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FLP - Strategien: Freecard-Raise

Raising-for-Freecards ist eine Strategie, die von Spielern in Late Position verwendet wird, um auf dem Flop Stärke zu demonstrieren, wenn er auf einem Draw sitzt. (Dieser Kurs geht davon aus, dass sich der Einsatz auf dem Turn verdoppelt. Für Spiele, in denen sich der Einsatz auf dem Turn nicht verdoppelt, ist die Strategie des Raise-for-Freecards nicht geeignet.) Wenn die Strategie funktioniert, checken die Spieler in Early Position auf dem Turn zu dem Spieler in Late Position. Dann können Sie als Late-Position-Spieler entscheiden, ob Sie auf dem Turn betten wollen, wenn Sie Ihren Draw vervollständigt haben, oder checken, wenn Sie ihn nicht gemacht haben, und so eine Freecard erhalten. (Sie könnten sich auch dazu entschließen, noch einmal zu setzen, aber dieser Bet auf dem Turn würde als Semi-Bluff betrachtet werden.) Ein weiterer Mehrwert liegt darin, dass die Möglichkeit besteht, dass die Spieler in Early Position Ihre Hand gegen einen Raise auf dem Flop folden.

  • Beispiel für ein Raising-for-a-Freecard auf dem Flop mit einem Flushdraw

Ihre Hand:

Hand Ihres Gegners:

Flop:

Auf dem Flop sind noch zwei Spieler im Spiel. Ihr Gegner handelt zuerst und setzt mit Middle Pair Neunen. Sie raisen mit einem Karo-Flushdraw und Ihr Gegner callt. Sie haben neun Outs, um Ihren Flush zu machen.

Turn:

Ihr Gegner checkt, da er nicht mehr glaubt, dass sein Middle Pair nach Ihrem Raise auf dem Flop noch die beste Hand ist. Sie haben bislang noch keine fertige Hand und hoffen, Ihren Flush noch zu treffen, also checken Sie. (Wenn Ihr Gegner schwach ist und Sie glauben, er könnte sein Middle Pair folden, sollten Sie mittels eines Bets einen Semi-Bluff ansetzen.) Der Turn ist eine „Freecard", da Sie keinen Bet bezahlen müssen, obwohl Sie zurückliegen. Indem Sie auf dem Flop geraist haben, haben Sie Ihren Gegner mittels eines kleinen Bets davon überzeugt, auf dem Turn zu checken. Wenn Ihr Gegner auf dem Turn gesetzt hätte, wären Sie dazu gezwungen gewesen, einen Big Bet zu investieren, um zu sehen, ob Sie Ihren Flush auf dem River treffen. Es ist sehr hilfreich, keinen Bet auf dem Turn bezahlen zu müssen, wenn Ihr Flush nicht kommt. Wenn Ihr Flush auf dem Turn kommt, können Sie setzen, nachdem Ihr Gegner gecheckt hat. 

Wenn die Chance besteht, dass Ihr Gegner bei einem Raise auf dem Flop seine Karten wegschmeißt, hat der Raise-for-a-Freecard einen Mehrwert. Foldet Ihr Gegner jedoch nie nach einem Raise auf dem Flop, dann verändert der Raise-for-a-Freecard nicht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die Hand gewinnen, sondern nur den Betrag, den Sie gewinnen oder verlieren. Angenommen, Ihre Freecard-Raise-Strategie verläuft wie geplant und Ihr Gegner foldet nicht, dann gewinnen Sie einen Small Bet mehr, wenn die Flush-Karte auf dem Turn kommt. Wenn die Flush-Karte stattdessen auf dem River kommt, gewinnen Sie einen Small Bet weniger. Wenn Ihr Flush überhaupt nicht kommt, verlieren Sie einen Small Bet weniger. Wenn Ihr Gegner kooperiert, indem er auf dem Turn checkt, nachdem Sie auf dem Flop geraist haben, ist der Erwartungswert (EW) eines Raises größer als der EW eines Calls, wenn Sie einen Flushdraw haben.

