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NLHE 6-max: der Flop (1)
Nachdem wir nun dem Grundsatz des "No Limping"-Hold'em in Shorthanded-Games treu geblieben sind und vor dem Flop erhöht haben, müssen wir uns nun über ein paar sehr wichtige Punkte klar werden, die das Spiel nach dem Flop wesentlich beeinflussen:

1. Stärke der eigenen Hand:
  • Top Pair (Top Kicker, Weak Kicker, No Kicker)
  • starker Draw (Straight+Flush-Kombinations-Draw, Pair + Draw, einfacher Draw)
  • starke Made Hand (Top Two Pair, Set, Straight, Flush, Full House)
Die zentrale Frage hier lautet:

Ist unsere Hand stark genug, auf einem gegebenen Flop einen großen Pot zu spielen? Oder halten wir den Pot lieber klein, weil das Board unserer Hand zu gefährlich ist?

2. Die Textur des Boards sollte uns folgende Fragen beantworten können: 
  • Müssen wir eine Made Hand vor Draws beschützen?  
  • Haben wir einen (guten) Draw und können ihn aggressiv als Semi-Bluff spielen?
  • Enthält das Board gute Karten, die einen Bluff glaubwürdig machen?
3. Aber auch die Position spielt wie immer eine sehr wichtige Rolle:
  • Nutzen wir unsere Position für gute Semi- oder gar Pure Bluffs?  
  • Nutzen wir unsere Position, um möglichst viel Geld in den Pot zu ziehen für eine maximale Auszahlung unserer guten Hand?
4. Je nach Gegnertyp müssen wir uns folgende Fragen stellen:
  • Ist der Gegner passiv und callt er eher, anstatt selbst zu setzen? Und erhöht dieser Gegner nur, wenn er eine starke Hand hat?
  • Oder ist er ein aggressiver Spieler, der selbst die Initiative ergreift, (semi-)blufft und auch mal erhöht, wenn seine Hand nicht sonderlich stark ist?
5. Bet-Sizing:
  • Wollen wir den Flop überhaupt betten?
  • Wie viel setzen wir?
  • Raisen wir einen gegnerischen Bet?
  • Und wenn ja, wie viel raisen wir?
6. Reaktion auf einen Raise:
  • Wie reagieren wir auf einen Checkraise oder einen Raise hinter uns?
  • Callen wir einen Raise?
  • Reraisen wir?
Bevor wir ins Detail gehen und uns über die oben genannten Punkte konkrete Gedanken machen, unterscheiden wir zunächst zwei Arten von Pots, die wir spielen müssen: Raised und Unraised Pots. Dieser Artikelteil beschäftigt sich mit den Raised Pots. Diese unterteilen sich beide wiederum in zwei weitere Potarten, die Heads-up- und die Multiway-Pots. Jeden dieser Bereiche wollen wir uns der Reihe nach ansehen.

Playing Raised Pots

Wir sind der Aggressor und haben vor dem Flop bereits erhöht. Wie verfahren wir nun auf verschiedenen Boards gegen verschiedene Gegner und in verschiedenen Positionen?

Kommen wir vorerst zu einem Standardkonzept im No-Limit Hold'em, das gerade in Shorthanded-Games an Wichtigkeit zunimmt.

Der Continuationbet

Wir treffen nur jedes dritte Mal mit einer unserer ungepaarten Holecards den Flop. Ob dies nun Top, Middle oder Bottom Pair ist, spielt dabei erst mal keine Rolle. Aber auch unsere Gegner treffen nur bei einem von drei Versuchen. Und das gilt es wieder einmal auszunutzen. Wir haben also vor dem Flop erhöht und müssen als Preflop-Aggressor fast immer unsere Aggression fortführen, um eine Menge von kleinen Pots mitzunehmen. Einerseits haben wir so einen sofortigen Profit auf lange Sicht, denn wir sammeln kleine Pots ganz einfach ein, wenn niemand etwas getroffen hat. Gleichzeitig halten wir durch den Folge-Bet unser aggressives Image permanent aufrecht und tarnen unsere guten Hände. Sollten wir nämlich den Flop getroffen oder sogar eine starke Made Hand gefloppt haben, wird es sehr profitabel, wenn uns die Gegner aufgrund unserer aggressiven Spielweise falsch einschätzen. Oft gelangen sie nämlich an den Punkt, an dem sie uns von einer Hand wegbringen möchten, da sie hinter unserem Flopbet, die in diesem Fall tatsächlich ein Valuebet war, erneut einen Continuationbet vermuten.
Unsere Pots in Shorthanded-Games bestreiten wir zumeist Heads-up, da wir ja vor dem Flop geraist haben. Somit macht sich ein Continuationbet in den meisten Fällen direkt oder eben für spätere Situationen bezahlt. Wir sollten allerdings nicht immer zu einem solchen "C-Bet" greifen.

