PokerStars Homepage
Konzepte: Floating

Floating

Der Ausdruck „to float" kommt aus dem Englischen und bedeutet „schweben", „schwimmen", „gleiten", „treiben". Was hat dieser Begriff im Poker verloren? David Sklansky schreibt in seinem Buch „No Limit Hold'em: Theory and Practice" über den „bluff call", und hier sind wir auch schon bei der eigentlichen, sinnbildlichen Bedeutung des „Floating": Man tätigt einen Call auf einer Straße (zumeist dem Flop) in Position mit dem Plan, in der nächsten Setzrunde (z.B. auf dem Turn) selbst durch einen Bet oder einen Raise aktiv zu werden und eventuell auch zu bluffen, falls nötig. Der Call auf dem Flop (oder Turn) dient also oft der Vorbereitung für einen Bluff und kann daher als Bluff-Call bezeichnet werden.

In der Luft hängen nach einem solchen Call eigentlich beide Spieler. Man selbst, da man noch keine handfeste Aktion außer einem Call durchgeführt hat und hier noch keine wirklich definierte Hand hält. Der Gegner, da er aus unserem Call noch nichts oder nicht viel über die Stärke unserer Hand ableiten kann und nicht weiß, ob wir auf einem Draw sind, eine Made-Hand haben oder eben floaten wollen.

Nun stellt sich die Frage:

Warum nur callen, wenn man bluffen möchte? Würde ein Raise nicht viel mehr Sinn machen?


Die Problematik eines Raises besteht darin, dass wir gerade auf dem Flop oft gecallt werden, da unser Gegner entweder eine Hand hat, die er für gut genug hält, in der Hand zu bleiben, oder weil er einen guten Draw hat und seine Chancen auf dem Flop noch zu gut stehen.
Oft bleibt unser Bluff also unwirksam, wir haben aber den Pot größer gemacht und müssten nun am Turn, wollen wir den Bluff durchziehen, ein weiteres, diesmal deutlich teureres Barrel abfeuern.

Ein Beispiel für eine Hand, die der Gegner nicht aufgibt, ist zum Beispiel ein Overpair auf einem 2-Flush oder nicht gepaarten Flop. Kommt allerdings die dritte Flushkarte hinzu oder paart sich die Topkarte des Flops am Turn, sieht die Sache ganz anders aus. Nun ist ein Gegner recht oft gewillt, Hände, die auf dem Flop noch stark aussahen, doch aufzugeben.

Und ein Call in Position sieht beim No-Limit Hold'em oft viel stärker aus als ein Raise. Er bedeutet im übertragenen Sinne so viel wie: „Ich hab Position auf dich und ich habe eine Hand, die erstens keine Turn-Karte zu fürchten hat und die ich zweitens mit dir weiterspielen will. Bleib also ruhig in der Hand und schaufle dir dein eigenes Grab!".
Schauen wir uns also die Situationen und Gründe für einen „Float" näher an.

Gründe für Float-Versuche

  1. Deception: In den bisherigen Artikeln haben wir, sowohl pre- also auch postflop, zu einem anfangs sehr tight ausgelegten Spiel geraten. Die Profitabilität einer gegebenen, spielbaren Hand ergibt sich zumeist aus der Postflop-Kompetenz des jeweiligen Spielers, und daher ist es gerade für Anfänger von großem Vorteil, sich an diese tighten Richtlinien zu halten, um gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen, extrem schwierige oder gar grenzwertige Entscheidungen treffen zu müssen.
    Somit haben wir bei unseren Preflop-Standards bisher nur festgelegt, dass gegen einen Raise in Position fast ausschließlich mit Pocketpairs (evtl. auch , , siehe hierzu Artikel über Preflop-Play) weiterspielen wollen. Daher kommen wir bei dem bisher vorgeschlagenen, tight-aggressiven Spielstil kaum in Situationen, in denen wir nach dem Flop „floaten" können. Je höher wir allerdings in den Limits aufsteigen, umso kompetenter und aufmerksamer werden einige Gegner. Eine Problematik, die sich daraus ergibt, ist die, dass wir sehr leicht lesbar werden und sowohl unser Pre- als auch Postflop-Spiel in Position wenig „deceptive" für einen guten Spieler wird. Er kann dies, sofern er kompetent genug ist, sehr leicht zu seinen Gunsten ausnutzen und uns das Leben am Tisch durch gute Raises und Bluffs schwerer machen, sofern wir uns nicht anpassen und unser Spiel gegen ihn ein wenig mixen.
  2. Exploit Weakness: Umgekehrt bietet uns das Floating natürlich auch die Möglichkeit, die Schwächen von extrem weak-tighten Gegnern durch einen gut geplanten und ausgeführten Bluff auszunutzen. Dies macht sich besonders bezahlt, wenn diese schwächeren Spieler häufig dazu neigen, nach einem Continuation-Bet am Turn ihre Hand mit Overcards oder nur wenigen Outs aufzugeben. Denn oft ist es so, dass wir mit kleinen Pocketpairs auf unkoordinierten, trockenen Boards genau in die Situation kommen, in der unser Gegner lediglich Overcards oder einen Draw hält.
  3. Cheap Turns: Weiterhin können wir durch Floaten auch einige Hände, über deren aktuelle Stärke wir im Zweifel sind (bzw. auch schlechtere Draws), günstig zum Turn bringen, ohne einen allzu großen Pot aufzubauen. Bei signalisierter Schwäche können wir dann durch gewonnene Fold Equity mit einem Bet am Turn gewinnen, ohne unsere Hand verbessert zu haben.

