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FLP: Schlüsselfaktoren bei einem Freecard-Raise

Bei einem Freecard-Raise gibt es einige Schlüsselfaktoren zu beachten. So sollten Sie den Freecard-Raise gegen aggressive Gegner weniger häufig einsetzen als gegen passive. Passive Spieler checken häufiger auf dem Turn und geben Ihnen damit den Vorteil eines Freecard-Raises. Aggressive Spieler raisen häufiger auf dem Turn, sodass Ihr Freecard-Raise nach hinten losgeht.

Zu „Werbezwecken" kann es durchaus sinnvoll sein, einen Freecard-Raise gegen achtsame, aggressive Gegner zu spielen, wenn Sie ansonsten regulär gegen sie spielen. Ein achtsamer, aggressiver Gegner, der denkt, dass Sie einen Freecard-Raise machen, wird gegen Sie, wie gegen jeden anderen in dieser Situation, dagegenhalten. Sie sollten diese Information ausnutzen und ihn raisen, wenn Sie eine Made Hand haben, aber es so aussieht, als würden Sie einen Freecard-Raise durchführen (zum Beispiel, wenn zwei Karten derselben Farbe auf dem Board liegen). Wenn Sie gegen ihn niemals einen Freecard-Raise durchgeführt haben, wird er möglicherweise nicht dagegenhalten, wenn Sie eine Made Hand haben, da er davon ausgehen wird, dass Sie mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Made Hand halten als einen Draw. Möglicherweise geben Sie etwas Edge auf, wenn Sie hier einen Freecard-Raise anwenden. Sie werden diesen Edge (und aller Erwartung nach sogar mehr) später zurückgewinnen, wenn Sie gegen ihn mit einer Made Hand raisen.

Gegen einen aggressiven Gegner in EP, der denkt, dass Sie mit einem Draw raisen, sollten Sie in LP mit einer Made Hand aggressiv spielen. Der aggressive EP hält dagegen, in der Vermutung, Sie würden einen Draw haben. Wenn Sie eine Made Hand halten, können Sie mehr Bets von einem Spieler in EP gewinnen, der aggressiv auf Ihren Raise reagiert.

Gegen Spieler in LP, die ständig den Freecard-Raise auf dem Flop einsetzen und dann auf dem Turn checken, wenn Sie Ihren Draw noch nicht vervollständigen konnten, sollten Sie auf dem Turn öfter betten.

Gegen aggressive Spieler in LP, die den Freecard-Raise auf dem Flop einsetzen und dann auf dem Turn mit einem Semi-Bluff fortfahren, können Sie bis zum Turn warten und dann checkraisen.

Straightdraw-Freecard-Raises

Mit einem Open-Ended- oder Double-Inside-Straightdraw auf dem Flop hat ein Raise in Late Position dieselben Vorteile wie ein Freecard-Raise mit einem Flushdraw. Zusätzlich hat es den Vorteil der Deception, da Straightdraws schwieriger zu lesen sind als Flushdraws (dies wird näher im Abschnitt "Straightdraws lesen" im Artikel "Hände lesen" erörtert). Dieses Spiel ist insbesondere dann nützlich, wenn auf dem Flop zwei Karten zu einem Flush liegen. Eine Flush-Karte auf dem Turn oder River könnte Ihre Gegner verängstigen, da Ihre Handlungen bis dorthin mit denen eines Spielers übereingestimmt haben, der einen Flushdraw spielt. Folglich habe Sie es unter Umständen leichter, zu bluffen.

  • Beispiel
Ihre Hand:
Flop:
Sie haben einen Open-Ended-Straightdraw, aber es liegen zwei Herzkarten auf dem Board. Ein Raise in Late Position sieht möglicherweise nach einem Freecard-Raise mit einem Flushdraw aus. Wenn eine Straight-Karte auf dem Turn oder River kommt, die kein Herz ist, ist es für Ihre Gegner wesentlich schwieriger zu erkennen, dass Sie Ihren Draw gemacht haben. Sie könnten so einen Extra-Bet gewinnen, den Sie möglicherweise nicht gewonnen hätten, wenn kein Flushdraw möglich gewesen wäre. Wenn Sie Ihre Straight nicht vervollständigen, aber eine dritte Flush-Karte auf dem Turn oder River erscheint, können Sie gegen aufmerksame Spieler leichter bluffen. Diese gestehen Ihnen eher zu, dass Sie, so wie Sie bis zu diesem Punkt gespielt haben, einen Flush vervollständigen konnten.

