PokerStars Homepage
Konzepte: Implied und Reversed Implied Oddsd

Der Artikel „Von Odds, Outs und Wahrscheinlichkeiten" aus der Anfängerausbildung lehrte bereits die wichtigsten mathematischen Grundlagen, die es beim Texas Hold'em zu beachten gilt. Nun wollen wir diese Konzepte weiter ausführen.

Bisher haben wir die einzelnen Spielsituationen isoliert betrachtet. Nachdem wir unsere Discounted Outs bestimmt haben, folgte die Berechnung der Potodds sowie der Vergleich dieser beiden Werte. Dadurch war es für uns möglich, eine für die jeweilige Setzrunde korrekte Lösung zu finden. Schauen wir uns dazu wiederholend ein Beispiel an.

  • Beispielhand Odds", Teil I

Wir spielen No-Limit Holde'em und bekommen zugeteilt. Zwei Spieler in mittlerer Position limpen, der Small Blind füllt auf und wir bekommen ein Freeplay im Big Blind. Der Flop zeigt und bringt uns damit einen Open-Ended-Straightdraw (jeder und jede bringen uns die Straße). Der Small Blind checkt, wir checken ebenfalls. Villain 6 setzt drei Viertel des Pots an. Beide Spieler zu seiner Linken callen und wir sind am Zug. Wie entscheiden wir uns?  Dazu betrachten wir zunächst unsere Potodds. Der Pot ist 13 BB groß und wir müssten 3 BB zahlen, bekommen also Potodds von 4,3 zu 1. Die Odds, unseren OESD mit der nächsten Karte zu treffen, liegen bei etwa 5 zu 1.

Odds [5] > Potodds [4,3] = Fold

Da 4,3 kleiner als 5 ist, bedeutet das einen negativen Erwartungswert für unseren Call. Wir befinden uns also in einer Verlustsituation und müssten nach den Regeln betreffend Potodds unsere Hand aufgeben.

Nun wollen wir diese Regeln ein Stück weiterführen.

Implied Potodds

In unserem Beispiel berechneten wir direkt, ob ein Call mit den gegebenen Werten korrekt oder falsch gewesen wäre. Dazu standen auch alle nötigen Informationen zur Verfügung: Der zu gewinnende Pot, der zu bringende Einsatz und unsere Odds für den OESD. Alles kombiniert ergab unsere Entscheidung.

Nun bringen wir in unsere Rechnung eine neue Variable ein. Die Implied Potodds, kurz IPO.

Implied Potodds beschreiben das Verhältnis zwischen dem zu leistenden Einsatz und dem möglichen Gewinn (Pot) für die gesamte Hand, also inklusive aller zukünftigen Einsätze.

Wir nehmen nun also nicht mehr nur die aktuelle Potgröße für eine Call-oder-Fold-Entscheidung, sondern addieren dazu die möglichen Gewinne während der späteren Setzrunden, sollten wir unseren Draw treffen. Implied Potodds sind keine feste Größe, sondern stark situationsabhängig. Um diese möglichst exakt bestimmen zu können, müssen bestimmte Faktoren geklärt werden:

  1. Gegen welche(n) Spielertypen spielen wir?

    Wir unterteilen unsere Gegner in verschiedene Spielertypen.

    Für die Implied Odds gilt hierbei: Je tighter ein Spieler vor dem Flop und looser nach dem Flop agiert, desto höher sind diese.

    Damit wir mit starken Händen ausbezahlt werden, wenn wir sie treffen (hohe Implied Odds), ist es in der Regel von Nöten, dass unser Gegner ebenfalls eine recht starke Hand hält. Eine klassische Situation wäre hier beispielsweise, wenn wir mit einem kleinen Paar unser Set treffen und von den Assen des Gegners ausbezahlt werden. 

    Für maximale Implied Odds favorisieren wir also immer einen preflop tight spielenden Gegner, der seine Hände postflop überspielt und sehr viel auszahlt.

  2. Wie groß ist die effektive Stack-Größe?

    Spielen wir nur um sehr kleine Stacks, sind unsere Implied Odds dementsprechend begrenzt, da wir nicht mehr gewinnen können, als die Spieler an Chips zu Verfügung haben. Umgekehrt gilt: Je größer die Stacks, desto größer auch die Implied Odds.

    Beachtet werden sollte dabei, dass man nicht die komplette effektive Stack-Größe zu den Implied Odds zählt. In die Berechnung darf nur der Wert einfließen, den wir im Durchschnitt an Gewinn erwarten können. Dieser liegt in der Regel unter der effektiven Stack-Größe.

  3. Welche Art Draw halten wir?

    Implied Potodds sind von der Art unserer Draws abhängig. Sind unsere Draws aus Sicht des Gegners schwieriger zu entdecken, steigen logischerweise unsere IPO.

    Beinhaltet der Flop beispielsweise zwei Karten in Herz und der Turn komplettiert den Flush, werden viele Spieler vorsichtiger agieren und somit deutlich weniger Chips in den Pot investieren wollen. Treffen wir hingegen ein Set oder einen Gutshot, ist der mögliche Gewinn höher.

Neben diesen drei Faktoren ist es natürlich auch von Vorteil, in Position zu spielen.

Schauen wir uns nochmal unser oben angeführtes Beispiel an.

