PokerStars Homepage
FLHE 6-max: Startinghand-Chart

Starthand-Tabelle (first-to-open) für Small Stakes und 6-max-Einsteiger

Einführung:

Limit Hold'em ist wie jede Pokervariante ein Spiel der nichtvorhandenen Informationen – je weniger wir wissen, umso schwieriger ist es, Entscheidungen zu treffen. Warum sollte man, um ein Beispiel zu geben, eine mittelmäßig starke Hand gegen viele Spieler ohne Position spielen? Warum sollte man sich in eine Situation bringen, in der man ohne Hintergrundwissen viel Geld aufs sprichwörtliche "Spiel" setzt? Vielmehr ist es unsere Aufgabe, Risiko und Ausbezahlung abzuwägen und aufgrund der vorhandenen Informationen möglichst zielgerichtet und berechnend zu agieren.

Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass wir unsere Handselektion unserem Informationsstand anpassen. So sind extrem wenige Hände aus früher Position spielbar, da wir hinter uns ein Feld von Spielern wissen, die problemlos eine bessere Hand als wir halten könnten. Dies ist der größte Fehler, den Anfänger und Spieler, die große Lücken in ihrer Spieltheorie haben, begehen: Sie spielen viel zu häufig schlechte und suboptimale Hände außer Position.

Dabei sind die grundlegenden „Regeln" in Bezug auf 6-max Limit Hold'em relativ einfach. Deshalb haben wir diese auch in einer Tabelle zusammengestellt, die man sich ausdrucken und in Blickweite am Monitor fixieren kann.

Die in diesem Artikel und in der angehängten Tabelle aufgeführten Empfehlungen sind in erster Linie für Einsteiger ins 6-max-Limit-Hold'em-Spiel sowie für Umsteiger von Fullring Limit Hold'em gedacht. Wir haben daher einen etwas vorsichtigeren, „tighteren" Ansatz gewählt. Wir verzichten also auf einige marginale Hände, die für erfahrene Spieler durchaus einen positiven Erwartungswert haben könnten, für Ein- und Umsteiger jedoch schwierig zu spielen sind und sie oft in komplizierte Situationen bringen. Um solche Situationen zu meistern, braucht man sehr gute Fähigkeiten im Lesen gegnerischer Hände und die hat man in der Regel erst als erfahrener Spieler. Daher haben wir das Chart auf die Bedürfnisse von eher unerfahrenen 6-max-Limit-Hold'em-Spielern ausgerichtet, ein weiterer Artikel für etwas fortgeschrittenere und erfahrenere Spieler folgt in Kürze. Darin ist dann eine etwas aggressivere Herangehensweise beschrieben.

Grundlagen:

Limit Hold'em hat sich in den vergangenen Jahren im Internet stark entwickelt, es fand eine richtige Evolution statt vom passiven, loosen hin zu extrem aggressivem, tightem Spiel. Auch auf den niedrigeren Limits findet man zunehmend (unter anderem durch die Verbreitung von immer besserer Pokerliteratur und Onlineangeboten wie von PokerStars School) mehr Gegner, die sich den tight-aggressiven Spielstil aneignen. Dennoch machen auch diese Spieler noch diverse Fehler und so ergeben sich auf den unteren Spiellimits bis $5/$10 sehr viele, sehr gut schlagbare Partien.

In diesem Artikel wollen wir insbesondere auf die Handselektion vor dem Flop eingehen.

Die beiden unabdingbaren Grundpfeiler unserer Strategie sind:

  • In früher Position spielen wir sehr wenige Hände und diese aggressiv. Wir stellen sicher, dass wir eine solide Starthand halten, die eine hohe Wertigkeit und Spielbarkeit gegen die Hände der anderen Opponenten am Tisch aufweist.
  • In später Position spielen wir eine breitere Auswahl von Händen, wir isolieren passive Spieler auch mit marginaleren Händen, als wir es außer Position tun könnten, und wir greifen die Spieler in den Blinds an, um sie dazu zu zwingen, gegen uns außer Position mit einer marginalen Hand ihr Blind-Geld verteidigen zu müssen.


Zudem müssen wir gerade im Vergleich zu sehr passiven Fullring-Partien einige Anpassungen vornehmen:

  • Wenn wir in die Hand einsteigen, dann mit einer Erhöhung. Während es in bestimmten loose-passiven Fullring-Partien auch möglich ist, bestimmte spekulative Hände wie kleine Paare ohne eigene Erhöhung zu spielen, gibt es diese Möglichkeit im 6-max Limit Hold'em üblicherweise nicht. Hier wollen wir  unsere Position durch eine Erhöhung verbessern und uns somit im Kampf um das Geld in den Blinds gut positionieren.
  • Suited Connectors wie z.B. , die sich im Fullring Limit Hold'em in Multiway-Situationen dank der Potodds und der meist noch größeren Implied Odds bei einem „Treffer" sehr gut spielen lassen, verlieren im 6-max Limit an Wert. Wir haben in 6-max-Partien wesentlich seltener die Situation, dass wir gegen ein großes Feld ohne Erhöhung die Hand ausspielen können. Wir können dennoch die besseren Suited Connectors spielen, die uns auch die Möglichkeit geben, ein gutes Paar zu floppen, das eventuell ausreicht, die Hand zu gewinnen, oder uns einen sehr starken Draw bescheren. Insbesondere in später Position verhelfen uns Suited Connectors zu mehr Balance, da wir eben nicht nur mit starken As- oder Königkombinationen und diversen Paaren, sondern eben auch mit guten Suited Connectors wie suited oder suited ins Geschehen einsteigen. Somit fällt es dem Gegner schwerer, uns auf eine genaue Hand zu „setzen" und somit möglichst korrekt gegen uns zu spielen.
  • Auch der Umgang mit kleineren Paaren ändert sich. Dadurch, dass wir im Fullring-Poker teilweise fünf bis sechs Gegnern nach dem Flop gegenüberstehen, müssen wir in der Regel schon mit unseren kleineren Paaren einen Drilling auf dem Flop treffen, wenn wir die Hand gewinnen wollen. In 6-max-Partien hingegen spielen wir selbst auf niedrigeren Limits in einer Hand häufig gegen maximal einen oder zwei Gegner und somit bekommen auch kleinere Paare nach dem Flop eine höhere Wertigkeit beziehungsweise Gewinnchance.


Hände nach Positionen


„Under the gun" - UTG

Als „under the gun" (UTG) bezeichnet man die Position zur direkten Linken des Big Blinds. In dieser Position ist man vor dem Flop gezwungen, als allererster und somit auf Basis extrem geringer Informationen agieren zu müssen. Da aber Informationen für ein gutes Spiel sehr wichtig sind, werden wir in dieser Position nur sehr wenige Hände spielen. Insbesondere auf den niedrigen Limits, wo der Rake einen großen Einfluss auf unsere Gewinnrate hat, ist es unabdingbar, hier nur auf die besten Hände zu setzen.

Dies bedeutet, dass wir nur Paare ab aufwärts (also , , , , , , , ), Suited-Asse ab ( suited, suited, suited, suited, suited, suited), Offsuit-Asse ab (, , , ), Suited-Könige ab ( suited, suited, suited) und Offsuit-Könige ab (, ) sowie die stärkste Damenkombo () spielen. Dies alles sind sehr starke Hände, die es uns erlauben ohne Kopfschmerzen nach dem Flop weiterspielen zu können, ohne dabei (auch für beginnende 6-max-Spieler) in zu schwierige Situationen zu laufen.

Hijack
Als „Hijack" (oder UTG + 1) am Pokertisch bezeichnen wir die Position zur direkten Linken des Spielers „UTG". Es stellt somit eine deutliche Verbesserung dar, allein dadurch, dass wir wissen, welche Aktion der erste Spieler wahrgenommen hat. Wir haben also einen 20%igen Informationsvorsprung im Vergleich zum UTG und können somit unsere Handselektion entsprechend anpassen. Dadurch werden diverse Hände spielbar, die wir als „UTG" noch ablegen mussten.

Zusätzlich zu den oben im UTG-Abschnitt behandelten Händen sind jetzt auch folgende Kombinationen spielenswert:
, suited, suited, offsuit, offsuit, suited, offsuit, suited, offsuit, suited, suited, suited

Cut-off – CO
Auch in dieser Position kommt es zu einem weiteren Zugewinn von eben jenen besprochenen 20 %, der uns erlaubt, unsere Handauswahl nochmal auszuweiten.

Hände wie , suited, suited, suited, offsuit, offsuit, suited, offsuited, suited, offsuited, suited, offsuited sowie suited werden spielbar. Wie aus dieser Aufzählung deutlich wird, spielt beginnend mit dem Cut-off die Dominierung durch andere (bessere) Hände hinter uns eine wesentlich geringere (wenngleich nicht unbedeutende) Rolle, und wir können auch mit spekulativeren Händen mit einer Erhöhung eröffnen, insbesondere, wenn der Spieler zu unserer Linken auf dem Button tendenziell wenig aggressiv ist und unsere Erhöhungen seltener reraisen wird.

Dealerbutton Button
Auf dem Button verfügen wir über die bestmögliche Position am Tisch. Wir haben vor dem Flop bereits das Wissen darüber, wie die drei Gegner vor uns zu ihrer Hand stehen (wurde erhöht, wie oft wurde erhöht etc.) und haben auf die zwei verbleibenden Gegner in dieser Spielrunde nach dem Flop Position, was uns auch nach dem Flop wieder einen entsprechenden Wissensvorsprung verschafft.