Overcard-Freecard-Raises

Es gibt zwei Situationen, in denen Sie mitunter mit Overcards auf dem Flop raisen. Die erste liegt dann vor, wenn eine Chance besteht, dass Sie den Pot durch einen Raise auf dem Flop sofort gewinnen. Die meisten Spieler folden jedoch nicht nach einem Raise auf dem Flop, nachdem sie gesetzt haben, also sollten Sie nicht davon ausgehen, dass dies häufig der Fall sein wird. Die zweite Situation liegt dann vor, wenn der Pot relativ groß ist und ein Raise-for-a-Freecard wertvoll erscheint. Mit Overcards zum Board haben Sie höchstens sechs Outs gegen einen Gegner, der ein Paar hält. Wenn Ihr Gegner Two Pair oder besser hält, haben Sie mit Ihren Overcards nahezu null Outs. (Ein Runner-Runner-Draw ist Ihr einziges Out.) Wenn Sie neun oder acht Outs haben, sind die Potodds normalerweise hoch genug, um bis zum River zu bleiben und um sehen zu können, ob Sie Ihren Draw vervollständigen können, doch sechs Outs könnten schon zu wenig sein. Aus diesem Grund müssen die Potodds für einen Freecard-Raise mit Overcards auch höher sein.

  • Beispiel

Sie haben in letzter Position. Zwei Spieler limpen. Sie raisen. Beide Blinds und beide Limper callen. Fünf Spieler sehen den Flop für fünf Big Bets.

Ihre Hand:

Flop:

Der erste Spieler checkt und der zweite Spieler bettet. Die anderen Spieler folden. Sie könnten an dieser Stelle über einen Raise nachdenken, da der Pot relativ groß ist. Es lohnt sich, in der Hand zu bleiben und zu sehen, ob ein oder ein auf dem Turn kommt. Ein Raise gibt Ihnen möglicherweise die Chance, den Turn und den River für einen weiteren Small Bet zu sehen. Ihre Raises preflop und auf dem Flop verraten dem Rest des Tisches, dass Sie eine Premiumhand wie oder haben. Ein Reraise besagt normalerweise, dass Ihr Gegner nicht darum besorgt ist, gegen ein Overpair zu spielen, weshalb es gut möglich ist, dass er Two Pair, Trips oder ein Premiumpaar hält.

Mehrere Gegner raisen

Wenn Sie eine Drawing Hand in einem Pot mit mehreren Spielern floppen (speziell, wenn es die Nut-Drawing-Hand ist) und es sieht so aus, als wenn ein anderer Spieler eine solide Made Hand hat, dann ist raisen fragwürdig. Sie sollten nicht raisen, wenn dies vermutlich dazu führt, dass alle Spieler folden, bis auf denjenigen mit der soliden Made Hand, sodass der Multiway-Pot nun zum Heads-up-Pot wird. Ihre Wahrscheinlichkeit, den Draw zu treffen, bleibt dieselbe, unabhängig davon, ob Sie gegen mehrere Gegner spielen oder nur gegen eine solide Made Hand. Da die solide Made Hand höchstwahrscheinlich bis zum River in der Hand verbleiben wird und nicht herausgeblufft werden kann, müssen Sie Ihren Draw treffen, um die Hand zu gewinnen. Sie wollen also so viele Spieler wie möglich raisen, sodass Sie mehr gewinnen, im Fall, dass Sie Ihren Draw treffen. Ein Raise auf dem Flop, der alle Gegner, außer der soliden Made Hand, aus dem Pot treibt, würde diesem Ziel jedoch entgegenwirken. Auf der anderen Seite wäre der Spieler mit der soliden Made Hand glücklich darüber, Ihren Raise reraisen zu können, in der Hoffnung, alle anderen zum Folden zu bringen, da sich so sein Anteil am Pot erhöht, wenn andere folden.

