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Gegnertypen: Der Maniac
Das Spiel eines typischen Maniacs erfüllt gerade einmal das erste der genannten Kriterien, und dies auch noch in einem sehr ungesunden Maße. Der Maniac liebt es, zu betten und zu raisen, zu semibluffen und zu bluffen und möglichst alle Pots ohne Showdown zu gewinnen. Jeder Pot ist für einen echten Maniac wie eine hart umkämpfte Trophäe. Aus diesen Eigenschaften können wir einen großen Profit schöpfen, wenn wir einige Anpassungen in unserem Spiel gegen diesen Gegner vornehmen.
 
 
0 Charakterisierung
 
Maniacs sind in der Regel extrem ungeduldig, lieben Action und das aggressive Spiel. Aggression in Poker muss jedoch kontrolliert angewendet werden. So gibt es durchaus viele loose-aggressive Spieler, die ihre Aggression in Maßen und kontrolliert anwenden, um ihre Gegner in gut geeigneten Situationen unter Druck zu setzen. Eine solch loose-aggressive Spielweise kann unter diesen Umständen eine sehr profitable Art des Pokerns sein. Der typische Maniac hingegen legt ein durchweg wildes, an die Gegner und deren Reaktionen unangepasstes aggressives Spiel an den Tag und kann somit von kompetenten Spielern ebenso ausgebeutet werden wie z. B. die Calling Station. In diesem Artikel wollen wir den Spielertyp Maniac genauer analysieren, um danach wichtige Strategien im Spiel gegen ihn zu entwickeln.
 
1 Stärken
 
1.1 Der Maniac gewinnt den Kampf um die meisten kleinen bis mittleren Pots
 
6-max ist, neben dem Heads-up, ein Format, in dem Aggression den stärksten Effekt erzielen kann: die häufiger geposteten Blinds und eventuelles Dead Money (Limps/Raises) werden durch das Einsammeln von Preflop-(Re-)Raises, viele kleine Pots am Flop durch häufige Continuation-Bets sowie einige mittlere Pots am Turn oder River durch (Semi-)Bluffs gewonnen.
Ein Maniac ist bekannt für seine loose Handselektion, ähnlich der Calling Station, aber mit dem Unterschied, dass er alle Hände sowohl pre- als auch postflop extrem aggressiv spielt und besonders gern blufft. Dazu zählt, jede Hand mit einem Raise zu eröffnen, jeden Flop zu continuation-betten, jeden Turn und River zu betten oder zu raisen, wenn gebettet wurde. Gerade im 6-max erweist sich die aggressive Spielweise des Maniacs oft als für ihn profitabel, da nur die wenigsten Spieler permanentem Druck standhalten können. Unter sechs Händen ist dafür zu selten eine starke und ein Spieler trifft den Flop zumeist nicht oft oder stark genug, um zurückspielen zu können. Der Schwierigkeitsgrad marginaler Hände und marginaler Entscheidungen wird durch den erzeugten Druck erhöht. Während die Implied Odds für eine starke Hand aus genau diesem Grund sinken, steigt damit auch der Wert der Aggression, damit so viele kleine bis mittlere Pots wie möglich aufgesammelt werden können.
 
1.2 Der Maniac zwingt seine Gegner aus ihrer gewohnten Spielweise heraus
 
Diese Überschrift meint gleich mehrere Dinge: Aggression kann verschiedene Reaktionen erzeugen. Sie kann einen tighten Spieler dazu bewegen, looser zu agieren, oder sie kann den tighten Gegner noch tighter machen. Beide Varianten spielen dem Maniac in die Hände.
Wenn ein sonst tighter Spieler anfängt, looser zu spielen, ist er prädestiniert dazu, Fehler zu begehen. Der Maniac spielt sein gewohnt kopfloses, stur aggressives Spiel, während der tighte Spieler mit marginalen Entscheidungen konfrontiert wird, die er im Rahmen seiner sonstigen Spielweise bisher nur selten zu treffen hatte. Er möchte auf einmal sein Middle Pair unbedingt zum Showdown bringen oder, schlimmer noch, er beginnt, an den falschen Stellen selbst zu bluffen.
Wird ein sonst eher tighter Spieler jedoch nun noch tighter und passiver, so tritt er noch mehr kleine Pots ab als er es für gewöhnlich schon tut.
Beide Varianten führen zu einem weiteren Vorteil, den der Maniac hat:
 
