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FLP: Spezielle HIPO-Situationen

Mythos: Drawe niemals auf eine Inside Straight

Die Binsenweisheit „Drawe niemals auf eine Inside Straight" ist mitunter nicht immer weise. Es folgt ein Beispiel, in dem das Drawen auf eine Inside-Straight korrekt ist.

  • Beispiel

Sie sind im Big Blind und haben . Der Pot wird in früher Position geraist und viele andere Spieler cold-callen den Raise. Als Sie an der Reihe sind, callen Sie den Raise ebenfalls. Insgesamt sehen sich sieben Spieler für je zwei Small Bets den Flop an.

Ihre Hand:
Flop:

Sie checken. Der Preflop-Raiser setzt. Drei Spieler callen. Sie callen ebenso. Fünf Spieler sehen den Turn mit insgesamt 9,5 Big Bets im Pot.

Turn:

Sie sind sich sicher, dass irgendjemand ein oder ein höheres Paar als Jacks hat, sodass Sie sich sicher sind, dass die einzige Karte, mit der Sie gewinnen können, eine für die Nutstraight ist. Da kein Flush möglich ist, brauchen Sie sich nicht darum zu sorgen, Ihre Straight zu treffen und dennoch zu verlieren. Sie haben vier Outs. Jede gibt Ihnen die Nut-Hand. Sie checken und der Preflop-Raiser setzt. Alle übrigen Spieler folden. Im Pot befinden sich 10,5 Big Bets. Wenn Sie Ihre Straight treffen, gewinnen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einen weiteren Bet. Sie schätzen die EPG somit auf 11,5 Big Bets. Vier Karten machen Sie zum Sieger und bei den übrigen 42 Karten mucken Sie auf dem River.

HIPO-Methode

Rechnung

Ergebnis

Gute Zahl

4 x 11,5

46

Schlechte Zahl

46 4

42


Die HIPO-Methode zeigt, dass die gute Zahl größer ist als die schlechte Zahl, sodass sich ein Call lohnt. Der allgemeine Ratschlag, niemals auf eine Inside Straight zu drawen, wäre in diesem Fall ein schlechter Ratschlag gewesen. 

Wenn es einen Raise gab und mehr als ein Bet zu callen ist

Anstelle eines Bets müssen manchmal zwei Bets auf dem Turn gecallt werden. Dies geschieht dann, wenn es von einem Spieler einen Bet gab und ein anderer geraist hat. Die Zahl der Bets könnte sich auch erhöhen, wenn andere Spieler nach Ihrem Call raisen. Diese Diskussion dreht sich um Situationen, in denen Sie wissen, dass zwei Bets zu callen sind.

Die Annahme der HIPO-Methode besteht darin, dass Sie einen Bet zu callen haben. Wenn es zwei Bets sind, müssen Sie eine Anpassung vornehmen, indem Sie die schlechte Zahl anpassen. Nur dann, wenn die gute Zahl mehr als doppelt so groß ist wie die schlechte Zahl, sind die Potodds hoch genug, um einen Call zu rechtfertigen. Wenn Sie drei Bets callen müssen, um in der Hand zu bleiben, multiplizieren Sie die schlechte Zahl mit drei und vergleichen sie wiederum mit der guten Zahl. Wenn es einen Bet und einen Raise gab, ist es mitunter klug, die Zahl Ihrer Outs anzupassen, da zwei Spieler zu erkennen geben, dass sie eine starke Hand haben.

  • Beispiel

Sie sitzen auf dem Button-Platz mit . Am Turn liegen drei Pik-Karten auf dem Board, sodass Sie mit Ihrem den Nut-Flushdraw halten.

Ihre Hand:
Flop:
Turn:

Dem Setzverhalten preflop und auf dem Flop zufolge sind Sie überzeugt davon, dass Sie ein Pik treffen müssen, um zu gewinnen. Es sind noch zwei weitere Spieler in der Hand. Nach dem Setzverhalten sind Sie sicher, dass einer von Ihnen bereits einen fertigen Flush hält, während der andere Spieler ein Set hält. Der Spieler mit dem Set ist zuerst an der Reihe und setzt. Der Spieler, den Sie in Verdacht haben, einen fertigen Flush zu halten, raist. Nehmen Sie an, es seien aufgrund des heftigen Setzverhaltens preflop und auf dem Flop 14 Big Bets im Pot. Sie gehen davon aus, dass der erste Setzer den Raise callen wird. Des Weiteren nehmen Sie an, dass Sie nur einen zusätzlichen Big Bet auf dem River gewinnen, wenn Sie Ihren Flush treffen, da für die anderen Spieler offensichtlich sein wird, dass Sie das halten. Mit diesen Informationen berechnen Sie die EPG auf 16 Big Bets, wenn Sie gewinnen. Für gewöhnlich würden Sie von neun Outs ausgehen, da noch neun Flush-Karten übrig wären. Sie vermuten jedoch, dass der Raiser auf dem Turn bereits zwei Pik für einen Flush hält, womit Sie Ihnen noch sieben Pik, also sieben Outs verbleiben. Sie sind sich ebenfalls sicher, dass der erste Raiser ein Set hält, sodass die kein Out für Sie darstellt, da es ihm ein Full House geben würde. Dadurch reduzieren sich Ihre Outs auf sechs. Üblicherweise gibt es auf dem Turn 46 unbekannte Karten, doch angesichts Ihrer Fähigkeit, die Hände der anderen zwei Spieler genau festlegen zu können, liegt die Zahl der unbekannten Karten bei 42. Sie verfügen nun über alle Informationen, um HIPO anwenden zu können.

HIPO-Methode

Rechnung

Ergebnis

Gute Zahl

16 x 6

96

Schlechte Zahl

Non-Outs x Bets = 36 x 2

72


Die gute Zahl ist größer als die schlechte Zahl. Es lohnt sich, zu callen und darauf zu hoffen, dass ein Pik auf dem River kommt, das kein Paar auf das Board bringt.

Andere Spieler beim Zählen des Pots beobachten

Verwenden Sie die HIPO-Methode selbst dann, wenn Sie nicht in einer Hand sind. Sie können die Aktionen der anderen Spieler beobachten und feststellen, ob diese ein gutes Verständnis von Potodds haben.

  • Beispiel

Ein passiver Spieler limpt in Middle Position. Der Small Blind füllt auf. Der Big Blind checkt. Drei Spieler schauen sich den Flop für jeweils einen Bet an, sodass insgesamt 1,5 Big Bets im Pot liegen.

Flop:

Alle checken.

Turn:

Beide Blinds checken und der passive Spieler setzt. Der Small Blind foldet und der Big Blind callt.

River:

Der Big Blind setzt und der passive Spieler callt. Der Big Blind dreht für eine Straight um. Auf dem Turn hatte er einen Open-Ended-Straightdraw. Er musste seine Straight treffen, um zu gewinnen, da der passive Spieler ohne Paar nicht gesetzt hätte. Der Big Blind hätte für den River acht Outs und 38 Non-Outs rechnen sollen. Vor dem Turn waren 1,5 Big Bets im Pot und der Bet des passiven Spielers hat daraus 2,5 Big Bets gemacht. Der Big Blind  hätte die EPG, in der Erwartung, der passive Spieler würde noch einen Bet auf dem River callen, auf 3,5 schätzen sollen.

HIPO-Methode

Rechnung

Ergebnis

Gute Zahl

8 x 3,5

28

Schlechte Zahl

46 8

42


Der Call des Big Blinds auf dem Turn hatte eine negative Erwartung. Dieses Wissen erlaubt Ihnen, Ihre Meinung über diese Person als Pokerspieler zu revidieren.

"'Lies es von meinen Lippen ab': Dieser Spieler hat sich verraten

Ich spielte gerade in San Francisco eine freundschaftliche Runde $20/$40, als es zu folgender Situation kam. Ich war mit einem Spieler in einen Pot involviert, von dem ich annahm, dass er vernünftig und relativ tight spiele. Auf dem Turn saß ich ohne Paar in letzter Position und ich war besorgt, dass der tighte Spieler ein Paar haben könnte. Ich wusste jedoch, dass er davon ausging, dass ich ebenfalls ein sehr solides und tightes Spiel machte. Diese Information war ausschlaggebend dafür, wie ich diese Hand spielte. Ich hielt . Auf dem Turn war der Pot relativ klein und es wurde bislang nur vergleichsweise zurückhaltend gesetzt. Die Karten waren wie folgt:

Meine Hand:

Flop:
Turn:

Mein Gegner checkte und ich setzte in der Hoffnung, er würde folden. Sollte er nicht folden, hatte ich immer noch die Chance, meine Straight zu treffen. Dann jedoch bemerkte ich etwas Interessantes. Er starrte auf den Pot, dann tanzten seine Augen über den Tisch, während sich seine Lippen bewegten! Es war offensichtlich, dass er an dieser Stelle den Pot zählte, indem er die Aktionen zurückverfolgte, um die Bets zu zählen, die bis dato in den Pot geflossen waren. Nachdem er fertig war, callte er. In diesem Moment wusste ich, dass er nur auf einem Draw sein konnte; entweder einem Flushdraw in Kreuz oder einem Straightdraw. In jedem Fall wusste ich, dass ich den Pot auf dem River mit nichts auf der Hand würde stehlen können, wenn er seinen Draw verpasste. Eine Blank kam auf dem River. Er checkte. Ich setzte mit No Pair. Er ließ kurz aufblitzen, grinste und sagte: 'Ich dachte, ich hätte sieben Outs. Gegen dich treffe ich irgendwie nie', und warf seine Hand in den Muck. Ich lächelte zurück, nickte ihm zu und strich glücklich den Pot ein.

Wenn er den Umstand, dass er auf einem Draw saß, nicht preisgegeben hätte, hätte ich womöglich aufgegeben und auf dem River mit dem Gedanken gecheckt, dass er einen Bet ohnehin callen würde. Nachdem er sich jedoch verraten hatte, war ich zuversichtlich, dass der Pot mir gehörte. Diese Hand zeigt auf, wie Ihnen das Zählen der Potgröße zu einem Zeitpunkt, zu dem Sie diese Information benötigen, schaden kann, wenn andere in der Lage sind, dies zu erkennen.

 King Yao"

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In den niedrigeren Limits enthält der Pot üblicherweise mehr Big Bets, da sich mehr Spieler den Flop ansehen, was unter normalen Umständen dazu führt, dass es korrekt ist, auf Flushdraws, Open-Ended-Straightdraws und Double-Inside-Straightdraws zu ziehen. (Mit Inside-Straightdraws ist Vorsicht geboten!) Ohne die Größe des Pots oder die Potodds zu kennen, treffen die meisten Low-Limit-Spieler an dieser Stelle die richtigen Entscheidungen, da der Pot ihnen fast immer genug bietet, um callen zu können. Sie haben zwar keine mathematischen Berechnungen angestellt, um die Odds zu bestimmen, doch sie haben es im Gespür, dass es richtig ist, den Draw weiterzuverfolgen. Mit Overcards oder anderen Händen ist es unklar, ob das Weiterverfolgen die richtige Entscheidung darstellt. Dies sind die Situationen, in denen diese Spieler Fehler machen. Dadurch, dass sie solche Hände falsch spielen, ist es für Low-Limit-Spieler schwierig, in höheren Limits zu gewinnen, in denen die Pots verglichen mit den Bets üblicherweise kleiner sind und es deshalb seltener korrekt ist, dem Draw weiter nachzujagen.

In Middle- und High-Limit-Spielen ist es problematisch, ungeachtet der Potgröße auf einen Straightdraw oder Flushdraw zu ziehen. Wenn Sie die Potgröße zählen und feststellen, dass ein Spieler auf den River drawt, ohne die richtigen Odds dafür zu haben, haben Sie eine Schwäche in dessen Spiel entdeckt.

HIPO funktioniert am besten, wenn Sie die Setzrunde abschließen, das heißt, dass Sie der Letzte sind, der in dieser Setzrunde noch handeln kann und niemand mehr in der Lage ist, nach Ihrem Call zu raisen. Wenn ein weiterer Spieler nach Ihnen kommt und ein Spieler vor Ihnen geraist hat, dann könnten Ihre Potodds-Berechnungen falsch sein, da der Spieler nach Ihnen raisen könnte. Sie gehen davon aus, einen Bet zu zahlen. Wenn ein Spieler nach Ihnen raist, müssen Sie einen weiteren Bet in den Pot legen, um die nächste Karte zu sehen.

Wenn der Pot groß ist, wird das Risiko eines vermeintlichen Raises durch den Anstieg an EW kompensiert, den Sie dadurch erhalten, dass ein Gegner, der Outs hatte, nun foldet. Wenn der Pot klein ist, stellt die erhöhte Chance, dass andere Spieler folden, mitunter keinen entsprechenden Ausgleich für das Risiko eines Raises dar. Wenn Sie auf den Nutflush oder die Nutstraight ziehen, können Sie, mit einigen Ausnahmen, üblicherweise davon ausgehen, die beste Hand zu haben, wenn Sie Ihren Draw treffen. Wenn Sie jedoch nicht auf den Nutflush oder Nutstraight ziehen, müssen Sie die Zahl Ihrer geschätzten Outs verringern, für den Fall, dass jemand eine bessere Hand macht, wenn Sie Ihre getroffen haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht ist größer, wenn drei Karten gleicher Farbe auf dem Board liegen und Sie eine Karte dieser Farbe in Ihrer Hand halten.

