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NLHE 6-max: der River (1)

Auf dem River wollen wir für unsere Hand entweder den maximalen Gegenwert in Chips ernten oder den Gegner aus der besseren Hand bluffen und somit einen Showdown verhindern, den wir nicht gewinnen könnten. Manchmal müssen wir aber auch eine gute Hand passen, sollte eine ungünstige River-Karte erscheinen und ein Gegner mit einem großen Bet plötzlich aktiv wird.

Wir gliedern das Thema zunächst wieder in zwei separate Artikel auf. Innerhalb dieser Artikel unterscheiden wir wie gehabt verschiedene Situationen, differenziert nach in- und out-of-position. Der erste Teil dieses Artikels wird sich mit ein paar verschiedenen Techniken und Spielweisen am River in Position beschäftigen, nämlich dem „Valuebetting" bzw. dem „Thin Valuebetting", dem „Check-behind" und dem Bluffen.

In Position

Unsere Aktion hier ist direkt mit der vorhergehenden Turn-Aktion verbunden. Haben wir sowohl den Flop als auch den Turn mit einer Made Hand gesetzt, müssen wir am River überlegen, ob wir uns entscheiden für einen …

… Valuebet:

Sind wir überzeugt davon, die beste Hand zu halten und würden Hände, die wir schlagen, einen (weiteren) Bet bezahlen? River-Karten, die uns diesen Valuebet typischerweise untersagen könnten, sind ankommende Flush-Karten, wenn sich ein Flushdraw bereits seit dem Flop auf dem Board befand. Selbiges gilt für offenkundige Straightdraws, die angekommen sind. Ein Szenario dieser Art könnte sein: Wir halten mit seit einem -Flop bereits Top Pair/Top Kicker, werden am Flop und auch auf dem -Turn von unserem Gegner gecallt.
Der River bringt eine und wir müssten nun tatsächlich genau abwägen, ob dieser spezielle Gegner hier eher einen Draw oder öfter ein schwächeres bzw. stärkeres As hält. Üblicherweise wäre ein Check am River ratsam, denn allzu oft callen schwächere Asse keinen großen Bet mehr, es sei denn, wir haben es mit einem sehr loosen, schlechten Gegner zu tun.

Hier sind Reads und Notizen vom früheren Spiel unseres Gegners besonders wichtig, damit wir auf Dauer auch den maximalen Wert für unsere Hand herausschlagen können. Es ist sicherlich kein Fehler, hinterher zu checken, da wir uns bei einem kleinen Bet für einen Bluff anfällig machen könnten, und ein großer Einsatz zu selten gecallt wird. Oft zeigt uns der Gegner oder ein Two Pair.
Prinzipiell muss man hier aber absolut gegnerspezifisch entscheiden, und es kann gut sein, dass bestimmte Gegner auch Einsätze bis zur Höhe des halben Pots mit einem schwachen As bezahlen. Der wichtigste Aspekt eines guten River-Spiels ist also das Finden einer Balance zwischen der Steigerung des Wertes der eigenen Hand und der Minderung des Wertes der angekommenen Draws oder der eventuell starken Hände der Gegner.

… Check-behind:

Wenn wir den River setzen, nachdem ein oder mehrere Draws angekommen sind und zu uns gecheckt worden sind, geben wir den Drawing Hands, die wir seit dem Flop haben zahlen lassen, nachträglich doch noch befriedigende Implied Odds, was deren Calls am Flop und Turn in diesem konkreten Fall sogar rechtfertigen würde: Dadurch, dass wir sie auszahlen, „machen" wir ihre Spielweise zur richtigen. Das wollen wir so gut es geht vermeiden.

