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FLP: Free-Showdown-Raise

Auf dem Turn raisen, um einen kostenlosen Showdown zu erzielen

Ein anderer Weg zu semi-bluffen ist, wenn Sie auf dem Turn eine anständige Hand haben und raisen, um einen „kostenlosen" Showdown zu erzielen. Eigentlich ist der Showdown nicht kostenlos, da Sie auf dem Turn bereits zwei Bets in den Pot zahlen. Doch im Sinne des Freecard-Raise auf dem Flop, der in Wirklichkeit nur einen halben Bet spart, nennen wir diesen einen Free-Showdown-Raise.

Die Faktoren, die es bei einem Free-Showdown-Raise zu berücksichtigen gilt, sind folgende:

  • Ihre Hand hat eine Chance, bei einem Showdown auf dem River zu gewinnen.
  • Wenn Sie hinten liegen sollten, haben Sie noch Outs.
  • Es besteht die Chance, dass Ihr Gegner foldet.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Gegner Sie auf dem Turn reraist, ist gering.

Schauen wir uns nun jeden Faktor einmal genauer an.

Ihre Hand hat eine Chance, bei einem Showdown auf dem River zu gewinnen

Dieser Faktor ist äußerst wichtig, da Sie keine Extra-Bets in den Pot steuern sollten, wenn Sie ein Außenseiter sind und Ihr Gegner höchstwahrscheinlich callen wird. Wenn Sie auf dem Turn callen, jedoch einen Bet Ihres Gegners auf dem River nicht callen werden, dann sollten Sie einen Raise hier nicht in Erwägung ziehen, es sei denn, die anderen Faktoren regen stark zu einem Raise an. Sie sollten eine Hand halten, mit der Sie ohnehin einen Bet auf dem Turn und auf dem River gecallt hätten. Insofern büßen Sie im Fall des Verlustes nicht mehr ein, als Sie ohnehin verloren hätten. Darin liegt der Unterschied zwischen einem Semi-Bluff-Raise und einem Free-Showdown-Raise. Der Semi-Bluff-Raise hat keine Chance, einen Showdown zu gewinnen, sofern die Hand sich nicht auf dem River verbessert. Der Free-Showdown-Raise hat eine Chance, einen Showdown zu gewinnen.

Wenn Sie hinten liegen sollten, haben Sie noch Outs

Es ist wichtig, dass die Chance besteht, dass Sie vorn liegen; dennoch könnten Sie hinten liegen. Folglich sollten Sie so viele Outs wie möglich haben, damit Sie im Falle, dass Sie hinten liegen eine Chance haben, aufzuholen und Ihrem Gegner einen Bad Beat zu verpassen. Wenn Sie beispielsweise halten und das Board zeigt auf dem Turn , dann könnten Sie die beste Hand haben, aber Sie können sich nicht sicher sein. Wenn Ihr Gegner oder hält, dann raisen Sie „for value". Wenn Ihr Gegner , oder hält, liegen Sie hinten und haben drei Outs. Sie sind sich nicht sicher, ob Sie vorn oder hinten liegen, aber Sie sind bereit, die Hand bis zum Showdown zu sehen. Wenn Ihr Gegner Ihren Raise auf dem Turn callt, sollten Sie damit rechnen, dass er auf dem River checkt. Wenn Sie auf dem River einen oder eine treffen, können Sie sich dazu entscheiden, erneut zu setzen und insgesamt drei Bets zu gewinnen (zwei auf dem Turn und einen auf dem River). Wenn Sie sich auf dem River nicht verbessern, checken Sie und lassen es auf den Showdown ankommen. Sie werden dieselben zwei Bets gewinnen oder verlieren, die Sie auch zu gewinnen oder zu verlieren erwarten würden, wenn Sie sowohl auf dem Turn als auch auf dem River einen Bet gecallt hätten.

Es besteht die Chance, dass Ihr Gegner foldet

Ob Ihr Gegner nun eine bessere Hand als Sie hat oder nicht, ein Fold Ihres Gegners auf Ihren Raise hin ist normalerweise eine gute Sache. Wenn er vorn lag und auf Ihren Raise hin foldet, haben Sie einen Pot von ihm gestohlen. Wenn er hinten lag, gewinnen Sie bereits an dieser Stelle den Pot und nehmen Ihrem Gegner die Chance, Ihnen einen Bad Beat auf dem River zu verpassen. Die einzige Situation, in der ein Fold schlecht für Sie ist, läge darin, wenn Ihr Gegner drawing thin oder drawing dead wäre. Wenn er zum Beispiel zwei Outs hat, dann hoffen Sie auf einen Call. Wenn er drawing thin und loose genug ist, einen Raise von Ihnen auf dem Turn zu callen, sollten Sie es vermeiden, ihn einen kostenlosen Blick auf die River-Karte werfen zu lassen, wenn Sie davon ausgehen, dass er weder setzen noch callen würde, solange er nicht eine für ihn ideale Karte trifft. Je größer die Wahrscheinlichkeit ist, dass Ihr Gegner trotz seiner Outs foldet, desto besser ist ein Raise auf dem Turn.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Gegner Sie auf dem Turn reraist ist gering