 
 
1.3 Der Maniac hat hohe Implied Odds und bringt Gegner auf Tilt
 
Schlimmer noch als die Calling Station „kurbelt" der Maniac an der Varianz. Preflop kann eine loose Handselektion enorme Ergebnisse erzeugen, wenn der Maniac einen guten Lauf hat. Wenn er stets aggressiv spielt, blufft und den Tisch zwingt, häufiger zu folden als gewohnt, wird er zudem ausbezahlt, wenn er ein Monster floppt. Jedes Mal, wenn ein Spieler eine zweitbeste Hand macht, die relativ zur weiten Range des Maniacs gesehen aber einen hohen Showdown-Wert besitzt (z. B. TPTK), wird er den Maniac mit der besseren Hand ausbezahlen. Die starken Hände des Maniacs haben also extrem hohe Implied Odds.
Viele Spieler reagieren auf einen Maniac, indem sie versuchen, ihn mit looseren Handkategorien herunterzucallen, mit schwächeren Händen zu reraisen oder sogar zu bluffen. Diese Reaktionen sind oft mit Tilt zu erklären, den der Maniac durch seine Spielweise auslösen kann. Emotionale, ungünstige Entscheidungen werden häufiger getroffen, wenn entsprechender Druck vorhanden ist und eine Kette unglücklich verlaufener Pots vorangeht.
 

 
2 Schwächen
 
2.2 Der Maniac begeht zu viele kostspielige Fehler für große Bets
 
Während der Maniac preflop durch seine loose Spielweise oder zu viele Continuation-Bets generell nur wenige oder minimale Fehler machen kann und dadurch viele kleine Pots aufsammelt, werden seine Fehler auf Turn und River durch große Bets extrem kostspielig. Die entstehenden Verluste können oft den konstanten Gewinn von kleinen Pots nicht kompensieren. Da ein typischer Maniac nicht zwischen den Straßen und Betgrößen unterscheidet, sondern lediglich seine eigene Aggressivität wertschätzt, bemerkt er diese Fehler auch nicht als solche. Je aggressiver und je öfter er marginale Hände spielt, desto schwieriger und größer werden die wichtigen Entscheidungen, die er auf Straßen nach dem Flop zu treffen hat. Sich dabei immer für die aggressive Lösung in Form eines Semi-Bluffs, puren Bluffs oder eines falschen Valuebets zu entscheiden, macht den Maniac auf lange Sicht zu einem ebenso großen Verlierer wie die Calling Station. Der letzte Punkt bezieht sich auf den Umstand, dass der Maniac seine Handstärke immer absolut beurteilt und niemals relativ: Top Pair ist für ihn eine starke Hand, ob auf einem 3-Flush-Board oder gegen einen tighten Gegner – diese Hand wird er demnach permanent überspielen und mit ihr viel Geld auf Postflop-Straßen verlieren. Die großen Bets, die auf Turn oder River in einen vergrößerten Pot fließen sind es, die unsere Winrate maßgeblich beeinflussen.
 
2.3 Der Maniac passt sich nicht an gegnerische Spielweisen an
 
Die Calling Station und der Maniac haben noch eine Gemeinsamkeit: Sie passen sich nicht an das Spiel der Gegner an, sondern verfolgen stur eine grundlegende Strategie (bzw. oftmals nicht einmal eine bewusste „Strategie", sondern nur einen Stil geprägt von ihrer Persönlichkeit). So können aufmerksame Gegner die Aggressivität des Maniacs sehr gut ausnutzen, indem sie ihm das Betten und Raisen überlassen. Hier finden sich oft gute Spots, um starke Hände zu slowplayen (entgegen der üblichen 6-max-Strategie, selten bis niemals zu slowplayen): Wenn wieder einmal ein Draw am River geplatzt ist, checkt der starke Spieler mit seiner Made Hand zum Maniac, anstatt zu valuebetten. So verleitet er diesen zu einem typischen Bluff oder setzt im Verhältnis zum Pot einen relativ kleinen Betrag, damit der Maniac dieses Setzverhalten als schwach interpretiert und bluffraist. Kompetente 6-max-Spieler können so zusätzliches Value aus ihren Händen herausholen und auf diese Weise verliert der Maniac in der Regel auch enorm viel Geld. Ebenso verliert ein Maniac Geld an einen Spieler, der aus Prinzip ungern foldet, sobald er in eine Hand involviert ist und getroffen hat. Beispielsweise würde bei einem Spiel Maniac gegen Calling Station sogar häufig die Station gewinnen, da der Maniac viel zu oft in erfolglose Bluffs investiert, während die Calling Station niemals eine bessere Hand foldet.
 
