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Gegnertypen: Der Nit
Der Regular bemüht sich darum, genau diese Grundsätze einzuhalten. Er ist der „Grinder", den wir alle in uns haben und ihn motiviert das Geld, das es mit bedachter Strategie im Cashgame zu gewinnen gibt. Er setzt sich mit der Pokertheorie auseinander, kennt mathematische Grundsätze und spielt sorgfältig ausgewählte Hände mit einem Konzept dahinter. Aber dennoch ist kein Regular wie der andere. Um unsere Winrate zu steigern, können wir Regulars auf Dauer nicht meiden, da sie entweder uns im Kampf gegen den Fisch des Tisches in die Quere kommen oder sogar versuchen, unsere Schwächen direkt zu bekämpfen und uns somit vieler Pots berauben möchten.
Somit wollen wir uns in dieser Artikelserie darum bemühen, die Schwächen der spezifischen Regulars, mit denen wir uns am häufigsten auseinandersetzen müssen, zu analysieren, und profitable Strategien gegen deren Spielstile zu entwickeln.

Teil 1 beschäftigt sich mit der grundlegenden Profil-Erstellung eines typischen „Nits", der Erläuterung seiner Stärken und Schwächen sowie statistischen Werte, anhand derer man entweder Nits identifizieren oder weak-tighte Tendenzen ausmachen kann. Im zweiten Teil werden Strategien preflop und im dritten Strategien postflop beschrieben.

0 Charakterisierung

Der weak-tighte Regular, auch bekannt als Nit (eine mittlerweile gängige Bezeichnung in der Onlinepoker-Sprache für einen „Rock" – Im übertragenen Sinne also ein „Erbsenzähler", der sehr kleinlich mit seinen Chips umgeht), ist in der Regel besonders vor dem Flop sehr penibel mit der Selektion seiner Starthände und der damit verbundenen Positionen in einem Pot am Tisch.
Er weiß um die mathematisch prozentualen Vorteile von Paaren und Händen wie oder , kennt die Gefahren von Dominierung und die Vorteile von Position. Postflop ist er besonders risikoavers und möchte nur in maximal profitable Spots sein Geld investieren. Seine starken Hände spielt er mit Druck und Aggression, während er marginale Spots zu meiden versucht. Daher blufft er selbst selten bis niemals und foldet oft sogar die beste Hand, um genau diesen marginalen Entscheidungen zu entfliehen. Ohne sicher zu sein, die beste Hand zu halten, wird ein typischer Nit niemals zum Showdown gehen wollen. Daher resultieren seine größten Gewinne und Pots auch aus Showdowns, in denen er von Second-best-Hands ausbezahlt wird. Sein Pay-off kommt aus diesem Grund auch eher von sehr schwachen Gegnern wie Maniacs oder Calling Stations, die zu häufig mit eben diesen Second-best-Made-Hands in den Showdown gehen.

Im 6-max ist der Nit nicht unbedingt gut aufgehoben, denn dieses Format fordert von einem kompetenten Spieler, sich Konfrontationen in marginalen Spots zu stellen und selbst auch Druck auf Gegner auszuüben, wenn diese ebenfalls marginale oder schwache Hände halten. Aufgrund seiner tighten, in extrem wichtigen Spots aggressiven, aber sonst überaus zurückhaltenden Herangehensweise kann er zwar in loose-passiven oder sehr schwachen 6-max-Games bestehen und als (tendenziell kleiner) Gewinner hervorgehen – doch oft bleibt er ein Break-even-Spieler oder sogar leichter Verlierer in aggressiven, toughen Spielen.

1 Stärken

1.1 Der Nit gewinnt die großen Pots durch den Showdown

Wenn der Nit eine Hand spielt, spielt er sie oft mit einem strikten Plan. Wie jeder TAG oder kompetente Spieler eröffnet er beispielsweise auch kleine Pairs, um Sets zu floppen, oder callt einen Single Raise mit der gleichen Intention. Durch seine strenge Preflop-Handselektion macht er üblicherweise, wenn er trifft, sehr starke Made Hands wie TP/TK, Sets, Two Pair. Straights und Flushes verfolgt er nur mit ausreichenden Potodds oder mit extrem hohen Implied Odds. Wenn der Nit auf einem Flushboard in den Pot raist, hat er für gewöhnlich auch genau das, was er repräsentiert.
Er wird vermeiden, mit einer Second-best-Hand in den Showdown zu gehen, da er weiß, dass die großen No-Limit-Hold'em-Pots im Showdown gewonnen werden. Er weiß beispielsweise genau, dass für gewöhnlich eine Top-Pair-Hand nicht gut sein wird, wenn drei Barrels gegen ihn in den Pot gehen, oder wenn er ungewollte Action bekommt, sobald der Flush ankommt. Dieses Wissen macht ihn gegenüber schwachen Gegnern wie der Calling Station oder dem Maniac überlegen. Er wird auch von diesen beiden Spielertypen seine hauptsächlichen Gewinne einfahren können, da genau diese Spieler die elementaren No-Limit-Hold'em-Fehler begehen, die er vermeidet. Die großen Showdown-Pots, die aus den Fehlern der anderen Spieler entstehen, machen also seine eigentliche Winrate aus.

