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MTT-Strategie: Die mittlere Phase
Die mittlere Phase zeichnet sich dadurch aus, dass das Verhältnis von Stack-Größe zu Blinds und Ante kleiner wird. Im Gegensatz zur frühen Phase hat das Spiel in der mittleren Phase nun auch deutlich weniger Gemeinsamkeiten mit dem klassischen Cashgame. Der durchschnittliche Chipstack ist oft nur noch ca. 30 BB. Hier ist das jeweils korrekte Spiel mit verschiedenen Stack-Größen entscheidend. In diesem Zusammenhang sind die Strategien und Überlegungen rund um „Das M-System" eine große Hilfe, das im nächsten Artikel behandelt wird.

Warum Blindstealing?

Mit den steigenden Blinds wird auch automatisch das Blindstealing interessanter, dies gilt insbesondere mit der großen Ante bei PokerStars, die etwa ein Zehntel des Big Blinds beträgt. Dies erhöht die zu bringenden Chips pro Orbit (Runde) deutlich.

  • Beispiel 1:

Blinds: 100/200, keine Ante
Jeder Spieler muss pro Runde 300 Chips an Blinds bringen.

  • Beispiel 2:

neun Spieler, Blinds: 100/200, Ante: 25
Jeder Spieler muss pro Runde 525 Chips an Blinds und Ante bringen.

Dies ist gleichzeitig auch die Anzahl an Chips, die sich jetzt bereits im Pot befindet, bevor die erste Aktion stattgefunden hat. Im Vergleich zum vorigen Beispiel ohne Ante ist dies eine Steigerung um etwa 70 %! Das Blind-Stehlen ist also deutlich lukrativer. Allerdings hat dieser Anstieg an Bring-ins auch einen Nachteil, denn wir müssen damit auch jede Runde entsprechend mehr Chips einbringen, was uns schnell unter Druck setzen kann.
Die Strategie sollte nun so angepasst werden, dass wir die Blinds aggressiver als die anderen Spieler angreifen. Denn um unseren Chipstapel konstant zu halten, müssen wir im Durchschnitt nur einmal pro Runde Blinds und Ante gewinnen. Schaffen wir dies sogar zweimal, so gewinnen wir jede Runde 525 Chips!

Tipps zum Blindstealing

Der klassische Blindsteal ist eine Erhöhung aus Late Position, am besten vom Button. Die Position ist zum einen wichtig, weil man Position auf beide Blinds hat, zum anderen gibt es weniger Spieler nach einem, die möglicherweise eine Premiumhand halten könnten.

Wenn man beispielsweise aus mittlerer Position mit einer schwachen Hand die Blinds angreifen will, so hat man folgende Nachteile:

  • Spieler aus mittlerer und später Position könnten die Erhöhung callen. Dies führt zu schwierigen Situationen auf dem Flop, denn man hält meist eine schwache Hand und ist out-of-position.
  • Ein Spieler könnte sich entscheiden, nochmals zu erhöhen. In diesem Fall müssen wir in den meisten Fällen unsere Hand aufgeben.

Auch der Small Blind ist zum Blindsteal geeignet, jedoch hat dieser den entscheidenden Nachteil, postflop keine Position zu haben. Wenn zu einem im Small blind gepasst wird, so hat man verschiedene Möglichkeiten:

  • Fold: Schwache Hände sollte man hier in der Regel einfach passen.
  • Call: Wir können auch den Small Blind nur auffüllen, dies ist vor allen mit marginalen Händen sinnvoll.
  • Raise: Mit starken Händen sollten wir meistens erhöhen. Callen mit einer starken Hand kann gegen aggressive Gegner Sinn machen, da wir eine wahrscheinliche Erhöhung des Big Blinds nochmals raisen können.

Wichtig ist, dass wir im Small Blind eine größere Erhöhung als normal machen, was wiederum an der Position liegt und wir nur gegen den Big Blind stehen. Bei einem normalen Raise hat der Big Blind so gute Potodds, dass er mit einer Vielzahl an Händen callen kann, mathematisch sogar callen muss. Aus diesem Grund sollten wir mindestens um das Dreifache des Big Blinds (auf vier BB) erhöhen.

