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MTT-Strategie: Spiel auf der Bubble

Die Bubble

Als Bubble bezeichnet man in einem Turnier die Phase, in der nur noch ein oder – in einem großen Turnier – ein paar wenige Spieler ausscheiden müssen, bevor alle verbliebenen Spieler im Geld sind. Der Spieler, der als letzter vor den Geldrängen ausscheidet, wird auch gern „Bubbleboy" genannt. Natürlich will niemand zum Bubbleboy werden, da ja die Preisränge zum Greifen nah sind. In dieser „heißen" Phase gilt es, seine Strategie entsprechend anzupassen und von der normalen MTT-Strategie abzuweichen, um die Angst der Gegner bestmöglich auszunutzen.

Im Gegensatz zu Sit-and-Go-Turnieren, bei denen das Erreichen der Preisränge von essentieller Bedeutung ist und das korrekte Spielen auf der Bubble entscheidenden Einfluss auf den langfristigen Erfolg hat, ist die Bubble bei Multitable-Turnieren weitaus weniger bedeutend, denn das große Geld gibt es erst am Finaltisch. Für das "Gerade-noch-so-in-die-Preisränge-rutschen" gibt es meist nur (knapp) das doppelte Buy-in zurück. Das ist als Ziel eines MTT deutlich zu wenig.

Schauen wir uns also an, welche unterschiedlichen Strategien wir abhängig von unserem Stack wählen sollten.

Die Bubble als Bigstack

Mit einem überdurchschnittlichen Chipstack (Bigstack) läuft man eigentlich nicht Gefahr, noch vor dem Preisgeld auszuscheiden. Vielmehr sollte es darum gehen, sich eine gute Position zu verschaffen für das Spiel nach der Bubble (im Preisgeld), also wenn es darum geht, den Final Table zu erreichen.
Um seine Position auszubauen bietet es sich gerade mit einem Bigstack an, starken Druck auf andere Spieler auszuüben. Viele Spieler mit einem kleinen oder mittleren Stack werden versuchen, irgendwie ins Geld zu kommen und aus Angst kurz vorher doch noch auszuscheiden, auch starke Hände passen. Dies kann man ausnutzen, indem man konsequent ihre Blinds aus mittlerer und später Position stiehlt. Die eigene Hand ist dabei weitestgehend unbedeutend.

Eine andere Variante ist, Erhöhungen von Spielern mit einem durchschnittlichen Stack (zwischen 15 und 25 BB) auch mit mittelstarken Händen zu reraisen. Da diese Gegner gute Chancen haben, die Preisränge zu erreichen, werden sie ebenfalls lieber eine mittelgute Hand aufgeben, als ein Ausscheiden auf der Bubble zu riskieren. Denn ein Reraise stellt die Gegner vor die Alternativen, entweder aufzugeben oder bereit zu sein, um alle ihre Chips zu spielen. Letzteres werden die meisten Spieler nur mit sehr starken Händen wagen.

Die Bubble mit einem mittleren oder kleinen Stack

Mit einem mittleren oder kleinen Stack läuft man unmittelbar Gefahr, noch vor den Preisen aus dem Turnier auszuscheiden. Aus diesem Grund sollte man darauf verzichten, unnötige Spielereien zu machen und einfach weiter solides, tightes Poker spielen. Es spricht nichts dagegen, an dieser Stelle in marginal profitablen Situationen zu passen, einfach um ins Geld zu kommen.

  • Beispiel 1:

Die Blinds sind 500/1.000 mit einer Ante von 100.

Wir haben 15.000 Chips und sitzen im Big Blind mit . Ein aggressiver Spieler auf dem Button erhöht auf 2.500, er hält 60.000 Chips. Normalerweise sollten wir hier all-in spielen, weil wir gegen die Hände, die dieser Spieler auf dem Button erhöht, meistens vorn liegen.

Da wir uns aber auf der Bubble befinden, sollten wir passen, denn wir werden sehr wahrscheinlich gecallt werden (der Gegenspieler hat, wenn wir all-in spielen, Potodds von etwa 1,9:1). Wir würden also unser Turnierleben riskieren mit einer Hand, die im besten Fall nur leichter Favorit ist. Das macht so kurz vor dem Geld aber keinen Sinn mehr. Wir warten auf bessere Gewinnchancen und folden.

  • Beispiel 2:

Die Blinds sind wieder 500/1.000 mit einer Ante von 100.

Wir sitzen diesmal UTG mit und halten 10.000 Chips. Normalerweise ist dies aufgrund der Ante ein knapper Push, allerdings sollten wir hier passen. Obwohl wir unseren Stack um 2.400 Chips vergrößern, wenn alle Spieler passen sollten, ist ein Push deshalb falsch, da wir, wenn wir gecallt werden, vermutlich nie die beste Hand halten. Gegen eine vernünftige Callingrange von TT+, AQs und AK(s) ist unsere Gewinnwahrscheinlichkeit gerade mal 28 %!

Allerdings sollte man nicht den Fehler begehen, sehr starke Hände, wie , , , oder , zu passen. Wenn man diese Hände schon vor dem Flop aufgibt, nur um ins Geld zu kommen, verschenkt man auf lange Sicht zu viele Chips und verbaut sich die Chance auf eine gute Ausgangsposition auf dem Weg zum Final Table.

Denn wir dürfen nicht vergessen: Es geht bei Multitable-Turnieren darum, den Finaltisch zu erreichen und nicht darum, nur gerade mal so ins Geld zu rutschen!

