PokerStars Homepage
FLP: Die HIPO-Methode

HIPO: „Habe ich Potodds?"

Sobald Sie alle Informationen zusammengetragen haben, die Sie benötigen, finden Sie heraus, ob Sie die Potodds haben, um in der Hand zu bleiben. Dazu brauchen Sie keine komplizierte mathematische Formel. Treffen Sie die Entscheidung relativ leicht in Ihrem Kopf mithilfe der „Habe-ich-Potodds?"- oder HIPO-Methode. Auf dem Turn, wenn nur noch eine Karte folgt, ist die HIPO-Methode einfacher anzuwenden, da es weniger Variablen zu berücksichtigen gibt als auf dem Flop. HIPO kann jedoch auch auf dem Flop angewendet werden.

Um die HIPO-Methode anzuwenden, vergleichen Sie zwei Zahlen: die gute Zahl und die schlechte Zahl.

  • Die gute Zahl: EPG mal der Anzahl der Outs
  • Die schlechte Zahl: die Anzahl der Non-Outs

Wenn die gute Zahl größer ist als die schlechte Zahl, haben Sie die Potodds, die Sie brauchen, um zu callen. Wenn die gute Zahl kleiner ist als die schlechte Zahl, haben Sie die Potodds nicht und wären gut darin beraten, zu folden.

Die Vorteile der HIPO-Methode liegen auf der Hand. Sie versetzt Sie in die Lage, nicht länger das Verhältnis des Pots zur Stärke Ihrer Hand schätzen zu müssen. Auch müssen Sie den Pot nicht mehr im Nachhinein zurückrechnen, was Ihre Konzentration von anderen Spielfaktoren ablenken könnte. Wenn Sie den Pot im Nachhinein zählen, könnten Sie unbewusst einen Tell geben. Wenn Sie andere Spieler wissen lassen, dass Sie den Pot zählen, könnten diese daraus schließen, dass Sie keine Made Hand haben und auf einem Draw sitzen. Sie sollten solche Informationen stets verborgen halten. HIPO ist einfacher anzuwenden als den Pot in Dollar zu zählen und die Potoods in Relation zur Siegwahrscheinlichkeit zu berechnen. Der Nachteil an HIPO ist, dass es Disziplin und Übung erfordert. Glücklicherweise verfügen die meisten Spieler nicht über genügend Disziplin, um am Tisch darüber nachzudenken. Indem Sie es tun, haben Sie einen Vorteil gegenüber einem Großteil Ihrer Konkurrenz.

Der folgende Abschnitt geht auf die der Methode zugrundeliegende Mathematik ein. Für die meisten Spieler ist diese Methode einfacher, als die Potodds mit dem Quotienten der Non-Outs zu den Outs zu vergleichen, da Multiplikation in der Regel leichter zu vollziehen ist als Division.

Die Mathematik hinter HIPO

Es ist nicht unbedingt notwendig, die Mathematik hinter HIPO zu verstehen, sodass Sie sich keine Sorgen machen müssen, wenn Sie diesen Abschnitt nicht verstehen sollten.

  • EPG = Erwartete Potgröße (ohne die Bets mitzuzählen, die von Ihnen noch künftig in den Pot wandern werden)
  • Outs = Outs
  • NOuts = Non-Outs
  • Cards = Outs + NOuts (alle Ihnen unbekannten Karten)
  • Bet = Der Einsatz, den Sie zu bringen haben

Annahmen: Sie sind auf dem Turn und es folgt nur noch eine Karte. Jemand hat gesetzt und es liegt nun an Ihnen, zu callen oder zu folden. (Lassen Sie einen Raise fürs Erste außer Acht.) Sie sind sich sicher, die beste Hand zu halten, wenn Sie eines Ihrer Outs treffen. Sie sind sich ebenfalls sicher, zu verlieren, wenn Sie keines Ihrer Outs treffen, sodass Sie auf dem River folden, ohne einen weiteren Bet zu investieren.

Die Gleichung für den Erwartungswert (EW) des Calls eines Bets lautet:

EW eines Calls = EPG x Outs / Cards – Bet x NOuts / Cards

Wenn diese Zahl positiv ist, haben Sie mit einem Call einen positiven EW. Ist die Zahl negativ, haben Sie im Fall eines Calls einen negativen EW und sollten folglich folden.

Diese mathematischen Berechnungen sind mitunter zu kompliziert, wenn Sie am Pokertisch im Kopf gerechnet werden müssen, also vereinfachen Sie das Problem doch zu einem Vergleich. Vergleichen Sie den Term [EPG x Outs / Cards] mit dem Term [Bet x NOuts / Cards].

