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NLHE 6-max: Reraised-Pots

Die Aggressivität von 6-max-Partien spiegelt sich oft in der Größe des durchschnittlichen Pots wider. Wir müssen nicht nur auf das Spielen fast ausschließlich geraister Pots, sondern sehr oft sogar gereraister Pots vorbereitet sein, und das meist heads-up.

In einem zweimal geraisten Pot befinden sich bereits vor dem Flop so viele Chips, dass sich ein Spieler bei effektiven Stackgrößen von 100 Big Blinds durch einen Potsized-Bet nach dem Flop direkt „committen" kann. Es ist enorm wichtig, die Situationen in gereraisten Pots richtig einzuschätzen, da man hier die kostspieligsten Fehler im NLHE shorthanded für seinen gesamten Stack begehen kann. Der Vorteil eines bereits preflop aufgeblähten Pots ist, dass uns im weiteren Verlauf der Hand schwierige Entscheidungen abgenommen werden, da wir mit einer Premiumhand oder einem Overpair unseren gesamten Stack mit einem oder zwei Bets in die Mitte schieben können.

Preflop-Play


Es gibt mehrere Gründe, warum ein 3-Bet vor dem Flop sinnvoll sein kann:

Isolation

Wir möchten einen bestimmten, schlechten Spieler heads-up isolieren, weil er sehr loose ist, üblicherweise auch viele schlechte Hände preflop erhöht und vor allem postflop schlecht spielt. Da auch die anderen Spieler am Tisch gewillt sind, eine erste Erhöhung gegen diesen Gegner zu callen, um an dessen Chips zu gelangen, müssen wir noch einmal erhöhen, um tatsächlich eine Heads-up-Situation zu erreichen.

  • Beispiel 1:

Wir spielen gegen einen sehr loosen Gegner im Cut-off und wissen, dass wir gegen seine Range von Händen, mit denen er preflop erhöht, mit oft genug die beste Hand halten.

Wir machen einen 3-Bet auf 14 BB. Sein Call preflop out-of-position bestätigt unsere Einschätzung. Ziemlich sicher braucht seine Hand Hilfe vom Board, um uns zu schlagen.

Auf dem Flop setzt er nun 10 BB als Donkbet, was eher ein Zeichen für Schwäche ist: Er hat wahrscheinlich eine marginale bis schwache Hand (Midpair, kleines Pocketpair) oder einen Draw. Da wir bereits vor dem Flop mit unserem Reraise einen großen Pot gebaut haben und mit Top Pair/Top Kicker gerade gegen diesen Spieler gut genug getroffen haben, wollen wir uns definitiv committen und gegen seine Range von schwächeren Händen (eine schwächere Dame, kleineres Pair, Draw) möglichst alle Chips in die Mitte bekommen.

Wir interpretieren seinen Bet als Block Bet und da wir entweder am Flop oder spätestens am Turn all-in sein möchten, raisen wir. Er foldet und wir gewinnen den Pot.

Durch die Isolation haben wir es uns ermöglicht, mit Position auf diesen loosen Gegner eine Tophand zu machen und entsprechend Chips von ihm einzusammeln.

Pot-Building

Wie bereits erklärt, möchten wir einen großen Pot mit den Tophänden AA, KK, QQ, JJ, TT, AK bauen, um Entscheidungen auf dem Flop zu erleichtern und den Wert dieser Hände zu erhöhen, wenn sie hoher Favorit sind.

Wir wissen, welche Hände wir üblicherweise mit diesen Premiumkarten floppen werden: Top Pair/Top Kicker bzw. ein Overpair. Schwierig zu spielen werden diese Hände allerdings, wenn wir bei geringer Investition vor oder auf dem Flop mit einem Raise auf einem gefährlichen Board konfrontiert werden. Hier muss man preflop auf das Verhältnis des aktuellen Pots und dem zu gewinnenden Reststack des Gegners (bzw. des eigenen, wenn dieser kleiner ist als der des Gegners) achten, da dies die entscheidende Variable dafür ist, wie leicht bzw. schnell wir unser gesamtes Geld in den Pot bekommen können.

Die Schwere unserer Entscheidung hängt stark von diesem Verhältnis ab, daher widmen wir diesem Thema einen eigenen Abschnitt (siehe weiter unten).

Ein anderer Aspekt ist, dass wir mit Händen wie Assen oder Königen unsere Equity ausnutzen wollen, wenn sie am höchsten ist. Da dies preflop der Fall ist, wollen wir mit diesen Händen gegen aggressive und loose Spieler bereits hier das Maximum an Chips in die Mitte bekommen.

