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NLHE 6-max: der River (2)

In Teil 1 haben wir uns mit dem Spiel in Position beschäftigt. Nun werden wir die schwierigeren Varianten des River-Spiels analysieren, nämlich, wenn wir keine Position haben. Viele Konzepte aus dem Spiel in Position übertragen sich natürlich auf das Spiel out-of-position, so zum Beispiel das „Thin Value Betting". Wichtig wird aber auch ein anderes Konzept, nämlich das Konzept des sogenannten

Bluff Induce

Viele Spieler sind bereit, mit Flushdraws und/oder Straightdraws Wetten auf Flop und Turn bis zur Höhe des gesamten Pots zu zahlen, nur um am River vor einem riesigen Pot zu stehen - mit einem nicht angekommenen Draw. Hier bleibt diesen Spielern oft nur die Wahl, das viele investierte Geld einfach abzugeben und zu checken, oder sich eben für einen kleinen bis großen Bluff zu entscheiden, um die Investition nicht kampflos aufgeben zu müssen.

Viele aggressive Spieler spielen ihre Draws bereits auf früheren Straßen aggressiv, sodass sie von Anfang an besonders wirkungsvollen Druck erzeugen können. Zumeist schafft ein simpler Riverbet das nicht immer, wenn ein recht tighter Spieler eine Hand mit Flop-und Turnbets bis hierher gebracht hat. Er wird beispielweise ein Overpair seltener folden, wenn die River-Karte keine wirkliche „Scarecard" ist, also eine Karte, die einen offensichtlichen Draw komplettiert oder die eigene Hand grundlegend ändert. Aber viel öfter kommt es dazu, dass die Gegner einen Check am River als das interpretieren und ausnutzen „wollen", was er üblicherweise darstellt: Schwäche und Angst.

Wir werden diese River-Aggressivität unserer Gegner zu unserem Vorteil nutzen, indem wir gegen die meisten Spieler, die auf drawlastigen Boards zwei Bets am Flop und am Turn bezahlt haben, am River checken. Oft genug werden verfehlte Draws versuchen, einen blanken River zu bluffen, sodass wir noch Geld von Händen bekommen, die einen Bet-out von uns am River nicht mehr gezahlt hätten. Der River-Check wirkt für viele Spieler wie gesagt sehr schwach, und unsere Gegner werden sich die vermeintliche Gelegenheit oft genug nicht nehmen lassen, sodass diese Spielweise einen sofortigen Profit generiert. Wir induzieren einen Bluff, auch von Händen, die selbst glauben, schon die ganze Zeit über geschlagen gewesen zu sein und jetzt den River bluffen müssen. Ein Beispiel hierfür wäre Top Pair mit einem schwachen bis mäßigen Kicker auf einem recht trockenen Flop.

Führen wir ein konkretes Beispiel für den Bluff Induce an.

  • Beispiel 1:

Wir erhöhen aus UTG und der Spieler im Button zahlt. Der Flop kommt mit einem möglichen Herz-Flushdraw und ein paar wenigen möglichen Straightdraws. Wir machen unseren Standard-Continuation-Bet am Flop in Höhe von ¾ des Pots und werden gecallt. Der Spieler kann zu diesem Zeitpunkt in der Hand noch eine sehr breite Range von Händen halten, von den erwähnten Draws über eine einfache bis hin zu einem Pocketpair (kleiner oder größer) oder sogar einem Set. Der Spieler kann hier auch ganz einfach nur einen „Float"-Versuch starten.

Exkurs: Das Stichwort „Float" wurde bereits in einem früheren Artikel angesprochen. Hier sei nur kurz noch einmal erklärt, worum es sich dabei handelt. Ein „Float" bezeichnet einen Bluff-Versuch, den man auch ironischerweise als „Bluff-Call" bezeichnen kann (dieser Ausdruck entstammt aus Sklansky/Miller: No-Limit Hold'em), der sich wie folgt gestaltet: Man zahlt den Bet eines Spielers in einer Setzrunde im Wissen darum, dass man nicht immer die beste Hand hält, aber mit der Absicht, auf einer späteren Straße (z.B. bei einem Anzeichen von Schwäche) den Gegner mit einem Bet oder Raise aus der Hand zu bluffen. Besonders wirkungsvoll gestaltet sich ein „Float"-Versuch deshalb, weil ein Call in No-Limit Hold'em oft stärker aussieht als ein Raise. Der Call indiziert, dass man bereit ist, die Hand in die nächste Setzrunde mitzunehmen, obwohl dort die Bet-Größen um ein Vielfaches steigen. Gerade wenn die Turn- oder die River-Karte dann eine „Scarecard" für viele Hände ist, z. B. ein ankommender Flush, eine ankommende Straight oder ein As, kann man nach einem Float einen Bluff viel wirkungsvoller durchführen als mit einem Raise am Flop. Auf dem Flop sehen sich die meisten Hände auch bei einem Raise noch vorn, sodass Spieler hier häufig bereit sind, das Geld gegen einen Raise in die Mitte zu schieben. Nach einer Angst einflößenden Turn- oder River-Karte sinkt diese Bereitschaft aber deutlich.