1.2 Der Nit verliert niemals einen großen Pot durch marginale Entscheidungen oder Bluffs

Durch seine tighte, positionsbewusste Preflop-Handselektion wird ein Nit niemals in die Verlegenheit kommen, viele marginale Treffer wie Top Pair/No Kicker oder schwache oder marginale Draws postflop oder ohne Position spielen zu müssen. Der Nit weiß genau wie wir, dass marginale oder mittelstarke Hände am River selten gut sind, wenn große Bets bzw. Raises gemacht werden. Genauso ist ihm bewusst, dass es unprofitabel ist, bei 1:2-Potodds und ohne Implied Odds mit nur einem Flushdraw einen Bet zu callen. Aus diesen Gründen läuft der Nit niemals Gefahr, eine marginale Entscheidung falsch zu treffen und foldet, auch wenn er manchmal (noch) die beste Hand hält. Passivität in Form von Folden oder Checken ist in diesem Zusammenhang eine Stärke des Nits, da er sich weitestgehend aus Situationen heraushält, die ihm Ärger bescheren können, d.h. bei denen er Gefahr läuft, auf lange Sicht Geld zu verlieren bzw. bessere Hände auszubezahlen.
So ist es beispielsweise sehr schwer, aus einem Nit Value zu extrahieren, wenn er denn einmal die Nuts hält. Der Nit blufft (bzw. semiblufft) selten bis niemals, da er ein solches Spiel auch als von Varianz behaftet und damit als potentiell seiner Winrate schadend erachtet.
Diese Form von Poker ist extrem varianzarm. Der Nit kann in gut selektierten 6-max-Games mit entsprechend schwachen Gegnern einen soliden Gewinn einfahren: Er trifft nur klare Entscheidungen mit seinen starken Händen und vermeidet, schwache Handkategorien zu spielen.


2 Schwächen

2.1 Der Nit hat ein berechenbares Preflop-Game

Ein besonders ausnutzbarer Aspekt des Nit-Spiels ist seine (in der Regel – hier gibt es sicherlich Ausnahmen) berechenbare, unbalancierte Auswahl an Preflop-Händen.
So einfach ihm diese Handrange seine Postflop-Entscheidungen von der Theorie her macht, so schwierig wird es für ihn in der Praxis, wenn es darum geht, gegen kompetente Gegner zu spielen, die sein Spiel durchschauen können. Ein jeder solcher Spieler kann gut einschätzen, wo er in einer gegebenen Hand gegen den Nit steht. Er kann dann, wenn nötig, rechtzeitig aus der Hand aussteigen oder den Nit von der aktuell besseren Hand wegbluffen. Bei starken Implied Odds lässt sich gegen einen Nit natürlich umgekehrt auch ein großer Pot gewinnen. Wenn ein Nit aus UTG eröffnet, können wir seine Range so gut wie immer recht genau auf viele starke, einfach zu spielende Hände festlegen – er wird beispielsweise niemals mit einer Hand wie eröffnen oder mit einer Hand wie reraisen.
Damit können wir vor allem unseren eigenen Stand, unsere Implied Odds oder die Wahrscheinlichkeit, den weak-tighten Opener von seiner Hand zu bewegen, auf einer gegebenen Board-Textur sehr gut abschätzen.

2.2 Der Nit mindert seine Implied Odds gegen kompetente Spieler

So elementar die Fehler sind, die der Nit vermeidet, so durchschaubar ist sein Spiel für kompetente Gegner. Jeder mitdenkende Spieler weiß, dass ein Spieler, der niemals blufft, auch tatsächlich immer das hat, was er repräsentiert, wenn er setzt oder raist. So können sich die kompetenten Spieler am Tisch schnell und günstig aus einer Hand verdrücken, sobald der Nit Interesse zeigt. Ein Spieler, der durchweg nur seine Karten spielt, wird den Nit genauso ausbezahlen wie jeden anderen etwas aggressiveren oder oftmals bluffenden Spieler. Je höher aber das Niveau am Tisch ist, desto unprofitabler ist die Strategie des Nits, große Pots ausschließlich mithilfe des Showdowns gewinnen zu wollen, da ihm die Spieler, die über seinen offenkundigen Plan Bescheid wissen, genau diese großen Pots verweigern werden – sei es durch Folden gegen Bets und Raises oder durch das Kontrollieren des Pots mit Checks/Check-behinds. Um Pay-off von kompetenten Gegner zu bekommen, muss der Nit schon auf sehr kreative, unübliche Betting-Sequenzen zurückgreifen.

2.3 Der Nit verliert viele kleine bis mittlere Pots ohne Showdown

Die Strategie des Nits ist auf den Showdown ausgerichtet. Wenn er aber mit den vielen marginalen oder mittelstarken Händen am 6-max-Tisch nicht zum Showdown gehen kann, weil ihm dieser durch aggressives Betten und Raisen von seinen Gegnern verwehrt wird, foldet der Nit zu viele bessere Hände. Damit verliert er den Kampf um die vielen kleinen oder auch mittleren Pots, die sich zur 6-max-Winrate ebenfalls hinzuaddieren. Die Handranges des Nits sind zu großen Teilen berechenbar und unbalanciert, da er die Eröffnung von marginalen Händen oder sogar Trash in jeder Position meidet. Große Bluffs in den richtigen Situationen (z. B. Scarecards) bewegen den Nit zur Aufgabe von mittelgroßen oder auch großen Pots, in die er bereits Geld investiert hat. Umgekehrt meidet er selbst zu häufig das Semibluffen und das Bluffen. Damit erleidet er Einbußen in der Winrate. Er verliert viele Pots, die ohne den Showdown und nur durch kompetentes Handreading bzw. Setzverhalten gewonnen werden können. Dazu gehört auch das häufige Stehlen der Blinds und das damit verbundene Eröffnen von marginalen Händen preflop, um seine Eröffnungsranges zu balancieren.


