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FLHE Advanced: Draws
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Spielen von Draws. Besonders Flush- und Straighdraws sind wertvolle Hände, denn wenn wir den Draw treffen, gibt uns das in den meisten Fällen die beste Hand. Um das Maximum aus diesen Händen herauszuholen, müssen je nach Situation verschiedene Spiellinien angewendet werden. Demnach ist es manchmal korrekt, den Draw passiv zu spielen, und manchmal sollte aggressiv gespielt werden.

Flushdraws

Wenn wir beliebige Karten einer Farbe halten, floppen wir in ca. 11 % der Fälle einen Flushdraw und dieser kommt in 35% der Fälle bis zum River an. Und mit einem solchen Draw bekommen wir am Flop fast immer die richtigen Odds geboten, um weiterzuspielen.
Wie wir den Draw aber spielen, hängt von der Stärke unseres Draws, der Position, der Board-Textur und der Anzahl und Spielweise unserer Gegner in der Hand ab. Also, wie so oft im Pokerleben: Es kommt darauf an.
Als erstes betrachten wir Situationen, in denen wir nur einen blanken Flushdraw haben und keine zusätzlichen Outs durch Overcards, Paare oder Straightdraws.

Stärke des Draws
  • Draw auf die Nuts: auf einem -Flop
  • Draw auf die vermutlichen Nuts: auf einem -Flop
  • Draw auf eine mittelstarken Flush: auf einem -Flop
  • Zweifelhafte Draws: auf einem einem -Flop gegen viele Gegner
  • Wenn wir nur eine unserer Holecards für den Draw nutzen, sollte in der Regel nur gedrawt werden, wenn wir die Chance auf einen der zwei bestmöglichen Flushs haben. So ist auf einem -Flop spielbar, auf dem gleichen Flop eher nicht.
Position
  • In der Regel wollen wir mit reinen Flushdraws möglichst viele Gegner in der Hand behalten, um unsere Odds zu verbessern. Wenn wir nichts zu beschützen haben (Overcards, Paare etc.), können wir keinen Vorteil daraus ziehen, einen Teil unserer Gegner aus dem Pot herauszudrücken. Also sollten wir in früher Position diese Hände meistens checken, denn wenn wir setzen, könnte das einige Spieler zum Folden bewegen. Noch schlimmer wird es, wenn wir setzen und ein Spieler nach uns erhöht, denn dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die verbleibenden Gegner folden. Nicht das, was wir mit einer spekulativen Hand wünschen.
  • Sobald wir gegen mehrere Gegner spielen, können wir aber in Position auch „for value" erhöhen. Siehe Abschnitt „Raise for Value"
  • Auch gegen nur einen oder zwei Gegner kann es richtig sein, auf dem Flop in Position zu erhöhen, um sich so eine freie Karte auf dem Turn zu kaufen (siehe „Freecard").
  • In später Position haben wir also deutlich mehr Optionen, unser Spiel optimal auf die Gegner einzustellen.

Wenn wir neben den Flush-outs noch weitere Möglichkeiten haben, unsere Hand zu verbessern, wird der Draw entsprechend stärker. Mit auf einem -Board könnten wir z. B. zusätzlich zu den neun Flush-outs bis zu sechs weitere für die Overcards haben. Die bestmöglichen Draws sind entsprechend Openended-Straight-Flush-Draws mit Overcards. Beispielsweise auf einem -Flop hat bis zu 21 Outs (neun Herzen, sechs Karten für die Straße und je drei Könige und Damen). Da wir bereits mit 14 Outs auf dem Flop Favorit sind, bis zum River die beste Hand zu bekommen (Faustregel (14 x 4) - 1 = 55 %), wird schnell klar, wie stark solche kombinierten Draws sind.

Mit diesen starken Draws sollten wir also offensichtlich möglichst viel Geld in den Pot bekommen, also den Flop aggressiv spielen und meist setzen oder erhöhen. Eine Ausnahme hiervon bietet sich an, wenn unser aggressives Spiel viele der Gegner vertreiben würde und der Pot noch klein ist. In bereits großen Pots ist diese Gefahr hingegen geringer.
In manchen Fällen kann es vorteilhafter sein, Gegner aus dem Pot zu vertreiben. So z. B., wenn wir unsere Overcards schützen wollen oder Gegner loswerden möchten, die ebenfalls einen Draw haben. Bei starken Draws ist das jedoch weniger wichtig als bei schwächeren.

Straightdraws

Auch Straightdraws sind in der Regel starke Hände, mit denen man häufig bis zum River gehen wird. Das gilt insbesondere für Openended-Straight-Draws (OESD), die sich aus beiden unserer Holecards ergeben. Also Hände wie auf einem Flop von . Hier hat man acht Outs und der Draw kommt bis zum River in ca. 32 % der Fälle an.