Bedingungen für einen Float-Versuch


Wenn wir noch einmal auf die Frage Flop-Raise vs. Floating zurückkommen, sehen wir nun, dass ein Flop-Raise mit Händen wie One Pair (z.B. Top Pair mit Good oder Medium Kicker) eine Gratwanderung zwischen einem Bluff und einem „raise for value" darstellt. Wenn unser Gegner auf unseren Flop-Raise hin nämlich mit einem Push antwortet, müssen wir unsere Hand häufig folden, haben aber viele Chips investiert und weder den Turn noch einen Showdown gesehen. Mit einem Float halten wir den Pot am Flop also klein genug, damit noch genug Spielraum für Bets und Raises auf gute Turn-Karten möglich bleibt.

Grundsätzlich richtet sich unser Preflop- und Postflop-Spiel bei einem möglichen Float-Versuch nach dem Verhältnis vom zu gewinnenden Rest-Stack (dem effektiven, also kleineren von beiden involvierten Stacks) zum Preflop-Pot.
Die Berechnung dieser Größe lese man im Artikel über Reraised-Pots nach. Wir streben hier eine Zahl an, die möglichst Zehn oder größer ist, damit wir auch nach unserem Flop Call genügend Spielraum für mehr als zwei Potsized-Bets und/oder Raises übrig haben und nicht Gefahr laufen, dass wir selbst oder unser Gegner in der jeweiligen Hand zu schnell committed sind.

Einen Gegner, der committed ist, kann man nur schwerlich bluffen und daher auch nicht floaten. Aus dieser Anforderung ergibt sich zugleich, dass wir für jede Hand, mit der wir einen Float machen würden, auch genügend Implied Odds haben müssen. Ein gesunder Stack beim Gegner, je größer desto besser, ist also Grundvoraussetzung für einen Preflop-Call mit einer Hand wie . Mehr hierzu auch im Artikel über Deepstack-Shorthanded-Play. 

Skizzieren wir die Ausführungen eines „Floats" nun mit einigen Beispielen:

  • Beispiel 1: Wir können herausfinden, ob eine One-Pair-Hand in Position gut ist und ob der Aggressor nur einen Standard-Continuation-Bet gemacht hat.

Ein recht tighter Spieler eröffnet aus UTG auf drei BB. Wir können seine Handrange hier stark eingrenzen, da er aus UTG raist: Wir geben ihm bis , bis . Gegen diese Range besitzen wir knapp 40 % Preflop-Equity mit .
Das ist aber hier nicht ausschlaggebend für unseren Call, denn wir sind ja offensichtlich gegen seine vermuteten Hände etwas hinten.

Von Bedeutung für den Call hier ist, dass wir absolute Position auf den Raiser und auf alle weiteren eventuellen Caller besitzen, und dass wir wissen, dass der Spieler tight ist. Nach dem Flop wird er höchstwahrscheinlich einen Continuation-Bet abfeuern, aber er gibt zumeist am Turn auf, wenn er nur Overcards oder einen (schlechten) Draw hat. Uns bietet sich also einerseits die Gelegenheit, ihm die Hand möglicherweise am Turn durch einen „Float" abzunehmen und andererseits, ein Monster in Position auf ihn zu floppen, wenn er ein Overpair hat, das er nicht loslassen kann.