Es folgt eine Tabelle, die die Ergebnisse eines Raises, beziehungsweise eines Calls in Abhängigkeit davon darstellt, wann der Flush kommt. Der Betrag, der gewonnen wird, wird in Big Bets vom Flop bis zum River gezählt. Dabei werden folgende Annahmen getroffen:

  • Sie spielen gegen einen Gegner.
  • Wenn Sie raisen, callt Ihr Gegner Ihren Raise und checkt auf dem Turn.
  • Wenn Sie callen, setzt Ihr Gegner weiter, bis eine dritte Flush-Karte kommt und checkt dann, mit der Intention zu callen, wenn Sie setzen.

 

Der Flush kommt auf

Wahrscheinlichkeit

Erwartete W/L bei Raise auf dem Flop

Erwartete W/L bei Call auf dem Flop

Turn

19,15 %

+3 (a)

+2,5 (d)

River

15,82 %

+2 (b)

+2,5 (d)

Nie

65,03 %

-1 (c)

-1,5 (e)

EW

 

+0,24 Big Bets (f)

-0,10 Big Bets (g)

              • (a): 2 Small Bets auf dem Flop, 1 Big Bet auf dem Turn, 1 Big Bet auf dem River - insgesamt 3 Big Bets
              • (b): 2 Small Bets auf dem Flop, 0 Big Bets auf dem Turn, 1 Big Bet auf dem River - insgesamt 2 Big Bets
              • (c): 2 Small Bets auf dem Flop, 0 Big Bets auf dem Turn, 0 Big Bets auf dem River - insgesamt 2 Big Bets
              • (d): 1 Small Bet auf dem Flop, 1 Big Bet auf dem Turn, 1 Big Bet auf dem River - insgesamt 2,5 Big Bets
              • (e): 1 Small Bet auf dem Flop, 1 Big Bet auf dem Turn, 0 Big Bets auf dem River - insgesamt 1,5 Big Bets
              • (f): EW eines Raises = (19,15 % x 3 + 15,82 % x 2 + 65,03 % x -1) = 0,24
              • (g): EW eines Raises = (19,15 % x 2,5 + 15,82 % x 2,5 + 65,03 % x -1,5) = 0,10

Gegen einen Gegner, der Ihnen in die Hand spielt, liegt der EW eines Raises auf dem Flop bei +0,24 Big Bets ($9,60 in einem $20/$40-Spiel). Der EW eines Calls beträgt -0,10 Big Bets (-$4,00 in einem $20/$40-Spiel), ein Unterschied von 0,34 Big Bets. Der negative EW eines Calls besagt jedoch nicht alles. In dieser Tabelle wird nur berücksichtigt, welcher Betrag auf dem Flop und danach gewonnen oder verloren wird. Wenn die vorhergehenden Bets mit einbezogen werden würden, hätte ein Raise, genau wie ein Call, einen positiven EW. Wenn die Potgröße nach dem Bet Ihres Gegners auf dem Flop fünf Big Bets betrüge, läge der EW-Unterschied nach wie vor bei +0,34 Big Bets (+1,99 für einen Raise im Vergleich zu +1,65 für einen Call). Da man den EW eines Raises mit dem EW eines Calls vergleicht, spielt die Potgröße vor den Bets auf dem Flop keine Rolle. Wenn der Gegner unabhängig von der Potgröße immer gleich spielt, liegt der EW eines Raises mit einem Flushdraw exakt +0,34 Big Bets höher als der EW eines Calls. Wenn die Potgröße 100 Big Bets betragen würde, läge der EW-Unterschied nach wie vor bei +0,34 Big Bets (+35,21 und +34,87). Die Potgröße ist somit nicht der Schlüsselfaktor in dieser Strategie. Der Schlüsselfaktor liegt darin, wie Ihr Gegner spielt.

Ein passiver Gegner checkt auf dem Turn und gibt Ihnen eine Freecard. Ein aggressiverer Gegner reraist Sie womöglich auf dem Flop oder setzt auf dem Turn an, was den Wert des Raise-for-a-Freecard erheblich verändern kann. Diese Gegenstrategien zum Freecard-Raise werden im nächsten Artikel besprochen.

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