3 Stats-Profil
 
Die statistischen Werte eines Maniacs sind in der Regel allesamt sehr hoch. Hier kann man keine breitgefächerten Tendenzen unterscheiden, da die Grundlagen dieses Spielstils eine klare Preflop-Looseness mit einer starken Pre- und Postflop-Aggression verbinden.
 
VPIP:    > 30

Ein Maniac spielt, wie die Calling Station, im Schnitt zu viele Hände und selektiert diese nicht ausreichend nach Spielbarkeit. Hohe Werte in den 50er-Bereichen sind hier ebenso üblich wie bei einer typischen Station.
 
PFR:    
Dieser Wert kann variieren. Viele Maniacs übernehmen grundsätzlich vor dem Flop bereits die Initiative und eröffnen aus Prinzip loose (hier kann der PFR sogar gegen den VPIP-Wert streben), während andere Maniacs erst postflop eine hyperaggressive Spielweise an den Tag legen. Preflop-Limps und -Calls gegen Raises werden  von einem  Maniac, der erst postflop kopflos und aggressiv agiert, häufiger vorkommen. Daher kann man einen Maniac auch nicht immer an seinem PFR-Wert erkennen oder festmachen.
 
AF:       > 3
 
Hier erkennen wir den wahren Maniac. Zwar können sich die Werte auf einzelnen Straßen unterscheiden, aber der Gesamt-AF ist überdurchschnittlich hoch. Um das Spiel des Maniacs zu kontern, bietet es sich an, darauf zu achten, auf welchen Straßen der Maniac besonders gern aggressiv agiert. Ergeben sich dann Spots auf bestimmten Straßen mit Made Hands, bei denen wir unsere Handstärke einschätzen müssen, können wir uns anhand des AFs eine solche Entscheidung erleichtern – damit ist es einfacher, die typischen Bluffs des Maniacs aufzudecken oder auszulösen. Hierbei hilft aber auch besonders der folgende Wert:
 
Afq:    
 
Auch dieser Wert ist entsprechend hoch, da der Maniac immer, wenn ihm die Gelegenheit
gegeben wird, aggressiv zu agieren, dies entsprechend seines Spielstils auch tut. Hier kann man also noch differenziertere Entscheidungen bezüglich der eigenen Made Hands treffen.
 
WTSD:
 
Ein aggressiver Spieler wird viel öfter Pots ohne Showdown gewinnen. Durch konstante Aggression, Bets und Raises werden selten Hände zum Showdown geführt. Zumeist wird der Spieler mit der etwas schwächeren Hand folden oder mit der besseren reraisen, sodass der Maniac zum Folden gezwungen wird. Sicherlich gibt es Maniacs, die showdownfreudig sind, aber in der Regel wird der Kontrahent aus dem Pot gedrückt oder der Maniac gibt bei Gegenaggression selbst auf.
 
 
W$WSF: > 40
 
Dieser Wert, der angibt, wie häufig ein Spieler den Pot gewinnt, wenn er den dazugehörigen Flop sieht, ist bei einem Maniac typischerweise sehr hoch. Ein Maniac gewinnt, sofern er nicht im Schnelldurchlauf seine gesamten Chips verbläst, extrem viele kleine Pots. Dadurch steigt sein W$WSF enorm an. Von einem Spieler mit einem so hohen W$WSF kann man in der Regel erwarten, dass er oft und gern (semi-)blufft. Dies kann beispielsweise der Entscheidungsfindung dienlich sein, wenn wir uns in einem typischen Spot mit einer mittelstarken Made Hand wie Top Pair/Top Kicker befinden, in dem wir uns normalerweise einem tighten Gegner mit einer potentiell besseren Hand gegenüber sehen.
 
Auf dieser Charakterskizze aufbauend werden wir in strenger Anlehnung an die genannten Schwächen und das erstellte Profil des Maniacs in Teil 2 Preflop-Strategien entwickeln, die uns helfen, gegen das aggressive Preflop-Game des Maniacs sinnvoll vorzugehen.