Zurück zu unserem Beispiel 1: Wir können nach dem Flop die Handrange unseres Gegners noch nicht genau eingrenzen. Der Turn bringt eine Karte, die uns nicht sonderlich gefährlich werden kann. Allerdings stellt sie eine „Scarecard" für den Gegner dar. Wenn der Gegner hier aggressiv genug ist und gegen uns oft genug am Flop einen „Float"-Versuch startet, wäre eine Option, hier Checkraise-All-in (C/RAI) zu spielen. Siehe hierzu auch den Artikel über das Turnplay out-of-position. In unserem Beispiel gehen wir aber nicht davon aus und setzen weiterhin, da wir den diversen möglichen Draws keine freie Karte geben möchten. Auch diesen Einsatz zahlt er. Eine schwache passt in den meisten Fällen nun am Turn, wir reduzieren seine Handrange hier zum größten Teil auf einen guten Draw (Straight-/Flushdraw oder eine Kombination von Pair + Draw/Straight + Flushdraw), zum kleinsten Teil auf eine Hand, die uns geschlagen hat (Two Pair, Set). Somit schreiten wir zum River, der den Flushdraw nicht komplettiert. Nur die beiden unwahrscheinlichen Straightdraws mit und hätten sich jetzt verwirklicht. Wir setzen diesen River trotzdem nicht, weil uns bei einer großen Wette zu häufig nur bessere Hände callen werden, bei einer zu kleinen Wette machen wir uns anfällig für einen Bluff unseres Gegners. Wir bedienen uns hier lieber der Möglichkeit, einen Bluff von Flushdraws und schlechteren Händen zu induzieren, die sich geschlagen sehen.
Unser Gegner setzt tatsächlich einen großen Bet am River an. Die Potodds geben uns $82,5:$20, was gut 4:1 entspricht. Das bedeutet, wir machen einen profitablen Call, wenn unser Gegner an dieser Stelle in knapp 25 % der Fälle einen verfehlten Flushdraw oder eine schlechtere Hand als eine , ein anderes Pocketpair, oder sogar eine bettet. Wir zahlen nach und bekommen an diesem Punkt sogar noch zusätzliche Chips von einer Hand, die gegen einen Bet am River gepasst hätte. Wäre der Einsatz des Gegners größer ausgefallen, so hätten wir den Call zwar machen können, aufgrund der schlechteren Potodds hätten wir uns dann aber auf unsere Reads und die Erfahrung mit diesem speziellen Gegner verlassen müssen, um einen Call zu rechtfertigen. Prinzipiell lohnt es sich hier nicht, den River selbst zu setzen. Am Ende haben wir erfolgreich einen Bluff von einer Hand induziert, die viele Outs hatte, aber am River nicht getroffen hat. Das Board und der Verlauf der Hand ließ genau das vermuten.

Bet am River

Auch hier gelten im Prinzip dieselben Ansätze wie beim Spiel in Position. Im obigen Beispiel hätten wir in einem ganz besonderen Fall einen Bet am River rechtfertigen können, nämlich in dem Falle, da wir gegen einen durch Passivität aufgefallenen Gegner spielen, von dem wir bereits wissen, dass dieser nur selbst setzt, wenn er auch tatsächlich eine starke Hand hält.

Generell gilt hier, auch gerade auf den niedrigeren Limits, dass das Setzen für „Value" auf allen Straßen oberste Priorität haben sollte. Wir können einen Spieler heads-up nicht immer auf einen ganz bestimmten Draw oder eine Range von Draws setzen. Viel wahrscheinlicher ist, dass wir gerade bei passiven Gegnern oft gegen ein mittleres Pair oder ein schwaches Top Pair spielen. Der Hauptanteil unserer Gegner auf den niedrigeren Limits hält an Händen wie Top Pair (mit beliebigem Kicker), Middle Pair etc. viel zu lange fest, sodass sich gerade hier das „Value Betting" out-of-position (und natürlich auch in Position) auszahlt. Diese Spieler setzen eine solche Hand auch selten selbst auf dem River. River-Spielweisen wie das Bluff-Induzieren sind gegen passive Gegner daher eher wirkungslos und sogar unprofitabel.

