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FLP: Einen Bluff hervorrufen

Einen Bluff hervorrufen

Sie rufen einen Bluff hervor, wenn Sie einen Gegner dazu bringen, zu bluffen, wenn er eigentlich nicht geblufft hätte. Um einen Bluff hervorzurufen müssen Sie sich schwach geben, sodass Ihr Gegner denkt, dass er eine Chance hätte, einen erfolgreichen Bluff durchzuziehen. Wenn Sie es schaffen, einen Bluff hervorzurufen, dann bluffen Ihre Gegner in Situationen, in denen Sie andererseits einen Bet nicht bezahlt hätten. Es gibt zwei Situationen, in denen ein Bluff sinnvoll hervorgerufen werden kann:

  • Sie agieren als Letzter auf dem Turn und checken in der Hoffnung, dass Ihr Gegner auf dem River setzt.
  • Sie sind auf dem River als Erster an der Reihe und checken zu Ihrem Gegner.

Einen Bluff auf dem River mit einem Check auf dem Turn hervorrufen, wenn Sie als Letzter agieren

Die Umstände, die notwendig sind, um dieses Spiel erfolgreich zu machen:

  • Sie sind heads-up.
  • Ihr Gegner hat gecheckt.
  • Sie sind auf dem Turn als Letzter an der Reihe.
  • Sie sind sich nicht sicher, ob Sie vorn oder zurückliegen.
  • Ihr Gegner ist aggressiv und man kann darauf zählen, dass er Schwäche spürt und somit auf dem River setzt, wenn Sie auf dem Turn checken.
  • Wenn Ihr Gegner eine bessere Hand hat, callt er den Bet, aber wenn er eine schlechtere Hand hält, callt er nicht.
  • Es gibt nur wenige Karten, die helfen.
  • Sie können einen Bad Beat verkraften.
  • Beispiel

Sie sitzen auf dem Button und open-raisen mit einer mittelstarken Hand. Der Big Blind callt. Der Flop gibt Ihnen ein Paar, enthält jedoch auch eine Overcard.

Ihre Hand:

Flop:

Ihr Gegner checkt zu Ihnen und Sie setzen. Er callt.

Turn:

Auf dem Turn ziehen Sie nach dem Check Ihres Gegners das Hervorrufen eines Bluffs auf dem River in Erwägung, indem Sie ebenfalls checken. Sie könnten hinten liegen, wenn Ihr Gegner ein Paar Asse hat. Wenn der Turn ein Herz oder Karo wäre, hätten Sie mehr Grund zu setzen, da nun zusätzlich die Chance besteht, dass Ihr Gegner callt, weil er einen Flushdraw bekommen hat. Wenn der Turn ein Kreuz ist (sodass Sie einen Flushdraw in Kreuz haben), dann hätten Sie einen noch größeren Anreiz, zu setzen, da Sie im Fall, dass Sie hinten liegen, viele Outs auf dem River hätten.

Das letzte Kriterium auf der Liste besagte, dass Sie einen Bad Beat vertragen können müssen, wenn Sie versuchen, einen Bluff hervorzurufen. Wenn Sie versuchen, durch einen Check auf dem Turn in letzter Position einen Bluff auf dem River hervorzurufen, wird Ihr Gegner hin und wieder eine wundersame Karte erhalten und Sie damit schlagen. Er hätte vermutlich gefoldet, wenn Sie auf dem Turn gesetzt hätten. Stattdessen hat er Glück gehabt und genau die richtige Karte auf dem River getroffen, da Sie ihm eine Freecard gegeben haben. Sie sollten in der Lage sein, damit umzugehen, wenn Sie mit einem Check auf dem Turn einen Bluff hervorzurufen versuchen.

Im obigen Beispiel könnte ein Gegner mit , oder davon ausgehen, dass Sie ein Paar Asse oder Könige auf dem Flop halten und nicht raisen, aber er könnte auf dem Flop callen, in der Hoffnung, auf dem Turn eine Straight zu erhalten. Wenn der Turn kommt und er hat zu diesem Zeitpunkt noch keine Straight, könnte der höhere Einsatz auf dem Turn ihn davon überzeugen, zu folden, da er lediglich vier Outs hat. Wenn eine , ein oder eine auf dem River fällt, sollten Sie callen, da er möglicherweise mit einem Paar setzt. (Wenn eine kommt und er hält :J oder , könnte er setzen, in der Annahmen, die beste Hand zu haben, da Sie auf dem Turn gecheckt haben.) Möglicherweise fühlen Sie sich nicht gut, wenn er seinen Inside-Straightdraw trifft und den Pot mitnimmt, da Sie versucht haben, einen Bluff bei ihm hervorzurufen.

