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Konzepte: Der Donk Bet
Zunächst einmal sei festgehalten, dass ein Donk Bet, ähnlich wie der Continuation Bet, eher ein übergeordnetes Konzept darstellt. Bei der Bezeichnung Donk Bet kommt es eher auf den Zeitpunkt des Einsatzes an, als darauf, was mit dem Donk Bet bezweckt werden soll. Der Begriff Donk Bet leitet sich von dem englischen Wort Donkey (= Esel) ab und soll zum Ausdruck bringen, dass dieser Bet in den meisten Fällen keine clevere Alternative darstellt. Hier ein klassisches Beispiel:
  • Beispiel 1:

Wir halten in früher Position und erhöhen auf 3 BB. Ein Spieler in mittlerer Position callt, ebenso wie der Small Blind und der Big Blind. Der Flop kommt . Es sind 12 BB im Pot. Der Small Blind checkt. Der Big Blind spielt 6 BB an.


Donk Bet! Da wir der Preflop-Aggressor waren, würde man unter normalen Umständen erwarten, dass bis zu uns gecheckt wird und wir wieder ansetzen. Der Big Blind ist uns jedoch mit diesem Donk Bet zuvor gekommen. Welche Hand kann ihn dazu motiviert haben? Wenn er eine starke Hand getroffen hat, würde es für ihn viel mehr Sinn machen, zunächst Schwäche zu zeigen, um uns, dem Preflop-Aggressor, die Möglichkeit für einen Continuation Bet zu überlassen. Je nach Spiel der anderen Spieler kann er dann mit einem Raise "over the top" gehen und so einen wesentlich größeren Pot einkassieren. Hat er jedoch eine schwache Hand, so ist sein Bet ebenfalls nicht optimal, da er mit drei Gegnern im Pot, ohne dass der Preflop-Raiser schon agiert hat und diesem gefährlichen Flop keine besonders hohe Fold Equity haben wird. Noch dazu ist sein Bet sehr unglaubwürdig, da die meisten extrem starken Hände, die dieser Flop hervorbringt, schon vor dem Flop geraist, bzw. gereraist hätten. Wir wollen uns einmal ansehen, welche Motivationen es für einen Donk Bet geben könnte und wie diese zu bewerten sind.
 

Ausprägungen eines Donk Bet

Der Donk Bet als Value Bet

Wie oben bereits erläutert, ist es in der Regel sinnvoller, mit einer starken Hand zum Preflop Aggressor zu checken und diesen den Pot für einen eröffnen zu lassen. Es gibt jedoch Situationen, in denen es durchaus Sinn machen kann, einen Donk Bet als Value Bet zu spielen. Wenn wir es mit einem Preflop-Aggressor zu tun haben, der dazu tendiert, preflop viel Action zu machen, jedoch auf dem Flop in den meisten Fällen ruhig zu werden, kann es sinnvoller sein, direkt einen Value Bet anzuspielen, bevor er an der Reihe ist, um nicht Gefahr zu laufen, dass die Runde durchgecheckt wird. Des Weiteren wäre eine Situation denkbar, in der wir es mit extrem aggressiven Spielern zu tun haben. Ein Donk Bet wirkt zunächst immer komisch und unglaubwürdig und wenn er als Auslöser dazu dienen kann, dass einer oder mehrere unserer Gegner uns mit einem kräftigen Raise für diesen Donk Bet bestrafen wollen, um daraufhin mit einem ordentlichen Value Reraise zu antworten, dann sollten wir ebenfalls einen Donk Bet spielen. Wir sollten unsere Gegner ein wenig testen und ausprobieren, ob sie dazu tendieren, auf Donk Bets mit argwöhnischer Zurückhaltung oder mit strafender Aggression zu reagieren. Dann können wir entscheiden, in welchen Situationen ein Donk-Value-Bet angebracht ist.

  • Beipiel 2:

Wir sitzen im Big Blind und halten . Mit uns am Tisch sitzen drei Skandinavier in früher und mittlerer Position, die sehr aggressiv spielen und auf dem Button sitzt ein Spieler, der vermutlich on tilt ist. Der Skandinavier "under the gun" erhöht auf den doppelten Big Blind, was eine Standardaktion von ihm darstellt. Ein weiterer Skandinavier nach ihm callt, ebenso wie ein Spieler in mittlerer Position. Der On-Tilt-Spieler auf dem Button callt ebenfalls. Der Small Blind callt und wir callen auch. Der Flop kommt . Der Small Blind checkt. Im Pot sind zwölf Big Blinds. Jeder weiß, dass die Skandis für gewöhnlich die Setzrunde eröffnen, da sie das recht zuverlässig machen. Die Gemüter an diesem Tisch sind jedoch stark aufgeheizt und wir versuchen, unseren Vorteil daraus zu ziehen, indem wir unerwartet vor den Skandis einen Donk Bet in Höhe von fünf Big Blinds anspielen. Wir wollen sie mit diesem verhältnismäßig kleinen Bet außerhalb der Reihe provozieren. 


