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NLHE 6-max: der Turn (2)

Gegen einen einzelnen Gegner am Turn können wir unsere Hand, wie im letzten Artikel beschrieben, auf ganz verschiedene Weisen spielen. Das gibt einem die Möglichkeit, die für den aktuellen Gegner optimale Strategie auszuwählen und damit seine Gewinnchancen zu maximieren. Natürlich sind die in Teil 1 erläuterten Konzepte keine Gesetze, und das Spiel zu variieren ist auf lange Sicht ein wichtiges Erfolgskonzept.

In diesem Artikel wollen wir nun betrachten, wie wir Hände out of position spielen, wie wir unser Spiel an unterschiedliche Gegner anpassen können und müssen und wie wir auf einen Raise am Turn reagieren, wenn wir bislang der Preflop- und Flop-Aggressor waren.    

Out of Position

Turnbet
Auch ohne Position gelten im Grunde fast die gleichen Richtlinien wie für das Spielen des Turns in Position. Wir setzen unsere Made Hands und viele Semi-Bluffs weiterhin, müssen jetzt allerdings schwierige Entscheidungen treffen, falls wir geraist oder erneut gecallt werden. Dazu aber später mehr.  
Check-Turn
Out of position ist es zwar auch wichtig, viele Boards auf dem Turn mit einem zweiten „Barrel" zu versehen, aber oft können wir Hände aufgeben, wenn es offensichtlich ist, dass der Gegner nicht mehr foldet oder wir ihn auf eine sehr enge Bandbreite von Händen setzen können, die aufgrund des aktuellen Boards wahrscheinlich sind. Oft besitzen wir auch keine Hand, die sich verbessern oder als solche einen Showdown gewinnen kann (z. B. wenn unsere Hand kein „Showdown Value" besitzt), sodass wir in solchen Fällen am Turn aufgeben sollten.
  • Beispiel 1

 

Wir finden under the gun und erhöhen, der Spieler im Button bezahlt. Wir sehen einen fast Draw-losen Flop (wenig Straight- und keine Flushdraw-Möglichkeiten) und machen einen relativ starken Continuation Bet, um unseren Gegner auf ein As zu testen. Dieser zahlt, was in den meisten Fällen tatsächlich auf ein As schließen lässt, seltener auch auf schwächere Hände wie ein mittleres Pocketpair oder eine Sieben, in den wenigsten Fällen aber auf den einzig möglichen Straightdraw mit oder ein Set mit oder . Natürlich kann er auch ein paar nahezu unsichtbare Gutshots oder rein gar nichts haben, aber in den meisten Fällen spielen wir ganz einfach gegen ein As, Kicker unbekannt.

Wenn wir nun am Turn wieder out of position gegen diesen Spieler ein „Barrel" abfeuern möchten, sollten wir dies nur mit „Reads", also gegnerspezifisch, tun. Wenn wir wissen, dass dieser Spieler sehr tight ist und auch mittlere bis gute Asse gegen große Einsätze weglegen kann, käme ein zweites „Barrel" in Frage. Am besten wäre es, wenn wir bereits beobachtet hätten, wie dieser Spieler seine Top-Pair-Hände spielt und gegen welche Setzgrößen er passt, nachdem er bereits einen Flopbet bezahlt hat.

Ein zweiter und viel wichtigerer Punkt, der in dieser Situation gegen einen Einsatz am Turn spricht, ist allerdings ein ganz anderer: Die Stack-Größe des Gegners! Er besitzt nur noch einen halben Stack, bezahlt einen Preflop-Raise und einen Flopbet. Da fast keine Draws möglich sind, müssen wir hier davon ausgehen, dass dieser Spieler bereit ist, diese Hand zum Showdown zu bringen. Unser Paar Zehnen ist einfach zu selten gut, als dass es sich bei der gegnerischen Stack-Größe lohnen würde, in einen zweiten Bet zu investieren, der quasi als Bluff gedacht ist, um ein As zur Aufgabe zu bringen. Eine weitere gegnerspezifische Variante des Turnplays ist beispielsweise diese:

C/R AI (Checkraise-All-in)

Es gibt viele Gegner, die uns gern in Position am Flop callen, nur um uns am Turn, wenn wir ein Anzeichen von Schwäche zeigen, die Hand und damit den Pot mit einem starken Bet abzunehmen. Zwar ist es richtig, gerade deshalb immer öfter auch den Turn zu setzen, aber gegen bestimmte Spieler kann man hier eine andere Möglichkeit wählen.

