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MTT-Strategie: Der Finaltisch

Das Erreichen des Finaltisches von einem Multitable-Turnier ist ein ganz besonderer Moment. Hier wird das große Geld ausgespielt und der langfristige Erfolg eines Turnierspielers hängt maßgeblich davon ab, wie oft er Finaltische erreicht und wie gut er sich dort behaupten kann.

Ironischerweise hat der Finaltisch deutlich mehr Gemeinsamkeiten mit einem Sit and Go (SNG), als mit einem Multitable-Turnier (MTT). Das liegt daran, dass man in einem Sit and Go häufiger mit der speziellen Dynamik eines Finaltisches konfrontiert wird (ein SNG ist ja praktisch von Beginn an ein Finaltisch). Dazu gehören die verschiedenen Phasen von Fullring bis Heads-up. Viele MTT-Spezialisten spielen dagegen die meiste Zeit an vollen Tischen und tun sich mit dem Shorthanded-Play in der Regel schwer.

Der Finaltisch beginnt mit neun Spielern (bei manchen Turnieren auch mit zehn) und mit jedem ausgeschiedenen Spieler sichern sich die verbliebenen Spieler mehr Preisgeld, man kann daher von einer „permanenten Bubble" sprechen. In diesem Artikel werden die einzelnen Phasen behandelt. Wir unterscheiden das Spiel mit

  • neun bis sieben Spielern
  • sechs bis drei Spielern
  • zwei Spielern (das Heads-up).

Um die Wichtigkeit soliden Spiels zu unterstreichen, schauen wir uns zwei Beispieltabellen von einem 100+9-Turnier mit 806 Teilnehmern auf PokerStars an. Man sieht die Unterschiede der einzelnen Platzierungen und daneben zum Vergleich das Pay-out in Prozent vom gesamten Preispool.



Wir erkennen schnell, dass die Sprünge im Pay-out prozentual zwar recht konstant sind, der Unterschied zwischen dem ersten und letzten Platz aber enorm ist und auch die Differenz zwischen dem ersten und zweiten Platz immer noch fast 10 % des gesamten Preispools beträgt.

Wir können die Preisgelder auch als Vielfaches des Buy-ins ausdrücken, was deutlich macht, wie entscheidend das Abschneiden in einem der oberen Plätze wirklich ist.

Platzierung Preisgeld (x-faches d. Buy-ins)
1. 167
2. 93
3. 64
4. 49
5. 40
6. 31
7. 23
8. 15,5
9. 9

Das Spiel mit neun bis sieben Spielern

Meist ist das Spiel zu Beginn des Final Tables recht tight. Dies liegt zum einen daran, dass an einem vollen Tisch allgemeinen tight gespielt werden muss, zum anderen liegt es wie bereits erläutert daran, dass mit jedem ausgeschiedenen Spieler alle verbleibenden Spieler mehr Geld sicher haben.

Aus diesem Grund empfiehlt es sich, als Shortstack sehr tight zu spielen und nur mit sehr guten Händen all-in zu gehen. Auf diese Weise reduziert man zwar seine Chancen, das Turnier zu gewinnen, auf der anderen Seite scheiden aber auch in der Regel ein bis zwei Spieler vor einem aus, was das Preisgeld deutlich erhöht. Geht man hingegen mit mittelmäßigen Blättern all-in, so wird man in der Regel nur von deutlich stärkeren Händen gecallt und läuft damit Gefahr, als Erster auszuscheiden.

Als Bigstack sollte man ebenfalls tight spielen. Wenn sich allerdings gute Chancen bieten, die Blinds anzugreifen - vor allem aus später Position - sollte man diese unbedingt nutzen. Gerade Gegner, die einen kleinen oder mittleren Stack haben und auf eine gute Hand angewiesen sind, sind geeignete Ziele für einen Steal-Versuch. Konfrontationen mit anderen Spielern mit einem ähnlich großen Stack wie dem eigenen sollte man möglichst vermeiden, denn ein frühes Ausscheiden trotz eines soliden Stacks zu Beginn des Finaltisches ist das schlimmstmögliche Szenario.

Das Spiel mit sechs bis drei Spielern

Wenn ein paar Spieler ausgeschieden sind, ändert sich die Dynamik am Tisch deutlich.

Bei sechs Spielern ist man jede dritte Hand in den Blinds. Dies führt dazu, dass zu tighte Spieler sehr schnell heruntergeblindet werden. Man ist folglich darauf angewiesen, häufiger die Blinds anzugreifen und auch seine Blinds zu verteidigen. Es ist zudem praktisch unmöglich geworden, speziellen Gegnern aus dem Weg zu gehen.

