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FLP: Checkraise

Ein Checkraise ist eine Form des Slowplay. Ein Checkraiser checkt mit dem Ziel zu raisen, nachdem ein anderer Spieler gesetzt hat. Der Checkraiser geht üblicherweise davon aus, in diesem Augenblick die beste Hand zu halten. Manchmal möchte er es auch für die anderen Spieler nur teuer machen, in der Hand zu bleiben.

Oftmals wird ein Checkraise in geselligen Homegame-Runden auch missbilligt. In manchen Spielen werden Checkraises auch als zu betrügerisch und hinterlistig abgelehnt. Wenn Sie aufgrund Ihres Checkraises keine negativen Folgen bezüglich Ihrer sozialen Kontakte erleiden, dann sollten Sie den Checkraise zu Ihrem Hold´em-Arsenal hinzufügen.

Es gibt drei Situationen, in denen Sie erfolgreich checkraisen können:

  • Sie glauben, die beste Hand zu haben und wollen mehr Geld in den Pot bekommen.
  • Sie glauben, mit einem Checkraise erfolgreich semi-bluffen oder bluffen zu können.
  • Sie glauben, dass Sie mit einem Checkraise Ihren Erwartungswert (EW) erhöhen und andere zu einem Fold zwingen können (wodurch sich die Zahl der Spieler verringert, die den Pot für sich beanspruchen), selbst wenn Sie im Augenblick nicht die beste Hand halten.

Alle drei beruhen auf der Erwartung, dass jemand hinter Ihnen setzen wird, nachdem Sie gecheckt haben, da ein versuchter Checkraise, ohne einen Bet von einem anderen Spieler, auch nichts anderes als ein Check ist.

Das häufigste Szenario für einen Checkraise tritt dann auf, wenn Sie glauben, die beste Hand zu halten und mehr Geld in den Pot bekommen wollen. Dies geschieht häufig auf dem Flop, wenn Sie in einer der Blind-Positionen sitzen und den Preflop-Raise eines Late-Position-Open-Raisers callen. Ein Checkraise funktioniert gegen einen Spieler in Late Position besser als gegen einen Early-Position-Open-Raiser, da ein Late-Position-Open-Raiser wahrscheinlich eine schlechtere Hand hat als ein Early-Position-Open-Raiser. Jeder Preflop-Raiser wird vermutlich auch auf dem Flop setzen, wenn zu ihm gecheckt wird, insbesondere dann, wenn nur noch wenige Spieler in der Hand sind. Sowohl ein Early-Position-Raiser als auch ein Late-Position-Raiser setzen, wenn auf dem Flop zu Ihnen gecheckt wird. Im Durchschnitt wird der Late-Position-Raiser jedoch eine schlechtere Hand als der Early-Position-Raiser halten, sodass die Hand im Blind mit höherer Wahrscheinlichkeit auf dem Flop vorn liegt. Aus diesem Grund liegt im Checkraise eines Spielers in Late Position mehr Wert.

  • Beispiel eines Checkraise gegen einen Spieler in Late Position


Sie sind im Big Blind mit off-suit und sind der einzige, der den Open-Raise eines aggressiven Spielers auf dem Cut-off callt.

Ihre Hand: off-suit

Flop: Rainbow

Sie sollten auf diesem Flop aus zwei Gründen checkraisen.

  • Höchstwahrscheinlich haben Sie die beste Hand, also wollen Sie mehr Geld in den Pot bekommen.
  • Sie können darauf zählen, dass der Spieler im Cut-off setzt, da die meisten Spieler auf dem Flop setzen, wenn zu ihnen gecheckt wird, nachdem sie preflop geraist haben.

Ein Checkraise bringt entweder mehr Geld in den Pot oder bringt eine Hand, die noch Outs gehabt hätte, zum Folden. Wenn Ihr Gegner hält, dann freuen Sie sich über einen Fold, wenn Sie davon ausgehen, dass er auf dem Turn oder River keine weiteren Bets investiert, wenn Sie auf dem Flop callen. Wenn Sie auf dem Flop callen und Sie beide auf dem Turn checken, dann geben Sie ihm effektiv eine Freecard, da er den Turn und den River sehen kann, ohne zusätzliche Bets investieren zu müssen. Andererseits macht er einen Fehler, wenn er Ihren Checkraise callt, da er mit drei Outs nicht die notwendigen Potodds für einen Call hat.