  • Die Stärke der eigenen Hand ist wichtig für einen Blindsteal, jedoch keineswegs entscheidend. Besonders in später Position kann man mit einer Vielzahl von Händen die Blinds attackieren. Dazu gehören alle Bildkarten-Kombinationen, Paare, verbundene Karten einer Farbe (auch mit Lücke) und gute König- und Damenkombinationen von einer Farbe.
  • Sehr entscheidend für einen Blindsteal ist, dass kein anderer Spieler vor einem in die Hand eingestiegen ist. Steigt man als erster mit einer Erhöhung in die Hand ein, nennt man das Open Raise. Wenn bereits ein Spieler gecallt hat, benötigt man eine deutlich stärkere Starthand, will man erhöhen, als wenn alle Spieler zu einem gepasst haben. Dies liegt daran, dass man mit einem Open Raise die Hand häufig vor dem Flop gewinnt. Daher ist dann auch die eigene Hand irrelevant. Wenn jedoch bereits ein Spieler gecallt hat, so wird dieser in den meisten Fällen eine Erhöhung ebenfalls callen und man sollte auf dem Flop eine starke Hand bilden können. Die Qualität der eigenen Hand ist in diesem Fall also wichtiger.
  • Wichtig ist auch die Stack-Größe der Blinds, insbesondere des Big Blinds. Haben ein oder beide Blinds nur noch einen sehr kleinen Stack, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit einer sehr großen Zahl an Händen all-in gehen. Große Stacks dagegen verteidigen öfter ihre Blinds, da sie ungern "herumgeschubst" werden. Beides führt zu unangenehmen Situationen, wenn man mit einer sehr schwachen Hand Stehlversuche unternimmt. Im Idealfall haben die Blinds einen mittleren Stack und sind bekannt dafür, ihre Blinds oft aufzugeben.

Warum man ab der mittleren Phase kleinere Erhöhungen macht

In der mittleren Phase eines Turniers wechseln Spieler von einer normalen Raise-Größe von drei BB plus ein BB pro Limper auf eine etwas kleinere Raisegröße von etwa 2,5 BB. Dies mag auf den ersten Blick unsinnig oder zumindest irrelevant erscheinen, denn schließlich wird der Pot durch die zusätzliche Ante größer, was dazu dazu führen sollte, dass Erhöhungen ebenfalls größer sein sollten. Das Gegenteil ist aber in der Praxis der Fall.

Durch die hohen Blinds und Ante haben alle Spieler in BB gerechnet einen recht kleinen Stack, in der Regel zwischen fünf und 30 BB. Wenn wir nun einen Raise aus mittlerer Position mit einer Hand wie und einem Stack von 25 BB machen, macht es für die Spieler hinter uns (fast) keinen Unterschied, ob wir nun auf 2,5 BB oder drei BB erhöht haben. Sollte uns allerdings ein Spieler reraisen, so müssen wir unsere Hand oft aufgeben. Bei einem Raise auf nur 2,5 BB haben wir also 0,5 BB gespart! Je kleiner unser Stack, desto stärker wirken sich diese 0,5 BB aus.

Und noch ein Vorteil: Dadurch, dass wir nun weniger Chips riskieren, muss der Raise seltener erfolgreich sein, um Profit zu erwirtschaften.

  • Beispiel:

    neun Spieler, Blinds: 500/1000, Ante: 100
    Wir halten in mittlerer Position
    vier Folds, Hero raist auf 2.500, alle folden

Wir haben in diesem Beispiel 2.400 Chips aus dem Pot gewonnen. Da wir nur 2.500 Chips gesetzt haben, muss unser Raise nur in etwa einem von zwei Fällen den Pot direkt gewinnen, um auf Dauer bereits profitabel zu sein. Zusätzlich gewinnen wir in den Fällen, in denen wir den Pot nicht vor dem Flop gewinnen, weitere Chips nach dem Flop, sollte sich unsere Hand zur besten Hand verbessern.

Ein weiterer Vorteil dieser etwas geringeren Erhöhungen ist, dass der Pot entsprechend kleiner ist, wenn wir gecallt werden. Damit haben wir nach dem Flop weniger Schwierigkeiten, schwache Hände aufzugeben, sollte der Gegner Stärke zeigen.