Bluffing und Image

Wir möchten einerseits verhindern, dass bestimmte Spieler zu viele marginale Hände mit einem Raise eröffnen und diesen Umstand für einen Bluff ausnutzen. Andererseits wollen wir damit auch unser eigenes, aggressives Image aufrechterhalten.

Sollten wir dann mit einer Hand wie oder dergleichen einen 3-Bet gegen einen relativ loosen Gegner machen und diese Hand unter Umständen bis zum Showdown bringen (im besten Fall natürlich als Gewinner), können wir etwas für unser Tischimage tun, da aufmerksame Gegner nun skeptischer werden, wenn wir das nächste Mal reraisen, und uns seltener auf starke Hände setzen. Dies kommt uns dann natürlich entgegen, wenn wir tatsächlich Asse, Könige oder andere starke Hände halten.

Wenn wir dagegen nach einem Preflop-Reraise stets nur mit hohen Paaren wie Assen oder am Showdown beteiligt sind, werden uns die Gegner als sehr tight einstufen und uns nicht sehr häufig mit hohen Pay-offs für unsere guten Hände belohnen.

Exkurs: Verhältnis von Stack zu Pot

Dieses Konzept wurde im oberen Abschnitt über Pot-Building bereits angesprochen. Es wird auführlich in dem Buch „Professional No-Limit Hold'em: Volume I" von Matt Flynn, Sunny Metha und Ed Miller behandelt. Da dieses Konzept sehr viele Gedankenzüge vereinfacht und gerade in Reraised-Pots eine gute Anwendung findet, möchte ich die Grundzüge hier kurz anhand eines Beispiels erläutern und im weiteren Verlauf der Artikel auch auf viele Beispielhände anwenden:

  • Beispiel 2a:

Wir halten im Button bei einem 150-BB-Stack. Unser Gegner mit 105 BB limpt UTG, wir erhöhen auf 4,5 BB, der Limper zahlt. Wir haben inklusive der Blinds also preflop einen Pot von 10,5 BB.

Nehmen wir an, wir treffen nun am Flop eine Top-Pair-/Top-Kicker-Hand und würden uns sehr gern committen. Wir setzen also häufig pothoch, wodurch der Pot bei einem Call von unserem Gegner vor dem Turn 31,5 BB enthält.

Am Turn selbst können wir erneut pothoch ansetzen, um unser restliches Geld schließlich am River in die Mitte zu bekommen.

Wir benötigen also drei komplette Potsized-Bets bis zum River. Allerdings kann uns unser Gegner oft vor eine sehr schwere Entscheidung stellen, wenn er uns beispielsweise auf einem -Flop oder bei einer anderen gefährlichen Board-Konstellation raist. Wir haben dann bei einer relativ geringen bisherigen Investition in den Pot zu entscheiden, ob wir uns immer noch an unser Top Pair/Top Kicker binden wollen.

Die fehlerhaften Entscheidungen, die wir unter diesen Umständen treffen können, werden umso dramatischer, je größer die Diskrepanz zwischen dem aktuellem Pot und dem verbleibenden, zu gewinnenden/verlierenden Reststack ist.

In unserem Fall beträgt das Verhältnis des gegnerischen 100-BB-Rest-Stacks, den es zu gewinnen gibt, zum Preflop-Pot von 10,5 BB etwas weniger als 10. Um auf diese Zahl zu kommen, teilen wir einfach den verbleibenden (und maximal zu gewinnenden Stack) durch den aktuellen Pot (nach allen abgeschlossenen Preflop-Aktionen):

  • [Verbleibender Stack] : [Aktuelle Potgröße] = 100 BB : 10,5 BB = 9,5

Wir erhalten eine wichtige Kennzahl. Aber was fangen wir mit dieser Zahl an?

Den bisherigen Überlegungen zufolge bedeutet diese Zahl ganz einfach Folgendes: Wir verfügen bis zum River über 3 Potsized-Bets und geben unserem Gegner darüber hinaus Freiraum zum Raisen und damit natürlich auch zum Bluffen. Zudem deutet diese Zahl darauf hin, dass unser Gegner sehr gute Implied Odds gegen uns besitzt, da er preflop einen im Verhältnis zum in Aussicht stehenden Gewinn recht günstigen Call gemacht hat.

Je höher die Kennzahl, desto mehr Bets und damit auch eventuell schwierige Entscheidungen werden ermöglicht. Ein guter Gegner wird uns daher stets bei einem solch schlechten Verhältnis von Stack zum aktuellen Pot auf die Probe stellen, Bluffs einstreuen und uns nicht zuletzt vor schwere Entscheidungen stellen, wenn er eine gute Hand gegen uns floppt. Je niedriger die Zahl, desto leichter können wir uns an eine Hand binden und desto weniger Spielraum lassen wir unseren Gegnern, uns auf späteren Streets auszuspielen.