Wenn Sie vorn liegen

Was ist jedoch, wenn Sie vorn liegen und Ihr Gegner hat einen Flushdraw? In diesem Fall haben Sie 37 Outs und neun Non-Outs, da jede Karte, die Ihrem Gegner keinen Flush macht, Ihnen weiterhin die beste Hand sichert. Sie benötigen keinerlei Informationen über die exakte Anzahl an Outs oder Potodds, wenn Sie vorn liegen, da klar ist, dass Sie an dem Pot beteiligt sein sollten.

Diese Analyse in umgekehrter Form macht möglicherweise dann Sinn, wenn Sie in der Lage sind, zu kontrollieren, wie viel Ihr Gegner in den Pot zu legen hat, um die River-Karte zu sehen, wie es im No-Limit und Pot-Limit Hold'em der Fall ist. Im Limit Hold'em ist die Größe der Bets festgelegt und Sie haben wenig Einfluss darauf, wie viele Bets Ihr Gegner in den Pot legt und damit auch wenig Einfluss darauf, welchen Potodds er sich gegenüber sieht. Im No-Limit Hold'em und Pot-Limit Hold'em können Sie die Potodds beeinflussen; zum Beispiel könnten Sie genug setzen, um einen Flushdraw zum Folden zu bringen.

Wenn Sie auf dem Flop vorn liegen und auf dem Turn ins Hintertreffen geraten

Es gibt Situationen, in denen Sie auf dem Flop vorn liegen, auf dem Turn ins Hintertreffen geraten und die Chance haben, auf dem River den Spieß umzudrehen. Eine typische Situation dafür tritt dann auf, wenn Sie Two Pair floppen, Ihr Gegner auf dem Turn eine Straight oder einen  Flush macht und Sie ein Full House auf dem River bekommen. Abhängig davon, wie sicher Sie sich sind, dass Ihr Gegner eine Straight oder einen Flush hat, müssen Sie gegebenenfalls auf dem Turn folden und darauf verzichten, auf ein Full House zu drawen.

Wenn Sie Two Pair gegen eine Straight oder einen Flush halten, haben Sie vier Outs. Um einen Call zu rechtfertigen, bräuchten Sie eine EPG von mehr als elf Bets. Fast jeder Spieler callt in einer solchen Situation, in der Hoffnung ein Full House zu erhalten. Wenn Sie sich 100%ig sicher sind, dass Ihr Gegner eine Straight oder einen Flush hat, ist ein Fold korrekt, wenn die EPG kleiner als elf ist. Was jedoch ist, wenn Sie sich nur 90%ig sicher sind, dass Ihr Gegner eine Straight oder einen Flush hat? Was ist, wenn die Chance besteht, dass Ihr Gegner nur Top Pair oder ein kleineres Two Pair als Ihres hält? In diesem Fall haben Sie eine 10%-Chance, vorn zu liegen. Ihr Gegner hat unter Umständen nur vier Outs gegen Sie, was bedeutet, dass Sie 40 Outs haben. Mit diesen Wahrscheinlichkeiten hätten Sie 7,6 erwartete Outs, wie die folgende Gleichung zeigt.

Action

Rechnung

Ergebnis

Erwartete Outs (in Worten)

(Outs, wenn Sie vorn liegen x W'keit, vorn zu liegen)
+ (Outs, wenn Sie zurückliegen x W'keit, zurückzuliegen)

-

Erwartete Outs (in Zahlen)

(40 x 10 %) + (4 x 90 %)

7,6


Unter diesen Annahmen benötigen Sie eine EPG von mindestens sechs für einen Call. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Pot größer als sechs Big Bets ist. Obgleich die meisten Menschen nicht auf diese Weise darüber nachdenken, wenn sie Two Pair nach dem Flop haben, könnte ihr Call gegen eine denkbare Straight korrekt sein, wenn der Gegner möglicherweise blufft, semi-blufft oder eine schlechtere Hand spielt.


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