PokerStars Homepage
;
NLHE 6-max: Blinds verteidigen

Blinddefense

Im Artikel über Blindstealing haben wir gesehen, wie eminent wichtig es in Shorthanded-Games ist, häufig - auch mit marginalen Händen - zu versuchen, die Blinds zu stehlen.

Im Fixed-Limit Hold'em kann man seine Blinds gegen einen Steal-Versuch sehr leicht durch die Investition eines einfachen, weiteren Big Blinds oder einen günstigen 3-Bet verteidigen. Durch die günstigen Potodds ist man mit vielen marginalen Händen fast verpflichtet, seine Blinds zu verteidigen. Der Nachteil der schlechten Position wird hier durch die einfach limitierte Betsize und auch die limitierten Betsizes auf späteren Straßen aufgeweicht.

Im No-Limit Hold'em sprechen einige Punkte gegen eine regelmäßige Blind-Verteidigung durch einen bloßen Call und mit einer marginalen Hand:

  • Wir haben eine der beiden schlechtesten Positionen, um eine marginale Hand zu spielen (dies kann nicht oft genug betont werden) und wir begeben uns so freiwillig in eine unprofitable Situation, nur um unseren Blind nicht aufgeben zu müssen.
  • Unser Gegner weiß durch unseren Call gegen seinen Buttonraise, dass wir höchstwahrscheinlich eine marginale Hand halten.

Da wir uns an einem 6-max-Tisch befinden, an dem viele unserer Gegner in diesem aggressiven Umfeld um die Wichtigkeit und die Vorteile eines guten Blindstealing-Konzeptes wissen, ist es mindestens genauso wichtig, sich gegen Blindsteals entsprechend wehren zu können. Wie sieht also ein erfolgreiches Konzept zur Verteidigung unserer Blinds in NLHE 6-max aus?

Button vs. Blinds

Wir müssen zunächst genau den Spielertypen identifizieren, der im Button first-in mit einem Raise eröffnet. Ein Buttonraise kann bei dem einen Spieler kaum Aussagen über die Stärke seiner Hand liefern, andere dagegen wenden auf dem Button die gleichen Kriterien an wie UTG, was also bei einem Raise für eine recht starke Hand spricht. Wir unterscheiden zwischen:

  • tight: Der Button zeigt bei Showdowns hauptsächlich Premiumhände wie hohe Paare, , Top Pair/Top Kicker, Sets, Straights, Two Pair etc. Seine Raises werden generell respektiert und der Spieler bleibt stets sehr tight in der Auswahl der Pots, um die er spielt.
  • semi-loose: Der Button ist prinzipiell auch ein tighter Spieler wie in der ersten Kategorie, eröffnet aber auch im Cut-off und am Button gern mit relativ gut spielbaren Händen wie Suited Connectors oder Suited Aces. Am Showdown zeigt er auch oft schwächere Top Pairs oder Middle Pairs etc., wenn er aus diesen Positionen spielt.
  • loose: Der Button ist sehr loose und eröffnet in späten Positionen sehr viele Hände: Schwache Asse, schwache Connectors, schwache Suited-Karten. Im Showdown zeigt er häufig „second-best hands" oder schwache Paare und gewinnt viele kleine Pots ohne Showdown durch pure Aggressivität.

Bestimmte Tools wie PokerTracker können uns helfen, die Spielertypen entsprechend zu kategorisieren. Je looser der Button-Spieler preflop ist, desto häufiger können und müssen wir unsere Blinds gegen ihn verteidigen (diese Aussage gilt nicht, wenn der Spieler dazu neigt, Reraises auch mit mittelstarken Händen zu oft zu callen, dazu aber später mehr).

Wir können zusammenfassend durch eine gute Blinddefense nicht nur unser häufiges Blindposting in 6-max-Spielen kompensieren, sondern streichen oft auch noch extra Big Blinds des Buttons ein, da dieser seine Hand aufgibt. Eine Blind-Verteidigung gibt uns so die Möglichkeit, ein aggressives Image zu stützen und gleichzeitig eine Balance zu unseren eigenen missglückten Blindsteal-Versuchen herzustellen.
 
Wir können nun einige Beobachtungen im Umgang mit den verschiedenen Buttonraisers in unsere Entscheidungen einfließen lassen:

  • tight: Verteidigen wir unsere Blinds gegen einen tighten Buttonraiser, wird er nur seine mittelmäßigen bis guten Hände folden (z.B. Hände wie ), weil er um die Gefahr der Dominierung seiner Hand weiß. Seine guten bis starken Hände wird er allerdings öfter in Position gegen uns callen (z.B. ) und seine Premiumhände 4-betten bzw. all-in pushen. Wir erreichen also gegen einen tighten Buttonraiser mit einem Reraise nicht sehr häufig einen Fold, öfter einen Call, und selten einen 4-Bet.
    Wir sollten unsere Blinds gegen ihn also eher mit guten Händen verteidigen. Der Vorteil einer Verteidigung unserer Blinds gegen diesen Spielertypen ist:
    • Wir haben einen einfachen Fold mit mittelmäßigen bis guten Händen, wenn er uns 4-bettet, und
    • wir können seine Handrange eingrenzen, wenn er uns in Position callt: Zumeist wird er dies mit einem mittleren bis relativ hohen Paar machen (z.B. bis ) oder auch mit Händen wie .