Der Donk Bet als Bluff

Diese Idee sollten wir verwerfen. Es gibt vermutlich so gut wie keine Situation, in der ein Donk-Bluff-Bet wirklich Sinn macht. Erstens wirkt ein Donk Bet immer seltsam, da er unerwartet kommt, und erzeugt somit Argwohn. Das ist in den meisten Fällen keine gute Basis für einen Bluff. Zwar ist es möglich, den ein oder anderen Spieler zum Folden zu bringen, doch das Problem liegt darin, dass die Fold-Wahrscheinlichkeit in diesen Fällen zu gering ist, als dass sie einen einigermaßen respektierbaren Einsatz rechtfertigen würde. Wir würden somit langfristig keinen Gewinn damit machen. Wenn wir den halben Pot als Donk-Bluff-Bet setzen, müssten wir in einem Drittel aller Fälle sofort den Pot gewinnen, um langfristig bei Null zu liegen. Setzen wir den ganzen Pot, ein Einsatz, der vermutlich mehr respektiert werden würde, bräuchten wir zumindest 50 % Fold-Wahrscheinlichkeit aller Gegner, um einen Nullsummen-Bet gemacht zu haben. Erst bei höheren Fold-Wahrscheinlichkeiten würde der Donk-Bluff-Bet uns langfristig Geld bringen. Sollten wir einmal an einem Tisch sitzen, an dem so tighte und schwache Spieler sitzen, dass wir eine wesentlich höhere Fold-Wahrscheinlichkeit mit dem Donk-Bluff-Bet erzielen können, dann sollten wir ihn auch einsetzen. Solche Tische sind jedoch selten und wir sollten uns vorher davon überzeugt haben, dass dem wirklich so ist.

Der Donk Bet als Probe Bet

Obwohl ein Probe Bet oftmals dann stattfindet, wenn der Preflop-Aggressor es verpasst hat, zu setzen, sind Situationen denkbar, in denen wir einen Donk-Probe-Bet machen. Wir könnten ihm dadurch zuvorkommen, indem wir als Donk Bet einen Probe Bet mit einer mittelstarken Hand spielen und somit versuchen, die reinen Continuationbluffs von ihm auszuschließen.

Der Donk Bet als Block Bet

Der Block Bet ist in einem Großteil der Fälle ein Donk Bet, was jedoch nicht unbedingt heißen muss, dass ein Großteil aller Donk Bets Block Bets sind. Es liegt in der Natur des Block Bets, dem vermeintlichen Aggressor zuvorzukommen, ihn mit einem Einsatz zu einem Call statt einem Raise zu bewegen oder ihm genau den Einsatz wegzunehmen, den er gern anspielt. Viele Spieler spielen gern etwa zwei Drittel des Pots an. Es heißt sogar oftmals, wenn man nicht wisse, wie hoch man setzen solle, dann könne man mit einem Zwei-Drittel-Pot-Bet nicht so viel falsch machen. Setzen wir jedoch nun vor dem vermeintlichen Aggressor einen Donk-Block-Bet in Höhe von etwa dem halben Pot an, dann kann er den ursprünglich geplanten Einsatz von etwa zwei Drittel des ursprünglichen Pots nicht mehr bieten und müsste stattdessen mindestens um den ganzen ursprünglichen Pot erhöhen. Dies könnte ihm jedoch zu viel sein, sodass er sich stattdessen zum Call entscheidet.

Donk Bet in späteren Setzrunden

Ein Donk Bet ist auf allen Setzrunden denkbar. Voraussetzung ist immer, dass jemand anderes in der Setzrunde zuvor der Aggressor war und Position auf uns hat. 
 

Fazit

Wir sollten stets einen guten Grund haben, um einen Donk Bet zu spielen und uns bewusst machen, dass er in den meisten Fällen mit argwöhnischer Verwunderung aufgenommen werden wird. Ist es eben dies, was wir bezwecken wollen, können wir ihn spielen. Als Bluff Bet ist der Donk Bet jedoch in der Regel nicht geeignet.

Wir sollten darauf verzichten, einen Donk Bet zu spielen, wenn:

  • unsere Hand schwach ist.
  • unsere Hand stark ist und der Preflop-Aggressor oft Continuation Bets macht. 
  • unsere Hand stark ist, wir jedoch keinen triftigen Grund haben, anzunehmen, dass wir mit einem Donk Bet mehr Chips in den Pot bekommen als auf anderem Wege.

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