4 Strategien, preflop
 
4.1 Platzauswahl
 
Genau wie bei der Calling Station wollen wir direkt links vom Maniac sitzen. Wir können ihn zwar nicht so häufig isolieren, da er selbst zu häufig Pots eröffnet, aber mit den im Folgenden erklärten Preflop-Strategien können wir direkt zu seiner Linken die Spielweise des Maniacs optimal bekämpfen. Weiterhin wichtig ist, dass die starken und aggressiven Regulars des Limits ebenfalls zu unserer Linken sitzen. So stellen wir sicher, dass niemand anderes vor uns den Maniac isolieren kann. Eine Position zur Rechten des Maniacs ist extrem ungünstig und spielt ihm in die Hände, da er uns in Position öfter in schwere Spots manövrieren kann. In diesem Fall sollten wir uns einen anderen Tisch und damit auch andere Gegner suchen, auf die wir günstigere Positionen bekommen können.
 
4.2 Anpassung von Preflop-Handranges und Beachtung der Position
 
Man sollte meinen, dass man einen eröffnenden oder limpenden Spieler umso looser isolieren kann, je looser der betreffende Spieler ist. Dies trifft, besonders bei passiven Spielern wie der Calling Station, auch zu, nicht aber beim Maniac. Die Waffe des Maniacs, seine Aggression, macht uns diesen strategischen Ansatz nämlich zunichte. Die Spielweise des Maniacs greift am stärksten, wenn ein Gegner verwundbar und schwach ist. Das ist üblicherweise der Fall, wenn er – wie so oft im 6-max – eine marginale Hand hält oder keine Position hat. Dies sollten wir gegen den Maniac absolut vermeiden, um unsere Postflop-Entscheidungen so einfach wie möglich zu halten.
 
4.2.1 Eröffnungsranges
 
Verwundbar sind wir besonders, wenn wir keine Position auf den Maniac haben. sieht, auch aus UTG im 6-max, immer verführerisch spielbar aus, aber da der Maniac am Button in fast jede Hand einsteigen möchte, ist ein Fold stark anzuraten. Beispielsweise können wir ohne jegliche Fold Equity schwerlich schwache oder mittelstarke Draws ohne Position gegen einen so aggressiven Gegner ausspielen, ohne auf kurz oder lang einen Fehler zu begehen (also selbst zu folden oder Calls mit einem negativen Erwartungswert [EV] zu machen). So sollten wir unsere Eröffnungsrange aus Early Position nach oben hin schmälern, wenn der Maniac Position auf uns hat. Es lohnt sich dann in der Regel nur, starke Heads-up-Hände gegen den Maniac zu spielen, die gegen seine breite Handrange gute Made Hands wie Top Pair/Top Kicker oder Top-Pair-Good-Kicker-Type-Hände machen können (  oder besser, bis , Broadway-Combos wie , usw.) und die wir bequem zu spielen wissen, wenn der Gegner aggressiv und seine Range weit ist. Diese Hände haben den Vorteil, dass sie viele Hände des Maniacs dominieren, mit denen er eröffnet (schwache Suited und Offsuited Aces, Kings, Queens usw.) und die wir potentiell stacken können. In Late Position können wir unsere gewohnte Opening-Range weiterhin nutzen, auch wenn der Maniac in den Blinds sitzt. In diesem Zusammenhang sei auf den nächsten Punkt verwiesen.
 
