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Konzepte: Der Value Bet

Deifnition Value Bet
 

 

Folgt man der obigen Definition, dann kann ein Value Bet nur dann eingesetzt werden, wenn man augenblicklich eine starke Hand hält. Spielt man einen Value Bet, so ist man überzeugt davon, im Moment die stärkste Hand zu halten und möchte sich diese Hand natürlich bezahlen lassen. Ein klassisches Beispiel zu Beginn:


  • Beispiel 1:
    Wir halten in früher Position und erhöhen auf den dreifachen Big Blind. Alle Spieler inklusive Small Blind folden. Der Big Blind callt. Der Flop kommt . Der Big Blind checkt. Im Pot befinden sich 6 ½ Big Blinds. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit halten wir hier die beste Hand. Unser Gegner hat bereits gecheckt. Wir wollen für unsere gute Hand bezahlt werden und setzen einen Value Bet von etwa vier Big Blinds an. Der Gegner callt.

Abgrenzung

Es ist wichtig, die verschiedenen Strategien und Bets voneinander abgrenzen zu können. Ein Pokerspieler sollte, wenn er setzt,  stets wissen, warum er setzt und warum er genau diesen oder jenen Betrag setzt. Es genügt nicht, ein vages Gespür dafür zu haben, dass die Situation geeignet wäre, zu setzen. Spieler, die so handeln, haben oft keinen Plan, wie sie die Hand in den folgenden Setzrunden weiterspielen wollen. Sie lassen sich mehr oder weniger davon überraschen, wie die Gegner reagieren und überlegen sich erst dann, was diese Reaktionen zu bedeuten haben könnten.

Ein ernsthafter Pokerspieler strebt jedoch danach, die Situationen möglichst exakt zu beurteilen und aufgrund dieser Einschätzung zu einem Ergebnis zu kommen, welche Spielweise am sinnvollsten ist. Deshalb ist es notwendig, den Value Bet von einigen ähnlichen Strategien abzugrenzen.

Value Bet vs. Block Bet

Der Value Bet hat die Intention, möglichst viel Geld in den Pot zu bringen, während der Block Bet darauf abzielt, den Pot eher klein zu halten.

Value Bet vs. Continuation Bet

Der Value Bet ist echt. Er zielt darauf ab, sich eine starke Hand bezahlen zu lassen. Der Continuation Bet ist häufig ein „simulierter" Value Bet, der in der Hoffnung abgegeben wird, der Gegner sei nicht bereit, unseren vermeintlichen „Value Bet", der tatsächlich ein Bluff ist, zu callen.

Value Bet vs. Probe Bet

Der Spieler, der einen Value Bet spielt, ist bereits davon überzeugt, dass er die beste Hand hat, wohingegen der Spieler, der einen Probe Bet spielt, erst herausfinden möchte, wo er steht.

Value Bet vs. Slow Play

Der Value Bet, den wir hier behandeln, ist ein Straightforward-Konzept. Wir haben eine sehr starke Hand und möchten uns diese bezahlen lassen. Viele Spieler tendieren dazu, ihre starken bis sehr starken Hände slow zu spielen (siehe hierzu Deception und Slow Play). Das mag eine gute Abwechslung sein, doch prinzipiell ist ein Spieler, der nur deceptive spielt, ebenso berechenbar wie ein Spieler, der nur straightforward spielt. Die wahre Kunst des Pokerns liegt in der Mischung aus beidem. Der Value Bet ist als Basisstrategie nicht nur unentbehrlich, sondern er hat auch gegenüber dem Slow Play einen eklatanten Vorteil: Üblicherweise resultieren aus der Anwendung des Value Bets in einer eher ungeeigneten Situation nur kleine Fehler, während die fehlerhafte Anwendung des Slow Play zu großen Fehlern führen kann. Ich werde auf Situationen, in denen der Value Bet nicht die optimale Alternative darstellt, später noch eingehen. An dieser Stelle erst mal ein kleines Beispiel für eine Situation, in der ein Slow Play gefährlich wäre:

  • Beispiel 2:
    Wir halten wieder in früher Position und erhöhen auf den dreifachen Big Blind. Zwei Spieler in mittlerer Position sowie der Big Blind callen den Raise. Der Flop kommt . Der Big Blind checkt. Im Pot befinden sich 12 ½ Big Blinds. Auch gegen drei Gegner haben wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die beste Hand und ein Gegner hat bereits gecheckt.

In dieser Spielsituation wäre ein Slowplay jedoch fatal. Mit drei anderen Spielern im Pot, einem möglichen Flushdraw und einem möglichen Straight Draw ist es absolut notwendig, keinen Spieler kostenlos oder zu günstig die nächste Karte ansehen zu lassen. Wir sollten hier etwa pot-hoch anspielen. Wenn alle Gegner folden: prima. Falls nicht, sollten wir es zumindest geschafft haben, die Spieler mit den zweifelhaftesten Draws (z. B. einem Gutshot-Straight-Draw) ausschließen zu können und die anderen für ihre Draws mehr bezahlt haben zu lassen, als sie korrekterweise gedurft hätten.