Wir wissen, dass der Gegner uns oft am Flop callt mit der Intention, uns am Turn zu bluffen. Man bezeichnet dies auch als „Float", was so viel heißt wie „in der Luft schweben". Der Spieler hängt also in der Luft mit wenig Aussicht auf Verbesserung seiner Hand, gleichzeitig geht es uns aber ähnlich, da wir nicht wissen, wo wir gegen ihn stehen, sodass er diese Situation mit einem Bluff zu seinem Vorteil nutzen kann. Wir wiederum können dieser Strategie entgegenwirken, indem wir Checkraise-All-in spielen. So erhalten wir einen zusätzlichen Bet für unsere Hand am Turn, den wir bei einem normalen Bet nicht bekommen hätten, weil er gepasst hätte. Eventuell zahlt er das All-in sogar mit einem reinen Draw, sodass wir sogar einen ganzen Stack-Gewinn als Favorit in Aussicht haben.

Ein kleines Beispiel hierzu:  
  • Beispiel 2  
Alle folden zu uns im Small Blind und wir erhöhen auf den dreifachen BB, da nur noch der Big Blind übrig bleibt. Wir wollen in Small-Blind-vs.-Big-Blind-Situationen zunächst vor dem Flop noch keinen zu großen Pot aufbauen, da der Big Blind in dieser Hand stets Position auf uns haben wird. Zudem wissen wir vom Big Blind aus der bisherigen Tischgeschichte, dass er sehr aggressiv ist und gern seinen Positionsvorteil nutzt, auch für große Bluffs und Semi-Bluffs. Es empfiehlt sich also ein etwas kleinerer Raise. Der Big Blind zahlt und wir treffen einen Traum-Flop, auf dem uns nur , ein Flushdraw und verschiedene Gutshot-Straightdraws auf einer „Broadway Straight" () gefährlich werden können. Wir machen also unseren Standard-Continuation-Bet in Höhe von zwei Dritteln des Pots und erhalten einen erneuten Call. Dieser Call lässt an dieser Stelle leider fast keine Einschätzung über die Handrange des Gegners zu, denn eigentlich kann er uns hier mit sehr vielen Händen „floaten" (siehe oben), um uns auf ein As zu testen, und einfach nur seine Position spielen, um uns später zu (semi-)bluffen. Seine Hände reichen von einem schwächeren über Gutshots bis zu Flushdraws. ist nun aber sehr unwahrscheinlich, denn dann hätte er mit großer Sicherheit bereits am Flop erhöht, um den Pot größer zu machen und uns nicht zu verschrecken, falls ein weiteres Herz am Turn fallen sollte. Wir sind uns also sicher, dass wir weit vorn liegen. Die Turn-Karte ist im Prinzip ungefährlich, es ist nur ein „Wheel" (die Straße von As bis zur Fünf ) möglich. Allerdings sprechen wir ihm einen solch schwachen Preflop-Call mit schlichtweg ab und nehmen weiterhin an, weit vorn zu liegen.

Nun kommt die entscheidende Phase dieser Hand: Wir möchten ihm die Gelegenheit geben, seinen Plan umzusetzen und wollen ihn dazu bringen, seinen „Float" und sein Positionsspiel  „auszunutzen". Wir checken und lassen ihn setzen, um ihn im Gegenzug all-in zu setzen. Dadurch erhalten wir nicht nur einen Extra-Bet, den wir nicht bekommen hätten, wenn wir gesetzt hätten, sondern in diesem Fall induzieren wir sogar noch einen Fehler von ihm: Er macht einen Call mit einem relativ guten Draw, für den er aber durch unser All-in am Turn nicht mehr wirklich die benötigten Potodds hat: Er muss $85 zahlen, um $121 zu gewinnen, was Potodds von knapp 1,5:1 entspricht. Er hat elf Outs (acht verbleibende Herzen ohne den , die , und die ) und macht seine Hand mit der letzten Karte in nur 21 % der Fälle, benötigt also für einen profitablen Call fast 5:1 an Potodds. Er verfehlt den River und wir streichen einen kompletten Stack-Gewinn ein, den wir mit einer Bet-Flop-, Bet-Turn- und Bet-River-Linie nicht erhalten hätten.

Allerdings war dieser „Move" sehr abhängig von unserem „Read" auf diesen speziellen Gegner, der gern seine Position über einen (Semi-)Bluff voll ausnutzt. Er könnte hier natürlich genauso gut hinterher checken, um eine freie Karte für seinen guten Draw zu nehmen. Allerdings könnten wir, falls er trifft, am River nur einen kleinen Pot verlieren. Unser Bet am Flop ist für ihn prinzipiell bedeutungslos, da wir gerade auf As-hohen Boards so gut wie immer einen Continuation Bet machen würden. 