Wenn Ihr Gegner Sie reraist und vorn liegt, hat er damit Ihre Free-Showdown-Raise-Strategie durchkreuzt. Wenn Sie vorhaben auf dem River zu callen, riskieren Sie damit, zwei weitere Bets durch die Free-Showdown-Raise-Strategie zu verlieren.  (Sie müssten insgesamt vier Bets mit diesem Semi-Bluff investieren, verglichen mit zwei, wenn Sie passiv spielen würden.) Es wäre besser, wenn Sie in der Position wären, zu wissen, dass Ihr Gegner eine großartige Hand hält, wenn er Sie auf dem Turn reraist und nicht blufft. Auf diesem Weg können Sie eine marginale Hand folden, ohne das Risiko einzugehen, dass Sie die beste Hand folden. Wenn Sie zum Beispiel halten und auf dem Turn zeigt das Board in vier verschiedenen Farben. Jede macht eine Straight. Sie entscheiden sich, einen Free-Showdown-Raise anzuwenden. Ein passiver Gegner reraist. Wenn die Potodds genug hergeben, könnten Sie über einen Call nachdenken, um zu sehen, ob  der River Ihnen unter Umständen ein Full House bringt. Wenn Sie die Potodds nicht haben, können Sie folden, ohne befürchten zu müssen, aufgrund eines Bluffs gefoldet zu haben.

  • Beispiel eines Free-Showdown-Raise

Ihre Hand: off-suit

Flop:

Turn:

Sie raisen vor dem Flop in Late Position. Ein ordentlicher Spieler im Big Blind callt. Sie setzen auf dem Flop. Er checkraist. Sie callen. Sie setzen ihn auf ein Split Pair Asse oder einen Straightdraw. Wenn er ein Split Pair Asse hat, ist es unsicher, wer die bessere Hand hält, da Sie einen mittelmäßigen Kicker halten. Drei der möglichen schlechteren Kicker würden ihm Two Pair geben.

Auf dem Turn erhalten Sie zusätzlich einen Gutshot-Straightdraw mit der . Sie benötigen eine auf dem River für eine Straight. Nachdem er gesetzt hat, machen Sie einen Free-Showdown-Raise. Wenn er reraist, können Sie mit der Gewissheit folden, dass er bereits eine Straight hat, sodass Sie nur vier Outs hätten, um den Pot zu splitten. Wenn er bislang noch keine Straight hat, dann hat er zumindest Trips oder Two Pair, wonach Sie vier Outs auf den Gewinn des Pots hätten. Nach seinem Reraise ist Ihre Chance, den Pot zu gewinnen so gering, dass es sich aufgrund der niedrigen Potodds nicht lohnt, die Hand bis zum River anzusehen. Wenn er callt, erwarten Sie einen Check von ihm am River. Auf dem River können Sie ebenfalls checken, wenn Sie Ihre Hand nicht verbessern, beziehungsweise setzen, falls Sie es tun.

Wenn Sie sich auf dem River verbessern, gewinnen Sie drei Bets (zwei am Turn undeinen1 am River). Wenn Sie sich auf dem River nicht verbessern, gewinnen oder verlieren Sie zwei Bets. Wenn eine oder eine auf dem River kommt, wird es vermutlich schwierig sein, zwei Bets auf dem River zu gewinnen, da Ihr Gegner aufgrund der gefährlichen River-Karte vermutlich checken und callen wird.

Unterm Strich haben Sie sich die Möglichkeit eingeräumt, drei Bets zu gewinnen, indem Sie zwei Bets mit einem Free-Showdown-Raise riskiert haben. Vergleichen Sie dies mit einem Call, bei dem Sie eine Chance haben, zwei Bets zu gewinnen, indem Sie zwei Bets riskieren. Es gibt weitere Faktoren, die diese allgemeine Strategie abwandeln können. Die Chance, nach einer Verbesserung auf dem River mehr zu gewinnen, ist wertvoll. Der Free-Showdown-Raise wird in der Artikelserie „Der Turn" weiter diskutiert.

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