Ein Nebeneffekt eines Checks auf dem Turn besteht möglicherweise darin, dass Sie anstatt eines Bluffs auf dem River einen Call bekommen könnten. Wenn Ihr Gegner im obigen Beispiel Bottom Pair hat, würde er auf dem Turn wahrscheinlich nicht callen, wenn Sie erneut setzen (nachdem Sie preflop geraist und auf dem Flop erneut gesetzt haben), da Sie sehr stark wirken. Wenn Sie jedoch auf dem Turn checken, könnte er annehmen, mit Bottom Pair die beste Hand zu halten. Während er seine Hand zwar nicht für stark genug hält, auf dem River zu setzen, könnte er sie dennoch für stark genug halten, auf dem River zu callen. Anstatt einen Bluff hervorzurufen, haben Sie einen Call hervorgerufen, den Sie möglicherweise nicht bekommen hätten, wenn Sie auf dem Turn gesetzt hätten.

Einen Bluff hervorrufen: „Kapitel 20"

In den frühen 90ern war ich Optionsscheinmakler einer Kapitalanlagegesellschaft. Einige der Makler kamen häufig zusammen, um Home-Pokergames zu spielen. Hier eine kleine Anekdote, die ich damals für ausgesprochen komisch hielt und über die ich noch heute schmunzeln muss, wenn ich daran zurückdenke.

Ich hatte einen Abend zuvor eine Ausgabe von „Theory Of Poker" von David Sklansky erhalten und komplett durchgelesen. Am nächsten Tag wandte ich sofort eine der Lektionen an, die ich aus dem Buch gelernt hatte. Ich schaffte es, einen Bluff bei meinem Gegner, einem talentierten jungen Makler namens Ian Schaad, hervorzurufen. Ich wusste, dass er auf meinen Bet hin folden würde, da ich ihn auf einen verpassten Draw setzte. Ich dachte mir ebenfalls, dass er einen Bluff versuchen würde, wenn ich checkte, da es so aussehen würde, als wäre meine Hand schwach. Der Plan funktionierte perfekt. Ich checkte. Er setzte. Ich callte und gewann den Pot, nachdem er mir einen verpassten Straightdraw gezeigt hatte. Während ich den Pot einsammelte, schaute ich zu Ian herüber und sagte: „Kapitel 20". Er schaute etwas verwirrt und fragte mich, was ich damit meinte. Ich sagte: „Kapitel 20, einen Bluff hervorrufen" und zeigte auf „Theory Of Poker", das neben mir auf dem Tisch lag. Junge, hat der verstört geschaut! Wenige Tage später hat er seine Revange bekommen, nachdem er es geschafft hatte, mich zu einem Bluff zu verleiten. Schnell feuerte er „Kapitel 20" zurück. Diese Anekdote dient mir als Erinnerung an jene Spiele, zusammen mit der Geschichte eines Freundes Dean Potashner, der seiner Couch den Spitznamen „King's Sofa" gegeben hat, nachdem er das Geld, das er in einer bestimmten Session von mir gewonnen hatte dazu verwendete, diese Couch zu kaufen.

Einen Bluff auf dem River hervorrufen, wenn Sie als Erster agieren

Die Umstände, die notwendig sind, um dieses Spiel erfolgreich zu machen:

  • Sie handeln zuerst auf dem River.
  • Sie glauben, dass Ihr Gegner auf einem Draw saß und diesen verpasst hat.
  • Ihr Gegner ist aggressiv genug, um zu bluffen, wenn jemand Schwäche zeigt.