Die Stacks werden im Vergleich zu den Blinds immer kleiner, daher macht es Sinn, mit guten Händen bereits vor dem Flop zu reraisen, um die Entscheidungen nach dem Flop so einfach wie möglich zu machen.
Mit elf bis 15 BB sollte man mit ordentlichen Händen gegen Spieler, die häufig erhöhen, direkt all-in spielen.

Dies nennt man einen „Resteal", auch wenn die eigene Hand durchaus Value hat.

Mit sieben bis zehn BB kann man ein „Stop and Go" spielen. Dabei callt man einen Raise mit einer mittelmäßigen Hand aus dem Blind und spielt auf jedem Flop all-in. Dies ist in einigen Fällen besser als direkt all-in zu spielen, denn der Gegner könnte auf einem gefährlichen Flop die beste Hand folden, während er gegen ein Preflop-All-in aufgrund der Potodds sehr oft callen muss.

Hier ein Beispiel:

  • Beispiel:

Button: (60.000 in Chips)
SB: (50.000 in Chips)
Hero: (36.000 in Chips)

Blinds: 2.000/4.000
(
Ante 400)

Unser Hero sitzt im Big Blind mit . Der Button erhöht auf 12.000, SB foldet, Hero callt.

Flop:

Hero geht all-in für 24.000 Chips. Der Button foldet.


In diesem Beispiel wäre ein Preflop-All-in eine schlechte Wahl, denn der Gegner hätte Potodds von ca. 2,1:1. Er müsste also praktisch mit allen Händen callen, da fast jede Hand eine 20%- bis 35%-Chance hat, zu gewinnen. Hier ist ein „Stop and Go" besser, denn der Gegner wird Schwierigkeiten haben, das All-in auf dem Flop zu callen, wenn er nicht mindestens einen König hält.

Small Blind vs. Big Blind

Durch die wenigen Spieler kommt es auch immer häufiger vor, dass alle Spieler zum Small Blind passen und es dann zum Duell zwischen Small Blind und Big Blind kommt. Das Thema SB gegen BB ist recht komplex und hängt entscheidend vom Gegner ab. Schauen wir uns dazu einige Situationen an:

Im Small Blind

Mit zehn BB oder weniger sollte man mit vielen Händen einfach all-in spielen. Hände einer vernünftigen Pushingrange sind:

  • alle Paare ab 22
  • alle suited Aces ab A2s
  • alle unsuited Aces ab A7o
  • alle suited Kings ab KTs
  • alle unsuited Kings ab KJo

Die genaue Range hängt stark von der Anzahl der Hände ab, mit denen der Gegner bereit ist, zu callen. Absolute Trashhands sollte man einfach passen, denn Callen ist mit solch kleinen Stacks in der Regel nicht empfehlenswert.

Größere Stacks

Bei größeren Stacks muss man sein Spiel variieren. Dabei sollte man sich aller Mittel bedienen, von Raise über Call bis hin zu einem Fold. Generell gilt, dass man umso häufiger raisen sollte, je öfter der Big Blind bereit ist, seine Hand aufzugeben.

Da man als Small Blind immer out-of-position spielen muss, sollte man den Flop generell anspielen, also meist einen Continuation-Bet machen. Der Gegner verpasst den Flop in 2/3 der Fälle oder trifft nur sehr schwach (Bottom Pair) und gibt daher oft genug auf, sodass sich der Conti-Bet rechnet.

  • Beispiel:
UTG: (145.620 in Chips)
CO: (65.534 in Chips)
Button: (39.039 Chips)
Hero: (60.059 Chips)
BB: (55.748 Chips)
Blinds: 1.500/3.000
(Ante: 400)
Wir halten im SB. Es wird zu uns gepasst und wir erhöhen mit unserer sehr starken Hand auf 9.000 Chips. Der BB callt.
Flop: , im Pot befinden sich 20.000 Chips, zwei Spieler sind in der Hand.
Wir haben leider kein Paar getroffen, aber der BB wird den Flop ebenso häufig verpasst haben. Wir machen einen Continuation-Bet.
Hero bets 14.000, BB calls 14.000.
Turn: (48.000), zwei Spieler
Wir haben noch etwa 37.000 Chips, also etwas weniger als einen Potsize-Bet, der Gegner hat etwas mehr Chips als wir. Wir haben hier verschiedene Optionen: All-in, Check/Call-All-in, Check/Fold. Wenn wir hier all-in spielen, ist es (fast) ausgeschlossen, dass eine schlechtere Hand callt. Auf der anderen Seite wird der Gegner selten ein Paar passen. Aus diesem Grund ist es hier nicht optimal, all-in zu spielen. Es bleiben also noch die Möglichkeiten Check/Fold oder Check/Call zu spielen. Wenn wir callen, müssen wir in ca. 30 % der Fälle gewinnen. Unsere Hand ist hier zu selten stark, um einen Call zu rechtfertigen.
Hero checkt, BB bettet 14.000, Hero foldet

Im Big Blind

Generell sollte man gegen den Small Blind tight spielen und ein All-in für ein All-in nur mit starken Händen callen.