Ein anderer, möglicher Fall für einen C/R AI ist eine Situation, in der wir uns meilenweit vorn sehen und die gegnerische Handrange auf ein Minimum an möglichen Händen reduzieren können, bei der wir wissen, dass wir diese Hand meistens mit einem Turnbet, aber spätestens mit einem Riverbet zum Folden bewegen würden. Um den Wert unserer Hand nun zu steigern, können wir deshalb out of position den C/R AI verwenden, um unsere Hand wie einen möglichen Bluff für unseren Gegner aussehen zu lassen. Somit streichen wir einen eventuellen Extra-Bet, den er nach einem Check von uns am Turn macht, ein und geben ihm außerdem die Möglichkeit, seinen ganzen Stack zu riskieren, weil er uns auf einen Bluff setzt. Ein Beispiel hierzu:  
  • Beispiel 3  
 
Wir erhöhen aus mittlerer Position und werden von einem aggressiven Button gecallt. Wir stufen diesen Gegner bei der bisherigen Tischgeschichte als relativ hitzköpfig und sehr aggressiv ein. Der Flop ist einer der bestmöglichen für , da wir auf diesem Board gegen jeden sehr weit vorn liegen. Er zieht auf maximal zwei Outs, da ihm das Treffen des Kickers nicht hilft. Wir haben stets „Aces Up", also die besseren Two Pairs. Gegen eine Zwei liegen wir weit zurück, aber diese ist in seiner Handrange und auch generell sehr unwahrscheinlich ( suited und wären fast die einzigen Möglichkeiten). Wir machen einen relativ schwach aussehenden Flop-Continuation-Bet, der eher so interpertiert wird, dass wir einen nicht vorhandenen repräsentieren möchten und eigentlich nur unsere Aggression als Preflop-Raiser als Bluff fortsetzen. Er callt und wir können seine Range auf einen König oder einen Bluff reduzieren. Nun spielen wir C/R AI, weil wir davon ausgehen können, dass er uns entweder am Turn bluffen, oder seinen König zum Schutz betten wird. Wir geben ihm also Gelegenheit, auf unseren „Gegen-Move", der oft wie eine Verzweiflungstat aussehen mag, hereinzufallen und zu callen, da er sich mit Top Pair vorn sieht.

Multiway Pots

Eine grundsätzliche Problematik gegen zwei oder mehr Gegner, die sich gegenüber Heads-up-Pots stellt, ist: Dadurch, dass mehrere Spieler bereits unseren Flopbet gecallt haben, sei es als (Semi-)Bluff-C-Bet oder als C-Bet mit einer starken Hand, ist der Pot bereits sehr groß geworden. Die erste Frage, die wir uns stellen müssen, lautet also, mit welchen Händen die Gegner gecallt haben: Entweder zahlen diese Spieler, je nach Spielstärke, öfter auch Einsätze in Höhe des vollen Pots mit schwachen Händen oder „Drawing Hands" oder (was vermutlich häufiger vorkommt) mindestens einer von beiden hat tatsächlich eine relativ starke bis sehr starke Made Hand. Da der Pot bereits so groß ist, müssen wir uns zudem überlegen, ob wir einen Bluff noch sinnvoll spielen können oder nicht, oder aber, ob wir nach wie vor der Überzeugung sind, dass wir die bessere Hand halten. Denn ein Bet am Turn in Höhe von zwei Dritteln bis drei Vierteln des Pots wäre nun schon riesig im Vergleich zu unserem verbleibenden Stack. Wir würden uns mit einem weiteren Bet fast immer an die Hand binden.  Hier wird es also extrem wichtig, sowohl die eigene Handstärke als auch die Textur des Boards und die mit der Turnkarte gebrachten Veränderungen der Situation einschätzen zu können.  Ein Beispiel für eine schwierige und relativ knappe Entscheidung für bzw. gegen einen Turnbet ist folgende Hand:  
  • Beispiel 4:  
 

Wir halten und erhöhen hinter einem Limper, einer der Blinds und der Limper zahlen. Wir treffen Top Pair mit mittelmäßigem Kicker, setzen am Flop einen Bet in Höhe des Pots, da ein möglicher Flushdraw liegt. Der Spieler im Blind bezahlt, und wir stehen nun am Turn vor einer relativ knappen Entscheidung zwischen einem weiteren Bet und einem Check-behind. Bisher geschlagen haben wir nur schwächere Asse wie sowie und kleiner und außerdem noch diverse Flushdraws und mittlere Paare wie eine . Da der mögliche Flushdraw sich nicht manifestiert hat und wir unsere Hand weiterhin beschützen wollen, entscheiden wir uns zu einem Bet am Turn. Wenn wir hier allerdings geraist würden, müssten wir in den meisten Fällen gegen vernünftige Gegner passen.