  • Beispielhand Odds", Teil II

Unser OESD hat Odds von ca. 5 zu 1 für das Eintreffen mit der Turn-Karte und wir bekommen Potodds von 4,3 zu 1 bzw. 13 BB zu 3 BB. Es fehlen also noch ca. 0,7 „Odds" bzw. umgerechnet 2,1 BB (0,7 x 3 BB) im Pot, um profitabel mitgehen zu können. Mit einem Call würden wir diese Wettrunde abschließen. Dies hat den Vorteil, dass wir nicht Gefahr laufen, aus dem Pot geraist zu werden.

Wir haben in dieser Hand keine Reads auf unsere Mitspieler, wissen aber einerseits, dass die effektive Stacksize relativ groß bei mindestens 91 BB (Villain 6) liegt und unser Draw auf der anderen Seite nicht zu offensichtlich ist. Wir können also erwarten, noch mindestens einen Betrag in Höhe des halben bis ganzen Pots gewinnen zu können, insofern wir unseren Draw treffen.

Nehmen wir an, dass wir noch weitere 8 BB gewinnen können. Ein relativ pessimistisch geschätzter Wert, da dieser nur der Hälfte des Pots entsprechen würde. Nun bekommen wir Potodds von 21 BB zu 3 BB bzw. 7  zu eins.

Odds [5] < Pot Odds [7] = Call

Wir können in dieser Hand also mit Hilfe der Implied Potodds profitabel mitgehen.

Reverse Implied Potodds

Mit Odds, Potodds und nun auch Implied Potodds haben wir nun die Werkzeuge zur Hand, um Entscheidungen in Draw-Situationen korrekt treffen zu können.  Haben wir, wie im oben aufgeführtem Beispiel, die passenden Odds, um mit einem Draw zu den Nuts drawen zu können, befinden wir uns in einer komfortablen Situation. Entweder wir treffen und gewinnen eventuell noch mehr Geld als sich bereits im Pot befindet oder wir verpassen den Draw und können uns ohne Probleme von unserer Hand trennen.

Genau das Gegenteil gilt nun für schwache Made-Hände. Halten wir auf dem Flop z. B. Top Pair No Kicker (TPNK) auf einem drawlastigem Board und überlegen, ob wir mitgehen oder passen sollen, müssen wir spätere Setzwerte, die wir eventuell noch bis zum Showdown mitgehen müssten, einbeziehen.

Reverse Implied Potodds (RIPO) beschreiben das Verhältnis zwischen dem zu leistenden Einsatz und den möglichen Verlusten für die gesamte Hand, also inklusive aller zukünftigen Einsätze.

Auf den ersten Blick ist TPTK eine gute Made-Hand und würde bei guten Potodds für einen Call sprechen. Wenn man aber die Reverse Implied Potodds betrachtet, können uns derartige Hände in unprofitable Situationen bringen.

Folgende Faktoren sind dabei von entscheidender Bedeutung.

  1. Was für eine Hand halten wir?

    Je schwächer unsere Hand, desto öfter kann sie noch von Draw-Händen eingeholt werden.

  2. Wie viele Draws sind möglich?

    Je drawlastiger das Board ist, desto anfälliger ist unsere Hand, auf späteren Setzrunden geschlagen zu werden.

  3. Wie groß ist der Pot?

    Spielen wir auf dem Flop um einen relativ kleinen Pot, mit der Intention bis zum Showdown gehen zu wollen, bieten sich dem Gegner gute Implied und uns dementsprechend hohe Reverse Implied Odds.

  4. Welche Setzrunde spielen wir?

    Preflop und auf Flop sind die Reverse Implied Odds immer höher als auf Turn oder River, da noch mehrere Möglichkeiten folgen, Geld in den Pot zu investieren.

Betrachten wir dazu ein Beispiel aus einem Limit-Hold'em-Cashgame.

  • Beispielhand RIPO"

Wir halten im Big Blind und sehen einen kostenfreien Flop gegen zwei weitere Spieler im Small Blind und in später Position. Der Flop zeigt und der Small Blind setzt direkt an.

Betrachten wir zunächst die Potodds. Vor dem Flop haben zwei Spieler gecallt und wir haben im BB gecheckt, d. h. drei Small Bets in den Pot investiert. Nun kommt durch den Bet des SBs noch einer hinzu. Wir bekommen Potodds von 4 zu 1, müssen also nur in 20 % aller Fälle erfolgreich sein, damit wir mitgehen können.

Wir haben in dieser Situation zwar Toppaar getroffen, sollten aber dennoch zu einem Fold tendieren. Zum einen können hier viele Karten auf Turn oder River Draws vervollständigen und zum anderen könnten wir sogar bereits gegen eine ganze Reihe an Händen hinten liegen. Weiterhin agiert noch ein Spieler nach uns. Die Turn-Karte könnte also aufgrund eines Raises teurer werden als gedacht.

Implied und Reverse Implied Potodds sind beides wichtige Komponenten einer exakten Handberechnung. Sie können Verliererhände zu Gewinnern, aber auch Gewinner zu Verlierern machen. Im Gegensatz zu den direkten Odds oder Potodds lassen sich diese beiden Konzepte nicht genau berechnen und auf einen exakten Wert festlegen. Dieser muss in einer Spielsituation möglichst genau geschätzt werden, was viel Erfahrung voraussetzt.  Wir empfehlen daher, selbst aktiv zu werden und bestimmte Situationen zu üben.

X Informationen zu Cookies

Wir haben auf deinem Computer Cookies platziert, um deinen Aufenthalt auf unserer Website noch angenehmer zu gestalten. Du kannst deine  Cookie-Einstellungen  jederzeit ändern. Andernfalls setzen wir dein Einverständnis voraus.