Die All-in-Callingrange sollte sein:

  • 22+
  • ATo+
  • A5s+
  • KJo+
  • KTs+
  • QJ
  • Beispiel:

    UTG: (52.950 in Chips)
    MP: (85.650 in Chips)
    BU: (147.550 in Chips)
    SB: (41.000 in Chips)
    Hero: (77.850 in Chips)

Blinds: 2.000/4.000
(
Ante: 250)

Wir sind im BB und halten
Alle Spieler passen zum SB, der all-in spielt für 40.750 Chips.

Wir haben Potodds von ca. 1,25:1, wir müssen also in 45 % der Fälle gewinnen, um diesen Call profitabel zu machen. Um herauszufinden, ob wir callen sollten, müssen wir dem SB eine Range an Händen geben, mit denen er all-in spielt.

Wenn er beispielsweise an dieser Stelle die besten 30 % der Starthände (+, +, +, +, , , , , , +, +, +, , ) pusht, dann gewinnen wir durchschnittlich in 47 % der Fälle.

Wir sollten hier also callen, es sei denn, wir glauben, dass unser Gegner nur mit deutlich weniger (und damit stärkeren) Händen all-in spielt.

Wenn der Small Blind nur checkt oder eine normale Erhöhung macht, so hat man ihm gegenüber nun einen entscheidenden Vorteil: die Position. Diese kann gerade gegen extreme Spieler sehr hilfreich sein:

  • Ist der Gegner zu passiv, kann man jeden Flop anspielen, sollte der SB zuvor checken.
  • Gegen aggressive Spieler kann man bei einem Anspiel auf dem Flop die schlechten Hände folden und die guten Hände entweder slowplayen (Rope-a-Dope) oder aggressiv reraisen.

Je größer die effektive Stacksize, desto mehr Hände kann man profitabel gegen eine Erhöhung des Small Blinds spielen, da man zum einen ausreichend Implied Odds auch für spekulative Hände bekommt und zum anderen den Positionsvorteil ausnutzen kann.

Das Heads-up

Wir sind dem Ziel sehr nahe und nur noch ein Gegner trennt uns von einem Sieg.

Heads-up mit einer effektiven Stacksize von unter zehn BB ist ein rein mathematisches Spiel. Man sollte vor dem Flop mit vielen Händen direkt all-in spielen und nur sehr schlechte Hände passen. Wie viel Prozent seiner Hände man pushen sollte, hängt entscheidend davon ab, mit welchen Händen der Gegner das All-in callen würde und wie groß der effektive Stack ist. Dies kann man natürlich nur schätzen, es ist aber ein wichtiger Anhaltspunkt.

Heads-up mit großen Stacks im Verhältnis zu den Blinds ist ein sehr komplexes Spiel. Allgemein ist Aggressivität der Schlüssel zum Erfolg im Heads-up-Poker.

Wichtig: Man sollte im Smallblind nicht folden. Und dabei gilt zu beachten: Eigentlich ist ja immer der Spieler links vom Dealer (im Heads-up hieße das also der Gegner) der Small Blind. In diesem Fall wäre dann aber der Button der Big Blind und damit sowohl vor als auch nach dem Flop in Position. Da dies aber ein zu großer Vorteil für den Dealer (= Button) wäre, werden SB und BB im Heads-up vertauscht. Nun ist also der Button der Small Blind und der andere Spieler der Big Blind. Dadurch muss der Button vor dem Flop als Erster agieren, ist dann aber in allen weiteren Setzrunden in Position. Da dies ein riesiger Vorteil ist, sollte man vor dem Flop als Small Blind in der Regel raisen oder callen. Hier noch ein paar Tipps:

  • Je öfter der Gegner gegen einen Raise foldet, desto häufiger sollte man erhöhen.
  • Je öfter der Gegenspieler im SB nur callt, desto öfter sollte man im BB erhöhen.
  • Callt man als Small Blind nur und der Big Blind checkt, ist es in den meisten Fällen richtig, den Flop zu setzen.

Im nächsten Artikel geht es darum, wann es Sinn machen kann, einen Deal mit den verbleibenden Spielern einzugehen, und was es dort zu beachten gibt.

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