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MTT-Strategie: Die frühe Phase


Die frühe Phase eines Turniers ist der in einem Cashgame sehr ähnlich. Die Stacks sind im Vergleich zu den Blinds noch sehr groß. Der wesentliche Unterschied zum Cashgame ist, dass man im Turnier normalerweise keine Rebuys tätigen kann. Im Cashgame dagegen kann ich nachkaufen, solange es meine Bankroll zulässt. Beim Turnier ist es deshalb deutlich wichtiger, nicht die gesamten Chips (in einer Hand) zu verlieren und somit aus dem Turnier auszuschneiden.

Um diesen Teil des Turniers erfolgreich zu spielen, ist es hilfreich, sich die Artikel zur No-Limit-Hold'em-Fullring-Strategie (bzw. Bigstack-Strategie/BSS) anzusehen, da sehr ähnliche Prinzipien zur Anwendung kommen. 

Tight is right 

Viele unerfahrene Spieler denken, dass man in der frühen Phase eines Turniers auch marginale Hände spielen kann, da die Blinds noch sehr niedrig sind und man daher den Flop günstig sehen kann. Diese Denkweise ist falsch! Das Gegenteil ist korrekt. Da die Blinds in Relation zu den Stacks noch sehr klein sind, gibt es kaum einen Grund, schlechte Hände zu spielen. Man spielt also in dieser Phase selbst extrem tight (also nur wenige, gute Blätter) und macht sich somit die loose Spielweise seiner Gegner zunutze.

Insbesondere in früher Position sollte man nur Premiumhände spielen wie , , , und . Konzentriert man sich auf diese Hände, wird man oftmals den ein oder anderen schlechten Spieler aus dem Turnier nehmen, da man schlichtweg die bessere Hand hat. In späterer Position kann man auch kleinere Paare und Suited Connectors wie spielen.

Ein sehr beliebter Fehler ist, Karten gegen Erhöhungen aus früher Position zu spielen, die oft dominiert sind. Dazu gehören vor allem Hände wie , und . Diese Hände spielen sich sehr schlecht gegen typische Hände, die in Early Position (EP) erhöht werden.

Die tighte Spielweise verfolgt generell zwei Ziele:

  • Zum einen möchten wir als Favorit in den Pot einsteigen und damit die Chips unserer Gegner einsammeln. Durch die gute Starthandselektion fallen uns Entscheidungen in späteren Setzrunden auch wesentlich leichter.
  • Zum anderen baut man sich ein passendes Image für die späteren Blindlevels des Turniers auf – das des tighten, nur gewinnbringende Hände spielenden "Rocks". Sollte man später nur noch schlechte Hände bekommen, eröffnet einem dieses Image die Möglichkeit eines Steals oder Bluffs.

Ein Problem hat diese Spielweise allerdings: Man bekommt auf gute Hände oftmals nur wenig Action seitens der Gegner. Wenn man ständig nur passt und dann alle zwanzig Hände oder weniger einen Raise ansetzt, werden selbst die unaufmerksamsten Spieler misstrauisch und folden dementsprechend ihre schlechten Hände, mit denen sie normalerweise anderen Spielern Widerstand leisten würden.

Obwohl diese Spielweise also generell eine gute Empfehlung ist, hat sie noch einen weiteren Nachteil für gute und sehr gute Spieler. Diese könnten nämlich auch aus etwas schlechteren Händen wie kleinen Paaren, z. B. , oder hohen Broadway-Karten wie Profit schlagen.

Eine optimale Spielweise beinhaltet also weitere, weniger starke Hände, die dennoch Potential haben. Dies gilt vor allem für das Spiel in den späteren Positionen am Tisch.

  • Kleine Paare

Kleine Paare, d. h. alle Starthände von bis , können, sobald man ein Set getroffen hat, einen beachtlichen Wert an Chips einbringen. Trifft man allerdings kein Set, sind diese Hände wertlos. Man versucht daher, mit diesen Karten günstig den Flop zu sehen und hofft auf ein Set. Günstig bedeutet, dass man entweder limpt, sollte man in mittlerer oder später Position setzen oder einer der Blinds sein, oder dass man sogar ein Raise bis zu maximal einem Zehntel des eigenen Stacks in später Position callt. In früher Position wird immer gepasst, da kleine Paare zu schwach sind, um out-of-position und preflop gegen einen eventuellen Raise bestehen zu können.