Way ahead or way behind (WAWB)

Es gibt Situationen, in denen die Anwendung eines Value Bet zumindest in Frage gestellt werden kann. Hier ein Beispiel:

  • Beispiel 3:
    Wir halten abermals in früher Position und erhöhen auf den vierfachen Big Blind. Zwei Spieler in mittlerer Position sowie der Big Blind callen den Raise. Der Flop kommt . Der Big Blind checkt. Im Pot befinden sich 16 ½ Big Blinds.

Es gibt hier zwei Möglichkeiten:

1. Einer unserer Gegner hat eine Neun. Dann bräuchten wir einen König (oder ein Runner-Runner-As) um zu gewinnen und hätten damit eine Gewinnwahrscheinlichkeit von etwa 8 %.


2. Keiner unserer Gegner hat eine Neun. In diesem Fall haben wir gegen z. B. drei Gegner eine Gewinnwahrscheinlichkeit von etwa 83 %. (Anmerkung: AA und KK wurden ausgeschlossen, da diese vermutlich vor dem Flop gereraist hätten.)

Diese Situationen nennen sich „way ahead or way behind". Gemeint sind damit Situationen, in denen man aufgrund der Struktur des Boards entweder haushoher Favorit gegen die Hand des Gegners ist, oder fast uneinholbar zurückliegt. Obwohl ein Value Bet in den meisten dieser Situationen vorteilhaft wäre und zumindest keinen „Fehler" im Sinne eines negativen Erwartungswertes darstellt, gibt es hier besser geeignete Strategien, die darauf abzielen, den Pot zu kontrollieren und ihn an dieser Stelle klein zu halten (siehe hierzu: Block Bet). Der Grund dafür ist leicht einzusehen. Da wir in diesem Beispiel nur von zwei möglichen Szenarien ausgehen, wird hier ein vermeintlicher Value Bet in den Fällen, in denen wir vorn liegen, eher selten gecallt werden, während wir in dem Fall, dass unsere Hand weit zurückliegt, entweder einen Raise oder einen Call mit einem Raise in einer späteren Setzrunde erwarten müssen. In solchen extremen WAWB-Situationen sei dem Anfänger dazu geraten, eher keinen Value Bet zu spielen. Ein Check/Call oder ein Block Bet sind oft die bessere Alternative. Erst, wenn man die Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichen Spielertypen hat und einschätzen kann, wie diese sich verhalten, kann ein Value Bet die zu bevorzugende Option darstellen.

Value Bet in späteren Setzrunden

Ein Value Bet ist ebenso auf dem Turn und dem River möglich. Voraussetzung bleibt jedoch nach wie vor, dass wir überzeugt davon sind, die beste Hand zu halten. Hier noch ein Beispiel für Value Bets in späteren Setzrunden:

  • Beispiel 4:
    Wir halten im Big Blind. Bis zum Cut-off wird gefoldet. Der Cut-off raist auf den vierfachen Big Blind. Button und Small Blind folden und wir callen. Der Flop kommt . Wir gehen davon aus, die beste Hand zu haben und machen einen Value Bet in Höhe des halben Pots. Der Cut-off instant-callt. Der Turn bringt die . Wir setzen erneut for value, diesmal etwa zwei Drittel des Pots. Der Cut-off bezahlt erneut. Auf dem River fällt die . Nun ist zwar ein Flush möglich, aber unser Gegner müsste schon eine Hand wie halten, um plötzlich vorn zu liegen. An dieser Stelle gehen wir von dem wesentlich wahrscheinlicheren Fall aus, dass er , , oder hält, und setzen auf dem River erneut einen Value Bet.

Dieses Beispiel zeigte nochmal einen klassischen Value Bet. Sollte in der oben beschriebenen Situation auf den River Bet hin ein hoher Raise kommen, müssen wir überlegen, ob wir dem Gegner einen Flush oder glauben wollen. Solange wir jedoch glauben, vorn zu liegen, sollten wir unserem Gegner so viele Chips wie möglich aus der Tasche ziehen.

 

Fazit

Wir spielen einen Value Bet, wenn wir ziemlich sicher die augenblicklich beste Hand haben.

Wir sollten darauf verzichten, einen Value Bet zu spielen, wenn:

  • unsere Hand schwach ist.
  • unsere Hand eher mittelstark ist, sodass wir erst herausfinden müssen, wo wir stehen.
  • die Board-Struktur eine „Way-ahead-or-way-behind"-Situation erschafft.
  • wir Anlass haben, den Pot klein zu halten.
  • wir ansonsten sehr „straightforward" spielen und unser Spiel variieren möchten.
  • die Situation und Spieler am Tisch ein Slow Play lukrativer machen würden.

 

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