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MTT-Strategie: späte Phase

Die späte Phase eines Turniers zeichnet sich dadurch aus, dass die Blinds weiter gestiegen und die Chipstacks im Verhältnis zu diesen noch kleiner geworden sind. Jetzt ist der durchschnittliche Stack oft nur noch etwa das 20-fache eines Big Blinds, was erheblichen Einfluss auf die Spieldynamik hat.

Wie bereits im Artikel „Mittlere Phase" beschrieben ist es weiterhin sehr wichtig, durch Blindsteals seinen Stack konstant zu halten oder nach Möglichkeit sogar zusätzlich auszubauen. Wenn man weiterhin nur tightes, vorsichtiges Poker spielt, wird man auf Dauer einen zu großen Teil seines Chipstapels durch Blinds und Ante verlieren.

In diesem Artikel werden wir auch darauf eingehen, wie man sich gegen Blindsteals seiner Gegner wehren kann und unter welchen Umständen man ein All-in callen bzw. nicht callen kann.

Der Resteal

Als Resteal bezeichnet man das Reraisen eines (vermeintlichen) Blindsteals aus später Position. In vielen Fällen ist unser Stack so klein, dass wir direkt all-in spielen können. Der große Vorteil eines Resteals ist, dass man im Gegensatz zu einem klassischen Blindsteal einen sehr viel größeren Pot gewinnen kann, denn zusätzlich zu Blinds und Ante ist noch die Erhöhung des Blindstealers im Pot. Ein erfolgreicher Resteal erhöht unseren Chipstapel deshalb deutlich.

Das vorrangige Ziel eines Resteals ist es, den Pot vor dem Flop zu gewinnen.

  • Beispiel:

    9 Spieler, Blinds: 500/1000, Ante: 100
    Button: 20.000 Chips
    SB: 30.000 Chips
    Hero im BB: 15.000 Chips mit

    Alle folden zum Button, der auf 2.500 raist. Nachdem der Small Blind foldet, raisen wir im Big Blind auf 15.000 all-in. Der Button foldet und wir gewinnen 4.900 Chips.

    In diesem Beispiel haben wir unseren Chipstapel um fast 30 % erhöht.

Was für eine Hand benötige ich für einen Resteal?

Da wir den Pot vor dem Flop gewinnen wollen, ist es zunächst nicht notwendig, eine sehr gute oder gar Premiumhand zu halten. Auf der anderen Seite wollen wir auch nicht auf vollkommen verlorenem Posten sein, sollte unser Resteal-Versuch gecallt werden. Daher sind alle Paare gut geeignete Hände, aber auch Suited Connectors und Asse mit starken Beikarten.

Könige und Asse mit schwachen Beikarten sind weniger gut für einen Resteal geeignet, denn wenn wir gecallt werden, sind wir oft dominiert. Obwohl wir eigentlich einen Steal machen, spielt die dazu verwendete Starthand also sehr wohl eine Rolle.

Gegen welche Art von Gegenspieler ist ein Resteal besonders gut geeignet?

Je mehr Hände der Gegner aus später Position erhöht, wenn zu ihm gepasst wird, desto profitabler ist ein Resteal langfristig für uns. Denn damit können wir davon ausgehen, dass die Handrange des Gegners recht loose ist und er daher selten, wenn überhaupt, in der Lage ist, einen Resteal callen zu können. Denn dazu braucht er eine wirklich starke Hand. Da er also viele Hände erhöht, muss er einen Großteil seiner Hände passen und wir gewinnen den Pot vor dem Flop.

Was ist sonst noch zu beachten?

Voraussetzung für einen Resteal ist, dass wir entweder Fold Equity oder eine sehr starke Hand haben. Fold Equity bedeutet, dass wir mit genug Chips all-in spielen, dass der Gegner seine Hand oft genug aufgibt und das All-in nur mit einer wirklich sehr starken Hand callen kann. Da diese selten vorkommen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Gegner aufgeben muss.

Wenn wir aber mit so wenig Chips all-in gehen, dass der Gegner Potodds von 2:1 bekommt, wird er uns in den meisten Fällen callen, und damit geht die Fold Equity gegen Null.
Wenn wir keine Fold Equity haben, müssen wir eine sehr starke Hand halten, um all-in spielen zu können.

Faustregel: Die effektive Stacksize muss mindestens das Vierfache der ursprünglichen Erhöhung sein, damit man Fold Equity hat.

Das Callen von All-in-Bets vor dem Flop

In dieser Phase eines Turniers kommt es zwangsläufig zu häufigen All-in-Situationen. Aber wann sollte ich ein All-in callen?

  • Mit Premiumhänden wie , , und sollte man ein All-in vor dem Flop immer callen.
  • Wenn vor einem ein Spieler all-in geht, sollte man diesen in der Regel isolieren.

