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Konzepte: Der Probe Bet

Gemäß dieser Definition hält man also eine Hand, die weder so stark ist, dass man davon ausgehen kann, sie sei die augenblicklich beste, noch ist sie so schwach, dass man sich sicher sein kann, geschlagen zu sein. Es ist somit notwendig, sich aktiv Informationen über die relative Stärke der eigenen Hand einzuholen. Dies geschieht durch einen Einsatz, der so günstig wie möglich, jedoch so hoch wie nötig ist – in der Regel zwischen einem Drittel und dem halben Pot. Hierauf werde ich später noch näher eingehen. Zunächst ein Beispiel für einen klassischen Probe Bet (auch Feeler Bet genannt):
 

Beispiel 1: Wir halten in Middle Position. Ein Spieler vor uns in Middle Position erhöht auf 3.5 BB. Wir callen, ebenso wie der Button. Die Blinds folden. Der Flop kommt . Im Pot befinden sich 12 BB. Der Preflop-Raiser checkt. Wir setzen einen Bet in Höhe von 5 BB an. Der Button callt und der Middle-Position-Limper raist uns auf 12 BB. Wir haben genügend Informationen bekommen und folden.

Der aufmerksame Leser wird an dieser Stelle sicherlich bemerken, dass es für unseren Gegner unabhängig von seinen Karten immer vorteilhaft sein muss, uns zu raisen, wenn er weiß, dass wir einen Probe Bet ausführen. Die Kunst beim Probe Bet besteht deshalb darin, ihn so hoch anzusetzen, dass unser Gegner ihn eben nicht als Probe Bet identifiziert. Auf der anderen Seite möchten wir unsere Informationen dennoch so günstig wie möglich erhalten. Perfekt ist unser Probe Bet, wenn wir es schaffen, ihn so gering anzusetzen, dass unser Gegner ihn gerade noch als Value Bet einordnen würde. So kann er sich nie sicher sein, ob wir for value setzen oder nur Informationen erlangen möchten. Am besten ist die Situation dann für einen Probe Bet geeignet, wenn der Preflop-Aggressor nach dem Flop still wird, der Flop ungefährlich aussieht und wir zumindest eine mittelstarke Hand haben.


Beispiel 2: Wir halten wieder in später Middle Position. Ein Spieler in Early Position erhöht auf 3 BB und ein weiterer Spieler vor uns in MP callt. Wir callen, ebenso wie der Button und der Small Blind. Der Big Blind foldet. Der Flop kommt . Im Pot befinden sich 16 BB. Der Small Blind checkt, ebenso wie der Preflop-Raiser und der MP-Caller. Sollten wir einen Probe Bet machen?


Nein. Dies ist eine gefährliche Situation. Ein Early-Position-Raiser hat gutes Potential, ein As mit gutem Kicker zu halten oder ein höheres Pocketpair als unseres. Darüber hinaus gab es drei weitere Spieler, die den Preflop-Raiser gecallt haben und mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls ein Ass in der Hand halten können. Wenn einer unserer Gegenspieler ein As hält, haben wir nur zwei Outs und selbst diese sind unsicher, da eine Neun das Board connecten würde, sodass eine Straight möglich wäre und die sogar einen Flushdraw vervollständigen könnte. Alles in allem sollte hier lieber Check/Fold gespielt werden. 
 

Ein Probe Bet in späteren Setzrunden

Ein Probe Bet muss nicht zwangshalber auf dem Flop geschehen. Wenn wir out of position" sind, auf dem Flop mit einer mittelstarken Hand checken und der Preflop-Aggressor checkt behind, können wir bei einer ungefährlichen Karte auf dem Turn einen Probe Bet ansetzen. Auch wenn der Preflop-Aggressor auf dem Flop setzt, wir mit einer mittelstarken Hand callen, da wir ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Continuation Bet zutrauen und er bei einer ungefährlichen Karten auf dem Turn checkt, könnten wir ebenfalls einen Probe Bet ansetzen.