  • Beispiel 1

Wir erhöhen im Button und die Blinds zahlen. Wir setzen auf dem relativ drawlastigen Flop einen Potbet an und werden von einem Spieler gecallt. Mögliche Hände, von denen wir gecallt werden, sind Flushdraws und Straightdraws. Hände wie Two Pair oder sogar ein Set hätten üblicherweise aus Angst vor anderen Draws geraist und damit größere Action gegeben. Der Turn sichert uns gegen die Two-Pair-Hände ab, denn hätten wir nun mit Aces-up geschlagen. Es ist auch keiner der Draws angekommen, also setzen wir erneut an, und zwar knapp 2/3 des Pots. Der Call unseres Gegners wird gefolgt von der schlimmstmöglichen River-Karte, die sowohl den Flush- als auch die Straightdraws ankommen lässt. Das veranlasst uns dazu, den River nun hinterher zu checken. Hier callt, wenn überhaupt, nur noch ein schwacher Spieler mit Top Pair, und das auch nicht immer. Unsere Entscheidung wird belohnt: Der Gegner macht seine Straße am River, der mögliche Flush hält ihn hier wohl selbst vom Setzen ab.

Prinzipiell gilt: Wenn wir die Situation unter Berücksichtigung des Gegnertyps so einschätzen, dass einen Bet am River nur noch bessere Hände callen würden, sollten wir hinterher checken.

Ein diesen Grundsatz untermauerndes Beispiel wäre die folgende Hand gegen einen recht tighten Spieler:

  • Beispiel 2

Wir erhöhen hinter seinem Limp auf den 4,5-fachen Big Blind, er zahlt nach und wir treffen unser Top Pair, Medium Kicker am Flop, der auch einen Flushdraw eröffnet. Wir setzen zunächst „for value" und auch „for protection" gegen den eventuellen Flushdraw. Der Gegner bezahlt. Da wir von ihm wissen, dass er recht tight ist, und auch viele Premiumhände vor dem Flop nicht unbedingt erhöht, können wir ihn hier nur auf zwei mögliche Hände setzen: Ein starker Draw (Pair + Flushdraw z.B.) oder ein recht starkes As, vielleicht sogar ein Set.

Die Turn-Karte bringt eine und wir setzen erneut an, da wir seinen guten Draw zahlen lassen wollen, und auch gegen einige Asse noch etwas Wert haben. Eine andere Option wäre, hier gegen diesen Spieler hinterher zu checken, aber er ist nach unserer Einschätzung recht passiv, sodass wir am River, sollten wir dann noch die beste Hand halten, wohl nicht wirklich mehr in den Pot bekommen würden. Er zahlt abermals. Der River komplettiert zwar keinen Flushdraw, nun schlagen wir aber keins der guten Asse mehr ( bis ) und splitten den Pot mit einem anderen . Ein Bet „for value" ist nicht mehr vertretbar, denn wir sehen uns entweder so weit vorn, dass uns keine schlechtere Hand des Gegners auszahlen würde, oder so weit hinten, dass uns jede bessere Hand callen wird. Wir könnten nur noch einen Bluff versuchen, der aber auch von fast allen Händen, außer vielleicht , gecallt würde, doch hätte er damit gelimpt?

Können wir unseren Gegner mit der Zeit sehr gut einschätzen und vor allem seine Handrange bei gegebenen Boards auf ein Minimum reduzieren, so tritt mehr und mehr die Fähigkeit in den Vordergrund, sogenannte „dünne Valuebets" anzubringen. Der Fachterminus hierfür ist:

Thin Valuebets:

Wenn wir uns sicher sein können, dass ein Gegner in bestimmten Positionen, auf bestimmten Boards zu großer Wahrscheinlichkeit ganz bestimmte schwächere Hände hält, und auch mit diesen zum Showdown gehen möchte, sollten wir eine dünne Valuebet am River setzen.

  • Beispiel 3

Wir erhöhen mit Position auf einen sehr loosen, aber preflop normalerweise relativ aggressiven Limper mit . Von unserem Gegner wissen wir außerdem, dass er gern seine Top-Pair-Hände zum Showdown bringt. Wir setzen mit unserem Top Pair/Top Kicker am Flop und werden gecallt.