3 Stats-Profil

Was die Abkürzungen in diesem Abschnitt bedeuten, kann man im
Artikel über Trackerprogramme nachlesen.
  • VPIP: < 20. Viele Nits spielen aufgrund ihrer extrem reduzierten und gut selektierten Preflop-Handrange weniger als 20 % der möglichen Starthände. Je geringer dieser Wert tatsächlich ist, desto berechenbarer ist die Handrange eines Nits.
  • PFR - Preflop-Raise: = <1/2 x VPIP. Der Nit callt oft auch gerade preflop viele starke gegen einen einfachen Raise nur (z. B. oder alle Paare) bzw. spielt sie u. U. langsam. Daher liegt der PFR-Wert tendenziell eher weiter unter dem VPIP-Wert im Gegensatz zum typischen TAG, bei dem PFR = ~ 3/4 x VPIP gilt.
  • Vorsicht: Es gibt durchaus Spieler, die vor dem Flop ein solides TAG-Game spielen und erst nach dem Flop zum Nit werden. Sie spielen preflop zahlreiche Hände, bauen sie aber nicht mit genügend Postflop-Aggression aus.
  • AF - Aggression Factor: Die Werte hier können sehr variieren. Durch den Umstand, dass der Nit seine wenigen, gut selektierten Hände postflop mit sehr viel Druck und Aggression spielt, können in einem hohen AF resultieren, der typischen TAG-Werten von drei oder höher entspricht. Spielt der Nit vor dem Flop mehr Hände, so kann sich der AF verringern, wenn er zu oft bzw. zu schnell marginale Hände ohne einen soliden Treffer oder schwache Draws aufgibt.
  • Afq - Aggression Frequency: Die Aussage über den Afq deckt sich weitestgehend mit der über den AF. Wenn der Nit die Chance bekommt, mit seinen wenigen starken Händen aggressiv zu agieren, wird er das tun. Die wenigen marginalen Hände spielt er weniger aggressiv nach dem Flop.
  • WTSD - Went to Showdown: Auch hier unterscheiden sich die Werte und müssen nach den Postflop-Tendenzen des individuellen Spielers gestaffelt werden. Es ist in der Regel hier einfacher, Ableitungen über die Spielweise des individuellen Gegners zu machen, wenn man den Wert im Zusammenhang mit anderen Statistiken sieht. Ein Nit kann, sofern er wenige Hände vor dem Flop spielt, postflop einen sehr hohen WTSD haben. Dies deutet daraufhin, dass er all seine starken Hände wie Overpairs, TP/TK, Sets usw. so gut wie immer zum Showdown bringen wird. Er ist daher auch nur selten anfällig für (Semi-)Bluffs. Ein Spieler, der preflop eine breitere Handrange hat, sollte an dieser Stelle als Nit einen kleinen WTSD haben, da er seine schwachen Treffer oder Draws schnell gegen Aggression aufgibt.
  • W$WSF - Won $ When Saw Flop: < 40. Dieser Wert kann ist eher zur definition eines Nits herangezogen werden, da der Nit zu häufig kleine bis mittlere Pots aufgibt, wenn er nicht sicher sein kann, dass er mit der besten Hand in den Showdown geht. Ein geringer Wert zeigt an, dass der Nit gerade in vielen, kleinen, unangefochtenen Pots und verschiedenen anderen marginalen Spots verwundbar ist und diese schnell aufgeben wird.

In diesem Teil beschäftigen wir uns wie gewohnt mit den möglichen strategischen Ansatzpunkten, diesmal im Spiel gegen einen weak-tighten Gegner.

Gerade der typische Nit bietet uns einige wichtige Angriffsflächen in seinem oder mögliche Entwicklungen in unserem eigenen Preflop-Game. So können wir unter Umständen zusätzlichen Profit generieren, wenn wir situationsbewusst handeln.



4 Strategien, preflop
 
4.1 Opening-Ranges

Es gibt viele Konstellationen am Tisch, in denen wir unsere Opening Range extrem weit nach unten öffnen können, wenn der/die oder sogar die Nit/s in den richtigen Positionen sitzt/-en. Zunächst wird der Nit viel öfter marginale Hände gegen eine Eröffnung bereits preflop folden, wenn er keine Position hat. Das ist der Fall, wenn wir aus dem CO, BU oder sogar SB eröffnen können, und der/die Nit/s in den Blinds sitzt/-en.
Schauen wir uns im Detail die Werte Fold SB to Steal und Fold BB to Steal an, können wir schnell ausmachen, ob wir aus diesen Positionen mit einer breiten Range eröffnen können. Damit tut sich eine zusätzliche lukrative Profitquelle für uns auf. Da die Postflop-Spielbarkeit von Trash eine untergeordnete Rolle im Bestreiten eines Pots gegen den Nit spielt (siehe postflop), müssen wir die eigentliche Hand, mit der wir eröffnen, keiner strengeren Selektion unterziehen. Weitere profitable Szenarien sind Eröffnungen mit marginalen Händen, die aber postflop eine gute Spielbarkeit besitzen (Suited Aces, Suited Connectors usw.), wenn die eigentlichen Fische in den Blinds sitzen. Die Nits hinter uns geben in der Regel ja ihre Position gegen unsere Eröffnung häufig auf und wir können mit den Fischen um einen Pot spielen.