  • In Position

    Continuation-Bet in 90 % der Fälle. Die Ausnahmen hier wären extrem drawlastige Boards, auf denen wir selbst nichts getroffen oder überhaupt keine Chance haben, uns zu verbessern, oder gegen einen Spieler setzen müssen, der mit allen möglichen Holdings (sogar mehrere) Bets callt. Im Prinzip nutzen wir aber unsere Position immer voll aus, denn für unseren Gegner wird es out of position sowieso schon schwer genug sein, eine Hand zu spielen. Trifft er nichts, muss er schon zu einem Bluff greifen, um uns um den Pot zu bringen.
  • Beispiel 1:



Wir erhöhen aus dem Button, bekommen einen Caller im Small Blind und der Flop bringt uns eine recht gut bluffbare Karte in Form der Q, die uns der Gegner durchaus zutrauen kann, da wir vor dem Flop erhöht haben. Weiterhin gibt es einen möglichen Flushdraw und nur wenig mögliche Straightdraws. Es trifft eine nicht sehr weite Range an Händen, besonders Karten in der Playing Zone (K, A, J, T, außer Q natürlich) und kleine bis mittlere Paare 22, 55-99 verbinden sich nicht sonderlich mit diesem Board. Wir setzen also mit einem 3/4-Pot-Bet an, um den Pot hier durch einen puren Bluff mitzunehmen. Unsere Bet sieht nicht schwach aus und verleitet vor allem kleine Paare oder eine sehr schwache Q eher zum Folden, als wenn wir kleiner setzen würden.

Die Gründe für einen C-Bet sind also in diesem Fall:

    1. Wir haben Position.
    2. Wir haben vor dem Flop geraist.
    3. Das Board bietet nicht allzu viele Draw-Möglichkeiten und verbindet sich nicht mit sehr vielen Händen aus der Playing Zone.
    4. Das Board enthält eine hohe Karte der Playing Zone, die wir glaubwürdig repräsentieren können, da wir vor dem Flop erhöht haben.
  • Out of Position

    Hier wird es ein wenig trickreicher und man sollte sich über Punkt zwei (s. o.) tiefergehende Gedanken machen. Das Problem wird sein, dass unsere Gegner das Konzept des C-Bet erkennen und ihre Position auf uns voll und ganz ausnutzen, um uns um den Pot zu bringen. Sie können den C-Bet callen oder sogar raisen. Hier braucht der Gegner nicht einmal eine Hand zu haben, denn sollten wir z. B. am Turn unseren (Semi-)Bluff nicht fortsetzen, wird es ein Leichtes für ihn sein, den Pot zu kaufen. Hier sollte man ganz einfach die Board-Textur als Kriterium dafür nutzen, sich für oder gegen einen C-Bet zu entscheiden, wenn man nicht getroffen hat:

    A-high-, K-high- und Q-high-Boards mit wenig bis gar keinen Draw-Möglichkeiten eignen sich stets gut für einen glaubwürdigen C-Bet, denn wir haben preflop erhöht und man schreibt uns sowieso eine Hand in dieser Reichweite zu. Selbst getroffene Spieler mit mittleren Paaren oder Pocketpairs sind oft geneigt, bereits auf einem Flop mit Q, K oder A gegen eine Bet wegzulegen.

    Gepaarte Boards eignen sich ebenfalls gut, denn hier ist es umso unwahrscheinlicher, dass unser Gegner getroffen hat. Er muss schon blufffreudig sein oder selbst ein Paar halten, um uns hier von einer Hand herunterzubringen.

    Kommt der Flop allerdings J high und/oder mit vielen Draw-Möglichkeiten, sollten wir bereit sein, gegen die meisten Gegnertypen zu checken. Auch wenn wir dadurch Gefahr laufen, dass sie uns den Pot mit einem gezielten Bet ihrerseits, eventuell sogar nur als (Semi-)Bluff, wegnehmen. Wir müssten bei einem Bet schon gewillt sein, auch auf dem Turn noch einmal einen Bet als Bluff abzufeuern, falls wir unseren Gegner auf einem Draw vermuten und dieser nicht kommt. Wir stellen uns sehr oft aber einfach vor schwierige Entscheidungen auf solchen Boards.
  • Beispiel 2:



Wir erhöhen aus dem Small Blind gegen den Big Blind und starten die Hand schon einmal mit einem großen Nachteil, dem Verlust der Position. Der Flop allerdings liefert uns trotzdem gute Gründe, einen C-Bet anzusetzen:

    1. Das Board enthält die zweitglaubwürdigste hohe Face-Karte nach dem As aus der Playing Zone. Wir können diese glaubwürdig repräsentieren, da wir vor dem Flop erhöht haben.
    2. Das Board lässt keinen Draw zu.
    3. Wir werden hier fast immer nur selbst von einem König gecallt und halten höchstwahrscheinlich sogar oft mit As hoch die beste Hand. Auch Spieler mit kleinen Paaren schmeißen auf diesem Board gegen eine solide Wette zumeist weg.
Höhe des Continuationbet

Wir sollten generell zusehen, dass wir unseren C-Bet um einen festen Wert herum einpendeln, unabhängig davon, ob wir getroffen haben oder nicht. Die Gründe dafür finden sich in folgendem Abschnitt: Wir unterscheiden erneut.