Ein Checkraise ist erfolgreicher, wenn der andere Spieler aggressiv ist. Aggressive Spieler raisen in Late Position mit schwachen Händen, die andere Spieler nicht gespielt hätten. Es ist so gut wie sicher, dass diese setzen, wenn auf dem Flop zu ihnen gecheckt wird, insbesondere dann, wenn die Hand heads-up ist.

Semi-Bluff-Checkraise und Bluff-Checkraise

Semi-Bluff-Checkraises und Bluff-Checkraises funktionieren nur gegen Gegner, die auch in der Lage sind zu folden. Nicht so gut funktionieren sie gegen Gegner, die bereit sind, Sie mit As-high durchzucallen. Die Grundprinzipien des Semi-Bluffs und des Bluffs finden hier ebenfalls Anwendung.

  • Beispiel

Sie haben off-suit im Big Blind und callen einen aggressiven Late-Position-Raiser.

Ihre Hand: off-suit

Flop:

Sie haben einen Inside-Straightdraw. Sie sollten in Erwägung ziehen, den ursprünglichen Raiser mit diesem Semi-Bluff zu checkraisen, um ihn dazu zu bewegen, Hände wie etwa oder zu folden. Ein Checkraise mit einem Semi-Bluff funktioniert auf dem Flop sehr gut gegen aggressive Late-Position-Open-Raiser, da diese eher folden als Calling Stations und seltener hervorragende Hände halten, als gegen Rocks. (Rocks folden Hände, die aggressive Spieler in Late Position raisen würden. Deshalb besteht bei einem Rock, der raist, eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass er eine ausgezeichnete Hand hat, als bei einem aggressiven Spieler.)

Calling Stations: Calling Stations sind in der Lage, Sie ohne Paar mit As-high durchzucallen, sodass der Bluffwert dieses Semi-Bluff-Checkraises minimal ist. Wenn ein Semi-Bluff keinen Bluffwert hat, ist er nicht länger eine gute Spielstrategie.

Aggressive Spieler: Wenn Sie gegen aggressive Spieler sowohl Ihre Made Hands als auch Ihre Drawing-Hands checkraisen, sind Sie unberechenbarer geworden, was gut für Sie und schlecht für die anderen ist. Sie sollten an dieser Stelle mit off-suit ebenso checkraisen wie mit off-suit.

Rocks: Rocks halten mit höherer Wahrscheinlichkeit eine starke Starthand, sodass diese mehr Grund haben, in der Hand zu bleiben. Wenn diese jedoch mit oder geraist und bis zum Turn kein Paar getroffen haben, dann folden sie mitunter angesichts eines Checkraises auf dem Flop und eines Bets auf dem Turn. Ihr Semi-Bluff-Checkraise kann hier gewinnbringend sein. Geben Sie jedoch Acht, wenn ein Rock Sie später in der Hand raist.

Checkraise in einem Pot mit mehreren Spielern

Ein Checkraise kann in Pots mit mehreren Spielern sehr sinnvoll sein, insbesondere dann, wenn Sie die beste Hand haben, die jedoch verwundbar gegen Overcards ist. Ein Bet von Ihnen aus einer Early Position ist nicht genug, um Spieler mit Overcards zum Folden zu bringen, wohingegen das Ganze mit zwei Bets schon funktionieren könnte.

  • Beispiel

Sie sind im Big Blind mit Pocket-Zehnen. Zwei Spieler limpen. Ein aggressiver Spieler auf dem Button raist. Sie callen, ebenso wie die beiden Limper. Vier Spieler sehen den Flop, der keine Karte höher als eine enthält. Wenn Sie setzen, könnte jeder Spieler mit Overcards bei 9:1-Potodds und sechs Outs korrekterweise callen. (Die anderen haben die Potodds, um zu callen; siehe hierzu auch den Artikel zur HIPO-Methode.) Wenn Sie sich allerdings darauf verlassen können, dass der aggressive Spieler in Late Position setzt, wenn bis zu ihm gecheckt wird, haben Sie eine Gelegenheit zu checkraisen und die Limper mit zwei Bets zu konfrontieren. Mit Overcards und zwei Bets auf dem Flop sehen diese sich einem Call mit negativem EW gegenüber. Wenn sie also ihre Overcards folden, hat Ihre Strategie funktioniert. Wenn sie callen, haben sie einen Potodds-Fehler gemacht.

