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Bring die schlechteste Hand nicht dazu, zu passen - Teil 2
Das Spiel auf dem Turn und River
Beim letzten Mal schrieb ich über die Situationen vor und nach dem Flop (preflop und postflop), in denen dein Gegenspieler aufgrund zu großer Bets gefoldet hat, was für dich zu einem Verlust an Value führte. Im zweiten Teil dieses Artikels erkläre ich dir, welche Fehler du auf dem Turn und River vermeiden solltest.
Fehler Nr. 3: Zu große Bets nach dem Turn
Angenommen, du bist auf dem Turn am Zug und gehst davon aus, dass du die stärkste Hand hast. Wie solltest du vorgehen? Natürlich solltest du dasselbe tun, was du immer schon getan hast: eine Bet des Value wegen (eine Value Bet) machen. Nach meiner Erfahrung tendieren Spieler ständig dazu, entweder zu aggressiv oder zu passiv fortzufahren. Das passive Spiel - ein Check auf dem Turn - basiert auf dem Grundgedanken, dass, wenn der Gegenspieler mitgeht, er etwas in der Hand haben muss und es deshalb besser ist, Vorsicht walten zu lassen. Es ist immer falsch, auf dem Turn impulsiv zu checken, ohne nachzudenken, doch dazu komme ich noch in einem späteren Artikel.
Wenn wir unseren Gegenspieler mit einer übergroßen Bet zum Folden bewegen, ist das ein ebenso häufiger und ebenso schwerer Fehler. Viele Spieler denken sich, "Okay, er ist auf dem Flop mitgegangen, aber der Pot ist groß genug, also mache ich eine große Bet. Ich will nicht, dass er noch einmal callt."
Warum? Warum sollte er folden? Wenn du deinen Gegenspieler dazu bringst, seinen Straight Draw niederzulegen, wirfst du im Grunde genommen Chips weg (was so ist, als würdest du Geld wegwerfen). Nehmen wir einmal an, du hast auf dem Turn nur ein Top Pair mit einem anständigen Kicker. Wenn wir von 2% pro Out ausgehen, hat der Straight Draw eine 16%ige Trefferchance und der Flush Draw eine 18%ige. Für das zweit- und dritthöhere Paar gibt es jeweils eine 10%ige Chance, dass der Spieler seine Outs trifft, um auf eine bessere Hand zu kommen als du. Hat ein Spieler ein Top Pair mit einem schlechteren Kicker, hat er eine ca. 6%ige Chance, die Hand zu gewinnen. Wenn du in dieser Situation 50 - 75% des Pots setzt, wirst du wohl auf lange Sicht gutes Geld damit machen. Es ist sehr wichtig, dass du dir klarmachst, dass ein Call deines Gegenspielers gut für dich ist.
Beim Poker geht es darum, die Chips deiner Gegner zu gewinnen. Einige der besten Gelegenheiten dafür ergeben sich in vielen Fällen auf dem Turn, wo deine Gegenspieler immer wieder die falsche Entscheidung mit ihren Draws treffen.
 
Fehler Nr. 4: Zu große Bets nach dem River
Im Vergleich zu den vorherigen Einsatzrunden ist die Situation um einiges einfacher, wenn die River-Karte erst einmal aufgedeckt ist, und zwar in erster Linie deswegen, weil keine weiteren Karten mehr kommen und dein Gegenspieler somit keine Outs mehr treffen kann, die ihm die bessere Hand geben (dich nicht outdrawen kann). Alles, was es auf dem River zu berücksichtigen gilt, ist, ob du eine Value Bet machst oder nicht, und wenn ja, in welcher Höhe. Aufgrund des Themas dieses Artikels konzentriere ich mich auf solche Situationen, in denen du die beste Hand hast und folglich setzen solltest.
Ein sehr häufiger Fehler tritt dann auf, wenn eine offensichtlich sehr starke Hand gespielt wird, wie die Nuts. Viele Spieler glauben, wenn sie auf dem River eine unschlagbare Hand treffen oder diese bereits haben, dass es die beste Option ist, All-in zu gehen. Sie verschwenden keinen Gedanken daran, was ihr Gegenspieler wohl in dieser Hand hat, sondern sagen sich einfach: "Mir ist klar, dass mein Gegner meistens folden wird, doch die paar Male, die er mitgeht, gewinne ich einen Haufen Chips." Diese Spieler werden sich allzu oft einem Fold gegenübersehen. Auf lange Sicht würden sie bedeutend mehr Chips bzw. Geld gewinnen, wenn sie jedes Mal eine Bet in Höhe von 50% des Pots machen würden. Mach keine zu große Bet auf dem River, bloß, weil du denkst, dass dein Gegenspieler schon manchmal mitgehen wird! Bedenke immer, wie stark die Hand, gegen die du spielst, wahrscheinlich ist, und passe die Größe deiner Bets entsprechend an.
Ein ebenfalls sehr verbreiteter Fehler ist, dass Spieler die Stärke ihrer Hand mit der Größe ihrer Bet zur Schau stellen. Sie machen große Bets mit starken Händen und kleine Bets mit schwachen Händen. Ich frage wieder: warum? Denn warum sollte es eine Rolle spielen, wie viel besser deine Hand ist, solange sie besser ist als die deines Gegenspielers? Die richtige Einsatzhöhe auf dem River hängt nicht von der Stärke deiner Hand ab, sondern vielmehr von der Stärke der Hand deines Gegners. Als generelle Faustregel lässt sich sagen, dass, je mehr mögliche Kombinationen der Gegenspieler schlägt, desto größere Bets er gewillt ist, zu callen. Natürlich gibt es auch immer Ausnahmen. Jeder ist schon einmal auf den sturen Spielertypen gestoßen, der einfach immer zum Showdown kommen will, wenn er irgendetwas auf der Hand hat. Wenn du bemerkst, dass jemand auf diese Art spielt, kannst du deine Bets gegen ihn ruhig höher ansetzen.
Betrachte diese Frage einmal aus einer anderen Perspektive. Wir bekommen oft zu sehen, dass professionelle Pokerspieler auf dem River 20 - 30% des Pots setzen. Warum machen sie eine so kleine Bet? Dies passiert meistens dann, wenn die Hand deines Gegenspielers leicht zu erkennen ist: etwas, aber nichts allzu Starkes. Bei diesen Bets handelt es sich fast immer um Value Bets. In solchen Situationen bieten die Spieler dem Gegner sehr attraktive Pot Odds an, sodass dieser einfach mitgehen muss.
In diesen beiden Artikeln habe ich versucht, auf ein paar häufige Fehler in Bezug auf zu große Bets hinzuweisen. Poker ist jedoch ein unglaublich komplexes Spiel und nichts, was darüber gesagt wird, ist in Stein gemeißelt. Wir können euch allgemeine Tipps geben, doch gibt es natürlich auch immer Spielraum, um von der grundlegenden Strategie abzuweichen, wen die Situation dies erfordert.

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