Dieser Vorsprung an Wissen (gegenüber dem Spieler „UTG" besitzen wir einen Informationsvorsprung von 60 % über die Aktionen unserer Gegner) zahlt sich auf Dauer in barer Münze aus, da er uns erlaubt, optimal auf Grundlage unserer Kenntnisse und Fähigkeiten zu agieren. Von dieser Position aus werden wir auf lange Sicht mehr Geld gewinnen als in jeder anderen.

Hände, die nun zusätzlich spielbar sind: , suited, offsuit, offsuit, suited, suited, offsuit, offsuit, suited, suited, offsuit, offsuit, suited, suited, offsuit, offsuit, suited, offsuit

Small Blind
Aus dem Small Blind heraus das Spiel zu eröffnen, nachdem alle anderen Spieler zu uns gepasst haben, ist eine für jeden Spieler schwierige Aufgabe. Wir spielen nur gegen einen Gegner, der automatisch für die gesamte Hand auf uns Position halten wird und uns so in schwierige Situationen bringen kann. Gleichzeitig jedoch können wir ihm nicht zu häufig das Spiel überlassen und zu viele marginale Hände folden, da dies (insbesondere auf höheren Stakes oder in tighteren Partien) sehr schnell sehr kostspielig wird. Dies ist eine simple Frage der Mathematik: Wenn wir in 100 Händen nur einmal erfolgreich aus dem Small Blind die Blinds „stehlen", haben wir unserer Gewinnrate zusätzliche 1,5 Small Bets oder 0,75 Big Bets hinzugefügt (bei Annahme einer ½-Blindstruktur: 1 Small Bet im Big Blind + 1 halber Small Bet im Small Blind = 1,5 Small Bets), was schon einen bemerkenswert großen Anteil an unserer Zielgewinnrate im Limit Hold'em darstellt, da jeder Spieler, der einen BB auf 100 Hände gewinnt, schon zu den Top-5% im Limit-Hold'em-Onlinepoker gehört.

Insofern müssen wir hier an dieser Stelle, wenn zu uns gepasst wurde, mit einer weiten Anzahl von Händen aktiv werden und unsererseits versuchen, den Big Blind mit einer Erhöhung unter Druck zu setzen. Hierbei müssen wir, obwohl wir nun außer Position sind, mit einer noch größeren Anzahl von Händen als vom Dealerbutton in den Pot einsteigen, insbesondere auch deshalb, weil wir bereits wissen, was fünf von sechs Spielern von ihrer Hand halten. Natürlich ergibt sich hierbei eine große Schwierigkeit aus unserer Position: Bisher waren wir es am Tisch gewohnt, dass wir – wenn zu uns gepasst wurde – eine stetig bessere Position hinsichtlich der Gegner einnehmen würden, nun jedoch müssen wir die Hand außer Position austragen.
Dennoch werden hier auch Hände wie , offsuit, suited, suited, suited, suited, offsuit, suited, suited, offsuit, offsuit sowie suited und offsuit spielbar.

Zusammenfassung:

In Limit Hold'em müssen wir unser Spiel in allen vier Setzrunden exzellent gestalten. Allerdings wird es schwierig, fehlerhaftes Spiel vor dem Flop in späteren Setzrunden auszugleichen. Es lässt sich mit einem Haus vergleichen: Wenn das Fundament marode ist, ist die Standkraft des Hauses fragwürdig. Dieser Artikel soll Einsteigern und Fullring-Umsteigern auf das 6-max-Spiel ein gesundes Pokerfundament geben, mit welchen Händen man von welcher Position ins Spielgeschehen eingreifen kann oder es besser sein lassen sollte.
Wie bereits erwähnt, verzichtet die untenstehende Openraising-Tabelle bewusst auf einige Hände in gewissen Positionen, um so den Anfänger oder Umsteiger nicht in zu schwierige Situationen kommen zu lassen, die er ohne Erfahrung schwer lösen kann. Dies wird in einem zweiten Artikel für höhere Limits nachgeholt.
Für Anfänger empfiehlt es sich jedoch, zunächst eher auf der sicheren Seite zu bleiben und den in diesem Artikel beschriebenen Grundlagen zu folgen. Dann dürfte dem Einstieg in das fabelhafte, actionreiche und kreative Spiel, das 6-max Limit Hold'em darstellt, auch nichts mehr im Weg stehen. Auf diesem Weg wünschen wir alles Gute, viel Geduld – mit ausreichendem Ehrgeiz und starkem Einsatz wird dieser Weg ein erfolgreicher sein.


 

X Informationen zu Cookies

Wir haben auf deinem Computer Cookies platziert, um deinen Aufenthalt auf unserer Website noch angenehmer zu gestalten. Du kannst deine  Cookie-Einstellungen  jederzeit ändern. Andernfalls setzen wir dein Einverständnis voraus.