PokerStars Homepage
FLHE Advanced: Made Hands

Made Hands

Wenn man auf dem Flop eine starke Hand hält und gleichzeitig vermutet, dass der oder die Gegner schwächere Hände halten, gilt es, zwei Ziele zu verfolgen:

  1. Das Maximum aus der Hand herauszuholen und
  2. die Hand gegen Draws zu schützen.

Als Erstes gilt es zu bewerten, wie stark und wie verwundbar die eigene Hand ist. Eine Hand wie Toppaar mit Top Kicker (TPTK) gibt es in verschieden starken Ausprägungen. Ein Toppaar mit auf einem Flop ist deutlich wertvoller als ein Toppaar mit auf einem -Flop. Auch wird die Stärke der eigenen Hand maßgeblich durch die Struktur des Boards beeinflusst. Eine Hand wie wird auf einem Flop von normalerweise schwerer überholt als auf einem Flop von . Obwohl wir in beiden Fällen das Toppaar mit Top Kicker halten, ist die Hand im ersten Fall deutlich wertvoller.

Hier wird deutlich, dass es kaum generelle und immer gültige Anweisungen für das Spielen von bestimmten Händen geben kann. Es gilt die meistgebrauchte Aussage beim Pokern: Es kommt drauf an.
Zum Beispiel muss die Anzahl der Gegner betrachtet werden. Nehmen wir an, wir befinden uns in einem Blindbattle, sind also Heads-up mit nur einem Gegner in den Blinds. Nun steigt der Wert von kleinen Paaren und sogar Ace-high deutlich an. Entsprechend sind diese Hände in Multiway-Pots signifikant schwächer und äußerst selten die stärkste Hand am Showdown.

Multiway

Wenn der Pot groß ist und wir vermuten, die beste Hand zu halten, wollen wir in der Regel versuchen, möglichst viele Gegner aus der Hand zu drängen. Und wenn uns dies nicht gelingt, sollten wir zumindest versuchen, die nächste Karte so teuer wie möglich zu machen, damit die Gegner schwache Draws nicht mehr profitabel callen können und somit Fehler begehen, wenn sie dennoch in der Hand bleiben. Dieses Ziel können wir in den meisten Fällen durch eine aggressive Spielweise erreichen, also durch Setzen und Erhöhen, sobald wir dazu die Gelegenheit haben. Aber abhängig von unserer Position gibt es hier Ausnahmen.

  • Zwei Beispiele:
    • Wir halten im Big Blind, ein Spieler in mittlerer Position und der Small Blind callen. Der Flop bringt uns mit Toppaar mit schwachem Kicker. Der Small Blind checkt und wir können setzen oder checken. Wenn wir nun davon ausgehen, die beste Hand zu halten, sollten wir setzen. Hält der Spieler in mittlerer Position z. B. einen Gutshot-Draw mit , macht er einen Fehler, wenn er unseren Bet callt. Hier können wir unserer Hand also einfach mit einem Bet schützen.
    • Schwieriger wird es, wenn wir uns gegen die gleiche Hand schützen wollen, der Pot aber bereits größer ist: Zwei Spieler in mittlerer Position callen, genauso wie der Cut-off, der Button erhöht und wir callen im Big Blind mit . Auf dem gleichen Flop von floppen wir ein Set. Wenn wir nun einfach den Flop setzen, sind 10,5 kleine Einsätze im Pot und wenn der Spieler in MP wieder einen Gutshot-Draw hält, kann er hier mit seinen vier Outs profitabel callen. Einfaches Setzen schützt unsere Hand also nicht. Eine Möglichkeit, unser Set dennoch gegen einen Gutshotdraw zu schützen ist es, unsere gute relative Position zum Preflop-Raiser auszunutzen. Es ist wahrscheinlich, dass der Button setzt, wenn die verbliebenen Spieler zu ihm checken. Danach sind wir an der Reihe und können diesen Bet erhöhen und somit den Rest des Feldes mit zwei Bets konfrontieren. Mit einem Gutshot-Draw kann somit nicht mehr profitabel gecallt werden.