Ein Nachteil ist, dass Spieler, die nach uns in den Pot einsteigen, gute Potodds bekommen. Dies gilt insbesondere für den Big Blind. In obigem Beispiel muss der Big Blind nur 1.500 in den Pot von 4.900 bringen, was Potodds von lohnenswerten 3,3:1 entspricht.

Blinddefense

In obigen Absätzen haben wir gesehen, dass wir durch die Ante und kleinere Erhöhungen gerade im Big Blind sehr gute Potodds bekommen. Generell sollten wir unseren Big Blind nicht mit marginalen Händen gegen Erhöhungen aus früher Position verteidigen.

Gegen Erhöhungen aus mittlerer und später Position sollten wir mit starken und sehr starken Händen standardmäßig reraisen. Besonders gegen Spieler, die oft aus später Position die Blinds angreifen, sollten wir auch mit marginalen Händen wie beispielsweise oder unseren Blind verteidigen. Wichtig ist, dass man dazu Karten wählt, mit denen man einen starken Flop treffen kann. Hände, die leicht dominiert sind - wie kleine As- und Königskombinationen - sollten dagegen gepasst werden. Dadurch vermeiden wir Probleme, wenn wir Top Pair ohne Kicker treffen.

Wenn wir im Big Blind nur gecallt haben, sollten wir den Flop sehr oft zum Preflop-Aggressor checken und dann, je nach eigener Hand und Flop-Struktur erhöhen, callen oder passen. Eine Ausnahme könnte dann auftreten, wenn wir einen guten Flop getroffen haben, der aber sehr drawlastig ist. In diesem Fall macht ein eigenes Anspiel Sinn, um dem Preflop-Aggressor keine Freecard zu ermöglichen.

Starthandauswahl

Die Starthandauswahl in der mittleren Phase unterscheidet sich deutlich von der in der frühen Phase. Dadurch nämlich, dass der durchschnittliche Stack oft nur noch etwa 30 BB beträgt, hat man für viele spekulative Hände keine ausreichenden Implied Odds mehr.

Aus diesem Grund verlieren vor allem kleine Paare und verbundene Karten einer Farbe an Wert, denn diese sind auf hohe Implied Odds angewiesen. Es ist daher nicht (mehr) profitabel, mit diesen Händen Erhöhungen rein auf Setvalue zu callen, bzw. mit Connectors auf Flops zu hoffen, die einem ein Monster bringen.

Stattdessen gibt es andere Möglichkeiten, diese Hände zu spielen: Zum einen könnte man mit beiden Handtypen reraisen anstatt nur zu callen. Dies hat den Vorteil, dass man den Pot vor dem Flop gewinnen kann. Dafür gibt es zwei Gründe:

  • Entweder, der Gegner hat eine schwache Hand oder
  • er hat eine mittelprächtige Hand, die er aber nicht gegen einen aggressiven Gegner spielen möchte, da er zu häufig den Flop verpasst.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man mit dem Preflop-Raise eine sehr starke Hand repräsentiert, und daher auf dem Flop selbst bessere Hände mit einem Continuation-Bet oft genug zum Folden bewegen kann.

Der Nachteil ist, dass man mit einer schwachen Hand einen großen Pot aufbaut und damit viele Chips riskiert.

Eine weitere Alternative, spekulative Hände zu spielen, kann so aussehen, dass man in Position gegen den Preflop-Aggressor callt, seine Hand dann aber nicht gleich aufgibt, sollte man kein Set, kein Two Pair oder einen starken Draw floppen. Im Gegenzug kann es ausreichen, dass man auf dem Flop die Initiative ergreift, sobald man meint, gegen die gegnerische Handrange vorn zu liegen.
Wenn der Flop danach aussieht, dass der Gegner diesen höchstwahrscheinlich verpasst hat, kann ein Bluffversuch ebenfalls erfolgversprechend sein.

Es ist aber durchaus vertretbar, die spekulativen Hände einfach zu folden und sich auf die Hände zu konzentrieren, die in der mittleren Phase an Wert gewinnen, nämlich mittlere bis hohe Paare und Asse mit großen Beikarten. Diese Hände sind stark genug für einen All-in vor dem Flop und lassen sich auch nach dem Flop gut spielen, sollte es vor dem Flop noch nicht zu einem All-in gekommen sein.

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