Am River checken wir hinterher, denn alle Hände, gegen die wir uns vorn sahen, würden hier keinen Einsatz mehr zahlen. Die hat sich verbessert, der Flushdraw ist nicht angekommen und das schwächere As zahlt mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Riverbet. Außerdem besteht eine kleine bis mittlere Wahrscheinlichkeit, dass wir gegen ein stärkeres oder eine spielen. Wie man sieht, ist die Entscheidung zum Turnbet sehr knapp und in vielen Fällen auch gegnerabhängig. Hat der Gegner schon mehrfach „loose" Calls sowohl am Flop als auch am Turn begangen, lohnt sich ein Turnbet in jedem Fall. Ist der Spieler vernünftig und zahlt auch üblicherweise keine Bets in Höhe des Pots nur mit einem Flushdraw, lohnt sich ein Turnbet deutlich seltener.  

Getting Raised on the Turn  

Ein Turn-Raise zeugt prinzipiell immer von Stärke, wenn er gegen einen Preflop-Aggressor gemacht wird, der sowohl am Flop als auch am Turn einen Bet abgefeuert hat. Spielen wir mit Händen wie Top Pair/Top Kicker oder anderen Händen einer ähnlichen Stärkekategorie gegen einen Turn-Raise, so müssen wir uns ernsthaft Gedanken darüber machen, ob unsere Hand noch ausreicht, einen Showdown bei so viel Druck zu gewinnen. Dabei kommt es auf folgende Überlegungen an:  
  • Wie spielt unser Gegner? Ist er von Natur aus aggressiv? (Semi-)blufft er gern?
  • Wie könnte die Turn-Karte unserem Gegner geholfen haben?
  • Wie groß ist der Raise? Haben wir noch Outs, falls wir hinten liegen, und können wir noch profitabel zahlen?
  • Wie stark ist unsere eigene Hand? Müssten wir nach Bezahlen des Raises oder nach einem weiteren Raise unsererseits um unseren gesamten Stack spielen? Reicht die Stärke unserer Hand aus, um für einen gesamten Stack zu spielen?
Ein Turn-Check-Raise ist sogar noch um einiges stärker als ein einfacher Turn-Raise, der gegen uns gemacht wird, wenn wir keine Position haben. Der Raiser nutzt unsere Aggression und den Fakt, dass wir scheinbar unsere Hand mögen, um mehr Wert für seine Hand zu bekommen und um den gesamten Stack spielen zu können. Hier sollten wir oft geneigt sein, uns von unseren Top-Pair-Händen zu trennen und nur die starken Hände weiterzuspielen. Eine offensichtliche Gelegenheit zum Folden von Händen wie Top Pair gegen einen Turn-Raise oder Check-Raise ergibt sich, wenn das Board einen offensichtlichen Draw vervollständigt: Die dritte Flush-Karte oder eine Straight-Karte kommt an. Einfaches Beispiel hierzu:  
  • Beispiel 5  
 

Wir erhöhen in Middle Position (MP), der Cut-off (CO) zahlt und wir treffen am Flop unser As. Leider birgt der Flop viele mögliche Draws, und auch gegen schwächere Asse wie oder und auch gegen liegen wir hinten. Wir machen unseren Zwei-Drittel-Pot-Cotinuation-Bet und werden gecallt. Der Turn komplettiert nicht nur viele mögliche Gutshot-Straightdraws, sondern, viel schlimmer, den möglichen Flushdraw. Zudem haben uns auch viele andere Asse mit Kicker , oder geschlagen. Wir haben wenig bis gar keine Outs, und unser Turnbet wird um das Dreifache geraist. Hier müssen wir folden, da wir mit großer Sicherheit geschlagen sind. Der Turn-Raise hier ist sehr stark und wir halten nur Top Pair/Good Kicker, sodass wir auch keine gute Aussicht auf Verbesserung unserer Hand haben oder bereits „drawing dead" gegen eine Straße oder einen Flush sind.  

 

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