Hier wird auch deutlich, dass es nicht immer möglich ist, eine Hand auf dem Flop gegen einen Draw zu schützen. Das gilt insbesondere in großen Pots und gegen starke Draws. Als Faustregel kann man also festhalten, dass man besonders in großen Pots mit Made Hands setzen bzw.  erhöhen sollte, um seine Hand zu schützen oder alternativ folden sollte. Callen ist mit Made Hands selten die korrekte Option.

Gegen wenige Gegner (zwei bis drei Spieler auf dem Flop)

Mit einer geringeren Zahl von Gegnern sinkt auch die Notwendigkeit, seine Made Hand zu schützen, denn weniger Gegner haben im Schnitt weniger Outs gegen uns. Auch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass schwächere Hände wie einzelne Paare am Showdown gewinnen, und gleichzeitig werden unsere Gegner in Pots mit weniger Spielern eher bereit sein, auch ihre schwachen Hände zum Showdown zu führen.
Daraus folgt, dass es sich gegen wenige Gegner eher lohnt, einen größeren Pot aufzubauen. Man kann z. B. mit starken Händen wie Toppaar auf dem Flop nur callen, um dann auf dem Turn zu erhöhen.

  • Wenn wir mit unseren Big Blind gegen einen Steal-Versuch vom Button verteidigen und auf dem Flop mit das Toppaar treffen, kann es vorteilhaft sein, einen Continuation-Bet des Buttons nur zu callen mit dem Plan, auf dem Turn einen Checkraise anzubringen.
  • Eine weitere Situation, in der es vorteilhaft sein kann, seine Aggression für den Turn aufzusparen, tritt z. B. dann ein, wenn wir mit in späterer Position erhöhen und nur ein Spieler aus den Blinds callt, der anschließend auf einem A-high-Flop in uns hineinsetzt. Wenn wir glauben, dass er hier oftmals ein As mit einem schlechteren Kicker hält, damit aber stets zum Showdown geht, können wir seinen Flopbet nur callen und seinen zu erwartenden Bet auf dem Turn dann raisen.

Die Gefahr in beiden Beispielen ist natürlich, dass unser Gegner eine starke Hand wie Two Pair oder ein Set hält, uns auf dem Turn reraist und wir vor der schwierigen Entscheidung stehen, eine recht starke Hand (in einem durch unseren Checkraise bzw. seinen Reraise aufgebauten Pot) zu folden oder zwei weiter Bets für den Showdown zu zahlen.

Das soll aber nicht heißen, dass wir nun jedes Mal gegen einen oder zwei Gegner standardmäßig Freecards gewähren sollten. Sobald wir glauben, dass die Handrange der Gegner viele Draws beinhaltet, sollten wir stets versuchen, diese Draws so teuer wie möglich zu machen.

Es ist jedoch nicht sinnvoll, diesen Spielzug jedes (!) Mal anzuwenden, wenn man eine Hand wie TPTK hält. Denn immer, wenn man die gleiche Art von Händen stets auf dieselbe Weise spielt, wird man für aufmerksame Gegner schnell durchschaubar.

Exkurs 1

Generell ist es wichtig, nicht zu durchschaubar zu sein. Wir gehen zunächst davon aus, dass unsere Gegner im Advanced-Bereich durchschnittlich besser werden. Und eine Fähigkeit, die bessere Gegner auszeichnet, ist eben die, seine Gegner aufmerksam zu beobachten. Wenn wir also nur mit Sets und Two-Pair-Händen am Turn raisen oder checkraisen würden, würden wir selten von diesen Gegnern ausbezahlt. Wenn sie allerdings wissen, dass wir auch mittelstarke Hände und einige Draws auf dem Turn raisen, fällt es ihnen deutlich schwerer, korrekt gegen uns zu spielen.