Wenn der erste Term [EPG x Outs / Cards] größer ist als der zweite Term [Bet x NOuts / Cards], ist die Lösung der EW-eines-Calls-Gleichung positiv. Umgekehrt, wenn der zweite Term größer ist als der erste, ist die Lösung der EW-eines-Calls-Gleichung negativ. Sie sollten callen, wenn der EW eines Calls positiv ist, also genau dann, wenn der erste Term [EPG x Outs / Cards] größer ist als der zweite Term [Bet x NOuts / Cards].

Beim Vergleich dieser Terme können Sie die gemeinsamen variablen Karten herausstreichen. Somit müssen Sie lediglich [EPG x Outs] und [Bet x NOuts] vergleichen. Wenn Sie einen Bet auf dem Turn zu bringen haben und die Action abschließen (das heißt, dass nach Ihrem Call keine Spieler mehr an der Reihe sind, sodass Sie nicht geraist werden können), wissen Sie, dass die Variable Bet gleich 1 ist. Es bleibt somit noch der Vergleich zwischen EPG x Outs und NOuts.

Sie interessieren sich nicht dafür, wie groß der Unterschied zwischen den beiden Termen ist. Alles, was Sie interessiert ist, ob der erste Term größer ist als der zweite. Wenn es mehr als einen Bet gibt, vergleichen Sie den ersten Term mit NOuts x der Anzahl der Bets, statt nur mit NOuts. Dies wird später in diesem Artikel anhand eines Beispiels erläutert werden. Abdul Jalib hat eine ähnliche Methode entwickelt.

Fragen und Beispiele für die Verwendung von HIPO auf dem Turn

Die einfachste Art und Weise, den Gebrauch von HIPO zu veranschaulichen, ist auf dem Turn, wenn Sie die Action abschließen und nach Ihnen niemand mehr raisen kann.

  • Beispiel 1

Sie sitzen im Big Blind.

Ihre Hand:
Flop:
Turn:

Jeder gibt Ihnen die Nuts, da kein Flush möglich ist. Wenn ein auf dem River kommt, ist ebenfalls weder ein Full House noch ein Four-of-a-Kind möglich. Es wurde genug gesetzt, dass Sie vermuten, jemand hält eine Hand wie , , oder , sodass ein kein Out für Sie darstellt. Sie sind überzeugt davon, vier Outs zu haben: die vier Jacks. Vor dem Turn waren neun Big Bets im Pot und zwei weitere Spieler in der Hand. Der Spieler, der als erster agieren musste, setzt. Der zweite Spieler callt, womit der Pot nun bei elf Big Bets liegt. Wenn Sie callen, schließen Sie die Setzrunde ab und der Dealer bringt die River-Karte. Sie vermuten, dass Sie, wenn Sie die Straight treffen, mindestens noch einen weiteren Big Bet und gegebenenfalls sogar mehr aus Ihren Gegnern herausbekommen.

Nehmen Sie eine zurückhaltende EPG in Höhe von zwölf an und wenden Sie die HIPO-Methode an. Rufen Sie sich ins Gedächtnis, dass die gute Zahl die EPG mal der Anzahl der Outs ist und die schlechte Zahl der Anzahl der Non-Outs entspricht.

HIPO-Methode

Rechnung

Ergebnis

Gute Zahl

12 x 4

48

Schlechte Zahl

46 4

42


Die gute Zahl ist größer als die schlechte Zahl, also können Sie callen, mit dem Wissen, dass Sie einen guten Preis für Ihren Versuch auf einen Glückstreffer erhalten.

  • Beispiel 2

Es sind nur noch Sie und ein einzelner Gegner im Spiel.

Ihre Hand:
Flop:
Turn:

Sie sind sich sicher, dass Ihr Gegner ein Paar hat und möglicherweise ein oder einen als Kicker. Wenn beide Ihrer Karten wirklich Outs sind, haben Sie sechs Outs. Wenn eine Ihrer Karten mit dem Kicker Ihres Gegners übereinstimmt, haben Sie drei Outs. Es besteht auch noch eine kleine Chance, dass Ihr Gegner mit einem Straightdraw wie etwa oder semi-blufft, in welchem Fall Sie vorn liegen und mehr Outs haben. Alles zusammengenommen, inklusive der Art und Weise, wie Ihr Gegner spielt, schätzen Sie Ihre Outs auf etwa fünf. Da es 46 unbekannte Karten auf dem Turn gibt, haben Sie bei fünf Outs 41 Non-Outs (46 – 5).