Auf diesem Board können wir seine möglichen Hände bereits einschränken: Ein As und mit großer Wahrscheinlichkeit ein schwaches, also mit einer oder einem ähnlichen Kicker, und mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit ein Set. Wir sehen uns also in den meisten Fällen meilenweit vorn. Wir setzen daher auch den Turn und er callt. Daher reduzieren wir weiter: Er hält höchstwahrscheinlich ein As. Der River bringt eine Karte, die unsere Hand nicht mehr allzu stark aussehen lässt, denn wir schlagen nun nur noch alle Asse mit Kicker oder und weniger.

Da der Spieler aber bisher relativ häufig mit guten Assen und stärkeren Händen preflop erhöht hat, können wir ihm viel öfter auf diesem Board ein schwächeres As geben und einen dünne Valuebet ansetzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir auf diesem Board bei den bisherigen Aktionen gegen diesen Gegner vorn liegen, ist sehr hoch und wir wissen ja, dass er sehr gern zum Showdown geht. Also setzen wir und erhalten auch maximalen Wert für unser Top Pair/Top Kicker.

Wäre der Gegner in diesem Falle jener aus Beispiel 2, also ein tighter, vorsichtiger Spieler, dessen Handrange qualitativ hochwertiger ist als die des loosen Spielers, könnten wir an dieser Stelle nur sehr selten mit einem „Thin Valuebet" Mehrwert generieren. Denn wenn dieser tighte Spieler seine Hand auf einem Board, das wenig bis keine Draws zulässt, gegen zwei Bets bis zum River gebracht hat, ist die Wahrscheinlichkeit hier deutlich größer, dass er eine bessere Hand hält als wir, und darüber hinaus auch keinen weiteren großen Bet mit schlechteren Händen zahlen würde.

Der Thin Valuebet ist also, wie der Ausdruck sagt, dünn und gegen spezifische Hände, auf den wir den Gegner setzen können, gerichtet. Solche dünnen Valuebets mit den richtigen Rivers und gegen die richtigen Gegner zu platzieren, bedarf viel Erfahrung im Einschätzen der eigenen Handstärke auf bestimmten Boards, aber vor allem auch Aufmerksamkeit und Reads. Auf den kleineren Limits bis hoch zu NL100 werden wir glücklicherweise oft auf Gegner treffen, die so oder so qualitativ mittelmäßige bis schlechte Hände zum Showdown bringen möchten, sodass das „Valuebetting" eine noch wichtigere Rolle einnimmt.

Eine Thematik, die in diesem Zusammenhang auch behandelt werden sollte, die sich aber nicht besonders für den Anfang im Umgang mit dem 6-max-Spiel eignet, ist der

… Triple Barrelbluff:

Ein gut gezielter Bluff muss stimmig vorbereitet sein, mit dem Board, auf dem wir spielen, harmonieren und dem Gegner auch glaubhaft eine bestimmte Hand verkaufen können. Zumeist besitzen wir bei einem Bluff keinerlei Showdown-Wert für unsere eigene Hand und können NUR mit einem Bet gewinnen. Bei einem Bluff müssen wir, genau wie bei den „Thin Valuebets", den Gegner aber auf eine sehr enge Handrange bis hin zur exakten Hand setzen können, von der wir ihn dann losbringen möchten.

In Beispiel 2 würden wir den recht tighten Spieler nur zu einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit am River zu einem Fold bewegen können. Wir müssten ihm verkaufen, dass wir Two Pair oder ein Set haben, und da dies gegen sein Top Pair/Top Kicker nicht allzu häufig auftritt, wird er einen Bet fast immer zahlen. Wählen wir die Bet zu klein, wird er definitiv zahlen, wählen wir sie zu groß, könnte er auch hier genau den Bluff vermuten.
Wir müssten also einen Betrag wählen, der ihn tatsächlich dazu bewegen könnte, Top Pair/Top Kicker wegzuwerfen. Hinzu kommt, dass unsere Hand ja immer noch das Potential hat, den Showdown mit Top Pair/ Medium Kicker zu überstehen. Außerdem hat unser Gegner seine Handstärke im Verlauf unseres Beispiels 2 unterdefiniert: Wir wissen zwar, dass wir zu hoher Wahrscheinlichkeit gegen ein As spielen, aber mit rechnen wir nach seinem Preflop-Call nicht unbedingt. Wie man sieht, wird es also hier sehr schwer sein, einen Bluff wirkungsvoll und erfolgversprechend durchzuführen.

