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Advanced Continuation Betting - Information
Advanced (Continuation) Betting - Information

Im letzten Artikel zum Thema "Advanced Continuation Betting" habe ich über einen Nebeneffekt der Continuation Bet geschrieben: Protection. Eine Value- oder Bluffbet kann neben Protection aber auch einen weiteren, sehr hilfreichen Effekt haben: Sie kann uns Informationen über die gegnerische Hand vermitteln. Ihr habt mich oder andere erfolgreiche Spieler in Trainings oder Videos sicher schon oft sagen gehört "Man sollte nicht 'for information' betten.". Dieses Statement beinhaltet natürlich ein großes Stück Wahrheit, aber wie immer im Leben - und besonders in Poker - gibt es Ausnahmen zur Regel. Heute möchte ich mit Hilfe eines Handbeispiels erklären, in welchen Situationen der Nebeneffekt "Information" dazu beitragen kann, durch (Continuation) Betting profitable Entscheidungen treffen zu können.

Der Sideeffekt "Information"

Viele unerfahrene Spieler treffen häufig Aussagen wie "Ich bette jetzt einfach mal, um zu sehen wo ich stehe". Diese Herangehensweise wirkt nicht sonderlich fundiert und durchdacht, und das ist sie in diesem Fall auch nicht. Eine Bet zu machen mit der Absicht, herauszufinden, was der Gegner hat, kann nicht wirklich wünschenswert sein, denn das Ziel einer Bet sollte grundsätzlich immer der maximale Profit (EV) sein. Man möchte den aktuellen Pot entweder dadurch gewinnen, dass der Gegner mit einer schlechteren Hand callt oder eine bessere Hand foldet. Dabei hilft isoliert betrachtet die Information, ob der Gegner eine starke, schwache oder gar keine Made Hand hält erstmal nicht. Man müsste diese "gewünschte" Information immer noch in Relation zur eigenen Hand setzen, aber leider erhält man sie ja erst, nachdem man gebettet hat. Daher sollte das ursprüngliche Motiv immer sein, den maximalen Erwartungswert mit einer Bet durch Annahmen über die gegnerische Handrange zu erreichen. Die erhaltenen Informationen über die mögliche Stärke der gegnerischen Hand kann man dann allerdings für Entscheidungen auf zukünftigen Straßen verwenden.

Der Tausch von "Information" gegen EV-Maximierung

Umgekehrt betrachtet kann "nicht betten" dazu führen, dass man wenig bis gar keine Informationen über die tatsächliche gegnerische Handstärke erhält. Das kann besonders problematisch sein, wenn man nach alternativen Lines für Made Hands sucht, die durch Betten sowohl keinen (bzw. zu wenig) Value erzeugen als auch keine (bzw. zu wenig) besseren Hände zum Folden bringen können.
  • Beispiel:
     
Dieses Handbeispiel zeigt recht deutlich das Dilemma, in das einen sowohl ein Check wie auch eine Bet bewegen kann. Checkt Hero hier und Villain betted, kann Hero kaum ohne ganz spezifische Reads bestimmen, ob Villain blufft oder nur bessere Hände bettet. Die mögliche Information, die Hero durch seinen Check und Villain's Bet erhalten kann, ist weitaus geringer als die Information, die Hero erhalten würde, wenn er selbst bettete. Bessere Hände ( oder ) werden mit Sicherheit niemals folden, und es gibt kaum schlechtere Hände (bis auf kleinere Pocket Pairs), die realistischerweise oft callen würden, aber Hero ist um die Information reicher, dass Villain eine im Schnitt stärkere Handrange weiterspielt. Zudem bewirkt eine Bet den bereits im letzten Artikel erörterten Protection Effekt. Würde Villain schlechtere Hände (vor allem Pairs) halten und Freecards bekommen, könnte er auf Turn oder River eine bessere Hand machen ohne dass Hero irgendwelche Informationen darüber hat. Befindet sich Hero dann im Calldown Modus, um zu versuchen, seine Könige so günstig und profitabel wie möglich in den Showdown zu führen, tappt er postflop bis zum River im Dunkeln über Villain's tatsächliche Handrange. Der Fehler, über 3 Straßen ein , eine oder eine unterwegs gemachte, bessere Hand auszuzahlen, wäre katastrophal hoch.

Da es somit im Verlauf dieser Handkonstellation schwierig sein wird, Value aus Hero's Kings zu extrahieren ohne konkrete Reads auf Villain's Bluffing Tendenzen und Frequenzen, muss Hero sich die folgende Frage stellen: Tauscht er die Möglichkeit, die Hand durch eine Flopbet und die gewonnene Information bei einem Call möglichst früh zu beenden, gegen das Potential ein, seine Kings mit einer EV-maximaleren Check/Call Line zu spielen um den eigentlichen Value aus Villain's möglichen Bluffs ziehen zu können.

Solche Situationen können recht häufig vorkommen und man muss entscheiden, welcher Weg gegen einen bestimmten Gegner am ehesten profitabel sein wird. Zumeist sind es Spots, in denen der zu gewinnende Value einer Bet im Schnitt eher mager ausfallen wird, weil die Bet die eigene Hand evtl. überrepräsentieren könnte (wie im obigen Beispiel: Mit einer Flopbet repräsentiert Hero in den Augen des Gegners oft eher ein ). Andererseits bekommt man mit einer Bet auch kaum bessere Hände zum Fold, aber man gewinnt als Nebeneffekt wertvolle Informationen, die man im weiteren Handverlauf verwenden kann, um die Hand profitabel zu Ende zu spielen. Gleichzeitig vermeidet man, schwerwiegendere, fehlerbehaftete Entscheidungen auf späteren Straßen treffen zu müssen. Ob man den Informationseffekt einer Bet benötigt oder auf eine Bet, die keinen der Zwecke "Value" oder "Bluff" erfüllen kann, verzichtet, hängt im Spiel maßgeblich von Reads auf die spezifischen, beteiligten Gegner ab.


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