Es wäre fahrlässig, wenn man gerade bei Calling Stations weniger Chips ergattert als einem zustehen. Sollte man allerdings OoP sitzen und der River aus den eigenen Nuts eine starke Hand machen (also abwerten), sollte man auch gegen passive Spieler eher nur checken und gegebenenfalls lieber einen Bet callen, als selbst anzuspielen und in ein Raise zu laufen. In Position kann ein Check-behind manchmal enorm viele Chips sparen. Poker ist immer noch ein Spiel mit unvollständigen Informationen und je weniger man an Informationen in einer veränderten Situation besitzt, desto vorsichtiger sollte man spielen. Pot-Limit Omaha bildet da keine Ausnahme. 

Gegen aggressive Gegner kann man ebenfalls unterschiedlich vorgehen. Je nach Position und Aggressionsgrad des Opponenten gibt es diverse Möglichkeiten. Gerade wenn der River eine Scarecard bringt, nutzen aggressive Spieler diese gern, um Druck auszuüben. Hier sind nun die eigenen Kenntnisse über die Spielweise des Spielers und seine bisherige Setztstruktur gefragt. Wenn er dafür bekannt ist, solche Situationen auszunutzen und Druck zu machen, aber seine Setztstruktur zum Beispiel darauf hindeutet, dass man geschlagen ist, callt man ihn nur oder check-callt OoP seinen Bet. Wenn man sich dagegen sicher ist, immer noch die beste Hand zu halten, sollte man entweder anspielen oder sogar einen Checkraise versuchen. Gegen einen Gegner, den man nicht kennt und/oder überhaupt nicht einschätzen kann, ist ein Fold natürlich selten verkehrt. Gerade beim Pot-Limit Omaha bekommt man beim Showdown häufig die Nuts zu sehen.

Wieder einmal raist der Spieler auf Platz 9 preflop Pot und wir tun es Spieler 2 gleich und callen. Alle anderen folden und so sitzen wir in Position zum Raiser und Caller. Der Flop kommt recht angenehm. Wir halten einen OESD und gleichzeitig den Third-Nut-Flush-Draw. Selbst mit einem oder einer auf dem Board könnten wir gegen die Range an Händen von Gegner 9 vorn liegen. Unser aggressiver Freund spielt, wie immer wenn er der Preflop-Aggressor war, wieder pothoch an und während Spieler 2 foldet, callen wir den Bet natürlich. Der Turn bringt mit der eines unserer Outs. Wir halten die Current Nuts und nachdem Buddy 9 nur checkt, spielen wir natürlich pothoch an. Erstaunlicherweise callt uns unser Gegenspieler aber und so sehen wir den River. Durch das dritte Pik auf dem Board ermöglicht der River nun einen Flush, sodass wir nicht mehr die Nuts halten. Sofort ergreift unser Gegner die Initiative und spielt Pot. Bevor wir hier aber voreillig folden oder callen, sollten wir uns den Spieler und seine Setztstruktur in dieser Hand noch einmal genauer ansehen.

Zum einen ist er ein sehr aggressiver Spieler, der schon des öfteren Scarecards auf Turn und River genutzt hat, um zu raisen. Dieser Punkt spricht natürlich klar für einen Call. Zum anderen aber hat er zwar wie immer aggressiv begonnen (Raise preflop, Bet auf dem Flop), allerdings seine Aggression auf dem Turn eingestellt. Das zeugt zwar davon, dass er eingesehen hat, dass er hinten liegt, allerdings sagt er uns mit seinem Call aber auch, dass er glaubt, uns noch überholen zu können. Er wird also sehr wahrscheinlich auf einer Drawhand sitzen. Die bestmögliche Hand, die er uns geben konnte war eine Straight, also benötigte er einen Flush oder ein Full House, um uns zu schlagen.

Die Tatsache, dass der River einen Flush ermöglicht hat, könnte es also gut möglich machen, dass wir geschlagen sind. Da wir nicht genügend Chips in der Hinterhand haben, um zu reraisen, können wir aber auch keinen höheren Flush repräsentieren. Dementsprechend sollten wir also folden. Betrachten wir aber noch einmal die Wahrscheinlichkeiten. Dadurch, dass wir eine der Flushkarten selbst halten (), bleiben noch neun Karten, von denen unser Gegenspieler zwei halten muss, um uns zu schlagen. Die Wahrscheilichkeit liegt bei knapp 20 %, dass er zwei Pikkarten und somit einen Flush hält. Dieser Punkt in Verbindung mit der Tatsache, dass unser Gegner gern Scarecards benutzt, um zu raisen, sprechen also knapp für ein Call im Verhältnis zum Fold. Wir callen und wie sich herausstellt, liegen wir mit unserer Straße vorn. Ein netter Pot ...

 

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