4.2.2 Calling-Ranges
 
Wir können, sofern wir Position auf den Maniac haben und die effektive Stacksize gut ist (Minimum: 100 BB, besser mehr), neben unseren Pairs auch mit der in 4.1.1 genannten Range plus spekulativen Händen wie Suited Connectors oder Suited Aces callen. Diese Hände spielen sich allesamt mit Position gegen einen aggressiven Gegner sehr gut, da wir trotz mangelnder Initiative den Pot kontrollieren (in Form von Check-behinds) und die Entscheidungen des Maniacs abwarten können. Hier greift das im Artikel über die Calling Station erwähnte Prinzip des „call to hit", dazu aber in den Postflop-Strategien mehr.
Suited Connectors und Suited Aces eignen sich zudem, da in einen vom Maniac eröffneten Pot für gewöhnlich auch andere Spieler einsteigen möchten, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen – somit sind oft sogar Pot- und Implied Odds dieser Hände für einen Multiway-Pot gesichert. In höheren Limits sollte man die Frequenz von Preflop-Calls gegen die Eröffnung des Maniacs etwas herunterschrauben (NL 100, NL 200 und höher), da hier die kompetenten Spieler aus den Blinds oder aus Late Position häufig „squeezen", um den Maniac zu isolieren.
Ohne Position auf den Maniac sollten wir weiterhin nur die einfachste Kategorie Paare gegen einen Raise des Maniacs callen, da wir hier nur bezahlen müssen, um zu treffen. Genau wie unsere Opening-Ranges schmälern wir auch unsere Calling-Ranges gegen einen einzelnen Reraise des Maniacs. Ein Reraise von einem Maniac ist zwar geringer zu gewichten als der eines tighten Spielers, aber seine durchgehend zu erwartende Postflop-Aggression wird es uns extrem erschweren, eine marginale Hand in einem bereits preflop aufgeblähten Pot profitabel zu spielen. Empfohlen sei hier eine ähnliche Range wie in 4.1.1, da diese Hände sich wiederum gegen eine breite Range gut und vor allem einfach spielen. Out-of-position muss diese Range aus o. g. Gründen um einiges tighter ausfallen als in Position. Kein Grund für ein schlechtes Gewissen oder gar für Tilt, wenn wir also z. B. ohne Position gegen einen Reraise des Maniacs, der in Position ist, folden und er uns zeigt, denn sein Positionsvorteil macht es unwesentlich für uns, welche Hand er tatsächlich hält. Wichtig zu beachten ist, dass Pocketpairs nicht zwangsläufig im Wert steigen – der Maniac mag zwar aggressiv sein und wir können so den ein oder anderen Bluffbet postflop abstauben, aber generell steigen unsere Implied Odds mit Pairs in Reraised-Pots nicht unbedingt!
Auch gegen den Maniac sollten wir die 15er-Regel anwenden – die effektive Stacksize muss uns demnach erlauben, mindestens das 15-fache unserer Preflop-Investition zurückgewinnen zu können. Zudem sei noch einmal ausdrücklich darauf verwiesen, dass ein Call auf Setvalue gerade gegen einen Maniac verpflichtet zu folden, wenn wir nicht treffen.
Hierzu ein kurzes Beispiel:
 
Beispiel zu 4.2.2:
 
Hier callen wir auf Setvalue bei Potodds von 1:3 und Implied Odds gegen den Maniac von über 1:20, verfehlen den Flop und halten dennoch eine Hand mit Showdown-Value. Unsere Optionen sind aber beschränkt, da, selbst wenn der Maniac hier blufft und kein Overpair, keine Zehn und keine Neun oder kein Set hält, die Situation für uns extrem marginal ist. Wir folden brav und suchen uns einen günstigeren Spot, um den Gegner bluffen zu lassen.
 

Ein kurzes Wort noch zu Slowplay: Gegen viele postflop überaus aggressive Maniacs kann sich ein Slowplay mit bis sehr gut eignen, da es Typen von Maniacs gibt, die preflop, sofern der Stack in die Mitte gehen soll, nach einem 3-Bet häufiger aufgeben (siehe auch 4.1.4). Kann man solche Tendenzen bei beobachteten oder selbst gespielten Händen bestätigen, so können wir unsere Aces gegen einen 3-Bet des Maniacs nur callen, um uns seine weitere Postflop-Aggression zunutze zu machen.
 
4.2.3 3 Betting-Ranges
 
Auch wenn der Maniac extrem loose eröffnet, heißt das nicht, dass er auch häufig gegen einen 3-Bet foldet. Daher eignen sich loose 3-Bets preflop (beispielsweise mit ), sofern sie nicht für Value gemacht werden, nicht, um die Strategie des Maniacs zu bekämpfen. In einem aufgeblähten Pot wird der Maniac, gerade wenn er Position hat, besser spielen können als wir, wenn wir keine Made Hand halten, die sich straightforward spielen lässt (TP/Good Kicker oder besser – daher kann uns in einem 3-Bet-Pot mit ein Top Pair oder bei Gegenwehr nicht wirklich gefallen). Unsere Value-3-Betting-Range können wir aus diesem Grund aber auflockern, da sich gegen einen Maniac, der häufig mit eröffnet und auch einen Reraise callt, auch Hände wie oder wieder gut spielen lassen, auch für Stacks bei einem Treffer. Diese „aufgelockerte" Range sollte etwas tighter gewählt sein, wenn wir out-of-position 3-betten und der Maniac Position hat. Merklich looser können wir hier erst werden, wenn wir tatsächlich Position und damit auch postflop Entscheidungsfreiraum haben. Mit starken Heads-up-Händen können wir, wie auch im folgenden Beispiel unter 4.2.4 gezeigt, in einem Pot profitabel vor dem Flop reraisen, um den Maniac zu isolieren.
 