  • Große Paare

Die Paare von bis sollten immer vor dem Flop erhöht werden, da sie einem viel Geld bringen können, aber auch durch einen Raise geschützt werden müssen, sodass Gegner nicht billig eine bessere Hand treffen können. Wird vor oder nach einem mehrfach geraist, können die Hände und gepasst werden, und auch bei einem einfachen Raise nach unserer Erhöhung sollte man sich überlegen, diese Hände wegzulegen und auf eine bessere und eindeutigere Situation zu warten. Diese Entscheidung ist allerdings auch stark vom Gegner abhängig.

  • Große Bildkarten

, und Co. sind ebenfalls starke Hände, ähnlich den großen Paaren, und sollten dementsprechend vor dem Flop gleich gespielt werden – wie Asse und Könige und wie beispielsweise ein Paar Zehnen.

  • Kleine Bildkarten

Kleine Broadway-Karten wie , , , usw. müssen in diesem Teil eines Turniers mit äußerster Vorsicht gespielt werden. Erst einmal gilt: Sind die kleinen Broadway-Karten nicht von derselben Farbe, also suited, oder wurde zuvor von einem Spieler erhöht, werden sie gepasst! Eine Ausnahme wären Situationen, in denen man in Late Position sechs Leute vor sich hat, die alle nur den Big Blind gebracht oder einen Minimum-Raise gecallt haben, dann kann man natürlich mitspielen. Das große Problem bei diesen Händen ist aber, dass sie oftmals von besseren Händen dominiert sind. oder gewinnen z. B. nur selten gegen Hände wie oder . Mit kleinen Broadway-Händen will man also hauptsächlich Monsterhände wie Straights oder Flushes treffen, weshalb es bei diesen Händen wichtig ist, günstig den Flop zu sehen. Trifft man nichts oder nur ein schwaches Paar, kann man sich schnell von den Karten trennen.

  • Verbundene Karten einer Farbe

Hände wie oder können wie kleine Paare gespielt werden. Man spekuliert dabei natürlich auch auf einen Flush oder eine Straight.

  • Andere Starthände

Alle zuvor nicht aufgeführten Starthände werden ausnahmslos gepasst.


Blindstealing

Die Blinds haben in den ersten Levels eine geringe Bedeutung, einfach weil diese im Verhältnis zum eigenen Chipstack sehr klein sind. In dem ersten Level eines normalen PokerStars-Turniers hat man einen Stack von 1.500 Chips und die Blinds betragen 10/20. Man hat also 75 Big Blinds, das Gewinnen der Blinds erhöht den Stack gerade mal um 2 %! Damit verbunden ist aber das Risiko, viele Chips zu verlieren, sollte man sich verrennen.

Aus diesem Grund sollte man darauf verzichten, die Blinds in den ersten Levels eines Turniers mit schlechten und marginalen Händen zu stehlen. Es spricht jedoch nichts dagegen, die Blinds mit starken Händen wie Paaren, Assen mit starken Beikarten und verbundenen Karten (Connectors) einer Farbe anzugreifen.

Postflop-Spiel

Der Flop ist ein entscheidender Moment beim Hold'em, hier werden die wirklich wichtigen Entscheidungen getroffen.
Auch das Postflop-Spiel ist, wie das Preflop-Spiel, sehr tight. Generell kann man sich wie schon erwähnt an die Empfehlungen des Fullring-NL-Cashgame (BSS) halten, um eine solide Basisstrategie zu haben. Gehen wir aber dennoch auf einige besondere Situationen ein.