Da das Thema „Bluffing" am River wirklich sehr situations- und vor allem gegnerabhängig ist, werde ich dazu ein kleines Beispiel anführen, das die nötige Konsistenz eines Bluffs aufzeigen soll:

  • Beispiel 4:

Wir erhöhen standardmäßig mit und werden von einem sehr loosen Spieler in den Blinds gecallt, von dem wir wissen, dass er gern Draws verfolgt. Der Spieler geht allerdings nicht allzu oft zum Showdown und foldet sehr häufig auf große Bets am Turn oder River, sobald es um viel Geld geht und er keine sehr starke Hand hält. Der Flop birgt einige mögliche Draws (Flush/Straight), wir selbst haben nur einen Gutshot-Straightdraw und Overcards. Wir machen einen Continuation-Bet und werden gecallt.

Möglich sind also die erwähnten Draws oder Hände, die eine bzw. beinhalten. Der Turn ist eine sehr gute Karte für uns, wir können nun mit einem „zweiten Barrel" versuchen, viele oder , die uns am Flop gecallt haben, zu einem Fold zu bewegen, da wir gerade als Preflop-Aggressor ein As halten können. Wir repräsentieren also eine Hand, die plausibel erscheint. Da wir bei unserer Spielweise sehr oft auf allen möglichen Flops einen Continuation-Bet machen, ist das ganze noch glaubwürdiger. Er zahlt weiterhin am Turn, was bedeutet, dass er uns das As nicht sofort abkauft und vermutlich selbst bereits ein Paar oder besser hat oder sich immer noch auf einem Draw befindet.

Der River bringt nur für die unwahrscheinlichen Fälle von , und Hilfe, die wir unserem Gegner nicht zutrauen. Hier entscheiden wir uns nun, glaubhaft und konsistent mit dem bisherigen Verlauf der Hand das As auch am River zu repräsentieren. Wir hätten zwar etwas Showdown-Wert mit König hoch, aber in der Regel würden wir den Showdown wohl verlieren, da unser Gegner mit der letzten Karte auch noch ein Paar erwischt haben oder ähnliche mittlere Paare halten könnte. Wir können hier also in den meisten Fällen nur mit einem Bet gewinnen. Ein Bet soll bewirken, dass eine oder eine , die uns das As am Turn nicht geglaubt hat, nun doch noch passen, und wir bringen Draws gleichermaßen zum Folden.

Ich würde dem beginnenden 6-max-Spieler zunächst einmal raten, davon abzusehen, gerade auf den unteren Limits inklusive NL100 großartige Bluffs und derartige „Moves" ohne Erfahrung und gute Notizen bzw. Reads auf die Gegner durchzuführen. Die meisten Spieler an diesen Tischen sind von vielen Händen ganz einfach nicht abzubringen und man riskiert unnötig oft viele Chips, um dann doch am Showdown gegen ein mittleres Paar oder dergleichen zu verlieren. Das „Valuebetting" ist auf diesen Stufen des Spiels viel, viel wichtiger als alles andere. Bis NL100 haben wir es häufig mit Gegnern zu tun, die ihre Top-Pair-Hände noch stark überbewerten und dies sollten wir für unsere Valuebets mit starken Händen wie Top Pair/Top Kicker ausnutzen. Daher konzentrieren wir uns zunächst auf die Entscheidungen am River, ob wir eine Hand in Position zur Wertmaximierung betten oder ob wir lieber hinterher checken.

 

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