Sobald wir also vor dem Flop einen entsprechend hohen Pot aufgebaut haben, haben wir unserem Gegner massiv seine Implied Odds gegen uns beschnitten und können postflop zugleich nur noch selten von unserer Hand weggeblufft werden.

Gehen wir also noch mal zurück zu unserem Beispiel und schauen, was wir machen können, um unsere Entscheidungen zu vereinfachen:

  • Beispiel 2b:

Unser Gegner erhöht UTG auf 4 BB, und wir reraisen im Button auf 14 BB mit . Wir wissen, dass wir mit meist Top Pair/Top Kicker machen, sollten wir den Flop treffen, also müssen wir versuchen, uns für diese Hand nicht verletzlich zu machen, um damit leichte Postflop-Entscheidungen treffen zu können.

Wenn wir nur callen würden, hätten wir wie im Beispiel 2a wieder nur einen Pot von 10,5 BB mit vielen Chips dahinter und sehr viel Raum für mögliches Betting und Raising, was schwierige Entscheidungen für Top-Pair-/Top-Kicker-Hände auf verschiedenen Flops bedeuten würde.

Zudem würden wir die Blinds einladen, ebenfalls in die Hand einzusteigen, und Top Pair/Top Kicker spielt sich in Multiway-Pots entsprechend schlechter.

Unsere Erhöhung auf 14 BB macht den Pot am Flop 29,5 BB groß. Der verbleibende Stack von unserem Gegner, sollte er unseren 3-Bet callen, beträgt anschließend nur noch 91 BB. 

Das Verhältnis von Stack zum Pot ist nach obiger Rechnung in diesem Falle:

  • [verbleibender Stack] : [aktuelle Potgröße] = 91 BB : 29,5 BB ≈ 3

Eine Bet in Höhe des Pots würde uns damit, wenn wir unsere Hand machen, an diese binden und einen Push am Turn vorbereiten. Wir würden also nur noch zwei Potsized-Bets benötigen, um alle Chips vernünftig zu investieren: Wir können am Flop bis zu 29,5 BB und damit am Turn die restlichen 61,5 BB setzen.

Genauso würde es sich mit einem Raise gegen uns verhalten:

Wir können, da wir heads-up sind und unsere Hand gemacht haben, auf den meisten Flops unseren gesamten Stack schon am Flop in die Mitte bekommen. Es muss zwar nicht heißen, dass wir uns definitiv auf alle Boards mit TPTK committen wollen (wie z. B.), aber wir würden es wohl auf den meisten anderen, unkoordninierten Boards mit einem oder tun. Und durch den Preflop-3-Bet haben wir dafür einen geeigneten Pot gebaut.

Als gute Faustregel können wir hier festhalten: Wenn wir mit zwei Potsized-Bets auf Flop und Turn um unseren gesamten Stack spielen möchten, sollten wir auf ein Verhältnis zwischen Reststack und aktuellem Pot von ungefähr 3 abzielen.

Postflop-Play

Beschäftigen wir uns nun mit dem Spiel auf dem Flop und auf späteren Straßen (wobei das Spiel sich zumeist auf Flop und maximal Turn beschränkt, da wir ja wie erwähnt ein geringes Verhältnis von Stack zum Pot haben wollen).

Eine grundsätzliche Frage, die wir uns vor dem Aufbau eines Reraised-Pots stellen müssen ist, auf welchen Flops wir uns mit der Hand, die wir wahrscheinlich machen werden, committen möchten.

Wenn wir das Board verfehlen oder wir uns nicht committen wollen …

… haben wir meist mit Pocketpairs, zu denen eine oder mehrere Overcards gefloppt werden, das gleiche Problem wie mit Nonpair-Händen, die auf dem Flop nichts treffen:

  • Macht man einen Continuation-Bet oder nicht? 
  • Auf welchen Boards?
  • Wenn ja, wie viel?

Wenn wir in einen bereits aufgeblähten Pot einen 2/3-Pot Bet mit Overcards machen, die wir auf einen Raise folden müssten, brauchen wir reichlich Fold Equity, um diesen Bet überhaupt zu rechtfertigen. Wir müssen ja einen jetzt schon substantiellen Teil unseres Stacks dafür aufopfern.

Zunächst spielt hier die Handrange des Gegners die größte Rolle:

  • Mit welchen Händen zahlt dieser Spieler überhaupt einen Reraise?

Bei den meisten guten oder tighten Spielern haben wir den Vorteil, deren Handrange in Reraised-Pots viel genauer eingrenzen zu können als gegen loose Gegner. Daher machen sich Continuation-Bets gegen die tighten Spieler auf bestimmten Boards viel öfter bezahlt.

