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MTT-Strategie: Das M-System

Für viele Entscheidungen spielt das Verhältnis des eigenen Chipstacks zu den Blinds und Antes bzw. zum bisherigen Pot eine große Rolle. Je nachdem, wie viele Runden man mit seinen Chips noch überstehen kann, bevor bei Inaktivität sämtliche Chips den Blinds zum Opfer gefallen sind (man spricht von hierbei vom "aus-" oder "wegblinden"), muss man sich entscheiden, wie man in einzelnen Situation am besten spielt.

Da im Turnier die Blinds ständig erhöht werden, kommt man häufig in die Situation, in der das Verhältnis von Stack zu Blinds so niedrig ist, dass es spieltheoretisch richtig ist, mit jeder Hand, die man spielen möchte, direkt all-in zu gehen, anstatt eine normale Erhöhung von drei bis vier BB zu machen. Alle anderen Hände würden gepasst.
Wie findet man aber heraus, wann es an der Zeit ist, seine Betting-Strategie grundlegend zu ändern? Ein sehr gut geeignetes System ist das von Dan Harrington in seiner Buchreihe „Harrington on Hold'em" vorgestellte M-System, eine Alternative dazu das „True Big Blind"- System.

Dabei gilt es in erster Linie, zwei Fragen zu beantworten:

  • Ab welchem Stack sollte man in den „Push or Fold"-Modus umschalten?
  • Mit welcher Hand und in welcher Position kann man generell profitabel all-in spielen?

Die erste Frage kann bereits recht gut beantwortet werden. Dazu kommen wir weiter unten.
Wie aber ermittelt man, ob ein Push profitabel ist, man also auf lange Sicht mit dem All-in Chips gewinnt (+cEV)?
Dazu muss man verschiedene Faktoren beachten:

  • den eigenen Chipstack
  • die Position
  • die Action vor einem
  • die Chipstacks der Gegner

Der eigene Stack

Der eigene Stack ist wichtig, weil dieser maßgeblich vorgibt, wie stark die Hände der Gegenspieler sein müssen, mit denen sie ein All-in callen können. Je größer der eigene Stack, desto unwahrscheinlicher, dass das All-in gecallt wird. Auf der anderen Seite riskiert man mit einem großen Stack natürlich auch mehr Chips, sollte der Gegner mit einer besseren Hand doch den Showdown suchen.

Die Position

Die eigene Position ist wichtig, da man umso mehr Hände profitabel pushen kann, je weniger Spieler noch hinter einem sitzen. Dies liegt daran, dass es ganz einfach unwahrscheinlicher ist, dass gerade einer der wenigen verbleibenden Spieler eine so starke Hand hat, dass dieser das All-in callen kann. Vor allem aus später Position kann man mit sehr vielen Händen pushen, speziell, wenn alle Spieler vor einem bereits ausgestiegen sind.

First to open

Ein All-in hat mehr Aussicht auf Erfolg, wenn noch kein Spieler vor einem in den Pot eingestiegen ist. Hat bereits ein Spieler gecallt oder sogar erhöht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er ein Blatt hat, mit dem er auch einen Raise (All-in) callen kann. Noch dazu, wenn der Stack des All-in-Spielers nicht groß genug für einen signifikanten Raise ist und er somit weniger Druck aufbauen kann.

Stacks der Gegner

Auch die Chips der noch verbleibenden Spieler, die hinter einem sitzen, sind in die Entscheidung einzubeziehen, mit welcher Hand man pushen kann. Denn die Stacks der Gegner beeinflussen die Handrange, mit der diese ein All-in callen können. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Big Blind, denn er muss für einen Call des All-ins weniger zahlen als die anderen Spieler. Und wenn die Blinds besonders hoch sind, könnte sich der Big Blind comitted fühlen.
Wenn man nur die Blinds gewinnen will, ist es ideal, wenn die Spieler hinter einem etwa so viele Chips haben wie man selbst, denn dann benötigen diese in der Regel eine sehr starke Hand, um ihr Turnierleben mit einem Call zu gefährden. Dagegen tendieren Spieler mit einem deutlich größeren Stack oder mit einem sehr kleinen Stack eher dazu, auch mit marginalen Händen zu callen, speziell aus den Blinds heraus.

Das M-Modell und die verschiedenen Zonen

Als M-Modell bezeichnet man den Quotienten aus dem eigenen Chipstack und der Menge an Chips, die man in Form von Blinds und Antes pro Runde bringen muss. Die Berechnung ist am einfachsten, wenn man einfach seine aktuellen Chips durch die Summe aus Blinds und aller Antes teilt. Denn die Blinds muss man selbst einmal pro Runde bringen, und die Runde erfordert von jedem Spieler genauso viele Ante, wie Spieler am Tisch sind. M gibt also an, wie viele Runden man noch Blinds und Ante bringen kann, bis man alle Chips verloren hat, sofern man keine Hand mehr spielt.