4.2 3-Betting-Ranges

Die Annahme, dass man gegen einen Nit preflop tighter werden sollte, ist grundsätzlich korrekt, wenn man von Value spricht. Da die Handrange des Nits preflop ebenfalls sehr tight gewählt ist, müssen wir, sofern wir für Value reraisen möchten, eine entsprechend tightere Range wählen. Umgekehrt wird der Nit aber durch diesen Umstand sehr gut bluffbar, sofern er – und das ist in der Regel der Fall – seinen Stack nicht eher hergeben wird als mit und bis . Der typische Nit wird in seiner Riskioaversion gut und gern auf die Varianz verzichten, die ihm das Preflop-Pushen oder 4-Betten mit Händen wie , oder sogar beschert. Somit können wir das tighte Preflop-Verhalten des Nits sehr gut ausnutzen, indem wir ihn in vielen Spots oft 3-betten. Die Hand, mit der wir dies tun, spielt prinzipiell erst einmal eine untergeordnete Rolle, da wir mit der Intention 3-betten, gegen einen weiteren Reraise oder Shove zu folden. Wenige Nits werden, besonders OOP, selten einen Reraise nur callen und/oder slowplayen.
Sollten sie dies dennoch tun, so sei hier verwiesen auf den Abschnitt Polarisierte und balancierte 3-Betting-Ranges " im Artikel über den TAG-Regular. Für einen Bluff-3-Bet eignen sich demnach vom Grundsatz her alle Hände, sofern die Position günstig und eine etwaige Erfolgsquote dieses Spielzugs garantiert ist.

Statistiken: Helfen können uns die Werte Fold to 3-Bet und auch Attempt to Steal, am besten nach Positionen aufgelistet. Wir möchten gegen eine möglichst weite Eröffnungsrange 3-betten, bei der der Nit nicht oft genug eine starke Hand hält, mit der er 4-betten bzw. shoven kann. Je weiter ein Nit z.B. aus dem Button eröffnet, desto häufiger werden wir ihn erfolgreich aus den Blinds bluff-3-betten können.

Blocker: Weiterhin kann man typische 3-Betting-Hände selektieren nach der Zahl der „Blocker", die sie gegen potentiell all-in-raisende Handkombinationen enthalten. Dies erläutern wir anhand eines Beispiels:

4.2.1 Beispiel



In dieser Hand sind die Bedingungen für einen 3-Bet optimal. Wir halten eine Hand, die niemals stark genug ist, um profitabel postflop OOP gegen einen Nit gespielt zu werden. Die Range des Nits ist aber im Button nach seiner Eröffnung am weitesten. Die Hand, die wir halten, blockiert durch unseren vier mögliche - und drei mögliche -Kombinationen sowie durch unsere auch drei mögliche - (und wenn man möchte, vier mögliche -) Blätter, also insgesamt zehn (14) Blätter, die der Nit nicht haben kann. Daher können wir bei diesem Szenario erwarten, dass wir häufiger Erfolg haben und mit unserem Bluff weniger oft einen 4-Bet bzw. Shove einfangen als wenn wir hier hielten. Sollte der Gegner hier in Position unseren 3-Bet nur callen und wir treffen tatsächlich Top Pair, dürfen wir aber niemals unseren Stack riskieren, wenn der Nit postflop Interesse zeigt. Das wäre ein grober und fahrlässiger Fehler. Wir spielen diese Hand nur aufgrund ihres Preflop-Bluff-Potentials in einem ganz bestimmten Szenario.



Auch mathematisch können wir abschließend die Profitabilität eines 3-Bets kurz begründen:

Angenommen, wir reraisen in der Hand aus Beispiel 4.2.1 gegen einen speziellen Nit, von dem wir wissen, dass er nur mit + oder zurückspielen wird. Diese Hände machen 2,6 % der möglichen Hände aus. Da wir selbst einige seiner starken Combos blocken (s.o.), bleiben sogar nur noch 1,8 % übrig. Er eröffnet aber aus dem Button sicherlich mindestens 11 % aller möglichen Hände – und das wäre gerade einmal eine Range von +, +, , (natürlich auch abzüglich der Combos, die wir blocken). Das bedeutet also, er würde 1,8/11 = 0,16, also 16 % seiner Hände über unseren 3-Bet reraisen/pushen und die anderen 84 % folden. In der Praxis ist seine Range ja sogar noch weiter. Wir reraisen $11,50, um einen aktuellen Pot von $4,50 zu gewinnen. Sei X die Anzahl der Male (in Prozent), zu denen unser Reraise funktioniert, dann muss gelten:

4.2.2 Break-even-Rechnung 3-Bet: 0 = $4,50 x X - $11,50 x (1 – X)

Und hieraus ergibt sich nach einfachen algebraischen Umformungen X = 0,718. Wir müssen also in ~72 % der Fälle erfolgreich den Pot bereits vor dem Flop einstreichen, um einen Profit zu haben. In unserem Beispiel haben wir sogar eine zu erwartende Erfolgsquote von 84 %, also einen klaren Profit.
Natürlich ist das Szenario nicht so einfach berechenbar, denn unter diesen Voraussetzungen sollten wir diesen Nit jedes einzelne Mal in diesem Spot 3-betten. In der Praxis spielen unsere Gegner natürlich individuell verschieden und passen sich vielleicht auch leicht oder sogar stark an unsere Aggression an. Aber das Beispiel macht grundsätzlich klar, warum ein solcher Spielzug profitabel sein kann, wenn er richtig implementiert wird. Wir müssen jede Situation aber individuell betrachten. Dabei sollten wir unsere Handkategorie (Haben wir „Blocker"?) und die individuellen Tendenzen unseres Gegners (Attempt to Steal bzw. Fold to 3-Bet Werte? Callt oder 4-bettet er viel gegen Reraises?) berücksichtigen.