Im Vergleich zu Flushdraws sind Straightdraws ein wenig anders zu betrachten. Man hat weniger Outs (nur acht im Gegensatz zu neun bei einem Flushdraw) und man hat, sollte man treffen, eine schwächere Hand. So wird eine Straße von einem Flush geschlagen und die Hand kann leichter als ein Flush durch unglückliche Turn- und/oder Riverkarten counterfeitet werden. Die Turnkarte kann z. B. einen Backdoor-Flushdraw oder eine unserer Holecards bringen, mit denen sich der Wert unserer Hand deutlich ändert, denn nun könnte der Gegner zu einer besseren Straße drawen.

  • Schauen wir uns das vorhergehende Beispiel nochmal an:
    Wir halten auf einem Flop von . Wenn nun die Turnkarte ein ist, haben wir zwar ein Paar, aber wir sind nach wie vor gegen hinten, müssen nun fürchten (die bereits eine fertige Straße hätten), stehen eventuell auch gegen einen Flushdraw und können selbst mit Two Pair verlieren, sollte auf dem River ein kommen und unser Gegner eine halten.

Ein Vorteil gegenüber Flushdraws ist jedoch, dass der Straightdraw weniger offensichtlich ist und man leichter zusätzliche Bets gewinnen kann.
Starke Straightdraws, also insbesondere OESDs auf Rainbowflops mit acht oder mehr Outs durch weitere Draws, kann man prinzipiell auf die gleiche Weise wie Flushdraws spielen und es gelten die gleichen Konzepte.

Anders sieht es bei schwächeren Straightdraws wie z. B. Gutshot-Draws (wir halten beispielsweise und der Flop liegt ) oder OESDs aus, bei denen nur eine der Holecards genutzt wird (wir halten z.B. und der Flop ist ). Bei Gutshot-Draws haben wir vier Outs und bekommen meistens nur gegen viele Gegner und in Pots, die vor dem Flop erhöht wurden, die korrekten Odds, um den Turn sehen zu können. Je nach Art des Gutshot-Draws können wir hier aber gute Implied Odds bekommen, denn eine Hand wie auf einem -Board ist für die Gegner schwer zu erkennen. Deutlich weniger Implied Odds haben dagegen Hände wie auf einem -Flop. Hier ist die Straße recht offensichtlich, wenn ein oder eine erscheint.

OESDs mit nur einer Holecard sollten meist nur gespielt werden, wenn wir das obere Ende der Straße halten: auf einem -Flop sind Draws mit der deutlich stärker als Draws mit einer .
Sämtliche Arten von Straightdraws sind auf monotonen Flops normalerweise kaum spielbar. Das gilt insbesondere gegen viele Gegner.

Sonstige Draws

Neben den Flush- und OESD-Draws gibt es weitere Draws, die in der richtigen Situation spielbar sind. Dazu zählen Overcards und Kombinationen aus kleinen Paaren und weiterem Potential der Hand. auf einem -Flop ist ein gutes Beispiel. Hier gilt es, seine Outs korrekt zu zählen und entsprechend der Odds zu spielen. Siehe hierzu auch den Abschnitt „Outs zählen".

Oft kann es richtig sein, sich mit Backdoor-Draws die Turnkarte anzusehen. Besonders wenn der Pot recht groß und die Turnkarte gleichzeitig günstig ist. Ein Backdoor-Draw allein ist ca. 1,5 Outs wert und somit selten genug, um die Hand weiterspielen zu können. Wenn unsere Hand zusätzlich noch andere Möglichkeiten wie z. B. eine Overcard hat, kann der Backdoor-Draw genug zusätzlichen Wert bringen, um einen Flopbet callen zu können.

Raise for Value

Wenn wir auf dem Flop einen nackten Flushdraw halten, kommt dieser in rund 35 % der Fälle bis zum River an. Unsere Equity am Pot beträgt also eben diese 35 %, vorausgesetzt, wir gewinnen jedes Mal, wenn unsere Draws tatsächlich kommen. Auf Flops mit Paaren oder wenn wir gegen Sets oder Two-Pair-Hände spielen, sinkt unsere Equity. Wenn wir nun also gegen zwei Gegner spielen und wissen, dass unser Draw in rund einem Drittel der Fälle ankommt, ist es „egal", ob wir callen oder raisen. Vorausgesetzt, die beiden Gegner gehen unsere Einsätze mit und unsere Einsätze haben keinen Einfluss auf die Entscheidung der Gegner, die Hand auf dem Turn oder River zu folden.

  • Beispiel:
    Wir erhöhen mit auf dem Button, beide Blinds callen. Der Flop ist und bringt uns den Nutflushdraw. Der SB setzt und der BB called. Wir gehen davon aus, dass beide Gegner eine Hand wie haben und stets zum Showdown gehen werden. In dieser Situation hat es keinen Einfluss auf den Erwartungswert der Hand, ob wir callen oder raisen. Denn von jedem Einsatz, der auf dem Flop in den Pot geht, gehört uns ein Drittel und wir zahlen gegen zwei Gegner genau dieses Drittel. Vom Geld das bereits im Pot ist, gewinnen wir zusätzlich im Durchschnitt ebenso dieses Drittel.
Auch wenn wir gegen drei oder mehr Gegner spielen, bleibt die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Hand bis zum River kommt, bei 35 %. Wir müssen aber nicht mehr als 33 % vom Pot selbst zahlen, sondern gegen drei Gegner nur noch ein Viertel (25 %), gegen vier ein Fünftel (20 %) usw. Wir zahlen also weniger in den Pot ein, als uns von der Equity her zusteht. In diesen Situationen erhöht sich unser Erwartungswert also, je mehr Geld wir auf dem Flop in den Pot bekommen.