Wir können also auf dem Flop leicht gegen ihn weiterspielen: Treffen wir gut oder ein Monster, spielen wir weiter, ansonsten sollten wir geneigt sein, uns von der Hand zu verabschieden.

  • Beispiel 1:

Wir halten im Big Blind und der Button, den wir als tighten Spieler ansehen, erhöht. Wir denken, dass dieser Spieler alle Premiumhände gegen uns 4-betten, jedes mittlere oder mittelgroße Paar in Position callen und den Rest folden wird.

Wir machen also einen 3-Bet und hoffen eher auf einen Fold vom Gegner. Er callt unseren Reraise und wir sehen einen unkoordinierten Flop, -hoch. Im Prinzip macht es gegen diesen Spieler hier nicht immer Sinn, einen Continuation-Bet anzusetzen, aber wir besitzen immer noch Fold Equity gegen Hände wie bis und oder auch -Kombinationen.

Wir machen in diesem Fall unseren C-Bet und werden geraist. Dies deutet auf ein Overpair, Hände wie oder sogar, aber weniger wahrscheinlich, ein Set , oder hin. Da wir nicht davon ausgehen, dass dieser tighte Spieler bei unseren bisherigen Beobachtungen und Reads auf ihn einen großen Bluff durchziehen wird und wir lediglich As-hoch mit second best kicker" haben, können wir ruhigen Gewissens folden.

Wir haben also gegen den tighten Spieler stets leichte Entscheidungen, wenn wir gegen ihn unsere Blinds verteidigen. Wenn wir nun beobachten, dass dieser Spieler seine Buttonraises sehr oft gegen einen Reraise aufgibt, können wir unsere Fold Equity preflop auch maximieren, indem wir ihn öfter auch mit marginalen Händen wie oder reraisen. Postflop müssen wir dann allerdings sehr bedacht weiterspielen, denn unsere größte Chance, den Pot mitzunehmen, liegt immer noch preflop in unserem 3-Bet. Sollte der Spieler dann im Umkehrschluss anfangen, uns viel öfter zu callen oder sogar zu 4-betten, müssen wir hier natürlich adjustieren und nur noch unsere starken Hände zur Verteidigung nutzen.

  • semi-loose: Wir können unsere Blinds gegen den semi-loosen Button recht häufig verteidigen, da dieser aus den späten Positionen auch viele mittelmäßige, aber spielbare Hände raist. Diese wird er dementsprechend häufig gegen einen 3-Bet aufgeben müssen. Im Gegensatz zum tighten Buttonraiser können wir daher davon ausgehen, dass wir preflop sehr viel Fold Equity besitzen, selbst wenn unsere eigene Hand nicht sehr stark ist und wir damit nicht unbedingt einen schwierigen Flop spielen möchten. Wir justieren also unsere 3-Betting-Handrange gegen diesen Spieler weiter nach unten und reraisen ihn auch mit Händen wie oder .
  • loose: Wenn man die bisherigen Punkte betrachtet, würde man an diesem Punkt erwarten, dass wir den loosen Spieler, der im Button eröffnet, mit einer noch viel breiteren Range an Händen aus den Blinds 3-betten können. Dies ist aber nicht immer der Fall. Das Problem beim loosen Button kommt hierbei genau dann auf, wenn der Button nicht nur preflop sehr loose, sondern auch nicht bereit ist, Hände überhaupt vor dem Flop aufzugeben. Reraisen wir also mit mittelmäßigen oder mittelstarken Händen, laufen wir Gefahr, gegen einen solchen Spieler oft Flops spielen zu müssen - ohne Position und nur mit durchschnittlicher Handstärke. Dies nimmt uns wiederum alle Vorteile, die wir uns durch eine Blind-Verteidigung gegen ihn erhofft hatten.
    Hier empfiehlt es sich, die übliche Spielweise des Buttons zu beobachten: Callt er Reraises in Position sehr oft oder foldet er? Im letzteren Fall verhält sich unser Spiel gegen ihn wie im Fall gegen den semi-loosen Spieler. Im ersten Fall müssen wir unsere 3-Betting-Range nach oben anpassen und nur noch mit gut spielbaren bis starken Händen unsere Blinds vor ihm verteidigen. Andersherum haben wir, nicht wie gegen den tighten Spieler, postflop relativ leichte Entscheidungen zu treffen, selbst wenn wir eine nicht allzu starke Hand halten.
    Verteidigen wir unsere Blinds gegen einen loosen Button und werden gecallt, kann dieser prinzipiell eine so weite Range an Händen halten, dass die Stärke unserer Hand viel geringer sein darf: Wir liegen gegen seine Range auch mit mittelstarken bis guten Händen oft weit vorn. Im Fall des tighten Buttons würden wir eine gegebene mittelstarke Hand eher weglegen, hier verhält es sich eher umgekehrt.