  • Beispiel

Flop:

Ihre Hand: (Nut-Flushdraw)

Solide Made-Hand: (Overpair)

Dritte Hand: (Top-Split-Pair, mit Runner-Runner-Straightdraw)

Hand

A

B

46,5 %

46,5 %

38,6 %

53,5 %

14,9 %

 

Spalte A zeigt die Gewinnwahrscheinlichkeit, wenn alle drei Hände bis zum River in der Hand bleiben. Spalte B zeigt die Gewinnwahrscheinlichkeit, wenn nach Ihrem Raise foldet. Die Zahlen stammen von PokerStars School.

Wenn aufgrund des Raises foldet, profitiert davon, indem er den Pot-Anteil von „auffrisst". Die Gewinnwahrscheinlichkeit für erhöht sich von 38,6 % auf 53,5 %, während Ihr Nut-Flushdraw sich nicht verbessert. Ihre Drawing Hand hat seine Gewinnwahrscheinlichkeit somit nicht verbessert. Wenn der dritte Spieler foldet, werden Sie einen kleineren Pot gewinnen, wenn Sie gewinnen. Wenn Sie zuversichtlich sind, dass der dritte Spieler einen Raise callen wird, dann lohnt sich ein Raise, da Sie 2:1 für eine Hand bekommen, die in etwas über 46 % der Fälle gewinnt.

Mehr zum Thema Flushdraw-Freecard-Spieltheorie

Wenn Ihre Gegner in Early Position die Gelegenheit haben, den Ball zurückzuspielen, nachdem Sie einen Freecard-Raise gespielt haben, kann es mitunter auch sinnvoll sein, in Situationen zu raisen, in denen es zwar so aussieht, als seien Sie auf eine Freecard aus, während Sie tatsächlich eine Made Hand halten, wie etwa Trips, Top Pair, Two Pair, oder ein Overpair, auf einem Board mit zwei Flush-Karten. Erwägen Sie, bereits auf dem Flop zu raisen, anstatt auf den Turn zu warten, um aufmerksame Gegner dazu zu verleiten, zu glauben, Sie würden einen Freecard-Raise spielen. Wenn diese dann versuchen, Gegenstrategien anzuwenden (wie etwa auf dem Flop zu reraisen oder auf dem Turn zu setzen, wenn keine dritte Flushkarte kommt), können Sie erneut raisen.

  • Beispiel

Sie halten Top Pair und sind in Late Position (relativ gesehen zu den anderen Spielern, die noch in der Hand sind).

Ihre Hand:

Flop:

Gegen einen Gegner in Early Position, der Ihren Raise auf dem Flop für einen Freecard-Raise halten könnte, sollten Sie auf dem Flop nicht slowplayen. Selbst wenn es auf dem Flop Flushdraws gibt, sollten Sie diese Hand aggressiv spielen, da es drei potentielle Overcards zu Ihrer Hand gibt. Sie sollten auf dem Flop raisen und hoffen, dass eine Nicht-Flush-Karte auf dem Turn kommt. Ihr Gegner könnte sich nun sicher fühlen, auf dem Turn zu setzen, da er Ihnen keine Freecard geben will. Sie können ihn auf dem Turn noch einmal raisen und so einen Extra-Small-Bet gewinnen, als wenn Sie auf dem Flop nicht raisen und mit Ihrem Raise bis zum Turn warten würden. Nach Ihrem Raise auf dem Flop werden viele Gegner mit einer Hand wie auf dem Turn nicht setzen, da sie einen höheren Kicker fürchten. Stellen Sie fest, welche Gegner mit einer schwächeren (oder gar einem kleineren Paar) als Gegenstrategie gegen einen Freecard-Raise auf dem Turn setzen, und welche dies mit einem Set oder Two Pair machen. In diesem Fall sind Sie nicht auf eine Freecard aus, aber Sie können das Wissen Ihres Gegners über diese Strategie zu Ihrem Vorteil nutzen.  

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