Freecard

Wer setzt oder erhöht, zeigt Stärke, und so wird oftmals zu dem Spieler gecheckt, der in der vorigen Runde erhöht hat. Sei es, um ihn zu check-raisen oder weil man Angst vor der gezeigten Stärke hat.
Diesen Umstand können wir uns häufig zunutze machen, indem wir in Position auf dem Flop raisen und dann auf dem Turn, wenn alle zu uns checken, ebenfalls hinterher checken. Wenn wir auf dem Flop einen Draw haben, mit dem wir sowohl Turn- als auch River-Karte sehen wollen, kostet uns das normalerweise drei kleine Bets: einen auf dem Flop und zwei (= einen Big Bet) auf dem Turn. Natürlich immer vorausgesetzt, dass wir nur einen einzelnen Bet callen müssen.

  • Beispiel:
    Ein Spieler in früher Position limpt, wir limpen mit in später Position, der Big Blind checkt. Auf einem Flop von setzt der Big Blind an, der Spieler in früher Position callt und wir glauben, dass beide Gegner eine Hand wie ein Paar Könige oder Damen haben und diese weder folden noch reraisen werden. Wir haben einen OESD und im Pot sind 5,5 Small Bets und wir könnten callen. Alternativ können wir hier aber auch erhöhen und uns so die River-Karte für nur zwei kleine Bets sehen und auf diese Weise einen kleinen Bet sparen, wenn unser Draw nicht auf dem Turn kommt.

Besonders gut funktioniert dieser Spielzug offensichtlich gegen passive Gegner, die mit fast allen Händen checken nachdem sie geraist wurden. Gegen solche Gegner können wir das Freecard-Play fast immer anwenden, wenn wir einen Draw haben, mit dem wir profitabel eine Karte für einen kleinen Bet sehen können. Denn wenn es profitabel ist, eine Karte für einen kleinen Bet zu sehen, dann lohnt es sich fast immer, zwei Karten für zwei kleine Bets zu sehen.

Wenn der Spieler, der vor uns gesetzt hat, eher von der aggressiven Sorte ist, sollte das Freecard-Play vorsichtiger eingesetzt werden. Hier ist die Gefahr höher, dass wir anstatt zwei oder drei kleiner Bets vier zahlen müssen, wenn der Gegner ein weiteres Mal erhöht und auch den Turn setzt. Gegen aggressive Gegner sollte dieser Spielzug also nur eingesetzt werden, wenn uns eine Reraise nicht zu sehr schmerzen würde – also mit starken Draws.

Es gibt auch Situationen, in denen es ratsam ist, die Möglichkeit einer freien Karte nicht zu nutzen. Und zwar, wenn wir eine Möglichkeit sehen, dass wir den Pot mit einem Turnbet gewinnen können. Das funktioniert jedoch nur gegen wenige Gegner, bei denen wir zusätzlich schwache Hände vermuten. Es gilt also stets, zwischen den Vorzügen des kostenlosen Draws und der durch unsere gezeigte Stärke aufgebauten Fold Equity abzuwägen.

Outs zählen

Das Schwierigste beim Spielen von Draws aller Art ist es, seine Outs richtig zu zählen. Auf dieses Thema sind wir ja schon speziell mit dem Artikel und Video zu „Odds, Outs und Wahrscheinlichkeiten" eingegangen. Oftmals gibt es neben den offensichtlichen Outs auf die Nuts noch weitere, mit denen wir die Hand gewinnen können.

  • Beispiele:
    Eine Hand wie auf einem Flop von hat je nach Hand des Gegners sehr viele bis zu sehr wenige Outs. Im schlechtesten Fall hält der Gegner und wir haben bis auf drei Könige und drei Achten keine Chance, mit der Hand zu gewinnen. Hat der Gegner aber nur ein Paar Neunen mit beispielsweise den Pocket-Karten getroffen, helfen uns neben den acht offensichtlichen Outs für die Straße auch noch alle Damen und Zehnen. Wir haben also insgesamt 14 Outs.
    auf einem Flop von hat zwischen null (der Gegner hat eine Acht oder besser) und neun Outs (Gegner hält ein Pocketpair kleiner als ).

An diesen Beispielen wird deutlich, dass die Anzahl unserer Outs maßgeblich von der Hand des Gegners abhängig ist. Wir müssen also neben unserer eigenen Hand und dem Board auch immer die möglichen Hände des Gegners in unsere Rechnung einbeziehen. Besonders gilt dies für Draws auf weniger starke Hände wie z. B. Overcards.

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