4.3 4- bzw. 5-Betting-Ranges

Spielen um Stacks: Für Value sollten wir hier eine Range wählen, mit der wir auch profitabel unseren Stack investieren können – das bedeutet typischerweise + und . Gegen manche besonders tighte Nits, von denen man weiß, dass sie preflop nur mit + über einen 4-Bet shoven werden, bleibt unsere 5-Bet-Shoving-Range auf genau diese beiden Hände beschränkt. Wir können auch getrost in den Muck befördern. Wichtig ist hier, eine große Samplesize der Tracking-Programme zu haben, die einem eine entsprechende 3-Betting- bzw. 4-Betting-Range anzeigt. Eine tighte 4-Betting-Range von unter 3 % lässt auf die bekannte Valuerange +, schließen.

4-Bet Bluffing: Ansonsten können wir das Spiel hier nicht immer so weit treiben wie mit 3-Bets. Ein Nit, der unseren Open-Raise mit einem 3-Bet beantwortet, kann zwar ebenso bluffbar sein wie ein Nit, der einen Pot einfach eröffnet. Generell ist die 3-Betting-Range eines Nits aber relativ tight und der Preis, den uns ein 3-Bet-Pot vor dem Flop für einen 4-Bet-Bluff liefert, ist zu hoch.


4.4 Calling-Ranges

Einfach geraister Pot: Sofern wir Position auf einen Nit haben, können wir neben Paaren auch häufiger mit spekulativen Händen (Suited Connectors und Suited Aces) bei ausreichend tiefen Stacks callen (100 BB oder mehr). Unsere Implied Odds oder aber die Wahrscheinlichkeit, den Pot mit einem Bluff oder Semibluff zu gewinnen, sind gegen einen Nit grundsätzlich immer relativ hoch.
Hier muss allerdings definitiv eine Unterscheidung gemacht werden: Manche Nits überspielen permanent ihre Overpairs oder Hände wie Top Pair/Top Kicker, sodass Hände wie Two Pair oder Trips an Value gewinnen. Andere Nits haben engere Anforderungen an ihre Postflop-Hände und wir bekommen dann mit einer stärkeren Hand oft nicht genügend Value durch sie. Offensichtliche Hände wie Flushes oder Straights haben nur dann Wert, wenn der Nit tatsächlich eine ausreichend starke Made Hand hält (Set, Two Pair) und unsere Hand besser versteckt ist (z. B. Straight, bei der beide Holecards verwendet werden, oder Backdoorflush). Auch auf Betting-Sequenzen und vor allem die Position sollte geachtet werden. Viele Spieler der weak-tighten Fraktion kontrollieren gern den Pot in Position oder zahlen bzw. betten niemals mehr als eine Straße an Value mit bestimmten Handkategorien.

3-Bet-Pot: Die 3-Betting-Range vieler Nits ist relativ tight (z.B. eine typische Value-3-Betting-Range von +, +). Daher kann es sich wieder als profitabel erweisen, nach dem Call-to-hit-Prinzip zu agieren, da unsere Implied Odds so garantiert sind. Jede Hand, die wir bei 100-BB-Stacks beispielsweise auf Set-Value callen, kann uns gegen jedes Overpair ( +) oder getroffenes TP/TK ( , ) den gesamten Stack des Nits geben. Üblicherweise rechnen wir bei einem Call auf Setvalue immer nach der 15er-Regel (wir sollten ungefähr das 15-fache unserer Preflop-Investition gewinnen können, um profitabel auf Setvalue callen zu können). Gegen einen sehr tighten Nit können wir unsere Anforderungen hier von Zeit zu Zeit gering nach unten schrauben (z. B. auch bei knappen 1:14 oder 1:13). Hierzu sollte die Range dieses Gegners aber als entsprechend tight eingeschätzt werden können. Ansonsten sollten wir folden, da wir bei geringeren Odds den Nit unbedingt jedes einzelne Mal stacken müssten, um unser Spiel profitabel zu machen. Bei ungepaarten Blättern wie Suited Connectors oder Suited Aces verhält sich das ein wenig anders, da wir Draws nicht immer mit der erwünschten Fold Equity aggressiv genug spielen können. Wenn der Nit sein Overpair oder Top Pair/Top Kicker nach dem Flop nicht foldet, können wir hier nur in der Hoffnung auf Two Pair oder besser callen. Für das entsprechende Spielen von Draws benötigen wir postflop einen größeren Freiraum, d. h. extrem günstige Implied Odds (z. B. 150 bis 200 BB effektive Stackgrößen).
 



5 Strategien, postflop

5.1 Tighte Valuebetting-Ranges

Unsere potentielle Valuebetting-Range wird merklich enger gegen einen weak-tighten Gegner. Wir können von diesem Gegner niemals besonders viel Value (nicht mehr als eine Straße üblicherweise) für unsere mittelstarken Hände wie Top Pair oder besser erwarten. Dazu geht dieser Gegner zu selten mit Second-best-Hands in den Showdown. Je länger der Nit in der Hand zum Showdown hin ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass er uns entweder bereits vorher geschlagen hatte oder auf dem Weg überholt hat. Wenn wir gegen einen Nit in den Showdown gehen wollen, sollten wir sicherstellen, dass wir tatsächlich die beste Hand halten.