Dennoch sollten Sie achtsam sein. Diese Strategie kann auf zwei Arten nach hinten losgehen: Sie könnten einen Bet verschenken, wenn jeder nach Ihnen checkt und Sie können durch dieses aggressive Spiel mehr Chips verlieren, wenn der aggressive Spieler ein höheres Paar oder ein Set hat.

Checkraise in einem Heads-up-Pot

Wie oft sollten Sie in einer Heads-up-Situation checkraisen, wenn Sie die beste Hand halten? Hier eine klassische Hold'em-Situation: Alle folden bis zu einem Late-Position-Spieler, der raist. Sie sitzen im Big Blind und sind der einzige Spieler, der callt. Der Flop sieht gut für Sie aus und Sie gehen davon aus, die beste Hand zu halten. Sie checken mit dem Ziel, zu checkraisen. Wenn Sie vorn liegen und checken und der Late-Position-Spieler setzt, gewinnen Sie durch einen Checkraise, da er mehr Chips in den Pot legen muss, um die nächste Karte zu sehen. Checkt er allerdings, nachdem Sie gecheckt haben, kann er sich die nächste Karte kostenlos ansehen. Vergleichen Sie diese beiden Situationen, um herauszufinden, wie oft der Late-Position-Spieler setzen muss, damit Ihre Checkraise-Strategie im Big Blind einen positiven Erwartungswert hat.

Annahmen:

  • Im Pot befinden sich 2,25 Big Bets.
  • Zwei Spieler sehen den Flop.
  • Sie sitzen im Big Blind, haben eine 80%-Chance, die Hand zu gewinnen und liegen auf dem Flop vorn.
  • Es gibt keine weiteren Bets auf dem Turn oder River.
  • Ihr Gegner wird weder raisen, wenn Sie setzen, noch reraisen, wenn Sie raisen.
  • Ihr Gegner wird setzen, wenn Sie checken und callen, wenn Sie setzen oder raisen.

 

Aktion

Rechnung

Ergebnis, EW

Check, wenn LP checkt

(80 % x 2,25) + (20 % x 0)

+1,80

Erfolgreicher Checkraise

(80 % x 3,25) + (20 % x -1)

+2,40

Setzen, wenn LP callt

(80 % x 2,75) + (20 % x -0,5)

+2,10

 

Unter diesen Annahmen hat ein Big Blind, der setzt, einen EW von +2,10 Big Bets. Wenn Sie in der Lage sind zu checkraisen, erhöht sich Ihr EW auf +2,40. Wenn der Late-Position-Spieler nach Ihnen checkt, sinkt Ihr EW auf +1,80. Bei Verwendung dieser Zahlen wäre der EW eines Checks unter der Annahme, dass der Late-Position-Spieler in genau der Hälfte der Fälle setzt, ebenso hoch wie der EW eines Bets.

 

Aktion

Rechnung

Ergebnis, EW

Check, wenn LP zu 50 % setzt

(1,80 x 50 %) + (2,40 x 50 %)

+2,10

 

Wenn Sie davon ausgehen, dass der Late-Position-Spieler in 60 % der Fälle setzt, dann stellt ein Checkraise die bessere Option dar.