  • Heads-up-Pots
Hier sollte der C-Bet prinzipiell zwischen 2/3 und 3/4 der Größe des aktuellen Pots betragen. Wir möchten einen Einsatz machen, der:
  1. bei einem nicht getroffenen Flop glaubwürdig eine Hand repräsentieren und uns den Pot kaufen kann.
  2. groß genug ist, um Gegner davon abzuschrecken, gegen uns zurückzubluffen, falls wir nicht getroffen haben.
  3. gegnerischen Draws in jedem Fall die entsprechenden Potodds nimmt, um profitabel gegen unsere Hand eine weitere Karte zu sehen. Mit einer Wette in Höhe eines 2/3-Pots offerieren wir unserem Gegner Potodds von knapp 2,5:1, was für die meisten einfachen Draws wie Flush- und Open-ended-Straight-Draw nicht profitabel ist.
  4. nicht die Stärke unserer Hand preisgibt, sodass wir auf lange Sicht leicht für einen aufmerksamen Gegner durchschaubar werden.
  5. nicht immer das Maximum an Chips an eine Hand bindet, mit der wir nicht getroffen haben.
  • Multiway-Pots
Haben wir nicht getroffen, sollte unsere Bereitschaft, einen C-Bet anzusetzen, vollkommen von der Textur des Boards abhängen. Ein C-Bet ist hier meist nur in Position sinnvoll, wenn überhaupt. Boards, die sich sehr gut auch multiway bluffen lassen, sind zumeist gepaart und lassen wenige Draws zu.
  • Beispiel 3:



Wir erhöhen standardmäßig und bekommen zwei Caller. Wir sitzen genau zwischen den beiden, aber der Flop eröffnet nur Möglichkeiten auf einen Flushdraw, ein paar mögliche Gutshot-Draws sowie Trips. Wir setzen trotzdem an, werden aber in den meisten Fällen fertig mit der Hand sein, sollten wir tatsächlich noch einen Call bekommen. Auf diesem Board können wir uns bereits durch eine 2/3-Pot-Bet gute Chancen ausrechen, den Pot zu kaufen, da wir Interesse gezeigt haben gegen zwei Gegner. Dies wird z. B. auch oft Spieler mit kleinen Pocketpairs zu einem Fold bewegen, die vielleicht Heads-up gegen uns noch den Flopbet bezahlt hätten. Da wir nun aber Stärke gegen zwei Gegner auf diesem recht trockenen Board demonstrieren, werden wir hier die Hand auch sehr oft sofort beenden können.

Variation im Spiel

Da wir nach wie vor No-Limit Hold'em spielen, sind die oben erklärten Grundsätze und Prinzipien natürlich nicht immer und überall gültig. Außerdem kann man sein Spiel nicht immer monoton und nach Plan ablaufen lassen. Das ist oft für die niedrigen Microlimits eine äußerst profitable Spielweise, mit der man eine konstante Winrate erwarten kann. Je höher man allerdings in den Limits aufsteigt, desto aufmerksamer und auch aggressiver werden die Gegner. Wir werden durch konstantes "ABC-Poker" transparenter, lesbarer und auch ausnutzbarer. Natürlich behalten wir prinzipiell unser Bet-Sizing und unsere Raising- und Betting-Standards bei, aber wir können gegen bestimmte Gegnertypen auch variieren, um unseren Profit zu maximieren oder unseren Verlust zu minimieren.

Gegen einen passiven, schlechten Spieler, den man bereits mit diversen Draws große und viele Bets hat bezahlen sehen, macht es durchaus Sinn, ab und an auf drawlastigen Boards sogar über Potsize zu setzen. Der Spieler wird häufig trotzdem bezahlen und seinem Draw nachjagen. Selbiges gilt für Spieler, die wir schon in vorherigen Händen um Chips erleichtert haben. Sie könnten extrem angefressen von uns und unserer Spielweise sein, sodass man auch hier ab und an einen "Overbet" anbringen kann, also einen Bet, der größer als der aktuelle Pot ist. Denn wir hoffen in diesem Fall, dass wir Auszahlungen von schwachen Händen erhalten, oder Moves gegen uns gemacht werden, sodass wir sogar noch aus diesen bei unseren Gegnern provozierten Bluffs Extrachips schlagen können. In der gleichen Weise kann es auch äußerst profitabel sein, gegen bestimmte aggressive Gegnertypen immer wieder schwach anzusetzen, da diese es lieben, eine vermeintlich gesichtete Schwäche für einen Bluff auszunutzen.
Andersherum kann es hier und da auch nicht schaden, gegen passive Calling Stations auf verschiedenen Boards, die man üblicherweise bettet, einfach den C-Bet wegfallen zu lassen, wenn uns diese Gegner sowieso mit jedem getroffenen Paar callen und wir nicht bereit sind, den Turn erneut zu bluffen, falls sich unsere Hand nicht verbessert.

Teil zwei beschäftigt sich mit den Situationen, in denen wir als Preflop-Aggressor mit einem Flopbet oder einem Flopraise konfrontiert werden, sowie dem Spiel von Unraised Pots.

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