Da die effektiven Stack-Größen in diesem Beispiel 100 Big Blinds betragen, haben wir nach dem Flop folgendes Verhältnis von Rest-Stack zum Pot:

    (Rest-Stack) : (Potgröße) = 97 BB : 7,5 BB = 12,9 ≈ 13

Wir besitzen also auch massive Implied Odds für einen Call und haben genug Spielraum für einen guten Bluff mit bis zu drei Potsized-Bets nach dem Flop, wenn die Gelegenheit und die Karten es erlauben.

Der Flop gibt uns nicht unbedingt eine Traumhand, sondern nur Top Pair/Weak Kicker. Gegen die angenommene Range unseres Gegners liegen wir zumeist nicht vorn, denn bisher schlagen wir nur , und .  Jede andere der aufgeführten Hände hätte den Flop getroffen oder ein Overpair zum Board. Wir können also nicht so einfach einen Raise gegen seinen Continuation-Bet anbringen, da wir womöglich zu oft versuchen würden, die bessere Hand zu bluffen. Unser Gegner kann dann mit einem 3-Bet antworten und wir müssen folden, obwohl wir schon ein gutes Stück unseres Stacks investiert haben. Wir callen also, halten den Pot klein und deuten unserem Gegner an, dass wir unsere Hand mögen und auch für weitere Bets am Turn bereit sind.

Der Turn bringt eine unschuldige Karte, bei der unser Gegner checkt. Dies könnte zwar eine Falle in Form eines trappenden Overpairs oder eines Sets sein, aber wir haben genau das Szenario erreicht, das wir für einen Float am Flop angestrebt haben: Unser Gegner zeigt zunächst einmal Schwäche. Wir können also betten und davon ausgehen, dass wir im Moment sogar die bessere Hand haben. Unser Bet am Turn wird nun auch um einiges gefährlicher, denn wir haben, selbst wenn wir zwei Drittel des Pots betten, immer noch einen Potsized-Bet für den River übrig. Unser Gegner wird angesichts des wie ein drohendes Schwert über ihm hängenden Rest-Stacks ohne eine vernünftige Hand kaum weiterspielen, da er davon ausgehen muss, dass er ein weiteres Barrel zahlen muss. Wir könnten somit selbst Hände wie oder unter Druck setzen, wenn wir wissen, dass unser Gegner nicht sehr weit mit Top-Pair-Händen geht. Selbst wenn wir also die schlechtere Hand haben, gewinnen wir allein durch Bet-Größe und Position an Fold Equity. Wir wollen allerdings auch keine weitere Karte mehr zulassen, denn jede , jeder oder jedes am River macht uns unsere Hand zunichte.

Also setzen wir. Unser Gegner foldet und wir waren mit unserem Float am Flop erfolgreich. Wir wussten nicht, wo wir am Flop standen, hatten aber sowohl noch genug Implied Odds und Geld dahinter für den Turn, sodass es sich in einem solchen Spot definitiv gelohnt hat, zu floaten als zu raisen.


Betrachten wir das Beispiel mit unserem neu gewonnenen Wissen über das „Floaten", so wäre es doch möglich, dass wir obiges Szenario auch erzeugen können, wenn wir pure Luft bzw. nicht einmal Top Pair haben. Die Line würde in obigem Fall auch mit Any Two Holecards durchführbar sein. Dazu sollte der Gegner aber entsprechend weak-tight und durchschaubar sein und sich nicht an Floats anpassen. Wenn ein Check dieses Spielers stets Schwäche bedeutet, sollten wir dies in Position definitiv ausnutzen.

Wir können marginale Draws in Position spielen und gegebenenfalls in einen Semibluff verwandeln. Floaten ist eine der möglichen Spielweisen eines solchen Draws. Wir müssen dazu nicht unbedingt einen guten Draw floppen, für den wir Odds bei einem Call bekämen. So würde es sich beispielsweise lohnen, einen schlechten Draw wie einen Gutshot mit einem Float am Flop auf den Turn zu nehmen, und hier mittelgute Hände, die uns zwar geschlagen haben, aber keine große Hitze vertragen können, zum Fold zu bringen. Je größer die Zahl unserer Outs allerdings ist, desto lohnenswerter ist ein Semibluff am Turn, denn wir gewinnen nicht nur massiv an Fold Equity, sondern erhöhen auch den Pot, den wir gewinnen können, wenn dieser Draw ankommt und unser Gegner noch nicht gefoldet hat.

Auch hier ist darauf zu achten, dass wir uns hauptsächlich mit weak-tighten Spielern in dieser Form anlegen, da ein trickreicher, kompetenter Spieler uns diese Möglichkeiten durch ein Double Barrel oder sogar ein C/RAI (Check-Raise-All-in) oft verbauen kann.