Dazu ein kleines Beispiel:

  • Beispiel 2:

Der Button ist uns bisher als extrem looser, schlechter Spieler aufgefallen, der es aber innerhalb kürzester Zeit zu 200 BB geschafft hat, indem er seine Draws für viel zu viel Geld und entgegen seiner Potodds verfolgt und getroffen hat.

Er eröffnet im Button auf vier BB und wir verteidigen unseren Blind mit einer soliden Hand, die sich aber normalerweise in Reraised-Pots eher ungut spielt, da sie Gefahr läuft, dominiert zu sein von und . In diesem konkreten Fall brauchen wir uns aber um diese Typen von Händen keine großartigen Gedanken zu machen, da der Button so loose spielt, dass seine Range zur Eröffnung hier äußerst breit ist. Viel eher würden wir gegen ein As spielen, das wir mit unserem Kicker dominieren, und das allein kompensiert für die seltenen Fälle, in denen er hier tatsächlich oder hält.

Er callt in Position und wir treffen einen Flop, mit dem wir uns in dieser Hand gegen diesen Gegner unter den genannten Umständen committen wollen. Da seine Range so breit ist, können wir zu einem großen Prozentsatz davon ausgehen, dass wir entweder gegen einen Draw oder gegen ein schwächeres, in seltenen Fällen besseres As oder Two Pair spielen, wenn wir jetzt einen Call oder Raise von ihm bekommen.

Wir setzen also einen Bet in Höhe von 21 BB, sodass wir uns am Turn mit einer guten Pot-sized-Bet committen können. Das Board lässt einen Flushdraw zu, und am Turn hätten wir eventuell eine schwierige Entscheidung, wenn das dritte Kreuz ankommt. Wir hätten die Option, trotz unseres Commitment-Plans, am Turn noch zu check/folden, wenn wir ihm einen Flushbluff nicht zutrauen. Auf jede Nicht-Kreuz-Karte allerdings stellen wir alle restlichen Chips in die Mitte. So kommt es in der Hand auch und der loose Spieler macht seinem Image alle Ehre und callt mit einem einfachen Flushdraw.

Small Blind vs. Big Blind

Die bisher erläuterten Konzepte lassen sich sehr gut auf den Kampf zwischen den Blinds übertragen. Hier wird das Spiel sogar meist noch viel aggressiver als in den Button-vs.-Blind-Fällen. Da jeder inzwischen um die verminderte Bedeutung einer Eröffnung vom Button oder vom Small Blind für die generelle Handstärke weiß, wird auch dementsprechend hart um diese Positionen und um die Blinds gekämpft.

Aber auch hier sollte man den einzelnen Spielertyp hinter dem Raise nicht verkennen und die Situationen richtig einschätzen lernen. Zwar führt eine loosere Preflop-Strategie und ein 3-Betting mit mittelstarken Händen oft zur gewünschten, erhöhten Fold Equity, dennoch sollten wir auch hier unsere Looseness nicht zu weit tragen. Wir können zwar selbst mit einer weiten Handrange vor dem Flop unsere Blinds gegen einen Steal und auch einen Resteal (also einen erneuten Raise bzw. einen 3-Bet vor dem Hintergrund, dass der erste Raise nur ein Stealversuch war) verteidigen, sollten aber mit mittelstarken Händen aufgeben, sobald wir mit einem All-in-Push konfrontiert werden.

Hier gilt es stets, die Nerven zu bewahren und sich nicht einzureden, man könne ganz einfach aus einem Resteal-Versuch Wert ziehen, indem man den Push callt, mit der einfachen Begründung, dass es ja eine Blind-vs.-Blind-Situation ist.

  • Beispiel 3:

Wir werden aus dem Small Blind von einem sehr loosen Spieler geraist. Wir haben bisher gesehen, dass dieser Spieler fast any two cards" vor dem Flop erhöht. Zudem sind wir nun in einer Blind-vs.-Blind-Situation und finden . Wir möchten unsere Position und unsere Handstärke gegen diesen Spieler für eine Blinddefense verwenden und machen einen 3-Bet. Ohne langes Zögern pusht unser Gegner all-in. Wir könnten callen, weil wir denken:

  • Es ist eine Blind-vs.-Blind-Situation.
  • Der Spieler ist preflop sehr loose.
  • Er interpretiert unseren Versuch als Resteal.

Dies wären die „vermeintlichen" Gründe, mit denen wir uns in einen Call ködern könnten. Wir sollten aber folden, da wir ja selbst gegen schwächere Hände wie oder hinten liegen und auch gegen die meisten Paare einen Coinflip oder schlechter eingehen würden. Die Möglichkeit, dass er uns zurückblufft", ist zwar gegeben, sollte aber trotzdem außen vor gelassen werden. Es gibt bessere Spots, um von einem solchen Spieler Chips zu bekommen.

 

 

X Informationen zu Cookies

Wir haben auf deinem Computer Cookies platziert, um deinen Aufenthalt auf unserer Website noch angenehmer zu gestalten. Du kannst deine  Cookie-Einstellungen  jederzeit ändern. Andernfalls setzen wir dein Einverständnis voraus.