Wenn die EPG bei sieben Bets liegt, dann folgt daraus:

HIPO-Methode

Rechnung

Ergebnis

Gute Zahl

7 x 5

35

Schlechte Zahl

46 5

41


Es ist eine knappe Entscheidung, jedoch keinen Call wert. Schlechte Spieler bringen sich selbst immer wieder in Situationen wie diese, in denen sie durch einen Call am schlechtesten dran sind. Während einer Session, in der Situationen wie diese ein paarmal auftreten, mag der Verlust an Edge vernachlässigbar aussehen, wenn der Spieler einige Male glücklich seinen Draw getroffen hat. Auf lange Sicht ist es jedoch katastrophal, in Händen zu bleiben, die einen negativen EW haben.

Beträgt die EPG jedoch neun Big Bets, dann folgt daraus:

HIPO-Methode

Rechnung

Ergebnis

Gute Zahl

9 x 5

45

Schlechte Zahl

46 5

41


Ein Call wäre nun korrekt, da er einen positiven Wert hat. Der Anstieg der EPG hat die richtige Entscheidung von einem Fold in einen Call umgewandelt.

Entscheidend ist die richtige Schätzung der Anzahl der Outs. Wenn die Anzahl Ihrer Outs vier betragen würde, wäre ein Call bei einer EPG von neun nicht gut. Läge die Anzahl Ihrer Outs bei sechs anstatt fünf, wäre ein Call auch bei einer EPG von sieben lohnend. Um in Situationen wie diesen gute Entscheidungen treffen zu können, versetzen Sie sich in die Lage, die Hände Ihrer Gegner lesen zu können, sodass Sie die Zahl Ihrer Outs bestimmen können und erkennen Sie die Spielgewohnheiten Ihrer Gegner, sodass Sie die EPG genau bestimmen können.

  • Beispiel 3

Sie sitzen im Cut-off mit . Zwei Spieler vor Ihnen limpen und Sie raisen. Beide Blinds folden, doch die Limper callen. Auf dem Flop befinden sich drei Spieler und vier Big Bets im Pot.

Ihre Hand:
Flop:

Der erste Spieler checkt. Der zweite Spieler setzt. Sie entscheiden sich, mit Ihren Overcards zu callen. Der erste Spieler foldet. Auf dem Turn befinden sich zwei Spieler und fünf Big Bets im Pot.

Turn:

Sie sind sich ziemlich sicher, geschlagen zu sein. Der Spieler, der auf dem Flop gesetzt hat, ist dafür bekannt, seine Hand anzuspielen und so gut wie nie zu bluffen. Er könnte durchaus mit Händen wie , , , oder gelimpt sein. Es gibt keine legitimen Straight- oder Flushdraws, sodass es unwahrscheinlich ist, dass er blufft. Sie vermuten, dass Sie zumindest ein oder einen benötigen, um die Hand zu gewinnen, wobei auch dies unter Umständen nicht ausreichen könnte. Da Ihr Gegner auch gut oder halten kann, könnte ein oder ein ihm das Two Pair bringen. Sie haben sechs Outs, wenn Ihr Gegner weder einen - oder einen -Kicker hält, beziehungsweise drei Outs, wenn er eine dieser beiden Karten hat. Er könnte auch ein Set (Drilling mit einem Pocketpair in der Hand und der dritten Karte auf dem Board) getroffen haben, was bedeuten würde, dass Sie keine Outs mehr haben und drawing dead sind. Da Sie bereits im Vorfeld schon einmal über Situationen wie diese nachgedacht haben, schätzen Sie die Anzahl Ihrer erwarteten Outs auf 4,5. (Mehr zu diesen Schätzungen weiter unten.)

Ihr Gegner setzt auf dem Turn, sodass der Pot nun bei sechs Big Bets liegt. Wenn Sie Ihre Hand treffen, rechnen Sie damit, einen weiteren Big Bet auf dem River, also insgesamt sieben Big Bets, zu gewinnen.

HIPO-Methode

Rechnung

Ergebnis

Gute Zahl

7 x 4,5

31,5

Schlechte Zahl

46 4,5

41,5


Sie entscheiden sich zu folden, da Ihre Potodds nicht ausreichen, um zu callen. Wären Sie draufgängerisch und würden Ihre Outs auf sechs schätzen, wäre die gute Zahl auf einmal größer als die schlechte Zahl.

HIPO-Methode

Rechnung

Ergebnis

Gute Zahl

7 x 6

42

Schlechte Zahl

46 6

40


Mit geschätzten sechs Outs würden Sie davon ausgehen, ausreichende Potodds für einen Call zu haben. Dies belegt, wie entscheidend es ist, die Anzahl der erwarteten Outs korrekt zu zählen. Eine korrekte Vorgehensweise ermöglicht Ihnen an dieser Stelle, eine korrekte Entscheidung zu treffen.