  • Beispiel 2:

Wir finden im Button gegen einen relativ weak-tighten UTG-Raiser, von dem wir wissen, dass er preflop eine ausgewählte Zahl von Händen spielt und viele marginale bis gute Hände gegen große Action auf gefährlichen Flops aufgibt. Seine Handrange sollte ungefähr wie im obigen Beispiel ausfallen, nehmen wir das Ganze noch ein wenig tighter, haben wir gegen eine Range von bis , bis immer noch gut 35 % Equity. Aber auch hier soll uns das vorerst nicht wirklich interessieren, denn wir schauen hierbei nur auf unsere Implied Odds: Das Verhältnis von unserem Rest-Stack (den wir maximal gewinnen können) zum Pot nach allen Preflop-Aktionen ist:

(Heros Rest-Stack) : (Pot) = 126,85 BB : 7,5 BB = 16,9 ≈ 17

Wir besitzen also massive Implied Odds und haben auch so viel Chips hinter uns im Verhältnis zum aktuellen Pot, dass wir, sofern wir die Lage und unseren Gegner richtig einschätzen können, sehr viel Freiraum für große Semi- oder pure Bluffs haben. Zwei mögliche Potsized-Bets auf Flop und Turn und ein weiterer, etwas kleinerer Riverbet liegen vor uns, sodass die Situation in unserer absoluten Button-Position profitabel erscheint, trotz des Faktes, dass wir „nur" 35 % Equity preflop gegen die geschätzte gegnerische Handrange haben.

Der Flop bringt uns allerdings nur einen Gutshot-Straightdraw, und das Board ist relativ trocken. Unser Gegner macht den erwarteten Continuation-Bet. Da das Board relativ ungefährlich aussieht, wird unser Gegner in den meisten Fällen fast keine Hand folden, denn nur bis haben den Flop verfehlt. Für den Rest sind Overpairs und Sets möglich. Wenn wir raisen und er reraist, müssen wir folden. Wir bluffen hier zu oft eine Hand, die nicht aufgegeben wird.

Mischen wir aber nun die Möglichkeit, dass er hier mit Overcards oder einem Underpair zum Board bettet, mit der Möglichkeit, unseren Gutshot zu treffen und sein Overpair oder sein Set zu stacken, so macht ein Float am Flop sehr viel Sinn!

Wir „floaten" also den Flop und sehen eine für unsere Hand und unseren Plan wunderbare Karte: Die gibt uns nicht nur weitere acht Outs bis zum River für den Flush, sondern wir können bei einem Anzeichen von Schwäche auch durch einen gut portionierten Bet oder Raise eine der beiden übrigen repräsentieren. Wir gewinnen durch diese Karte also in zweierlei Hinsicht: Outs und Fold Equity, denn auf einen großen Bet oder Raise am Turn bekommen wir bei einem solch tighten Spieler häufig auch ein Overpair zum Folden. Der Flop „Float" hat uns also in eine günstige und profitable Situation befördert, ohne dass wir bis zum Turn im Verhältnis zu den Rest-Stacks viele Chips investieren mussten.

Unser Gegner macht einen schwachen Acht-BB-Bet, den er mit einem unsicheren Overpair, Underpair oder auch noch mit Overcards machen könnte, also raisen wir seinen schwachen Einsatz und bewegen ihn zum Fold. Würden wir hier callen, könnten wir auf einige unserer Outs zurückfallen (außer, er hat ein Set gefloppt oder tatsächlich selbst die , was aber beides unwahrscheinlichere Fälle sind).

Fassen wir zusammen: Ein Float-Versuch sollte ausreichend geplant und durchdacht sein. Folgende Punkte sollten wir dabei als Bedingungen beachten:

  • Wir spielen gegen einen weak-tighten Spieler, dessen Spiel straightforward und relativ leicht durchschaubar ist.
  • Wir besitzen gute Implied Odds und haben einen Rest-Stack zu Preflop-Pot-Verhältnis von mindestens zehn (am besten mehr als 13).
  • Wir haben Outs, eine sehr gute oder Nut-Hand zu machen 
  • Wir werden erst dann aggressiv, wenn die Board-Situation günstig für uns und ungünstig für die geschätzte Handrange unseres Gegners wird.

 

X Informationen zu Cookies

Wir haben auf deinem Computer Cookies platziert, um deinen Aufenthalt auf unserer Website noch angenehmer zu gestalten. Du kannst deine  Cookie-Einstellungen  jederzeit ändern. Andernfalls setzen wir dein Einverständnis voraus.