"Isolieren" bedeutet, dass man den Raise des Gegners über dessen All-in hinaus nochmals erhöht, also nicht einfach nur callt. Ziel dieser Isolation ist es, die anderen Spieler aus der Hand zu drängen, sodass man seine Gewinnwahrscheinlichkeit maximiert. Denn auch Premiumhände wie Asse gewinnen gegen mehrere Gegner zu selten, als dass man dieses Risiko eingehen möchte.

Sollte der eigene Stack kleiner sein als das Vier- bis Fünffache der ursprünglichen Erhöhung, sollte man zum Zweck der Isolierung ebenfalls all-in gehen.

Man selbst raist und ein Gegner reraist

Wenn man allerdings erhöht und ein Spieler spielt all-in, so hat man häufig eine sehr schwierige Entscheidung zu treffen. Hier eine Auflistung der Punkte, die man beachten sollte:

  • Wie viele Chips muss ich noch bringen? Wie sind meine Potodds?

    Häufig der entscheidendste Punkt. Bei Potodds von 2:1 oder besser hat man normalerweise einen automatischen Call, einfach, weil man nur in einem von drei Fällen gewinnen muss, um den Call langfristig profitabel zu machen. Ausnahmen, die einen eventuell davon abhalten könnten, ein All-in zu callen, sind strategische Entscheidungen, wenn man im Fall eines Verlustes seine Position am Tisch zu sehr verschlechtern würde.
  • Wie stark ist meine eigene Hand?

    Wenn man eine sehr starke oder sehr schwache Hand hat, ist die Entscheidung meistens einfach (nämlich CALL mit der sehr guten und FOLD mit der sehr schwachen). Wenn meine Hand allerdings mittelmäßig ist, muss ich mir weitere Fragen stellen:
    • Welche Hände kann mein Gegner halten?
      Die genaue Range aller Hände, die der Gegner in dieser Situation eventuell haben könnte, herauszufinden, ist sehr schwer und man kann daher nur grobe Annahmen machen. Dazu muss man aber eine Vielzahl weiterer Faktoren berücksichtigen. Wie aggressiv ist mein Gegner? In welcher Position befinde ich mich und in welcher mein Gegenspieler? Habe ich dann eine ungefähre Range im Kopf, muss ich überlegen:
    • Wie hoch ist die Gewinnchance meiner Hand gegen die Range meines Gegners?
      Dies ist eine rein mathematische Frage und lässt sich mit Hilfe des Chancenrechners lösen.
      Mit der genauen Gewinnwahrscheinlichkeit und den Potodds lässt sich genau ausrechnen, ob es korrekt ist, zu callen oder zu folden. Siehe dazu die Tabelle unten. Am Pokertisch sind solche Berechnungen in der Form natürlich unmöglich. Es macht daher Sinn, sich einfach mal abseits vom Tisch mit verschiedenen Szenarien zu beschäftigen, das hilft dann in konkreten Spielsituationen, ein Gespür für die eigenen Chancen zu entwickeln.
  • Wie viele Spieler sind noch nach mir an der Reihe?

    Je mehr Spieler noch nach mir agieren können, desto größer die Möglichkeit, dass einer dieser Spieler noch eine bessere Hand halten kann als ich selbst oder mit einem Monster aufwacht. Aus diesem Grund ist es deutlich einfacher, als letzter Spieler im Big Blind ein All-in zu callen, als wenn ich in mittlerer Position sitze und noch fünf Spieler nach mir an die Reihe kommen.
  • Wie viele Chips bleiben mir noch, wenn ich das All-in verliere?

    Diese Betrachtung ist insofern wichtig, als dass man sich möglicherweise entscheidet, eine Hand zu passen, mit der man normalerweise ein All-in callen würde, weil einem vielleicht nur noch sehr wenige Chips bleiben würden, wenn man das All-in verliert.

Hier ist eine Tabelle, die angibt, wie hoch meine Gewinnwahrscheinlichkeit gegen die Handrange meines Gegners mindestens sein muss, um den Call mit verschiedenen Potodds profitabel zu machen.

Potodds-Gewinnwahrscheinlichkeit:

1,5:1 40 %
1,6:1 38,46 %
1,7:1 37,04 %
1,8:1 35,71 %
1,9:1 34,48 %
2:1 33,33 %
2,25:1 30,77 %
2,5:1 28,57 %
2,75:1 26,67 %
3:1 25 %
3,5:1 22,22 %
4:1 20 %
5:1 16,67 %

Im nächsten Artikel werden wir uns mit dem Spiel auf der Bubble beschäftigen. Hier kann ein Fehler den Unterschied zwischen dem Gewinn eines Preisgeldes und dem Ausscheiden mit leeren Händen bedeuten.

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