4.2.4 4 Betting-/Shoving-Ranges
 
Viele Maniacs raisen und 3-betten wie wild. Es ist aber ein Trugschluss zu glauben, man könne daher preflop mit mittelstarken Händen wie stets für Value 4-betten oder sogar pushen. Manche Maniacs begehen natürlich grobe Fehler und spielen preflop mit oder für ihren gesamten Stack, aber in der Regel werden auch die Ranges des Maniacs tighter, wenn es bereits preflop um den gesamten Stack geht. Und selbst mit haben wir gegen sein keinen merklichen Equity-Vorteil. Nein, tatsächlich laufen wir viel häufiger in oder besser und ärgern uns, dass wir uns von der Spielweise des Maniacs zu einer solchen marginalen Preflop-Entscheidung haben hinreißen lassen – denn das ist es, wozu uns die Spielweise des Maniacs letztlich treiben kann, und genau dann krönen wir diese mit Erfolg. Eine Range von Händen zu erstellen, die man gegen die 3-Bet-Range eines Maniacs profitabel für Stacks spielen kann, ist und bleibt individuell und kann nicht generell festgelegt werden. Da sich und sowie und postflop besonders schwer spielen lassen (erstere aufgrund von möglichen Overcards und letztere bei keinem Treffer), sind dies Handkategorien, die wir neben bis sicherlich auch gegen einen extrem loosen Maniac um unseren gesamten Stack spielen können. Wie weit wir diese Range ausdehnen oder einschränken, hängt dann individuell von den Tendenzen des Maniacs ab.
 
Beispiel zu 4.2.4:
 
Wir isolieren den Maniac durch einen Reraise mit Pockettens für Value, da wir uns für seine relativ kleine Stackgröße auch für ein Preflop-All-in profitabel committen können. So nutzen wir unsere Heads-up-Equity maximal und rufen eine bereits erwartete, aggressive Reaktion hervor.
 
Weiter geht es in Teil 3 mit den möglichen Postflop-Strategien, die wir im Spiel gegen den Maniac nach den Anpassungen, die wir an unserem Preflop-Game vorgenommen haben, einsetzen können und sollten.

Preflop- und Postflop-Strategien sollten in der Regel immer miteinander einhergehen, sodass wir einen Plan für eine Hand, in die wir entsprechend unserer Preflop-Strategie einsteigen, auch postflop zielgerichtet verfolgen. Gerade im Spiel gegen einen so aggressiven Gegner wie den Maniac, der uns ständig vor schwere Entscheidungen stellen kann, sind derartige Postflop-Konzepte besonders wichtig. Wir erklären diese nun detailliert mit Rücksicht auf unser entsprechendes Preflop-Play.
 

5 Strategien, postflop
 
5.1 Handplanung Call to hit, schwere Entscheidungen vermeiden
 
Gegen den Maniac eignet sich ein grundlegendes Konzept ganz besonders: Einen Plan fassen und davon nicht abweichen. Aus diesem Grund ist die in 4.2 erklärte Heads-up-Handrange auch besonders vorteilhaft für das Spielen gegen den Maniac. Wir spielen nach dem „Call to hit"-Prinzip und sollten nicht etwa versuchen, dem Maniac mit Gegenaggression zu begegnen, um ihn zur Aufgabe des Pots zu zwingen, während wir selbst nicht getroffen haben. Im Gegenteil: Wir treffen unsere Hand und versuchen, auf optimal an die Spielweisen des Maniacs angepasstem Weg unseren Stack in die Mitte zu bringen.
 