Aktion

Rechnung

Ergebnis, EW

Check, wenn LP zu 60 % setzt

(1,80 x 40 %) + (2,40 x 60 %)

+2,16

 

 

Wenn Sie erwarten, dass der Late-Position-Spieler in weniger als 50% der Fälle setzt, dann ist ein Bet anstelle des Check das bessere Spiel. Die EW-Gleichung unter Verwendung von 40% sieht folgendermaßen aus:

Aktion

Rechnung

Ergebnis, EW

Check, wenn LP zu 40 % setzt

(1,80 x 60 %) + (2,40 x 40 %)

+2,04

 

 

Wenn ein Spieler preflop geraist hat und nur Sie callen im Big Blind, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Preflop-Raiser nach einem Check von Ihnen setzen wird, unabhängig vom Flop. Deshalb ist es die richtige Strategie, einen Checkraise zu versuchen, wenn Sie in einem geraisten Heads-up-Pot als Erstes agieren müssen und glauben, die beste Hand zu halten. Wenn Sie denken, dass der Preflop-Raiser eher checken als raisen würde, dann sollten Sie einen Bet in Betracht ziehen.

Verteidigung gegen einen Checkraise

Wie gegen einen Checkraise zu spielen ist, hängt von Ihrem Gegner ab. Wenn Sie sich sicher sind, dass er nicht mit einem Semi-Bluff-Draw, wie einem Inside-Straightdraw, checkraisen würde, dann schätzen Sie, wie viele Outs Sie haben.

  • Beispiel 

Angenommen Sie raisen in Late Position mit off-suit und nur der Big Blind callt.

Ihre Hand: off-suit

Flop:

Ihr Gegner checkt. Sie setzen. Er checkraist. Sie haben 7,25:1 Odds (4,25 Small Bets vor dem Flop und bis dorthin drei weitere Small Bets auf dem Flop). Wenn Ihr Gegner ein Split Pair Neunen (ohne - oder -Kicker) hat, dann haben Sie sechs Outs, was genug wäre, um mit einem Call fortzufahren und den Turn zu sehen. Wenn Ihr Gegner allerdings oder ein Split Pair Queens hält, haben Sie gerade noch drei Outs. Wenn der Flop Ihnen zwei Overcards statt einer zum Board gegeben hätte, können Sie mit mehr Outs rechnen.

Wenn Sie eine starke Hand (wie etwa ) haben und gecheckraist werden, können Sie davon ausgehen, dass der Checkraiser auf dem Turn erneut setzt, sodass Sie bis zum Turn warten sollten, um ihn zu raisen. Durch ein Reraise auf dem Flop verlieren Sie mitunter einen zusätzlichen Small Bet, da er nun aufgrund der von Ihnen zur Schau gestellten Stärke auf dem Turn vermutlich checken wird. Dies jedoch macht daraus faktisch einen fehlplatzierten Freecard-Raise, da die Option, eine Freecard auf dem Turn zu erhalten, ziemlich nutzlos ist, wenn Sie die beste Hand halten.

Wenn ein Spieler Sie auf dem Turn checkraist und der Turn die zweite Karte einer Farbe auf diesem Board ist, besteht die Möglichkeit, dass er einen Semi-Bluff-Checkraise macht. Möglicherweise hat er die vierte Karte zu einem Flush bekommen und nun realisiert, dass er neun zusätzliche Outs hat. Es ist leichter, einen Semi-Bluff-Checkraise bei einem gerade gebildeten Flushdraw zu sehen, als bei einem gerade gebildeten Straightdraw. Wenn Sie glauben, dass der Checkraiser in der Lage wäre, in einer solchen Situation zu checkraisen und Sie eine gute Hand wie etwa Top Pair mit einem guten Kicker haben, dann callen Sie ihn. Es besteht nicht nur die Chance, dass er seinen Draw verpasst, wenn er einen Semi-Bluff mit einem Draw gespielt hat, sondern er könnte auch ein Paar halten, sodass Ihr Top Pair besser sein könnte.

Sich gegen einen Checkraise zu verteidigen ist schwieriger, wenn Sie eine schlechtere Hand, wie etwa Middle Pair halten. In diesem Fall sollten Sie einen Call in Erwägung ziehen, wenn auf dem Turn ein Flushdraw auf dem Board liegt. Folgt jedoch auf dem River die dritte Flushkarte, sollten Sie einen Fold ernsthaft in Betracht ziehen. Ein Gegner, der mit einem Flushdraw einen Semi-Bluff gespielt hat, hat nun seinen Flush getroffen. Ein Gegner, der keinen Semi-Bluff mit einem Flushdraw gespielt hat, hat möglicherweise bereits eine bessere Made Hand als Sie.

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