  • Beispiel 1:
    Wir haben 1.470 Chips, die Blinds betragen 100/200, es gibt noch keine Ante. Es sind neun Spieler am Tisch.

M = 1.470 / (100 + 200) = 1470 / 300 = 4,9

Wir könnten also nur noch knapp fünf Runden passiv am Tisch sitzen, bis wir weggeblindet wären.

  • Beispiel 2:
    Wir haben immer noch 1.470 Chips, die Blinds betragen nun 150/300, die Ante 25 Chips. Es sind neun Spieler am Tisch.

M = 1.470 / (SB + BB + Summe(Ante)) = 1470 / (150 + 300 + 25 x 9) = 1470 / 675 = 2,17

In diesem zweiten Beispiel können wir keine drei Runden mehr überleben, ohne eine Hand zu spielen.

  • Beispiel 3:
    Wir haben 19.031 Chips, die Blinds betragen 300/600, die Ante 50. Es sind acht Spieler am Tisch.

M = 19.031 / (300 + 600 + 8 x 50) = 19.031 / 1300 = 14,6

Wir können also berechnen, wie viele Runden wir überleben können, wenn wir keine Hand mehr spielen. Was fangen wir nun aber mit dieser Information an?

Je nachdem, in welcher Range sich der Wert bewegt, müssen wir Anpassungen an unserem Spiel vornehmen, sowohl was die Risikobereitschaft anbelangt als auch was turnierstrategische Aspekte betrifft.
Harrington teilt dazu die Werte erst einmal in verschiedene Zonen ein. Für jede Zone gibt es spezielle Strategieanpassungen, die zu recht unterschiedlichen Spielstilen führen. Je besser die Zone, desto mehr Freiheiten und Möglichkeiten hat man, „Moves" zu machen. In den unteren Zonen reduzieren sich die Optionen bis hin zu der letzten Wahlmöglichkeit: Push or Fold.
Werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Zonen:

Die Grüne Zone: M >= 20

Man sollte versuchen, so lange es irgend geht in dieser Zone zu bleiben. Das bedeutet, dass man zwar aktiv sein muss, denn die Blinds steigen und dieses muss man durch den ein oder anderen Potgewinn ausgleichen, aber man hat nicht die Not, übermäßiges Risiko einzugehen. Solange man sich in der grünen Zone befindet, hat man praktisch alle Freiheiten und kann beliebig zwischen tightem, loosem, aggressivem und konservativem Spielstil wechseln.

Die Gelbe Zone: 10 < M < 20

Befindet sich das M zwischen zehn und 20, darf man nicht mehr zu konservativ und tight spielen. Die Blinds und eventuell Antes sind in der Regel so groß, dass man aktiver werden muss. Blind-Stehlen und -Verteidigen wird deutlich wichtiger als bei einem hohen M. Man muss daher generell die Anforderungen an seine Starthände reduzieren und ist gezwungen, Gelegenheiten für das Stehlen der Blinds auch mit schwächeren Händen zu nutzen, sollten alle anderen Rahmenbedingungen günstig sein (Position, First to open etc.). Allgemein sollte man pre- und postflop aggressiver spielen als in der grünen Zone.
Was man beachten sollte:
Kleine Paare und verbundene Karten (Connectors) einer Farbe verlieren in dieser Zone an Wert, denn mit einem mittleren Chipstack hat man nicht mehr die nötigen Implied Odds für diese spekulativen Hände. Und da man den Flop zu selten trifft (ein Set nur in einem von acht Versuchen), verliert man zu viele Chips in Situationen, die man nach dem Flop nur sehr schwer beherrschen kann. Des Weiteren müssen diese Hände gegen ein eventuelles Reraise aufgegeben werden, was ebenfalls Chips kostet.
Große Paare und gute As-Kombinationen gewinnen aber an Wert, denn diese liegen gegen die normale Range der Gegner oft vorn und lassen sich auch auf dem Flop sehr gut weiterspielen. Sie eigenen sich auch für aggressive Reraises gegen Gegner, die bereits in die Hand eingestiegen sind.

Die Orangene Zone: 6 < M< 10

Wir nähern uns der roten Zone. Die klare Mission ist, nicht noch weiter abzurutschen. Es heißt also, noch aggressiver zu werden. Entscheidend ist nun, dass man auf Limpen verzichtet und einen Pot nach Möglichkeit nur noch als Erster und dann mit einem Raise eröffnet. Denn wer als Erster in den Pot einsteigt, hat zwei Möglichkeiten, den Pot zu gewinnen:

a) Man gewinnt den Pot hier und jetzt, da alle anderen Spieler folden.
b) Man bekommt Caller, gewinnt dann aber den Showdown.