Zu zweit auf dem Flop

  • Preflop-Aggressor 

Als Preflop-Aggressor sollte man in den meisten Fällen unabhängig vom Flop und der Position einen Continuation-Bet machen.  Wie viel man setzt, ist vom eigenen Stil abhängig, normale Setzgrößen sind ½ bis ¾ vom Pot.

  • Nicht der Aggressor, out-of-position

Wenn man selbst vor dem Flop nicht die Initiative ergriffen hatte, also die Einsätze der Mitspieler nur gecallt hat, sollte man out-of-position schwache Hände in der Regel passen und mit starken Händen wählen zwischen:

    • Check/Call,
    • Check/Raise und
    • Bet-out.

Check/Call hat als Besonderheit den Vorteil, dass man den Pot klein hält und einem Reraise aus dem Weg geht, sollte die Hand nicht stark genug sein.

  • Nicht der Aggressor, in Position

Als Nichtaggressor in Position hat man deutlich mehr Möglichkeiten, sein Spiel zu gestalten, allerdings sollte man auch hier mit schwachen Händen normalerweise passen.
Mit starken Drawing Hands wie Flush- und Straightdraws sollte man sein Spiel variieren. Angenommen, der Preflop-Aggressor macht einen Continuation-Bet, so hat man folgende Möglichkeiten:

    • Man kann sich entscheiden, zu semibluffen (also zu raisen). In diesem Fall sollte man meistens auch den Turn setzen, wenn der Gegner diesen checkt.
    • Man kann auf dem Flop nur callen und erst einmal die Turncard abwarten. Ist diese hilfreich, kann man den Turn setzen oder den Bet des Gegners raisen.

Auch mit sehr starken Händen, also z.B. Top Pair/Top Kicker oder besser, hat man verschiedene Optionen:

    • Wenn der Gegner checkt, sollte man immer einen Bet machen, aus dem einfachen Grund, dass der Pot noch relativ klein ist und man einen großen Pot erzeugen will. Es handelt sich hier um einen klassischen Valuebet.
    • Wenn der Gegner auf dem Flop einen Continuation-Bet macht, sollte man sein Spiel variieren: Mal sollte man nur callen, mal einen Raise abfeuern.

Mit mehreren Spielern auf dem Flop

  • Mit Initiative

Hat man den Flop verpasst, ist es meist überflüssig, den Flop bei mehreren aktiven Gegnern zu setzen. Dies gilt insbesondere, wenn man out-of-position ist.
Wenn man allerdings eine starke Hand hält, sollte man den Flop unbedingt setzen. Es ist ein großer Fehler, mit einer starken Hand gegen mehrere Spieler zu riskieren, dass durchgecheckt wird und man eine Freecard gibt, die am Ende einem Gegner eine bessere Hand bringt.

  • Ohne Initiative

Besonders gegen mehrere Spieler sollten schlechte Hände unbedingt gefoldet werden. Mit Händen wie dem unteren oder mittleren Paar mitzugehen, ist ein beliebter Fehler bei Anfängern. Gute Hände dagegen sollte man durch Bets und Raises gegen Drawing Hands schützen.
Drawing Hands lassen sich gegen mehrere Spieler oft sehr gut spielen. Dies liegt daran, dass die Potodds besser sind, wenn mehrere Spieler callen und man möglicherweise mehr Chips gewinnt, wenn man seinen Draw trifft.

  • Gelimpte Hände

In der frühen Phase ist es durchaus legitim, vor dem Flop nur zu callen. Auch in früher Position kann man mit diversen Händen callen. Dazu gehören kleine und mittlere Paare, verbundene Karten einer Farbe, aber auch Hände wie oder . Eine andere Möglichkeit besteht darin, dann zu callen, wenn bereits ein oder mehrere Spieler vorher gecallt haben. Dies kann man, je nach Position, mit vielen Händen machen. Insbesondere auf dem Button kann man bei einigen Callern mit fast allen Karten limpen.

Wenn zu einem in mittlerer oder später Position gepasst wird und man sich entscheidet, eine Hand spielen zu wollen, sollte man diese in der Regel erhöhen.