Abgrenzung

Es ist wichtig, die verschiedenen Strategien und Bets voneinander abgrenzen zu können. Ein Pokerspieler sollte, wenn er setzt,  stets wissen, warum er setzt und warum er genau diesen, oder jenen Betrag setzt. Es genügt nicht, ein vages Gespür dafür zu haben, dass die Situation geeignet wäre, zu setzen. Spieler, die so handeln, haben oft keinen Plan, wie sie die Hand in den folgenden Setzrunden weiterspielen wollen. Sie lassen sich mehr oder weniger davon überraschen, wie die Gegner reagieren und überlegen sich erst dann, was diese Reaktionen zu bedeuten haben könnten.


Ein ernsthafter Pokerspieler strebt jedoch danach, die Situationen möglichst exakt zu beurteilen und aufgrund dieser Einschätzung zu einem Ergebnis zu kommen, welche Spielweise am sinnvollsten ist. Deshalb ist es notwendig, den Probe Bet von einigen ähnlichen Strategien abzugrenzen.

 
Probe Bet vs. Value Bet

Der Spieler, der einen Probe Bet spielt, möchte herausfinden, wo er steht, wohingegen der Spieler, der einen Value Bet spielt, bereits davon überzeugt ist, dass er die beste Hand hält. Dieser Übergang kann fließend sein und hängt auch von der Spielerzusammensetzung am Tisch ab.

 
Probe Bet vs. Continuation Bet

Obwohl diese beiden Strategien oft sehr dicht beieinander liegen, gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen dem Probe-Bet und dem Continuation-Bet. Einen Continuation-Bet machen wir in der Regel nur dann, wenn wir bereits vor dem Flop der Aggressor waren. Der Probe Bet hingegen ist unabhängig von der Preflop-Action und hat zum Ziel, herauszufinden, wie stark die Hände unserer Gegner sind. Ein Continuation-Bet, der gecallt oder geraist wird, wird nur dann weiterverfolgt, wenn er mit einer starken Hand erfolgt ist. Ein Probe Bet, der gecallt wird, kann jedoch durchaus bedeuten, dass wir nach wie vor die beste Hand halten. Sollten mit der nächsten Gemeinschaftskarte allerdings Draws komplettiert werden, bietet sich ein Check-down oder Check-Fold an. 

Probe Bet vs. Block Bet

Dem Probe-Bet und dem Block-Bet ist gemein, dass sie so klein wie möglich, doch so hoch wie nötig gespielt werden. Dennoch unterscheiden sie sich hinsichtlich des Ziels. Mit dem Block-Bet möchte man günstig die nächste Karte sehen, um einen Call zu dem Preis zu bekommen, den man selbst anbietet. Die Hand unseres Gegners ist uns dabei fast unwichtig. Der Probe Bet zielt jedoch gerade darauf ab, die Hand unseres Gegners herauszufinden.

Die Grenze zwischen Probe Bet und Value Bet

Der größte Unterschied zwischen Probe-Bet und Value-Bet ist eigentlich, dass wir bei einem Value-Bet einen Call wollen, bei einem Probe-Bet aber eigentlich ein Fold oder einen Raise erwarten. Bei einem Fold haben wir den Pot kampflos gewonnen, was uns mit marginalen Händen recht ist, bei einem Raise können wir die Hand einfach aufgeben. Einen Call wollen wir mit einem Probe-Bet nicht, denn dann sind wir nicht sehr viel schlauer als vorher. Unser Gegner kann von einem Monster bis zu einem Draw alles halten.

Fazit

Wir spielen einen Probe Bet, wenn wir eine mittelstarke Hand haben, es keinen Preflop-Aggressor gab oder dieser es verpasst hat, zu setzen, und wir herausfinden wollen, wo wir stehen, da wir mittels Check selten eine nützliche Information bekommen werden.

Wir sollten darauf verzichten, einen Probe Bet zu spielen, wenn:

• unsere Hand sehr stark ist.
• unsere Hand sehr schwach ist.
• eine oder mehrere Scarecards auf dem Board liegen und der Pot multiway ist.
• wir eine Draw-Hand halten und als Letztes agieren.
• wir ein sehr looses Image am Tisch haben oder kürzlich beim Bluffen erwischt wurden.

 

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