Wenn Sie auf dem River als Erster agieren und glauben, dass Ihr Gegner auf einem Draw ist, den er verpasst hat, bringt Ihnen ein Bet nichts, da Ihr Gegner diesen nicht callen wird. Ein Check ist besser, da er unter Umständen blufft und Sie auf diese Weise einen Bet von ihm gewinnen können, den Sie mit einem Bet auf dem River nicht gewonnen hätten, da er diesen nicht gecallt hätte. Dies kann auftreten, wenn auf dem Flop zwei Karten derselben Farbe liegen und Ihr Gegner raist. Auf dem Turn checkt er jedoch, nachdem auch Sie gecheckt haben, was impliziert, dass er auf einem Flushdraw war, diesen jedoch bislang nicht getroffen hat. Wenn auf dem River keine Flush-Karte kommt, könnten Sie sich dazu entschließen, dass ein Check mit der Intention eines Calls (oder Raises) den besten Weg darstellt, einen Extra-Bet zu ergattern.

  • Beispiel

Sie sind im Big Blind und werden von einem aggressiven Spieler auf dem Button geraist. Sie callen den Raise. Sie beide sehen den Flop heads-up.

Ihre Hand:

Flop:

Sie checkraisen mit Toppaar und gutem Kicker. Nach Ihrem Checkraise reraist Ihr Gegner. Seine möglichen Hände sind:

  • eine bessere Made Hand (, , , , , )
  • eine schlechtere Made Hand (, , )
  • ein Draw (, )

Turn:   

Sie checken. Ihr Gegner checkt. Es sieht so aus, als wenn Ihr Gegner auf einem Draw gewesen wäre oder eine schlechtere Made Hand, wie etwa oder , hat. Folgendes kann sich, nach den möglichen Karten Ihres Gegners, ereignen, wenn auf dem River eine Blank kommt:

  1. Er hat eine bessere Hand (, , , , , ). Wenn auf dem River kein Herz kommt, sodass kein Flush möglich ist, erfolgt auf einen Bet von Ihnen auf dem River üblicherweise ein Raise. Wenn Sie checken und callen verlieren Sie jedoch nur das Minimum. Wenn Sie setzen, verlieren Sie einen oder zwei Bets (in Abhängigkeit davon, ob Sie einen  Raise callen). Wenn Sie checken, mit der Intention zu callen, verlieren Sie einen Bet.
  2. Er hat eine schlechtere Made Hand (, , ). Wenn er auf dem Turn gecheckt hat, befürchtet er, dass Sie die bessere Hand halten. Wenn Sie auf dem River setzen und er callt, gewinnen Sie einen Bet. Wenn Sie checken, wird er vermutlich anspielen und Sie gewinnen einen Bet. In jedem Fall haben Sie die Chance, einen Bet zu gewinnen.
  3. Er hat einen gebusteten Draw (, ). Wenn Sie setzen, wird er folden, da er wahrscheinlich nicht mal ein Paar hat. Wenn Sie checken, könnte er setzen, da Ihre Schwäche ihm die Hoffnung eingeräumt hat, er könne den Pot mit einem Bluff auf dem River gewinnen. Wenn Sie setzen, gewinnen Sie null Bets. Wenn Sie checken, mit der Absicht zu callen, haben Sie eine Chance, einen Bet zu gewinnen.

In allen drei Fällen sind Checken und Callen gleichwertig oder überlegen gegenüber dem Anspielen. Sie sind sich nicht vollständig sicher, gegen was Sie antreten – eine bessere Hand, eine schlechtere Made Hand oder einen Draw – aber Checken und Callen ist in allen drei Fällen die dominierende Strategie.

Dies funktioniert nur gegen einige Gegner wirklich gut. Ein passiver Gegner wird weniger wahrscheinlich auf dem River bluffen. Eine Calling Station würde auf dem River mit Händen callen, mit denen sie nicht setzen würde, wie beispielsweise ein Split Pair Fünfen. Wenn Sie ein solches Spiel machen, berücksichtigen Sie die Aggressivität Ihres Gegners. Je aggressiver Ihr Gegner ist, desto eher sollten Sie versuchen, einen Bluff hervorzurufen. Je passiver er ist, desto eher sollten Sie betten und weniger versuchen, einen Bluff hervorzurufen.