Nur, wenn wir oft gegen aggressive Spieler heads-up spielen, wird es in vielen Situationen, wie den oben beschriebenen, profitabler, die Aggression zu unserem Vorteil zu nutzen. Ein Beispiel gegen einen sehr passiven Gegner, den wir bisher stets nur seine mittelmäßigen Hände bis zum Showdown haben bringen sehen:

  • Beispiel 2:

Wir erhöhen aus UTG und bekommen einen Caller im Cut-off. Der Flop gibt uns ein Overpair zum Board. Er birgt, wie auch die vorherigen Beispiele, einen Herz-Flushdraw und einige Straightdraws, vor denen wir unser Paar schützen möchten. Wir setzen unseren Standard-Continuation-Bet von ¾ des Pots und werden gecallt. Wir überlegen uns die mögliche Handrange unseres Gegners und kommen mit hoher Trefferquote auf ein Paar (eine , ein kleineres Pocketpair) oder einen der möglichen Draws.
Der Turn verändert die Boardsituation nicht, weder der Flushdraw noch der offensichtliche Straightdraw für sind angekommen. Wir setzen und der Gegner callt erneut. Der River ist eine sehr gute Karte für uns, kein Draw ist angekommen, zudem haben wir noch sämtliche möglichen, aber eher unwahrscheinlichen Two-Pair-Hände geschlagen. Wahrscheinlicher bleibt also, dass unser Gegner tatsächlich ein Paar hat oder einen verfehlten Draw. Wir müssen hier also abwägen, ob es sich an dieser Stelle gegen diesen passiven Gegnertypen mehr lohnt, einen „Valuebet" zu machen oder zu checken. Neben seiner Passivität evaluieren wir nun das Board: Am Flop und am Turn kann es sehr gut möglich sein, dass er uns bei diesen kleinen „Rag"-Karten nicht auf eine starke Hand setzt, sondern eher auf einen fortgeführten Bluff mit Overcards. Hält er eine , so sieht er sich eventuell vorn, genau wie mit einem mittleren Paar wie . Eine solche Hand würde er aber aufgrund seiner Passivität und der Unsicherheit der Lage nicht mehr am River selbst betten. Somit sollten wir an dieser Stelle einen „Valuebet" machen. Checken wir, bekommen wir nur noch bei einem Bluff-Versuch des Gegners Chips, und es ist unwahrscheinlich, dass er einen Bluff bei seiner verbleibenden Stackgröße und seiner Spielweise mit einer schwächeren Hand machen wird. Wir müssen also setzen und darauf vertrauen, dass er uns nicht glaubt und mit einem schwächeren Paar zahlt. Er tut dies tatsächlich mit einem Pocketpair Siebenen, die er bei einem Check unsererseits wohl hinterher gecheckt hätte.

Auch hier kommen wir erneut zu dem Ergebnis, dass es eine schmale Gratwanderung zwischen der Entscheidung „Bet" und „Check" am River gibt. Wir müssen zur Entscheidungsfindung eine konkrete Analyse des Boards, der bisherigen Aktionen und vor allem des Gegnertyps heranziehen. Eine gute Entscheidung in solch unterschiedlichen Situationen mit unterschiedlichen Gegnern führt stets zu einer größeren Auszahlung unserer guten Hände.

Check-Raise

Diese Spielweise des Rivers out-of-position sollte auf den niedrigen Limits eher selten eine Anwendung finden. Den River zu check-raisen macht im Prinzip auch nur Sinn, wenn wir wissen, dass:

1. unser Gegner mit hoher Wahrscheinlichkeit den River setzen wird,
2. unser Gegner nach einem Riverbet mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Check-Raise callen wird,
3. wir am River mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich die beste Hand halten.

Zumeist ist der Pot am River bereits durch Flop- und Turnbets so groß, dass der Check-Raise auf ein All-in hinausläuft, also einen C/RAI, wie der entsprechende Turn-„Move". Dies stellt eine extreme Form eines „Valueplays" dar, denn man möchte damit erreichen, dass ein Gegner den Fehler begeht, eine Hand für den gesamten Stack zu spielen. Eine Beispielszenario mit einem leichten Read hierzu:

  • Beispiel 3:

Wir erhöhen aus Middle Position und werden vom Button gecallt. Der Flop gibt uns Middle Set und dem Gegner möglicherweise Top Pair, Middle Pair, einen Open-Ended-Straight-Draw mit -Kombinationen oder auch einen Herz-Flushdraw.
Unser Mitspieler ist uns schon früher durch eine extreme Bereitschaft, mit jedem Draw etliche Bets bis zum River zu callen, aufgefallen. Ein mittleres Pocketpair, bis oder auch höher, ist aber ebenfalls möglich. Wir setzen ¾ des Pots und werden gecallt. Der Turn gibt uns schon das zweitbeste Full House, und wir sind somit gegen alle Draws, die potentiell am River ankommen können, abgesichert. Wir liegen nur gegen , hinten, was an dieser Stelle aber beides recht unwahrscheinliche Kombinationen sind. Wir können getrost annehmen, schlichtweg die beste Hand zu halten.
Eine weiterer Bet wird gecallt und wir können den Spieler hier mit hoher Sicherheit auf einen seiner geliebten Draws setzen. Ein kleineres Paar oder ein sind ebenfalls noch in seiner Range. Der River bringt allerdings eine Karte, die für das untere Ende seiner Range, sprich ein mittleres Paar oder einen , eine Bedrohung darstellt: Nicht nur ist der Flush und ein möglicher Straightdraw angekommen, die ist zudem noch eine weitere Overcard. Wenn wir nun einen Bet ansetzen, wird er vermutlich die meisten Hände, die einen oder ein mittleres Paar beinhalten, passen. Umgekehrt, wenn er einen der besagten Draws halten sollte, wird er diese sicherlich betten wollen. Gerade auch die angekommene Straße würde er selbst lieber betten als eine Bet damit zu zahlen, da er ja auch vor einem Flush oder einem Full House von unserer Seite Angst haben muss. Setzen wir groß an, laufen wir sogar Gefahr, dass er nicht nur eine Straße mit wegwerfen könnte, sondern auch einen kleinen Flush. Wir demonstrieren seit Anfang Stärke, und mit diesen beiden Händen schlägt er nur noch einen Bluff.
Viel geschickter ist es in diesem konkreten Fall, ihn selbst betten zu lassen und Check-Raise-All-in zu spielen. Die Möglichkeit, dass er diesen „Move" als Bluff interpretiert und seine Hand nach wie vor für die beste hält, ist dadurch größer und wir können ihm die Möglichkeit geben, einen sehr großen Fehler zu begehen. Wir induzieren also eine Situation, in der er für seinen ganzen Stack eine Entscheidung zu treffen hat mit einer Hand, die vermutlich nicht die beste ist. Würden wir setzen, könnte er einen weitaus geringeren Fehler begehen, indem er mit seinem Flush oder seiner Straße nur zahlt, und so maximal einen halben Stack verliert. Dadurch, dass wir unsere Hand bis hierhin so stark gespielt haben, könnte ein Bet am River trotz der „Scarecard" vom Gegner als nach wie vor überaus stark interpretiert werden. Wir würden ihn in die Defensive zwingen und könnten nicht allzu oft einen Raise provozieren, höchstens mit einem geringen Einsatz. Ein Check jedoch signalisiert dem Gegner, dass wir vor der eintreffenden Karte Respekt haben und sie uns ausbremst. Sollte er nun seine Hand gemacht haben, können wir zumindet mit einer Bet rechnen, bei der er selbst festlegt, wie viel er zunächst einmal minimal bereit ist, in die Hand weiterhin zu investieren. Darüber hinaus geben wir Händen, die bereits schon lange geschlagen waren, dei Möglichkeit, einen Bluff zu starten. Wir können also von verschiedenen Händen durch einen Check-Raise den Wert unserer Hand steigern.
 

Bluffs

Das Thema der „Third Barrel", also ein Bluffbet am River, wurde schon in Teil 1 angeschnitten. Ein Check-Raise-All-in (C/RAI) kann ebenfalls in genau derselben Weise, wie er als „Valueplay" gespielt wird, als Bluff durchgeführt werden, wenn das Board und der Gegner den Erfolg dieses Moves wahrscheinlich machen.

Aber: Ein gut aufgesetzter Bluff, gerade auch out-of-position, mit drei Patronen (sprich drei Bets) sollte auf den niedrigeren Limits nur mit extrem guten Reads und Kenntnissen der gegnerischen Spielweisen überhaupt in Erwägung gezogen werden. Prinzipiell sind „Moves" auf diesen Limits, wo die meisten unserer Gegner schlichtweg ihre Karten spielen und Spielzüge nicht als solche interpretieren können, wertlos und feuern eher auf uns zurück, als dass sie von einem Fold belohnt werden. Es kann hier also nicht oft genug betont werden, dass „Betting for Value" das absolut wichtigste Konzept im Verlauf des Aufstiegs durch die niedrigen Limits darstellt. Jedes weitere, bisher erörterte Konzept kann und sollte beim Aufstieg in die höheren Limits nach und nach ausprobiert, getestet und angepasst werden.

 

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