5.2 (Semi-)Bluffing

Ein Spieler, der vor dem Flop zwar selektiert spielt, wird dennoch nicht oft genug eine so starke Hand am Flop machen, dass er bereit ist, Multiple Barrels oder Raises zu zahlen.
Das ist besonders dann der Fall, wenn für die Handkategorien, die ein Nit in der Regel macht (TP/TK, Two Pair, Sets), Scarecards in Form von Overcards, sich komplettierenden Straights/Flushes/Full Houses auftauchen. Wir können die geringe Bluff-Bereitschaft des Nits am häufigsten postflop ausnutzen. Das gilt besonders bei Nits, die preflop eine etwas breitere Handrange haben – genau dieser Typ Gegner ist postflop am anfälligsten für Bluffs und Semibluffs. Aufgrund seiner hohen Anforderungen an Postflop-Hände und seiner geringen Risikobereitschaft muss er bestimmte Hände oder auf bestimmten Boards so gut wie immer aufgeben. Wenn die Stacks groß sind, gewinnt Position an extremem Wert gegen den Nit. Die Notwendigkeit, gegen einen solchen Spieler postflop zu (semi-)bluffen, kann auftreten, wenn er über ein balanciertes, unangreifbares Preflop-Spiel verfügt (d.h. wenig auf 3-Bets foldet, häufig 4-bettet bzw. adaptiert usw.).

Schauen wir uns die einzelnen Möglichkeiten für typische Bluffspots im Detail an:

Als Opener: Sind wir der Preflop-Aggressor, so können wir die Preflop-Callingrange eines typischen Nits, gerade OOP, relativ gut einschätzen. Er wird typischerweise niemals Suited Connectors oder dominierte Asse (suited, offsuited) OOP spielen wollen. Seine Range bewegt sich in einer solchen Situation hin zu sehr einfach zu spielenden Händen, die ihm aber noch zu schwach für einen 3-Bet preflop sind. Das sind Paare und solide Broadway-Blätter ( , , starke Suited Aces über - , ). Es wird daher gerade nach dem Flop sehr einfach sein, dem Nit eine Handkategorie zu geben. Sets wird er auf drawlastigen Boards häufig aggressiv spielen (Bet OOP oder Check/Raise) bzw. auf trockeneren Boards slowplayen wollen. Dasselbe gilt für Top-Pair-Handtypen, wobei er diese generell sicher passiver spielt als eine starke Made Hand wie Two Pair und besser. Für uns sollte ein Pot gegen einen am Flop callenden Nit nicht immer sofort zur Aufgabe prädestiniert sein. Vielmehr müssen wir uns über seine mögliche Range und die möglichen Einflüsse der weiteren, kommenden Karten auf seine Hand bewusst werden. Wenn wir in diesen Spots niedrige Werte bei Statistiken wie Fold to Flop Cbet, Fold to Turn Cbet oder Fold to River Cbet ausmachen können, sollten wir die Gelegenheit für Multiple Barrels nutzen. Scarecards sollten wir jederzeit betten, auch wenn wir selbst keinerlei Equity in der aktuellen Hand halten.

5.2.1 Beispiel



Wir treffen in diesem Beispiel zwar ein Paar, aber schon nachdem der Nit unseren Flopbet callt, ist klar, dass wir hier nie oft vorn liegen werden. Es ist also Zeit, unsere Made Hand in einen Bluff zu verwandeln, gerade auch weil wir OOP sind. Wir könnten den Pot aufgeben und würden dies auch auf einige ungünstige Turnkarten tun, aber speziell eine Herz-Turnkarte ist zu günstig. Sie komplettiert den Flush, den wir nun glaubhaft repräsentieren können, nach unserer Flop-C-Bet. Da ein Nit üblicherweise weniger Suited-Handkategorien spielt und selten auch am Flop mit einfachen Flushdraws callt, können wir viele mögliche Flushes aus seiner Range eliminieren. Natürlich könnte er Redraws in Form von einzelnen Herzkarten halten, aber diese Grenzfälle lassen wir außen vor. Er wird mit starken Händen wie Top Pair, Two Pair und auch Sets jedes zweite Barrel zahlen, aber häufig gegen das dritte folden.
Ausnahmen sind: er hat selbst einen Flush oder kann in einem vereinzelten Fall ein Set nicht folden. In der Regel ist unsere Fold Equity aber aufgrund des möglichen Flushes auf Turn und River extrem hoch und so benötigen wir auch nur einen kleinen Riverbet, um einen Fold zu kassieren. Wir sollten bei der Wahl unserer Preflop-Hände und bei der Entwicklung des Boards im Verlauf der Hand immer auf etwas achten:Wir sollten Situationen suchen, in denen sich unsere Aggression profitabel aufrechterhalten lässt. Hier sind z.B. alle Suited-Hände mit gefloppten Backdoor-Flushdraws oder alle Connected-Hände mit gefloppten Backdoor-Straightdraws stark – Nicht nur können wir bei günstigen Turn/River-Karten durch erzeugte Fold Equity gewinnen, sondern gewinnen sogar von Flop auf Turn an Equity. Wir können diese dann mit der entstehenden oder bereits entstandenen Fold Equity für einen starken Turn-Semibluff verwenden, der uns zuweilen auch gutes Value am River verschaffen kann.