Beispiel mit EW

Angenommen, Sie sind sich sicher, die beste Hand zu halten. Zum Beispiel haben Sie das Top Set, ohne dass Straights oder Flushes möglich wären. Sie sind heads-up auf dem River und müssen als Erster agieren. Sie schätzen, dass Ihr Gegner einen verpassten Draw hat und vermutlich einen Bet von Ihnen nicht callen würde. Sie schätzen seine Call-Wahrscheinlichkeit auf 10 %. Allerdings wissen Sie, dass er ein gerissener Spieler ist. Wenn Sie checken, gibt es eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass er, in der Hoffnung, den Pot zu stehlen, betten wird. Sie schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass er bettet, wenn Sie checken auf 20 %. Da Sie sich sicher sind, die beste Hand zu halten, werden Sie raisen, wenn er setzt, in welchem Fall er vermutlich folden wird.

Aktion

Rechnung

Ergebnis

EW eines Bets

10 % x 1 Big Bet

+0,10

EW eines Checks

20 % x 1 Big Bet

+0,20

Wenn Ihre Einschätzung der Situation korrekt ist und diese Wahrscheinlichkeiten richtig sind, sollten Sie checken und versuchen, einen Bluff zu provozieren. In der Praxis müssen Sie sich, statt Zahlen in eine Gleichung einzufügen, oftmals auf Ihr „Gefühl" für Ihren Gegner und die Situation verlassen.

Bluffen oder einen Bluff hervorrufen

Es gibt Situationen, in denen Sie sich nicht sicher sind, ob Sie die beste Hand haben, sodass Sie nicht wissen, ob Sie in der Situation sind, zu bluffen oder einen Bluff hervorzurufen. Wenn Sie zurückliegen, könnten Sie einen Bluff in Erwägung ziehen. Wenn Sie vorn liegen, könnten Sie versuchen, einen Bluff hervorzurufen. Solche Situationen sind komplex und Ihr Spiel hängt von der Einschätzung Ihres Gegners ab.

Wenn Ihr Gegner eine Calling Station ist, sollten Sie setzen, wenn Sie eine Hand haben und nicht versuchen, einen Bluff hervorzurufen. Eine Calling Station wird wahrscheinlicher einen Bet callen als selbst zu setzen, wenn Sie gecheckt haben. Wenn eine Calling Station jedoch raist, nachdem Sie gesetzt haben, sollten Sie einen Fold in Erwägung ziehen. Bluffen Sie nicht gegen eine Calling Station.

Wenn Ihr Gegner schwierig und gerissen ist, sollten Sie dazu tendieren, zu checken und zu callen, wenn Sie eine Hand haben. Es ist unwahrscheinlicher, einen schwierigen gerissenen Gegner dazu zu bringen, mit der zweitbesten Hand zu callen, aber Sie könnten einem gerissenen Spieler einen Bluff entlocken, dessen einzige Chance, den Pot zu gewinnen, darin besteht, zu bluffen.

Einen Bluff callen

Es gibt zwei Wege, einen Bluff aufzudecken. Ein Weg besteht darin, das körperliche Verhalten eines Spielers zu beobachten und darauf zu achten, ob es Anzeichen dafür gibt, dass er blufft. Tells zu lesen ist eine wertvolle Fähigkeit im Poker, da ein Tell einen Hinweis darauf geben kann, ob der Bet eines anderen Spielers gecallt werden sollte. Tells sind jedoch nicht Teil dieses Kurses. Mehr zum Thema Tells finden Sie hier (Link zu Tells).

Der andere Weg, einen Bluff aufzudecken, besteht darin, aufgrund des Boards und der Aktionen Ihres Gegners herzuleiten, ob er möglicherweise blufft. Wenn Ihr Gegner gern mit Draws raist, könnte ein verpasster Draw auf dem Board bedeuten, dass er in vorhergehenden Runden mit einem Draw geraist hat und nun auf dem River blufft. Manche Spieler setzen gern, nachdem alle anderen gecheckt haben. Wenn Sie in der Lage sind, diese Spieler zu identifizieren, dann können Sie diese in Situationen callen, in denen Sie denken, dass sie nur setzen, weil sie bei ihren Gegnern Schwäche wahrgenommen haben. Das braucht Übung und ein Auge dafür, wie andere Spieler spielen. Seien Sie auf der Hut und stets aufmerksam, um diese Fähigkeit aufzubauen. 

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