Am besten vermeidet man natürlich von vornherein, dass man vom Maniac vor schwere Entscheidungen gestellt wird. Dazu gehört, bereits vor einer potentiellen Entscheidung darüber nachzudenken, wie man reagieren wird, wenn die nächste Straße das Board verändern wird oder wenn der Maniac erneut setzt/raist. Wenn wir mit unserem Top Pair/Top Kicker am River einfach noch einmal dünn für Value betten, weil der Maniac zu uns checkt, wir aber nicht wissen, ob wir einen Check/Raise des Maniacs profitabel callen können, müssen wir uns schon vor dem River überlegen, ob und auf welche River-Karten wir überhaupt für Value betten sollten. Hier können einzelne Trackerstatistiken helfen, wenn wir bereits eine große Samplesize gesammelt haben: Wie oft checkt/raist der Maniac den Flop/Turn/River, wie oft feuert er drei Barrels (Flop-Continuation-Bet-, Turn-Continuation-Bet-, River-Continuation-Bet-Werte aus einer Tracking Softwar) usw. Ein einfaches Handbeispiel zu dieser Thematik:
 
Beispiel zu 5.1:
 
Ein Preflop-3-Bet gegen den eröffnenden Maniac käme hier nur in Frage, wenn wir sicher sein könnten, dass dieser nicht unbedingt oft 4-betten und uns damit zur Aufgabe der Hand zwingen wird – und/oder wenn die Gegner aus den Blinds oft reraisen könnten. Der Flop gibt uns einen Open-ended Straightdraw mit zwei Overcards als nur bedingte Outs, aber die direkten Potodds von 1:2 und guten Implied Odds – in Position, auf die Nuts drawend, gegen einen aggressiven Gegner – rechtfertigen einen Call. Ein Raise wäre gegen einen tighten Spieler denkbar, nicht aber gegen den Maniac, der hier mit einem Reraise antworten und uns erneut zur Aufgabe der Hand zwingen könnte. Der Turn bringt unsere Overcard und wir callen den zweiten Barrel des Maniacs, immer noch mit dem Nutdraw, einer hohen Wahrscheinlichkeit, mit unserem Top Pair gut zu sein und mit der Intention, auch einen Riverbet zu callen. Der River pairt den Jack und jetzt kann es unter Umständen knifflig werden, wenn wir uns für einen Valuebet entscheiden. Da wir bereits zwei Straßen gecallt haben, weiß auch der Maniac womöglich nun, dass wir zum Showdown gelangen möchten. Valuebetten können wir nur noch gegen wenige schlechtere oder eine einfache , aber selbst mit diesen Händen ist man wohl aufgrund der Action und Boardtextur geneigt, Check/Fold zu spielen.
Viel wichtiger aber ist in dieser Situation: Können wir einen Check/Raise des Maniacs am River guten Gewissens callen? Die Antwort lautet nein, und daher checken wir am River hinterher.
 
5.2 Den Maniac zum Bluffen veranlassen
 
Der Maniac liefert uns durch seine ständige Postflop-Aggression eine weitere Einnahmequelle, die wir durch Spieler wie die Calling Station so gut wie niemals und gegen tight-aggressive Spieler eher selten haben: Bluffs. Wenn wir beobachten, dass der Maniac immer dann bettet, wenn ein Spieler zu ihm checkt, können wir uns diese Angewohnheit zunutze machen, indem wir öfter am Turn oder sogar River checken/raisen. Geeignet sind für solche Spots insbesondere Hände, die sich schwer am River spielen lassen, wenn unschöne River-Karten auftauchen (z. B. ankommende Flushes, Straights, pairendes Board). Ein anderer typischer Spot findet sich, wenn wir out-of-position gegen den Maniac mit einer Made Hand bis zum River durchgebettet haben und alle potentiellen Draws geplatzt sind. Hier sollten wir so gut wie immer checken, sofern unser Gegner nicht am River besonders passiv agiert (d. h. die Aggression-Frequency bzw. der Aggressionsfaktor am River nicht sehr gering sind), um einen Bluffbet zu provozieren und aufzusammeln.
 
Beispiel zu 5.2:
 