5.2.2 Beispiel



Die Backdoor-Straight- und Flushdraw-„Outs" in Form von und oder und sind Scarecards, die wir mit hinzugewonnener Pot Equity weiter aggressiv betten können. In diesem Fall nehmen wir so einen großen Pot am River mit, während wir durch unseren Turnbet zusätzliche Fold Equity auf ein langsam gespieltes Queens-Paar erzeugt haben.

Als Caller: Wir können, sofern wir keine Spieler im Nacken haben, die oft preflop reraisen, viele Open-Raises des Nits callen – dabei sollten wir uns Statistiken wie „Flop Cbet", „Fold Flop Cbet vs. Raise" oder „Turn Cbet" genauer anschauen. Wenn wir hier Tendenzen bemerken, die ein unangepasstes, geradliniges Postflop-Spiel suggerieren, wie z.B. einen niedrigen Flop-Cbet-Wert (< 50 %) oder einen hohen Fold Flop Cbet vs. Raise (> 50 %), spielen unsere Karten im Prinzip eine untergeordnete Rolle. Wir können, solange wir unangefochtene Position auf den Nit erhalten (tighte Spieler hinter uns, keine squeezenden Blinds usw.), einen profitablen Spielzug landen: Niedrige Flop-Cbet-Werte können uns den einfachsten Pot der Welt bescheren, indem wir einfach immer betten, wenn der Nit den Flop OOP zu uns checkt. In diesem Fall wird er so gut wie immer aufgeben und wir müssen nicht fürchten, dass er mit einem Check/Raise trickreich wird o.Ä. Zudem können wir einfach viele Flops raisen, die die angenommene Range des Nits grundsätzlich verfehlt hat. Auch ein Float kommt in Frage (Call-Flop, Bet-Turn, wenn zu uns gecheckt wird), um ihm bei einem niedrigen Turn-Cbet-Wert (< 25 %) den Pot am Turn mit einem Bet abzunehmen.

5.2.3 Beispiel



Die Flop-Textur verbindet sich mit einer typisch tighten Range, vor allem mit Offsuited-Broadway und As-hoch, nicht und wir können auf genau einem solchen Board ohne jegliche bzw. mit wenig Pot Equity eine Menge, gerade für Overpairs, gefährliche Hände repräsentieren (Sets, Combo Draws, Two Pair).
Eine weitere Möglichkeit wäre, in diesem Spot den Flopbet nur zu callen und mittels zusätzlicher Turn-Pot-Equity durch Backdoor-Draws oder pure Fold Equity den Pot am Turn anzugreifen, wenn der Nit die meisten Hände aufgeben wird. Hier können aber alle Overcards am Turn unsere Möglichkeit, den Nit von der Hand zu bewegen, merklich mindern, da diese wiederum seine Range treffen. Umgekehrt können wir bei einem Flop-Reraise aufgrund unserer fehlenden Equity ohne große Enttäuschung aufgeben. Auch mathematisch können wir nachweisen, dass diese Spielweise auf lange Sicht profitabel ist gegen einen tighten, schwachen Gegner mit einer berechenbaren Preflop-Opening-Range.
Angenommen, dieser Spieler hier eröffnet in der gegebenen Position mit einer realistischen Range von +, (suited wie offsuited), was 9 % aller möglichen Combos ausmacht, und ebenfalls angenommen, er macht am Flop mit dieser gesamten Range auch einen Continuation-Bet (das muss er entsprechend seiner Strategie an dieser Stelle auch realistischerweise tun, um nicht die wenigen Pots komplett abzugeben, in denen er nicht hart trifft). Auf dem -Board kann er aber in der Regel (sofern er keinen Bluff vermutet) nur weiterspielen, wenn er , + oder die Suited Aces in Kreuz hält – diese Hände machen aber nur 3,4 % aller möglichen Combos aus. Das bedeutet, er sollte bei dieser Eröffnungsrange nur in 3,4/9 = 0,38, also in 38 % der Fälle weiterspielen und demnach in 62 % der Fälle folden. Im Fall eines Folds gewinnen wir den $6,25-Pot, während wir im Fall eines Calls/Reraises erst einmal unseren Raise von $6,50 verloren haben. Damit erhalten wir aber:

5.2.4 Profitabilitätsrechnung: 0,62 x ( +$6,25) + 0,38 x ( -$6,50) = +$1,40

Diese Spielweise macht demnach einen langfristigen Profit von $1,40 aus. Wenn in der Praxis einige extrem weak-tighte Spieler individuell weniger oft oder gar nicht mit ihren verfehlten Händen c-betten, ist die Profitabilität dieser Spielweise zweifelhaft – aber dennoch eine nicht zu vernachlässigende Situation im Spiel gegen einen Nit.