Wenn wir eine mittelstarke Made Hand halten und unser Gegner überraschend aktiv wird und erhöht oder checkraist, dann haben wir regelmäßig schwierige Entscheidungen zu fällen. Das Problem ist, dass wir nun nicht mehr generell davon ausgehen können, dass wir gegen eine sehr starke Hand spielen. Denn viele bessere Gegner spielen hier (korrekterweise!) Hände ganz unterschiedlicher Stärke aggressiv. Entsprechend kann hier keine generelle Regel geliefert werden, welche Strategie die gewinnbringendste ist. Es kommt also mal wieder darauf an. Ganz allgemein sollte gegen aggressive Gegner häufiger zum Showdown „runtergecallt" werden, als gegen sehr passive Spieler.

Auch die Potodds helfen hier weiter:

  • In einer typischen Situation an einem FL-2/4-Tisch eröffnen wir auf dem Button mit einer Erhöhung und der Big Blind callt. Es sind $9 im Pot. Der Flop bringt uns mit Toppaar. Wir setzen und der Big Blind callt. Auf dem Turn fällt die und nachdem der Big Blind erneut gecheckt hat, setzen wir ein weiteres Mal. Es sind nun $17 im Pot. Jetzt checkraist uns der Big blind aber, was den Pot auf $25 vergrößert. Wir können davon ausgehen, dass der Big Blind auch auf dem River setzen wird, wenn wir seinen Checkraise auf dem Turn callen. Wir müssten also $8 zahlen um einen Showdown in dem Pot, der am River $36 (Preflop 9 + Flop 4 + Turn 16 + River 8) groß sein wird, zu sehen. Unsere Potodds betragen somit 37:8, also etwas schlechter als 4:1 und unsere Hand muss rund 20 % der Showdowns gewinnen, um den Call-down profitabel zu machen.

Ob wir in 20 % der Fälle in der beschriebenen Situation vorn liegen, hängt entscheidend vom Gegner ab. Auch sollte hier festgehalten werden, dass es selten den Fall gibt, in dem wir mit einer Made Hand einen Turnraise callen und dann gegen einen Riverbet folden. In der Regel verpflichten wir uns hier mit dem Turncall dazu, auch einen weiteren Riverbet zu callen.

Wenn ein Spieler zwei oder mehr Gegner raist oder checkraist, sollten regelmäßig die Gewinnchancen mit mittelstarken Händen überdacht werden. Zeigt ein Gegner nämlich solche Stärke, deutet dies auf starke Hände hin und ist selten ein (Semi-)Bluff.

Exkurs 2

Generell gilt, dass man Made Hands bei nur einem einzelnen Gegner selten gegen einen Riverbet folden sollte. Ein Rivercall kostet uns regelmäßig einen einzelnen Bet, während es uns den gesamten Pot kostet, wenn wir die beste Hand wegwerfen. Das heißt nicht, dass wir nun jeden Gegner immer ausbezahlen sollten. Allerdings sind die Potodds am River häufig günstiger als unsere Gewinnwahrscheinlichkeit, sodass viele Calls, die aussichtslos erscheinen, dennoch profitabel sind.
Zusammenfassend kann man hier sehen, dass wir unsere Made Hands regelmäßig aggressiv spielen, also setzen und erhöhen sollten. Auf diese Weise lassen sich unsere eingangs angesprochenen Ziele am besten erreichen. Sollte sich eine Hand aber völlig anders entwickeln als geplant, kann es sinnvoll sein, einen Gang zurückzuschalten.

X Informationen zu Cookies

Wir haben auf deinem Computer Cookies platziert, um deinen Aufenthalt auf unserer Website noch angenehmer zu gestalten. Du kannst deine  Cookie-Einstellungen  jederzeit ändern. Andernfalls setzen wir dein Einverständnis voraus.