Flop- und Turnbets sind absolute Pflicht auf diesem drawlastigen Board. Der River lässt nun sowohl Openender mit oder sowie den Flushdraw platzen. Nun können wir aufgrund der aggressiven Natur des Gegners am River betten oder checken. In diesem Spot ist typischerweise EV(Check) > EV(Bet), sofern der Bet sich an der Potgröße orientiert. Dieser Bet wird häufig nur von Spielern mit Händen wie Medium-Pocketpairs wie oder sogar einer slowgeplayten bezahlt, während alle Spieler mit geplatzten Draws folden. Umgekehrt könnte ein Villain mit auf die Idee kommen, in Anbetracht der geplatzten Draws seine Made Hand zu valuebetten. Mit einem Check würden wir somit einen durchschnittlich hohen EV haben. Generell ist die Handrange des Maniacs aber viel weiter als nur Pairs – viel eher hat dieser hier eine ganze Menge der soeben erwähnten geplatzten Draws – und wir lassen ihn nun das tun, was er am liebsten tut: bluffen. Wir setzen also einen kleinen Fake-Blockbet, der der Turnbet-Größe entspricht und der extrem schwach aussieht. Dieser wird nun von genau einer der Handkategorien geraist, die wir dem Gegner zu größerer Wahrscheinlichkeit gegeben haben als ein Pair (die Zahl der möglichen Diamond-Combos sowie 16 Openender-Combos / machen einen großen Teil seiner möglichen Range aus). Sollte er hier eine halten, so zahlen wir ihn natürlich aus. Aufgrund seines Images als Maniac und seiner aggressiven Spielweise hat er einerseits alle Implied Odds der Welt, um von einem Overpair in diesem Spot ausbezahlt zu werden, andererseits hat er zu selten eine so starke Hand gefloppt und spielt jede der anderen möglichen Hände als Bluff exakt wie seine starken Hände.
 
 
 
5.4 Nicht tilten!
 
Dieser Punkt wurde bisher zwar schon oft angesprochen, wird aber dennoch immer wieder enorm unterschätzt. Auf Tilt laufen wir Gefahr, genau in den marginalen Situationen, in denen wir uns gegen den Maniac wiederfinden, die falschen Entscheidungen zu treffen. Sobald man bemerkt, dass die eigene Entscheidungsfällung durch Emotionen beeinträchtigt wird, die das Spiel des Maniacs hervorbringt, sollte man entweder die Session beenden oder aber den Tisch mit diesem sonst für uns profitablen Gegner verlassen. Auch oder gerade ein Maniac kann über eine längere Handspanne einen sehr guten Lauf haben und auch diesen Umstand müssen wir beim Spiel gegen ihn einkalkulieren.
 

6 Zusammenfassung
 
Fassen wir wie gewohnt abschließend noch einmal die wichtigsten Aspekte im Spiel gegen den Maniac zusammen:
 
Profil des Maniacs
 
Stärken
 
Der Maniac ...
 
  • ... gewinnt den Kampf um die meisten kleinen Pots durch pure Aggression.
  • ... zwingt Spieler, ihr Spiel umzugestalten (d.h. tighter zu werden) und kann unvorsichtige Gegner von ihrer gewohnten Spielweise abbringen (tight → loose, loose → tight).
  • ... hat, wenn er trifft, stets hohe Implied Odds für seine marginalen Hände und kann Gegner durch Suck-outs und seine permanente Aggression auf Tilt bringen.
 
Schwächen
 
Der Maniac …
 
  • ... begeht durch unkontrollierte Aggression zu große Fehler für große Bets oder Raises auf Turn und River.
 
  • ... passt sich und sein Spiel nicht an seine Gegner an. Er ist mit seinem aggressiven Spielstil durch Slowplays und gegen showdownfreudige bzw. passive Gegner verwundbar.
 
 
Strategien gegen den Maniac
 
Preflop
 
  • Wir suchen uns möglichst den Platz zur direkten Linken des Maniacs und vermeiden andere Positionen an Tischen, an denen wir einen Maniac wahrnehmen.
  • Wir passen unsere Opening-, Calling- und Reraising-/Shoving-Ranges in Position und out-of-position nach oben bzw. nach unten hin an und nutzen eine Handrange, die sich gegen Aggression am leichtesten spielen lässt.
 
Postflop
 
  • Wir planen unsere Hand im Vorfeld und zielen zunächst darauf ab, die geplante Hand auch zu machen („call to hit"). Wir spielen nicht mit Gegenaggression zurück, wenn wir nicht treffen, und meiden Spots, in denen wir vom Maniac vor eine unangenehme Entscheidung gestellt werden könnten.
  • In günstigen Spots (geplatzte Draws) induzieren wir Bluffs durch einen Check oder besonders kleine Fake-Blockbets, sofern der Maniac häufig bettet bzw. raist, wenn man zu ihm checkt.
  • Nicht tilten. Wir sollten stets überprüfen, ob Emotionen unsere bisherigen Entscheidungen gegen den Maniac beeinflusst haben. Wenn wir das bejahen können, sollten wir den Tisch verlassen oder die Session beenden.

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