Wie wir sehen, werden unsere Entscheidungen einfacher, da wir genau wissen, wo wir stehen und mit welcher Intention wir hier weiterspielen. Währenddessen muss der Nit ein schweres Ratespiel ohne Position gegen uns spielen, wenn er irgendeine mittelstarke Made Hand, einen Draw oder sogar nur Ace-high hält. Viel besser aufgehoben wären wir in einer solchen Situation mit einem einfachen Call am Flop. Das ist z.B. der Fall, wenn sich das Board typischerweise mit der angenommenen Range des Nits verbindet und wir einen Draw mit guten Implied Odds gegen eine solche Hand halten. Wir laufen dann nicht Gefahr, von einer Made Hand wie TP/TK, Overpair oder Set aus der Hand geraist zu werden. Schlechter geeignet wäre ein Raise in Beispiel 5.2.3 auch, wenn wir selbst Handcombos mit einem oder einem halten. Diese reduzieren die möglichen Combos, die der eröffnende Nit in seiner Range hat und auf einen Raise folden kann. Umgekehrt können wir, sofern der Nit dennoch nur einen Continuation-Bet am Flop ohne Treffer abgefeuert haben sollte, am Turn den Pot mit einem Bet einsammeln, wenn zu uns gecheckt wird:

5.2.5 Beispiel



Die angenommene Range des Nits trifft dieses Board für gewöhnlich sehr hart. Alle Spieler mit starken -X-Combos und starken Pairs wie , werden auf diesem Board zumeist nicht loslassen, wenn wir raisen. Ein Flop-Call (Float) erfüllt hier aber hingegen zweierlei Aufgaben: Sollte der Nit einerseits tatsächlich eine Hand wie oder sein Set haben, sind unsere Implied Odds weiterhin hoch, wenn wir unseren Flush machen. Daher können wir gerechtfertigterweise callen. Nun könnte der Nit hier aber nur einen Continuation-Bet gemacht haben oder aber ein schwaches As halten. Dann können wir ihn am Turn, wo er üblicherweise den Pot aufgeben wird, wenn er seine selbst gestellten Anforderungen an Hände für den Showdown nicht erfüllen kann, von seiner Hand wegbetten.

Abschließend gehen wir noch kurz auf die Frage ein: Wann sollten wir von einem Bluff gegen einen Nit absehen? Käme der Flop in der obigen Beispielhand allerdings mit , sollten wir von einem Bluff absehen, wenn der Nit setzt. Hier würde er vorerst nur seine kleineren Paare wie bis folden. Gegen eine angenommene, starke Range (starke Asse) zu bluffen mit fast 0 % Equity ist in einer solchen Situation nicht sinnvoll und kostet uns viel Geld.

Umgekehrt sollten wir, wenn wir der Preflop-Aggressor sind und der Nit der verteidigende Spieler ist, ebenfalls von Bluffs oder Semibluffs ablassen, wenn der Nit entsprechendes Interesse zeigt:

5.2.6 Beispiel



Hier machen wir OOP einen einfachen Continuation-Bet, der aber vom Nit gecallt wird. Wir haben eventuell zwei Overcard-Outs, aber diese sind auch nicht immer ideal (der Nit könnte , halten). Daher sollten wir bei so gut wie jeder Turn-Karte, die nicht ein As oder König ist, aufgeben und dem Nit für eine Made Hand Kredit geben.



6 Zusammenfassung

Fassen wir wie gewohnt abschließend noch einmal die wichtigsten Aspekte im Spiel gegen den Nit zusammen:

Profil des Nits

Stärken

Der Nit ...

  • ... gewinnt die meisten großen Pots am Showdown und stellt sicher, dass er selten oder niemals mit einer Second-best-Hand in den Showdown geht.
  • ... ist risikoavers und verweigert sich marginalen Händen oder Entscheidungen, wodurch er die Anzahl möglicher Fehler und die Varianz in seinem Spiel minimiert.


Schwächen

Der Nit ...

  • … hat berechenbare Preflop-Ranges, an die kompetente Spieler sich und ihr Spiel extrem gut anpassen können.
  • ... mindert aufgrund seiner Berechenbarkeit und tighten, risikoaversen Spielweise seine Implied Odds bzw. potentielles Pay-off.
  • ... verliert den Kampf um die vielen kleinen und mittleren Pots, aus denen er sich häufiger (semi-)bluffen lässt und mindert damit empfindlich seine Winrate.



Strategien gegen den Nit

Preflop

  • Wir erweitern unsere Opening-Range in vielen Situationen extrem weit nach unten und öffnen unser Spiel, da wir den Nit so unter möglichst viel Druck setzen und ihm viele kleine Pots abnehmen bzw. verhindern können, dass er Pots gewinnt.
  • Wir erweitern unsere 3-Betting-Range unter günstigen Konditionen (hoher Fold-to-3-Bet-Wert, unsere Hand enthält „Blocker").
  • Wir schmälern beim Spiel um Stacks unsere 4-Betting- bzw. 5-Betting-Range für Value, sodass sie von der tighten Range des Nits nicht dominiert wird, und 4-bet-bluffen unter günstigen Konditionen (hoher Fold-to-4-Bet-Wert, „Blocker").
  • Wir callen viele Hände mit guten Implied Odds gegen die angenommene Range des Nits bei geeigneten effektiven Stacksizes neben Paaren, möglichst immer nur in Position.


Postflop

  • Wir schmälern unsere Valuebetting-Range auf Turn und River, sodass wir von den tighten Calling-Ranges des Nits nicht dominiert werden.
  • Als Aggressor implementieren wir, angepasst an die Tendenzen und Ranges des Nits (Fold to Flop Cbet, Fold to Turn Cbet, Fold to River Cbet), Semibluffs und pure Bluffs unter günstigen Konditionen (Pot Equity, Fold Equity/Scarecards), um dem Nit möglichst viele kleine bis mittlere Pots abzunehmen.
  • Als Caller versuchen wir, durch Raises oder Floats unter günstigen Konditionen (Board-Textur, Pot Equity, Fold Equity, gute Einschätzung der Range des Nits) möglichst viele kleine bis mittlere Pots gegen den Nit zu gewinnen.

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