Die Bubble in Satellites zu großen Turnieren mit mehreren Seats

Die Bubble in Satellites ist deutlich komplexer als die in normalen Freeze-out-Turnieren. Dies liegt daran, dass bei solchen Satellites normalerweise alle Spieler „im Geld" gleich behandelt werden, nämlich alle einen Sitz für das große Turnier gewinnen und damit alle zum Sieger erklärt werden, unabhängig davon, wer zu diesem Zeitpunkt wie viele Chips hat. Sind also genug andere Spieler ausgeschieden und die verbliebenen Spieler ITM, ist das Turnier unmittelbar beendet. Viele Spieler erkennen diesen wesentlichen Unterschied zur normalen Bubble nicht, was zu groben Fehlern führt.
Spieler beispielsweise, deren Stack so groß ist, dass sie sich locker ins Geld folden können, sollten gar keine Hand mehr spielen, also selbst Hände wie AA folden.

  • Beispiel:

Wir haben 10.000 Chips. Der Average liegt bei 3.000 Chips. Ein Gegner hat ebenfalls 10.000 Chips und geht vor dem Flop all-in. Wir sehen unsere Karten an und finden .

Viele Spieler würden das All-in callen. Das richtige Spiel in dieser Situation ist aber, die Asse zu folden. Die Erklärung ist ganz einfach. Zwar würden wir (außer der Gegner hat ebenfalls AA) in ca. 80 % der Fälle unseren Stack auf 19.000 Chips erhöhen können, aber auch in ca. 20 % auf null reduzieren, womit unser Turnier beendet wäre. Wenn wir dagegen passen ist die Wahrscheinlichkeit, das Satellite zu gewinnen, ca. 95 %. Es macht keinen (wesentlichen) Unterschied, ob wir nun 10.000 oder 20.000 Chip haben, die Wahrscheinlichkeit, das Satellite zu gewinnen, wird dadurch nicht mehr dramatisch erhöht.

In einer solch komfortablen Situation kann man also den sicheren Sieg (und damit Seat) eigentlich nur noch riskieren, wenn man, egal mit welcher Hand, ins Spielgeschehen eingreift. Und wer sollte das freiwillig tun? Und doch geben viele Spiele ihre komfortable Chipposition durch zu unüberlegte Spielzüge leichtfertig auf.

Herauszufinden, wie viele Chips man braucht, um sich zurücklehnen zu können und keine Hand mehr spielen zu müssen, ist nicht ganz einfach.

  • Letztlich muss man dazu vom aktuellen Chipcount die (geschätzten) Blinds und Ante abziehen, die noch gezahlt werden müssen, bis das Turnier beendet ist.
  • Als Nächstes sollte man den durchschnittlichen Chipcount errechnen, der aktuell ist, wenn alle verbleibenden Spieler einen Seat sicher haben.
  • Wenn der eigene Chipstack nach Abzug der (geschätzten) noch zu bringenden Blinds und Ante bis zum „Platzen der Bubble" deutlich über dem errechneten Durchschnittswert liegt, sollte man anfangen, jede Hand zu folden, bis das Turnier beendet ist oder einem klar wird, dass der verbleibende Stack doch nicht reichen wird, da sich diese Turnierphase zu lange hinzieht. Je länger nämlich die Bubble-Phase, desto mehr setzen einem die Blinds und Ante zu und man muss wieder versuchen, seinen Chipstack zumindest zu erhalten, also wieder ein höheres Risiko eingehen.
  • Beispiel:

Wir befinden uns auf der Bubble eines Satellites für die Sunday Million. Wir haben 35.800 Chips. 190 Spieler waren angetreten, nun sind 21 Spieler übrig. 19 Spieler erhalten einen Sitz für das begehrte Sunday Million.

Die Blinds liegen bei 300/600, die Ante beträgt 25.

Wenn wir davon ausgehen, dass die beiden letzten Spieler in spätestens zehn Runden ausgeschieden sind, würden wir bis dahin noch 9.000 Chips für die Blinds (3.000 für SB und 6.000 für BB) und 2.500 Chips für Antes zahlen müssen, insgesamt also 11.500 Chips. Wir hätten dann noch 24.300 Chips übrig. Sagen wir, dass in diesem Satellite mit 1.500 Chips begonnen wurde, dann hätten die letzten 19 Spieler im Durchschnitt genau 15.000 Chips.
Wir hätten dann also noch deutlich mehr Chips als der Durchschnitt, daher könnten wir mit unseren 35.800 Chips beginnen, auf das Spielen weiterer Hände zu verzichten.

Dauert nun die Bubble-Phase länger als erwartet, ändert sich unsere Position und wir müssen verhindern, dass wir wegblinden, bevor die Bubble ausgespielt ist. Würden unsere Chips also in diesem Beispiel auf 26.000 Chips sinken, es würde aber nicht absehbar sein, dass die letzten beiden Spieler nun jeden Moment ausscheiden, müssen wir wieder beginnen, aktiver zu werden.

Shortstacks auf der Bubble

Die Shortstacks (also Spieler mit zwölf BB oder weniger) sollten in später Position fast unabhängig von den Holecards all-in gehen, solange ein weiterer Shortstack im Big Blind sitzt. Haben beide Shortstacks ungefähr gleich viele Chips, darf der Big Blind spieltheoretisch nur mit callen.

Meist führt das Spiel auf der Bubble dazu, dass Shortstacks zu Bigstacks werden und Bigstacks zu Shortstacks, am Ende schließlich ein All-in (von z. B. AA) gecallt wird oder die Blinds so weit steigen, dass das Callen eines All-ins kein Problem mehr darstellt und endlich die Bubble platzt, wodurch alle verbleibenden Spieler im Geld sind.

Ist die Bubble geplatzt, spielt man ähnlich wie in der späten Phase eines Turniers weiter, bis es zur nächsten Bubble kommt, nämlich der vor dem Finaltisch. Der Vorteil hier ist allerdings, dass meist bereits alle im Geld sind und das Ausscheiden als Zehnter daher versüßt wird.

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