Je weiter man das untere Ende der orangenen Zone erreicht, desto öfter muss man direkt mit einem All-in eröffnen.

Die Rote Zone: 1 < M < 5

Es ist passiert. Die rote Zone ist erreicht. Dabei ist es nicht mehr entscheidend, ob man zu passiv war oder ob man einen oder mehrere große Pots verloren hat.

Es gibt jetzt nur noch zwei Möglichkeiten:

  • All-in oder
  • Fold

Ein anderer Move als All-in würde uns nun sowieso comitten, mit einem All-in haben wir aber vielleicht noch ein wenig Fold Equity, auf die wir nicht verzichten dürfen.

Insbesondere in später Position, wenn alle anderen Spieler zu uns gepasst haben, sollten wir mit sehr vielen Händen all-in gehen. Diesen First-in-Vorteil darf man nicht unterschätzen. Hat bereits ein Spieler vor uns den Pot betreten, vielleicht sogar mit einem Raise, haben wir ein deutlich schlechteres Momentum und müssen viel häufiger einen Showdown überstehen, als wenn wir der erste im Pot sind. Hier kann es also Sinn machen, lieber eine etwas bessere Hand (z. B. ) gegen einen oder mehrere bereits in der Hand befindliche Gegner zu folden und dafür bei der nächsten Gelegenheit als Erster mit einer etwas schlechteren Hand (z. B. ) zu pushen.

Die Todeszone: M <= 1

Das Spiel in dieser Zone ist sehr einfach. Man versucht so schnell wie möglich mit einer passablen Hand all-in zu gehen. Das Problem ist, dass man nun von niemandem mehr als Bedrohung eingestuft wird. Selbst ein Call mit 72 ist zumindest vom Spieler mit dem aktuellen Big Blind mathematisch kein Fehler mehr.

Die Fold Equity ist also bei Null angelangt. Wir können nur überleben, indem wir einen Showdown überstehen. Zu den Karten, die wir in dieser Zone sofort pushen, gehören alle Paare, alle Asse, nahezu jede Bildkarte und alle verbundenen Karten von einer Farbe.

In den meisten Fällen ist es korrekt, das Abrutschen in die Todeszone mit allen Mitteln zu verhindern, auch wenn man dazu mit schlechten Händen all-in spielen muss. Aber in der roten Zone hat man noch die Chance, dass die Gegner folden, und durch den Gewinn der Blinds und Antes kann man seinen Stack deutlich erhöhen, wohingegen man in der Todeszone selbst bei einem gewonnenen Showdown immer noch im roten Bereich steckt.

True Big Blind

Es gibt noch eine andere – ein bisschen kompliziertere – Methode herauszufinden, wie groß der eigene Stack im Vergleich zu den Blinds und den Antes ist, die sogenannte „True Big Blind"-Variante.

Dabei werden alle Blinds und Antes addiert und dann mit 2/3 multipliziert. Dieser Wert gibt an, wie groß der Big Blind wäre, wenn die Antes auf die beiden Blinds verteilt werden würden.
Die Ableitung aus diesem Wert ist sehr einfach:

Wenn der eigene Stack weniger als das Zehnfache des „True Big Blinds" ist, sollte man „Push or Fold" spielen.

  • Beispiel:
    Wir haben immer noch 4.170 Chips, die Blinds betragen 150/300, die Ante 25 Chips. Es sind neun Spieler am Tisch.

TBB = (9 x 25 + 150 + 300) x 2 / 3
TBB = 675 x 2 / 3
TBB = 450

Der echte Big Blind beträgt also 450 Chips und wir sollten, wenn wir eine Hand spielen, unbedingt all-in gehen.

  • Beispiel 2:
    Wir haben 19.031 Chips, die Blinds betragen 300/600, die Ante 50. Es sind acht Spieler am Tisch.

TBB = (8 x 50 + 300 + 600) x 2 / 3
TBB = 1.300 x 2 / 3
TBB= 866

Der True Big Blind" beträgt 866 Chips. Wir haben einen sehr gesunden Stack und können auf übermäßiges Risiko verzichten.

  • Beispiel 3:
    Man kann die Rechnung aber auch umgekehrt machen.

Gehen wir von Blinds aus, die bei 200/400 liegen, mit einer Ante von 40. Es sind acht Spieler am Tisch. Wie viele Chips dürfen wir maximal haben, um Push or Fold" zu spielen? Dazu berechnen wir einfach den True Big Blind" und nehmen diesen mal Zehn.

X = 10 x (8 x 40 + 200 + 400) x 2 / 3
X = 10 x 920 x 2 / 3
X = 6.133

Sobald wir bei diesen Blinds also weniger als 6.133 Chips übrig haben, sollten wir den Pot nur noch mit einem All-in betreten.

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