In gelimpten Pots sollte man nur auf wirklich guten Flops weiterspielen. Es lohnt sich kaum, in diesen Pots zu bluffen, denn sie sind sehr klein und es ist schwer, die Stärke der gegnerischen Hände einzuschätzen, da das Spektrum gelimpter Hände extrem weitgefächert ist.

Für einen Limp sind kleine Paare besonders gut geeignet, wenn nach Möglichkeit schon andere Spieler in der Hand sind. Allerdings sollten diese unbedingt gepasst werden, wenn man keinen Drilling trifft.

Turn und River

Auf dem Turn ist der Pot oft schon sehr groß im Verhältnis zum verbliebenen effektiven Stack.
Als effektive Stack-Größe bezeichnet man die verbleibende Stack-Größe desjenigen in der Hand aktiven Spielers, der die wenigsten Chips hält. Sind also z. B. noch drei Spieler in der Hand, von denen

  • Spieler 1: 1.000 Chips,
  • Spieler 2: 500 Chips,
  • Spieler 3: 200 Chips

hat, ist der effektive Stack 200 Chips groß.

Regel: Ist der verbliebene effektive Stack kleiner oder gleich dem aktuellen Pot, ist es (fast) immer richtig, all-in zu spielen, möchte man erneut setzen.

Wenn der effektive Stack klein ist

Mit einer starken Hand sollte man immer setzen bzw. all-in spielen. Es geht darum, sich die guten Hände ausbezahlen zu lassen. Gerade in Turnieren gibt es immer Spieler, die mit ihren Chips zu leichtfertig umgehen und einen auch dann ausbezahlen, wenn man Stärke zeigt. Ziel ist ja, mit den guten Händen so viele Chips wie möglich zu gewinnen.

Mit einer schlechten Hand muss man abwägen, ob man all-in spielen will oder nicht. Dieses Problem lässt sich rein mathematisch lösen:

  • Angenommen, der effektive Stack ist genauso groß wie der Pot und wir sind uns sicher, den Pot nie gewinnen zu können, wenn wir gecallt werden, dann muss der Gegner mindestens in der Hälfte aller Fälle passen, um den Push profitabel zu machen. 

Wenn der effektive Stack sehr groß ist

Ist der effektive Stack noch sehr groß im Vergleich zum Pot, ist das Spiel deutlich komplexer, insbesondere ohne Position.

  • In Position ...

... ist es in einigen Fällen richtig, auch starke Hände wie Over-Paare auf unkoordinierten Boards zu checken. Dies liegt einfach daran, dass man den Pot nicht zu groß machen will und man so eine schwere Entscheidung umgeht, wenn der Gegenspieler erhöht.

Auf koordinierten Boards ist ein Check weniger sinnvoll, denn wenn der Gegner einen Draw hält, würde er eine Freecard sofort annehmen.

  • Out-of-position ...

... sollte man oft auch mit starken Händen wie Top Pair vorsichtig spielen, wenn der Gegner viel Stärke zeigt. Dies hält auf der einen Seite den Pot klein, auf der anderen Seite hindert man den Gegner aber nicht daran, weiter zu bluffen. Nachteil ist, dass der Gegner möglicherweise die Chance auf eine Freecard nutzt oder auch nach einem (billigen) Turnbluff am Ende doch noch eine bessere Hand macht.

Gegen mehrere Spieler

Wenn noch mehrere Gegenspieler im Pot sind, muss man offensichtlich noch vorsichtiger spielen. Draws, mit denen man den Flop gecallt hat und die sich nicht verwirklicht haben, verlieren auf dem Turn deutlich an Wert, denn es wird nur noch eine, nämlich die Rivercard, gedealt. Gegen einen Bet, der einen beträchtlichen Teil unseres Stacks und des Pots ausmacht, sollten Draws auf dem Turn gepasst werden.
Sehr starke Hände, wie Sets und Top Two Pair, sollten weiterhin aggressiv gespielt werden. 

Fazit:

In der frühen Phase geht es darum, mit seinen sehr starken Händen Chips zu gewinnen und es gilt gleichzeitig, marginalen Situationen so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen.

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