Der loose, fischige Spieler könnte mit marginalen Händen schlechte Calls unserer hohen Bets machen oder uns auch viel öfter zurückbluffen/raisen, weil er ganz einfach auch gewillt ist, eine schlechte oder marginale Hand für seinen gesamten Stack zu spielen. Ein Beispiel hierzu:

  • Beispiel 3:

Wir halten nach einem relativ tighten, aber aggressiven Spieler, der für 4 BB eröffnet. Wir können die Range dieses Spielers hier auf gute bis starke Asse ( bis ) und Paare reduzieren. Hinzu kommen gelegentlich Hände wie Suited Connectors oder kleine Suited-Aces.

Da wir mit As/König gegen diese Range eine gute Preflop-Equity besitzen, reraisen wir. Die Höhe des 3-Bets machen wir anhand folgender Rechnung fest:

  • Wir möchten nicht zu viel erhöhen, weil er dann alle schlechteren Hände foldet und nur bessere 4-bettet.
  • Nach dem Flop wollen wir uns aber trotzdem die Möglichkeit erhalten, uns mit zwei Potsized-Bets an eine getroffene Top-Pair-/Top-Kicker-Hand binden zu können.

Wir reraisen daher auf 12 BB und erreichen so am Flop ein Verhältnis von Reststack zu Pot von

88 BB : 25,5 BB ≈ 3,5,

also knapp über 3. Dies reicht nach der Faustregel aus, um mit 2 Potsized-Bets am Turn all-in zu sein. Umgekehrt riskieren wir so wenig wie möglich, wenn wir, wie es im Beispiel nun auftritt, auf einem trockenen Board einen Continuation-Bet als puren Bluff abfeuern wollen.

Der C-Bet bringt in diesem Fall eine ganze Menge an Händen, von denen wir bei der gegnerischen Handrange preflop ausgegangen sind, zum Folden:

  • Pocketpairs unter der Queen,
  • schwächere Asse bis auf sowie
  • die meisten Suited Connectors und andere mögliche schwächere Hände
Sollten wir gecallt oder geraist werden, können wir die Hand noch relativ leicht aufgeben, da wir nur 12 BB + 16 BB = 28 BB, also unter 1/3 unseres Stacks investiert haben.


Wenn wir uns committen wollen …

... haben wir meist einfache Entscheidungen mit Händen wie einem Overpair oder Top Pair/Top Kicker in Reraised-Pots zu treffen. Einzig das Board entscheidet im Endeffekt, ob wir uns committen oder nicht.

Wir sollten diese Entscheidung also erst am Flop treffen, um die Gefährlichkeit des Boards für unsere Hand einschätzen zu können, aber schon vor dem Flop müssen wir dafür vorausplanen: Wenn wir uns des Konzepts des Reststack-zu-Pot-Verhältnisses richtig bedienen, können wir dann mit diesem Commitment-Plan sehr gut ans Ziel kommen, wie folgendes Beispiel zeigt:

  • Beispiel 4:

Unser Gegner eröffnet im Cut-off und ist uns als sehr looser Spieler bekannt, der marginale Hände gern überspielt und auch große Bets mit Draws entgegen seinen Odds callt.

Wir entscheiden uns, unsere Asse gegen ihn aggressiv zu spielen und mit möglichst zwei großen Potsized-Bets auf Flop und Turn bei einem unkoordinierten und ungefährlichen Board all-in zu gehen.

Diese Line bietet sich gerade gegen diesen Spieler wegen seiner Bereitschaft an, große Bets mit allen möglichen Händen zu callen. Wir benötigen also ein Verhältnis von unserem eigenen Reststack (100 BB) zum Pot preflop von ungefähr 3. Sein Stack ist bereits bei 217 BB, also zählen zur Berechnung nur unsere nach dem Reraise verbleibenden 86 BB:

Wir reraisen auf 14 BB und erhalten durch unsere übliche Rechnung ein Verhältnis von 86 BB : 29,5 BB = 2,9 ≈ 3.

Unser Gegner bleibt seiner bisherigen Spielweise treu und callt.

Der Flop birgt einen Flushdraw und mögliche Top-Pair-Hände mit einem . Hinten lägen wir gegen ein Set Vieren oder Zweien, aber diese liegen dann doch eher am unteren Ende der gegnerischen Range. Unser Gegner spielt genug schlechte Hände, die Teil seiner Range sind und die wir schlagen, sodass wir uns hier gegen ihn definitiv committen wollen, sofern kein Herz am Turn auftaucht.

Unsere Line lässt sich in diesem Beispiel wunderbar ausführen und wir gewinnen durch eine einfache Rechnung und einen guten Plan einen kompletten Stack.

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