Warum aber eine Schätzung von durchschnittlich 4,5 Outs? Der Grund liegt darin, dass Ihr Gegner in etwa eine 40%-Chance für oder , eine 55%-Chance auf oder und eine 5%-Chance für ein Set hat. Vorausgesetzt, Sie haben und es liegt eine auf dem Board, verbleiben noch drei Asse und drei Queens. Somit hat Ihr Gegner neun Wege, um zu bilden. Da Sie das in Ihrer Hand haben und die auf dem Board liegt, befinden sich die folgenden Asse und Queens nich im Deck: , , , , , . Es gibt neun Wege, aus diesen Karten zu bilden: , , , , , , , , . Dieselbe Analyse kann ebenso mit vorgenommen werden, an deren Ende ebenfalls neun mögliche Wege stehen, um zu bilden. Ihr Gegner hat eine größere Wahrscheinlichkeit, oder zu halten, da Sie weder den , noch die halten. Es verbleiben also noch drei Queens, vier Jacks und vier Zehnen, sodass es zwölf Wege für ihn gibt, oder zu bilden. Damit Ihr Gegner ein Set hat, muss er entweder oder halten, von denen es je drei Wege gibt, sie zu bilden.

Sie sorgen sich nicht um ein Set Zweien, da die erst auf dem Turn gefallen ist. Sie schätzen diesen Gegner als konservativ ein. Ein konservativer Spieler hätte jedoch mit Pocket-Zweien nicht auf dem Flop gesetzt.

Hand

Anzahl Wege, sie zu bilden

Bruch

Wahrscheinlichkeit

9

9/48

19

9

9/48

19

12

12/48

25

12

12/48

25

3

3/48

6

3

3/48

6


Den Zahlen zufolge hat Ihr Gegner eine 38%-Chance, oder zu haben (19 % + 19 %), eine 50%-Chance, um oder zu halten (25 % + 25 %) und eine 12%-Chance, oder zu haben (6 % + 6 %). Die meisten Spieler würden mit einem Set eher checkraisen oder zumindest bis zum Turn warten, bis sie raisen, als schon auf dem Flop anzusetzen. Sie wollen andere Spieler, vor allem Preflop-Raiser in Late-Position, in eine Falle locken. Deshalb erhöhen Sie das Schätzergebnis für oder auf 40 % und das Ergebnis für oder auf 55 % und senken die Schätzung für oder auf 5 %. Um die Berechnungen vornehmen zu können, gehen Sie davon aus, dass der Spieler eine gleich hohe Wahrscheinlichkeit hat, mit Ax, , , zu limpen. Tightere Spieler haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, Ax oder zu halten als oder .

Wenn Ihr Gegner Ax oder hält, hat Ihre -Hand drei Outs. Hält er jedoch oder , haben Sie sechs Outs. Gegen ein Set haben Sie null Outs. Sie können eine EW-Formel verwenden, um die Anzahl der Outs zu berechnen, die Sie erwarten.

Action

Rechnung

Ergebnis

Erw. Outs

(40 % x 3) + (55 % x 6) + (5 % x 0)

4,5 Outs


Durchschnittlich erwarten Sie, 4,5 Outs gegen einen normalen Spieler zu haben. Zufälligerweise liegt 4,5 exakt in der Mitte zwischen der optimistischen Sichtweise (sechs Outs) und der pessimistischen Sichtweise (drei Outs), wenn Sie die Chance, gegen ein Set zu stehen, einmal außer Acht lassen. Das ist äußerst nützlich, da Sie in Situationen wie dieser die Mitte hernehmen können, um die Anzahl Ihrer Outs zu schätzen. Diese Vorgehensweise ist sehr einfach und führt Sie dicht an das richtige Ergebnis. Bedenken Sie jedoch, dass die Anzahl der erwarteten Outs bei tighten Early-Position-Raisern niedriger ist, da es für diese unwahrscheinlicher ist, dass sie mit einer Hand wie off-suit in einen Pot limpen, als bei durchschnittlichen Spielern. Wenn der Spieler checkraist, dann erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass er ein Set hat. In beiden Situationen (ein tighter Early-Position-Spieler und ein Checkraiser) nehmen Sie vier Outs anstelle von 4,5 Outs an.


Nächster Artikel:

X Informationen zu Cookies

Wir haben auf deinem Computer Cookies platziert, um deinen Aufenthalt auf unserer Website noch angenehmer zu gestalten. Du kannst deine  Cookie-Einstellungen  jederzeit ändern. Andernfalls setzen wir dein Einverständnis voraus.